Lasst uns 1 Prozent gegen die Armut spenden!

2800 Franken genügen, um einen Menschen vor Malaria zu retten: Eine Krankenschwester betreut ein Baby hinter einem Moskitonetz in Mosambique. Foto: Keystone

2800 Franken genügen, um einen Menschen vor Malaria zu retten: Eine Krankenschwester betreut ein Baby hinter einem Moskitonetz in Moçambique. Foto: Keystone

Nach wie vor sterben jeden Tag über 20’000 Kinder an den Folgen der globalen Armut. Es fällt nicht leicht, sich dieses Leid vorzustellen und wirklich vor Augen zu führen. Vergegenwärtigen wir uns die Fakten trotzdem: Stellen wir uns vor, das Massensterben ereignete sich in unserer eigenen Stadt. Auf dem Weg zur Arbeit werden wir täglich mit dem unvorstellbaren Leid konfrontiert – den 20’000 Kindern, direkt neben uns. Wie reagieren wir? Würden wir zum Beispiel viel mehr Geld spenden, unsere Berufswege auf die Leidminderung ausrichten und wirksame politische Massnahmen unterstützen?

Falls ja, stellt sich die Frage: Reagieren wir gleich, wenn sich die Katastrophe in der Nachbarstadt zuträgt? Im Nachbarland? Auf dem nächstgelegenen Kontinent? Weshalb sollte die räumliche Distanz eine Rolle spielen? Gleiches Leid wird nicht dadurch weniger schlimm, dass man es geografisch verschiebt. Es scheint widersprüchlich und irrational, aktive Leidminderung nur dann für wichtig zu halten, wenn sich das Leid in der Nähe abspielt.

Zumindest in Umfragen stimmen die meisten Schweizerinnen und Schweizer einer wichtigen Schlussfolgerung dieser Argumentation zu: Über zwei Drittel wollen, dass die Schweiz mehr Entwicklungshilfe leistet. Trotzdem investierte der Bund 2015 nur 0,52 Prozent des BIP und hat den Anteil vor kurzem sogar noch gesenkt. Damit entfernt er sich weiter vom UNO-Mindestziel von 0,7 Prozent. Manche weniger wohlhabende Länder – etwa Dänemark, Schweden oder die Niederlande – leisten bedeutend mehr Entwicklungszusammenarbeit als die «humanitäre» Schweiz.

Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung für Effektiven Altruismus in Zürich kürzlich die städtische Volksinitiative «1% gegen die globale Armut» lanciert. Die Initiative enthält drei Punkte: Erstens soll 1 Prozent des städtischen Budgets zur effektiven Weltarmutsbekämpfung eingesetzt werden. (Zum Vergleich: Die Stadt Genf engagiert sich bereits mit 0,7 Prozent ihres Budgets für die Entwicklungszusammenarbeit.) Zweitens muss die Wirksamkeit der unterstützten Massnahmen wissenschaftlich gut belegt sein (insbesondere durch randomisiert-kontrollierte Studien). Drittens setzt sich die Stadt auf Bundesebene dafür ein, dass die Entwicklungszusammenarbeit mit 1 Prozent des BIP unterstützt wird.

start 1 prozent initiative zurich

Klare Forderung: Start der 1-Prozent-Initiative.

Diese Forderungen sind sehr bescheiden: Man stelle sich vor, was geschehen würde, wenn aufgrund permanenter Katastrophen in der Schweiz jeden Tag Tausende Kinder sterben würden. Es würden gigantische Ressourcen in Bewegung gesetzt, um das Leiden und Sterben zu stoppen. Wenn wir in unserer realen Situation hingegen kaum etwas tun, dann drücken wir damit faktisch aus: Ein Menschenleben in fernen Ländern ist viel weniger wert als ein Menschenleben in der Schweiz. Doch wer würde sich, nach reiflicher ethischer Überlegung, wirklich hinter diese krasse Diskriminierung aufgrund des Geburtsorts stellen?

Es verbleibt die Frage: Steht die Initiative angesichts der verbreiteten Zweifel am Nutzen der Entwicklungshilfe empirisch auf brüchigem Grund? Einige Ökonominnen und Ökonomen sind der Meinung, dass die Entwicklungszusammenarbeit unter dem Strich bisher wenig bewirkt hat, netto vielleicht gar neutral, also wirkungslos war. Dieses Ergebnis liesse die folgenden beiden Interpretationen zu: Entweder ist jede einzelne Hilfsmassnahme wirkungslos; oder einige Hilfsmassnahmen sind schädlich, einige wirkungslos und einige hochgradig positiv, sodass netto auch ein neutraler Effekt resultiert. Letztere Interpretation ist statistisch viel wahrscheinlicher.

Daraus folgt, dass es hochgradig positive Massnahmen geben muss. Wir können sie wissenschaftlich ausfindig machen und selektiv fördern. Die Ökonominnen und Ökonomen des unabhängigen Hilfswerk-Evaluators Give Well etwa haben Hunderte Projekte untersucht und kamen zum Schluss, dass für die Wirksamkeit vieler Massnahmen überhaupt keine Evidenz vorliege, während manche aber bis zu 100-mal effektiver seien als der Durchschnitt. Die untersuchten Studien zeigen zum Beispiel, dass es bereits mit 2800 Franken möglich ist, ein Menschenleben vor Malaria zu retten beziehungsweise viele Krankheitsfälle zu verhindern, und dass davon auch längerfristig positive Effekte ausgehen (etwa punkto BIP-Entwicklung, Schulbildung und Geburtenrate).

Selbst und gerade diejenigen, die der Entwicklungshilfe insgesamt skeptisch gegenüberstehen, sollten sich also dafür aussprechen, dass die wenigen hochwirksamen Massnahmen gezielt gefördert und skaliert werden. Genau dafür spricht sich die 1-Prozent-Initiative aus.

 

35 Kommentare zu «Lasst uns 1 Prozent gegen die Armut spenden!»

  • Julia Schmid sagt:

    Je mehr Geld verteilt wird ,je schlechter die Eigeninitiative.Das zeigt bereits der Sozialgeldfluss in der CH.An einem Ende wird nichts mehr aufgebaut,auch weil am andern die Alterspflegekosten ins Unermessliche steigen.Und jeder überwacht den anderen was der wohl alles abkassiert.

    • Matthias sagt:

      Das heisst, je weniger Geld ich verteile, je mehr ich für mich selbst behalte und je weniger ich mich engagiere, desto mehr hilft das notleidenden Menschen in der ganzen Welt? Tolle Sache! Und vor allem unglaublich bequem für mich. Da kann ich mich ja einfach auf dem Sofa zurücklehnen und den Dingen ihren Lauf lassen, mit dem wohligen Gefühl, damit den Hungernden in aller Welt am allerbesten zu helfen. Aber, mal ganz ehrlich, glauben Sie das wirklich? Also, für mich tönt das irgendwie etwas zu schön um wirklich wahr zu sein.

  • Oskar Brunner sagt:

    Lasst uns 1% spenden.
    Nette Idee und wo integrieren wir die Geretteten?

    • Ronnie König sagt:

      Bei denen zuhause, sie zeigen perfekt mit ihrem Satz, dass sie wieder einmal gat nichts begriffen haben! Lassen sie doch das Schreiben bis sie vertanden haben um wa es da eigentlich geht. Nicht wir integrieren dort, das können diese Menschen dort um Welten besser wie wir. Man sollte ihnen nur eben die Mittel entsprechend ermöglichen oder geben, denn wir brauchen auch nicht täglich einen Vormund. Von sich sollte man auch nicht ständig auf andere schliessen, es wäre schön, wenn sie das endlich mal begreifen würden.

  • Paul Kaegi sagt:

    „Lasst uns spenden“ damit meint der Autor, der Staat soll spenden aber ich soll vetschont werden, denn ich lebe auch von der Gesellschaft (vom Staat).

  • Pascal Sutter sagt:

    Die fetten Schweizer können ruhig etwas teilen. Schliesslich leben sie gut auf Kosten der Ärmsten, auch wenn das niemand zugeben will.

    • Susanne Reich sagt:

      Bin froh Pascal Sutter, dass ich nicht Ihr doch sehr einfaches Weltbild habe. Die Schweizer hatten, haben und werden viel arbeiten, sofern man sie denn lässt, geben von ihrem Lohn – zumindest der Durchschnittsverdiener – einiges ab. Wie es Julia Schmid schreibt, führt mehr Geld – ist auch meine Erkenntnis – zu immer grösserer Passivität seitens der Empfänger, auch in der Schweiz, jedenfalls zum Teil. Man müsste diese Menschen, ob hier oder dort, unterstützen, doch eben Hilfe zur Selbsthilfe.

    • Kurt Bosch sagt:

      Wie stark wir die Armut in Afrika mitverschulden, ist keine einfache empirische Frage. Aber sie ist für die Beurteilung unserer Hilfspflichten auch nicht unbedingt relevant. Die von der Armut Betroffenen interessieren sich in erster Linie dafür, dass ihnen geholfen wird und weniger dafür, von wem ihre Situation mitverursacht wurde, auch wenn die Hilfe natürlich diese Ursachen angehen sollte.

  • Ralf Schrader sagt:

    Welchen Sinn macht es, einerseits das Weltbevölkerungswachstum zu beklagen und andererseits das Leben von Menschen verlängern zu wollen? Ein wesentliches Merkmal der Moderne ist das Fehlen konsistenter Modelle, alles widerspricht allen. Energie sparen aber kritiklos Ressourcen in die Lebenserhaltung und -verlängerung zu pumpen.

    Europa ist einst Weltmacht geworden, ohne Entwicklungshilfe, allerdings auch ohne Störungen von aussen. So könnte es auch in Afrika oder Asien klappen. Keine Entwicklungshilfe, aber auch kein Abfluss des Reichtums, auch des Reichtums an Menschen, nach Europa und Nordamerika.

    • Matthias sagt:

      Nun zeigt die empirische Erfahrung aber, dass Armut und Not (und unter anderem hohe Kindersterblichkeit) das Bevölkerungswachstum eher anheizen während Wohlstand und eine kleine Kindersterblichkeit dieses bremsen. Und folgenden Satzteil haben Sie möglicherweise überlesen: „… und dass davon auch längerfristig positive Effekte ausgehen (etwa punkto BIP-Entwicklung, Schulbildung und Geburtenrate).“ Kurz gesagt: Ja, wenn Sie weniger Bevölkerungswachstum wollen, dann müssen (unter anderem) die medizinische Versorgung verbessern und die Kindersterblichkeit senken. Tönt vielleicht erst mal widersprüchlich, aber Sie sehrn ja: Gerade bei uns im Westen, wo die medizinische Versorgung am besten und die Kindersterblichkeit am geringsten ist, ist auch das Bevölkerungswachstum am geringsten!

  • Robert F. Reichmuth sagt:

    (…) ökonomisches Denken und Ethik direkt zu verbinden.“
    .
    Im wahrsten Sinne des Wortes – zu jeder Zeit ein maximal humanes Unterfangen. Trotzdem, ich bleibe aufgrund direkt-demokratischer Selbsterfahrung, weiterhin sehr skeptisch gegenüber jeglicher Entwicklungshilfe, die die Begrenzung der HILFE vor ORT – auf
    .
    HILFE zur SELBSTHILFE
    .
    missachtet!

    • Alessia Bellini sagt:

      Lieber Herr Reichmuth, ich stimme ihrem Punkt zu und ich glaube, Mannino würde das auch. Die von Mannino genannten Entwicklungsmassnahmen verstossen zumindest nicht gegen das Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“: Die Against Malaria Foundation verteilt Moskitonetze in von Malaria betroffenen Ländern, welche die Leute nachts vor den Mücken schützen. Ein anderes effektives Hilfswerk, die Deworm the World Initiative, verteilt Tabletten an Schulen, welche die Kinder vor parasitischen Wurminfektionen schützen. Beide Massnahmen führen zu einem „Empowerment“ der lokalen Bevölkerung: Sie erhöhen die Schulanwesenheit der Kinder, was nachweislich ihre Bildung und später ihr Einkommen verbessert, was sich positiv auf die lokale Wirtschaft auswirkt. Hilfe zur Selbsthilfe par exellence, nicht?

  • r. wetter sagt:

    in die armut der schweizer bevökerung oder in die armut in afrika?
    was ist eigentlich aus den zig milliarden passiert die nach afrika gepumpt wurden?

  • Peter sagt:

    Wie wäre es statt zu spenden und nur oberflächlich was leisten, wenn wir an unseren Schweizer Firmen endlich mal ein Ultimatum stellen! Zum Beispiel Nestlé? oder wie wäre es wenn Sie mal einen Artikel bringen der die dunkeln Seiten solcher Firmen aufzeigen.. Denn ohne diese Firmen gäbe es weniger Armut und dann würden die auch nicht von Ihrer Wirtschaft flüchten damit auch Herr Brunner zufrieden ist!
    Lieber das eigene Konsumverhalten ändern und aufhören solche Produkte wie Cocal Cola, Nestlé etc. zu kaufen und somit indirekt die Armut unterstützen!

    • will williamson sagt:

      Beispiel Nestle und Wasser: Wenn in manchen Ländern nich korrupte Regierungen am Ruder wären, die nichts für eine saubere Wasserversorgung unternehmen, dann hätte Nestle erheblich geringere Chancen, ihr Flaschenwasser zu verkaufen. Zumindest die Armen wären dann nicht zum Kauf gezwungen, damit sie nicht vom verseuchten Wasser krank werden.

  • Leser sagt:

    Ein Altruist der zu allererst mal von anderen etwas fordert. Guter Witz, Herr Mannino.
    Wer steckt eigentlich hinter ihrer „Denkfabrik“? (Und ist denken nicht eher ein individuelles Ding, statt einem industriell in Fabriken gefertigten Massenprodukt?)

  • ely berger sagt:

    Lasst uns die zügellose Habgier in uns massiv drosseln, und nur noch Produkte kaufen, die artgerecht bzl. Natur, Tier und Mensch hergestellt werden. Millionen von Personen in aller Welt wird es uns danken. Das ist gelebter Altruismus und Achtung vor sich und den andern.

  • Romy sagt:

    Die Entwicklungshilfe gehörte nicht erhöht, sondern endlich eingestellt und die Ideologen sollen bitte vor Ort brauchbare Entwicklungshilfe leisten. Seit ich denken kann verpufften Milliarden an Entwicklungsgeldern bzw. Steuergeldern für nichts und wieder nichts, mit Ausnahmen die an einer Hand abzuzählen sind. Statt den Ländern Anreize zu schaffen wie man eigenständig Brunnen baut zur Trinkwassergewinnung / Bodenbewässerungen und Einweisung zur Bewirtschaftung von Gemüsegärten etc. meinen diese Ideologen, mit Geldüberweisungen sprudle Wasser und wachse Gemüse von alleine. Kein pfannenfertiger Fisch, sondern die Angel wie man diesen fischt ist angesagt. Mit unseren Steuergeldern bzw. Entwicklungshilfe bauen sich die dortigen Potentaten herrschaftliche Villen für den ganzen Clan.

    • Anne sagt:

      Romy, Sie haben offenbar keine Ahnung, wie Entwicklungshilfe heutzutage funktioniert. Keine Organisation überweist einfach Gelder an Regierungen. Stattdessen arbeiten sie mit langjährigen, vertrauenswürdigen, lokalen Partnern zusammen, die genau Rechenschaft ablegen müssen. Die Organisationen geben Wissen an die Menschen vor Ort weiter: Hilfe zur Selbsthilfe ist die Devise. Zudem versucht man, mit (Lokal-)Regierungen zusammenzuarbeiten.

      Endlich die Agrarsubventionen in Europa abschaffen und unsere Überschüsse billig nach Afrika verschicken, wäre ein richtiger Schritt: Denn gegen die Billigimporte aus Europa kommt kein afrikanischer Bauer an. Der Wandel muss hier anfangen.

  • Martin Frey sagt:

    Tja, wenn es nur so einfach wäre. Dann hätte wohl niemand etwas dagegen, auch mehr als 1 % abzugeben um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das Problem ist doch vielmehr, dass die meisten traditionellen Entwicklungshilfemethoden und -projekte einer Prüfung zur Nachhaltigkeit nicht standhalten, und die Bilanz nach über einem halben Jahrhundert Transferzahlungen und Massnahmen unter dem Strich vernichtend ist. So gesehen ist es verständlich, dass sogar nahmhafte Oekonomen aus der 3. Welt die bisherigen Anstrengung grundsätzlich hinterfragen.
    Wenn schon müsste man zuerst eine kritische, jedoch professionell durchgeführte Analyse des Sinnvollen und Machbaren durchführen (wie zb. iR des Copenhagen Consensus) und sich dann danach orientieren. Das aber wird auch mit 1% nicht passieren.

  • will williamson sagt:

    „Einige Ökonominnen und Ökonomen sind der Meinung, dass die Entwicklungszusammenarbeit unter dem Strich bisher wenig bewirkt hat, netto vielleicht gar neutral, also wirkungslos war.“
    Was die Ökonomen dazu meinen, ist nicht unbedingt relevant. Peter Lynch hat geschrieben, wenn man alle Ökonomen dieser Welt einfach aneinander reihen würde, wäre es nicht das Dümmste was man mit ihnen machen kann. Damit die Entwicklungshilfe wirkt, muss man es eben richtig machen. Vor allem kein Geld oder Material in Länder schicken in denen es dann in den Taschen korrupter Eliten landet. Die Projekte müssen vor Ort von Leuten aus der CH begleitet und überwacht werden. Keinen Fisch schicken, sondern die Leute fischen lehren!

  • Roland K. Moser sagt:

    Die Entwicklungshilfe richtet nur Schaden an.
    Besser ist es, das Geld in der Schweiz für AHV/IV, die Sozialhilfe und die Rückzahlung der Schulden von Bund, Kantonen und Gemeinden zu verwenden.

  • Hans sagt:

    Sie können privat spenden, soviel sie wollen – von ihrem Geld. Steuern dienen aber einem anderen, klar definierten Zweck – sie sollen das, was man allgemein als „service public“ bezeichnet finanzieren. Und vor allem: sie sind nicht freiwillig. Sie können nicht Menschen zuerst Geld nehmen, um es dann weiterverschenken ohne dass es dem Gemeinwesen für das es gedacht war zugute kommt.
    Falls in einem Budget mehr Geld als nötig vorhanden ist, lautet die einzige Konsequenz: Steuern senken. Spenden können sie dann selber.

    • Tom Schott sagt:

      Sie scheinen zu denken, dass irgendjemand jemand anderem Geld wegnehmen will, um es weiterzuverschenken. Dabei geht es um eine Initiative, über welche im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung entschieden werden soll. Wird sie angenommen, dann bedeutet das, dass die Zürcher Bevölkerung gemeinsam 1% spenden möchte, und nicht etwa, dass ein böser Linker einem rechtschaffenen Rechten schon wieder etwas wegnehmen will.

  • Arnold Gasser sagt:

    Und wenn alle gleichviel Wert sind, wer bestimmt dann, wer davon profitiert und wer nicht? Denn, so viele Prozente, wie es bräuchte, sind gar nicht zahlbar. Und wieso ein Prozent und nicht was alles über dem Überlebensminimum liegt? Ist ein Menschenleben in der Ferne weniger Wert als all den Luxus, den wir uns leisten? Wenn man richtig viel Geld zum Verteilen will, wäre es besser, sich für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer stark zu machen und dann zuzusehen, wie man an diesen Topf kommt. Die Armut wächst ohnehin überproportional zur getätigten Hilfe.

    • Tom Schott sagt:

      Das eine tun bedeutet ja nicht, das andere lassen zu müssen! Bei der Einführung der Finanztransaktionssteuer bin ich sofort mit im Boot. Kann man irgendwo gerade für Manninos und Ihre Initiativen zusammen unterschreiben und wenn möglich auch gleich noch gegen die Abzockersteuerreform III?

  • Ronnie König sagt:

    Weitgehend einverstanden! Aber im Detail steckt der Teufel, und den kennt man nur, wenn man vor Ort gelebt hat, weiss wie man sich im Slum, im Busch und den Dörfern sich bewegt, die quasi gelernt hat zu lesen. Es braucht in der Tat oft sehr wenig um etwas ins Rollen zu bringen. Aber ohne den Willen und Einsatz der Empfänger ist alles zum Scheitern verurteilt, ob nun in Asien, Afrika oder Amerika. Die grosse Kunst liegt nicht im Geld verteilen, sondern die falsche hohle Hand von der richtigen zu Unterscheiden, und die oben so einzubinden, dass sie ihren Vorteil sehen, jene unten aber mehr profitieren können. Das ist nicht der Idealfall, sondern das minimale Ziel, denn so läuft nachher alles viel besser und länger. Und entwickelt sich weiter, gibt Hoffnung, Heimat und Brot. Das wollen sie.

  • werner boss sagt:

    Ach so, nun beginnt man erst mal mit Studien! Wo ist den die ganze -bald 100 jährige Erfahrung geblieben? Es war eben doch das zu einem grossen Teil Kontraproduktiv was da gewurstelt wurde ! Man muss ja nichts zugeben.Aber auch keine Studien machen. Sondern endlich das tun was schon viele gesagt haben !Achtung und Stolz auf sich selbst hat man nur wenn man SELBER etwas erreicht! Ist zudem auch ein guter Zeitvertrieb……

  • Eduardo sagt:

    Der Hauptgrund für Armut und Elend weit vor allem anderen ist das unaufhaltsame und verheerende Bevölkerungswachstum in so gut wie allen armen Ländern.

    Helfen würde deshalb ausschließlich eine Familienplanung mit nur zwei Kindern pro Familie, die so halbwegs anständig untergebracht, ernährt, gekleidet, medizinisch versorgt und ausgebildet werden könnten, anstelle eines völlig verantwortungslosen Kinderkultes mit fünf, sieben, neun und mehr Kindern.

    Die Bevölkerung Afrikas, schon jetzt ein weitgehend hoffnungsloser Elendskontinent, wird sich bis 2055 von heute 1,15 auf 2,3 Milliarden Menschen verdoppelt haben und bis 2100 vermutlich vervierfacht.

    Zynisch gesagt wird das noch viel mehr Arbeit und Lebenssinn für unsere Entwicklungshelfer bringen.

    • Tom Schott sagt:

      Erstens: Wer will es Eltern in der dritten Welt verübeln, dass sie zur Sicherung der Altersvorsorge Kinder haben MÜSSEN, wenn sie dereinst nicht hungern und betteln wollen? Und zweitens: Es gibt durchaus auch Entwicklungshilfe, die genau auf die Eindämmung der Geburtenrate abzielt. Klar, auch das Verschenken von ausgedienten TV-Geräten würde dabei helfen, aber um gleichzeitig auch das Altersvorsorgeproblem anzugehen, reichen eben ein paar private Gesten nicht aus. Stimmt richtig, liebe Zürcher, ich darf leider nicht mithelfen…

  • Dorotée sagt:

    Das ganze Geld der Entwicklungshilfe sollte nur für Löhne gegen Leistung, Bildung und Material ausgegeben werden. Einfach noch mehr, damit noch mehr Kinder geboren werden, noch mehr Flüchtlinge generiert werden, und noch mehr gefordert wird, nein. Dann lieber gar nichts mehr. Was haben die x Billionen in über 60 Jahre, also, mehr als 3 Generationen gebracht?

  • Tom Schott sagt:

    Zeigen Sie mir doch einmal das Entwicklungshilfeprojekt, welches die Förderung der Geburtenrate in einem Entwicklungsland zum Ziel hatte! Oder das Projekt, welches mehr Flüchtlinge generiert hat? Letzteres passiert vielleicht nach Waffenlieferungen, aber dabei handelt es sich eher nicht um Entwicklunghilfe, auch wenn sich auf diese Weise die Geschäfte und Gewinne der Lieferanten natürlich sehr erfreulich entwickeln. Wenn man vor lauter Ignoranz sogar einfach ein x schreiben muss, weil man die Zahl nicht kennt, wieso hält frau dann nicht einfach den Mund?

  • Beobachter sagt:

    Ethik, das ich nicht lache. Ich bin mir sehr sicher, dass der gesamte Erlös des Buches nicht in die eigene Organisation oder Tasche geht, sondern nach Afrika gespendet wird, wo die Menschen das Geld brauchen können. Nur so nebenbei: Ein Bekannter ist Grossindustrieller in Tansania seit vielen Jahrzehnten und schafft dort tausende von Arbeitsplätzen. Kürzlich meinte er zu mir: Ich kann Dir sagen, die korrupten Staatsangestellten stehen inzwischen wöchentlich vor unserer Tür und halten die Hand auf. Geben wir ihnen kein Geld, blockieren sie die gesamte Produktion, egal, ob dabei die eigenen Landsleute ihren Job verlieren. Afrika aber auch Südamerika, sind die korruptesten Kontinente überhaupt. Schaut doch die FIFA an. Woher stammen denn all die Verhafteten im Baur-au-Lac? Ja genau.

  • Ed Mancini sagt:

    Dieser „sales pitch“ wäre um einiges überzeugender, wenn irgendwo Erwähnung finden würde, dass 1% des Budgets der Stadt Zürich ca. 80 Millionen CHF (!) entsprechen. Ausserdem wird nicht ersichtlich, inwiefern ein mit 2’800.- CHF von Malaria gerettetes Menschenleben einen positiven Einfluss auf die (zu hohe) Geburtenrate haben soll – rettenswert ist das Leben dennoch allemal.
    Der springende und einzig positive Punkt ist die rigorose Beschränkung auf erwiesenermassen hochgradig hilfreiche Spendenprojekte – allerdings könnte man dann weniger spenden (anstatt auf 80 Mio. aufzustocken) und würde immer noch besser fahren als jetzt.

  • Hans Müller sagt:

    Es kann jeder spenden soviel er will, aber verschont die anderen von Euren Forderungen. Fakt ist ja, dass die meisten, die dauernd für Spendengelder werden, selbst von der Spendenindustrie leben und direkt von ihr profitieren und nicht etwa netto in diese einzahlen. Meist sind es staatliche Lohnempfänger oder NGO-Mitarbeiter mit einem direkten ökonomischen Interessen. Von wegen Altruismus, das ich nicht lache.

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