Zuckerbrot und Peitsche von Glencore & Co.

Jean Claude Gandur, president de la Fondation Gandur pour l'Art, parle devant une statue lors de la presentation du projet Under One Roof sur le campus de l'EPFL ce lundi 23 fevrier 2015 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Ölhändler, Kunstmäzen – und kein Freund der Pressefreiheit: Jean Claude Gandur vor einer Statue an der ETH Lausanne. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Gleich zwei Vorlagen mit Bezug zum Schweizer Rohstoffplatz kommen am 28. Februar zur Abstimmung. Während über die Nahrungsmittelspekulation landesweit heftig debattiert wird, läuft die ebenso kontroverse Genfer Vorlage für den Ausbau des dortigen Musée d’Art et d’Histoire weit unter dem nationalen Medienradar. Dies obwohl ein Hauptgrund für die politische «Schlacht um das Museum» («Le Temps») in der Person respektive Profession von Jean Claude Gandur liegt. Der milliardenschwere Patron der beiden Handelsfirmen Addax und Oryx Group will nämlich bis zu 40 Millionen Franken in den Erweiterungsbau von Jean Nouvel investieren.

Die Motive dafür sind freilich nicht ganz selbstlos: Neben der obligaten Imagepolitur soll für den Kunstmäzen auch ein Ausstellungsraum für seine opulente Sammlung herausspringen. Für fette Schlagzeilen sorgt die Sache, spätestens seit Gandur die linke Tageszeitung «Le Courrier» wegen Rufschädigung verklagt hat. Ein unschmeichelhaftes, aber faktentreues Porträt hat den 66-jährigen Ölhändler so in Rage versetzt, dass er die Schweizer Pressefreiheit infrage respektive auf die Probe stellt.

Nun liesse sich diese Episode bequem als Eskapade eines Exzentrikers abbuchen, wären da nicht weitere Indizien für eine kommunikative Doppelstrategie aus Zuckerbrot und Peitsche, derer sich immer mehr Schweizer Rohstoffunternehmen bedienen. So hat Glencore, das unter anderem den Eishockeyverein Zug und die Tour de Suisse finanziell unterstützt, erst im November letzten Jahres der sambischen Zeitung «Daily Nation» mit einer Verleumdungsklage gedroht. Auslöser war deren Bericht über die mehr als nachvollziehbare Kritik von Staatspräsident Edgar Lungu an den Massenentlassungen in der Mopani-Kupfermine, einem Tochterunternehmen des Zuger Weltkonzerns. Zwecks Kostenoptimierung hat Glencore in Sambia rund 4000 Mineure auf die Strasse gestellt – unter skandalösen Bedingungen, wie die «Rundschau» gestern gezeigt hat.

Das ist manipulative Einflussnahme auf die öffentliche Meinung.

In der Schweiz laufen die zunehmenden Einschüchterungsversuche der Presse in aller Regel (noch) etwas subtiler. Ein aktuelles Beispiel für die fast branchenüblichen «Off the record»-Warnungen von Medienstellen an die Adresse recherchierender Journalisten ist die Reaktion von Trafigura auf eine Anfrage bezüglich des Handels mit Rohöl, das aus Quellen des Islamischen Staats stammen könnte. Darin wird unverhohlen mit einer energischen Intervention der Konzernanwälte gedroht, sollte der Firmenname in diesem heiklen Kontext auch nur erwähnt werden. Dass auch der jüngst hochgelobte Transparenz-Pionier einen solch aggressiven Ton anschlägt, gibt besonders zu denken.

Trafigura verfügt sogar über eine eigene Stiftung, die «der Nachhaltigkeit verpflichtete Entwicklungsprojekte» fördert. Die Liste der Schweizer Rohstoffsponsoren lässt sich übrigens beliebig verlängern. Das aserbeidschanische Energieunternehmen Socar etwa gehört zu den Hauptsponsoren des Montreux Jazz Festival, der Ölhändler Gunvor ist einer der wichtigsten Geldgeber vom Eishockeyclub Servette, und der Rohstoffmulti Cargill sponsert die Genfer Oper. Denn merke: Wer viele Imageprobleme hat, investiert viel ins Reputationsmanagement. Und dieses ist im Kern ja nichts anderes als die manipulative Einflussnahme auf die öffentliche Meinung und deren Vertreter – gerne mit Zuckerbrot und sonst halt mit der Peitsche.