Spielwiese der Gesundheitsapostel

epa03362018 A cigarette pack with plain packaging is displayed at Parliament House in Canberra, Australia, 15 August 2012. The High Court of Australia today rejected the legal challenge by tobacco companies against Australia's plain packaging of tobacco laws. Australia's highest court ruled on 15 August 2012 it was legal for the government to make tobacco companies package cigarettes without prominent branding. The High Court found the latest anti-smoking legislation did not break laws requiring 'the acquisition of property on just terms'. It was a test case watched in Britain, Canada and New Zealand where there is pressure to follow the lead in further restricting tobacco advertising. World-first laws requiring almost identical olive-green packs with large, graphic health warnings were passed in 2011 and are to take effect in December 2012. EPA/LUKAS COCH AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

85 Prozent der Zigaretten-Packungsfläche ist mit Warnhinweisen bedeckt: Eine Raucherin in Australien. Foto: Lukas Coch (Keystone)

Die Tabakbranche gehört heute weltweit zu den am stärksten und mit unnötigen sowie restriktiven Vorschriften regulierten Branchen überhaupt. Kürzlich fragte mich ein älteres Mütterchen allen Ernstes: «Warum druckt ihr eigentlich so abscheuliche Bildchen auf eure Zigarrenpackungen?» Wie sollte ich das der guten Frau erklären? Dass Rauchen die Gesundheit gefährdet, hatte sie ja schon im Kindergarten gelernt. Und von einem Zigarrenraucher, der wegen seiner Gewohnheit, wie abgebildet, tot auf einem Schragen liegt, hatte sie in ihrem Leben auch noch nie etwas gehört. Und dann diese teils skurrilen Warnaufdrucke auf den Packungen von Tabakwaren. Wenn der Konsument dies immer wieder vor Augen gehalten bekommt, so registriert er diese Botschaften früher oder später nicht mehr. Damit wird auch der Zweck dieser Verordnungen der Gesundheitsbehörden obsolet.

Warum sich die WHO ausgerechnet den Tabak ausgesucht hat, um ihre Bemühungen zur Ausrottung einer weltweit sehr verbreiteten Gewohnheit hinsichtlich dieses Gewächses anzusetzen, bleibt unerfindlich: Niemand bestreitet die gesundheitliche Gefährdung des Rauchers, und niemand bestreitet den erforderlichen Schutz der Jugend vor dem Tabakgenuss (wobei das Wort «Genuss» im Zusammenhang mit Tabak schon anrüchig ist). Aber wir wehren uns gegen Auflagen, die den Rahmen der Verhältnismässigkeit sprengen, wie das Australien praktiziert. Dort sind sogenannte «Plainpacks» vorgeschrieben, 85 Prozent der Packungsfläche muss mit Warnbildern und Warnhinweisen bedeckt sein, 15 Prozent bleiben für die Darstellung der Marke bzw. des Herstellers. Das ist unverhältnismässig und ergibt auch keinen Sinn.

Hier kommen wir auf den Punkt. Es geht um die Verachtung des mündigen Bürgers und erwachsenen Rauchers. Wir haben nichts gegen die Tabakgegner und respektieren auch deren Argumente, aber wir wehren uns gegen militante Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation, die sich zum Ziel gesetzt haben, unsere gesamte Branche bis Mitte dieses Jahrhunderts zu vernichten. Aber wir lassen uns nicht abschlachten durch zusätzliche Regulierungen in einer Vielzahl von Ländern.

In der EU ist eine neue und verschärfte Tabakprodukte-Richtlinie in der Pipeline, d.h. in der Umsetzung in allen EU-Mitgliedsländern. Für Zigarren, Cigarillos und Pfeifentabak können die Mitgliedsländer «entschärfte» Vorschriften erlassen. Die Schweiz hat ebenfalls ein neues Tabakproduktegesetz auf der parlamentarischen Traktandenliste. Es ist ein verschärftes «Regelwerk» unseres Bundesamtes für Gesundheit, das in jeder Beziehung unnötig ist. Die Umsetzung kostet die Industrie nur Geld und wird weder Junge noch Alte vom Rauchen abhalten, trotz Ausdehnung der Werbeverbote. Es ist nicht die Werbung, welche die Jungen zum Rauchen verführt, sondern der Gruppenzwang. Hier muss die Prävention beginnen: in der Familie, in der Schule, bei der Ausbildung. Die oft kritisierte Werbung dient ausschliesslich dazu, den Raucher von der Konkurrenz zum eigenen Fabrikat abzuwerben.

Werbeverbote zementieren nur die bestehenden Positionen der Marktteilnehmer und verhindern die Einführung neuer und innovativer Fabrikate. Das Tabakwarengeschäft ist mehr als ausreichend reguliert und die Tabakbranche ist keine Spielwiese für unterbeschäftigte Gesundheitsapostel.