Gesucht: Parteipräsidenten

JAHRESRUECKBLICK 2015 - NATIONAL - Die Parteipraesidenten Christophe Darbellay, CVP, links, und Christian Levrat, SP, diskutieren vor der Elefantenrunde des Schweizer Fernsehens, im Hintergrund die SVP und FDP Praesidenten Toni Brunner, links, und Philipp Mueller, in der Wandelhalle des Nationalrats im Bundeshaus, am Tag der eidgenoessischen Wahlen, am Sonntag, 18. Oktober 2015 in Bern. Die TV- und Radiostationen der SRG SSR senden am Wahltag zum ersten Mal einen Teil ihrer Berichterstattung direkt aus dem Parlamentsgebaeude. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Wer nimmt an der nächsten Elefantenrunde teil? Die Parteipräsidenten im SRF-Wahlstudio. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Als wir beim Schweizer Fernsehen DRS zu Beginn der Achtzigerjahre zu den ersten sogenannten Elefantenrunden die Parteipräsidenten der vier Bundesratsparteien einluden, zierten sich die Herren noch und die einzige Dame auch: Eva Segmüller, die CVP-Nationalrätin aus St. Gallen und erste Frau, die eine Bundesratspartei präsidierte. Es war noch nicht üblich, sich der Öffentlichkeit so offen, auch verwundbar zu stellen, sich mit den Mitkonkurrenten am Bildschirm zu streiten. Wir dagegen wollten die Repräsentanten im Studio haben, wenn es um wichtige Abstimmungen und Wahlen ging. Auch in der Schweiz starteten wir so die personalisierte Politik, welche heute im Politalltag nicht mehr wegzudenken ist.

Nur: Wer bleibt in Erinnerung, wen sehen wir noch vor dem geistigen Auge im Fernsehstudio, wie sie agierten, stritten, sich damit ins Buch der Schweizer Fernsehgeschichte einzuschreiben vermochten? Es sind nur wenige: Helmut Hubacher beispielsweise, der Streitbare, der Unerschrockene, der über 15 Jahre die Sozialdemokraten anführte, Peter Bodenmann, sein Nachfolger, der heutige Briger Hotelier und «Weltwoche»–Kolumnist, Franz Steinegger, Katastrophen-Franz genannt, der auf Augenhöhe Bodenmann Paroli bot, oder Adolf Ogi, der mit seiner Sportvergangenheit den Glanz der sogenannten Prominenten aus der Boulevardpresse mit ins Studio brachte.

Gerade sie waren es, welche ein zwingend zu erfüllendes Qualifikationsmerkmal zur Präsidentschaft einer Partei hervorbrachten: die Bildschirm-, später die «Arena»-Tauglichkeit. Daran hatten und haben sich die Nachfolger zu messen. Und es stellt sich die Frage: Werden die jetzt abtretenden Parteipräsidenten Philipp Müller, Christophe Darbellay und Toni Brunner es schaffen? Werden sie in die Annalen der Geschichte eingehen?

Am ehesten noch Toni Brunner. Er will sich jetzt mehr als Bauer betätigen, sich wohl noch vertiefter in die Themen der Bundespolitik einarbeiten und möglicherweise auch eine Lücke in seiner Ausbildung schliessen und Sprachen lernen, um zu seiner «Arena»-Tauglichkeit auch noch bundesratstauglich zu werden. Er ist ja erst 41 Jahre alt.

Und jetzt: wen werden die Parteien hervorzaubern? Den Drang haben nur wenige. Einzig die SVP hat gehandelt. Der Berner Albert Rösti ist gesetzt. Ein Toni Brunner wird er dennoch nicht, zu artig, zu ernst, zu bernerisch: eben bedächtig. Besser sieht es bei der CVP aus. Obwohl selbst in der Partei wenig gelitten, wird Gerhard Pfister nicht zu umgehen sein, doch seine «Arena»-Tauglichkeit ist unbestritten. Aber kann der Mann aus dem Kanton Zug seine Partei glaubwürdig vertreten, deren Mitgliedschaft so weit auseinanderdriftet nach links wie nach rechts. Die CVP bräuchte eigentlich einen Brückenbauer. Und dann die FDP, die ihren umtriebigen Präsidenten Philipp Müller zu ersetzen hat. Der Berner Christian Wasserfallen hat als aussichtsreicher Kandidat bereits das Handtuch geworfen. Er hätte es wohl kaum in die Annalen der Geschichte geschafft: zu blass, auch zu beflissen. Und pikant: Es ist eine Frau, die jetzt als erst in den FDP-Ring steigt. Die Schwyzer Nationalrätin Petra Gössi will sich dem Auswahlverfahren stellen. Noch ist sie schweizweit nicht in Erscheinung getreten.

So bleibt den Medien, bleibt uns Zuschauerinnen und Zuschauern immerhin eine Frau, die es couragiert wagt. Sonst ist wenig Spektakel zu erwarten, eher Mittelmass. Eigentlich erstaunlich. Das Anforderungsprofil ist so klar wie unausweichlich. Nur die Parteien haben eines in den letzten dreissig Jahren, seit es die Elefantenrunde auch in der Schweiz gibt, noch nicht begriffen: Sie müssen eine zukunftsorientierte Personalpolitik betreiben, die über den nächsten Wahltermin hinausreicht. Auch da ist die SVP den andern Parteien immer weit voraus. Leider.