Exzellente Bildung zum Schnäppchenpreis?

Der Hauswirtschaftsunterricht im Bildungszentrum Palottis in Schiers GR ist Teil des Programms «Sprache und Integration». Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Hohe Qualität, nicht nur in der Küche: Der Hauswirtschaftsunterricht im Bildungszentrum Palottis in Schiers GR ist Teil des Programms «Sprache und Integration». Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Die Stärkung des bürgerlichen Lagers bei den Wahlen im letzten Jahr zeigt Wirkung. Bei der Bildung müssen 500 Millionen Franken gespart werden. Es gehe nicht an, dass die Bildungsausgaben in den letzten zehn Jahren um 3 Milliarden Franken erhöht wurden, ohne dass die Schülerzahlen im gleichen Verhältnis gestiegen seien.

Dabei geht wohl vergessen, dass über ein Drittel der Mehrausgaben durch die schulische Integration entstanden sind. Im Zuge der Volksabstimmung «Neuregelung Finanzausgleich» im Jahre 2008 hat sich die Invalidenversicherung aus der Bildung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf zurückgezogen. Die Kosten wurden auf die Kantone verlagert, diese wiederum wälzten sie auf die Gemeinden ab. Die Schulen haben, meist ohne genügend finanzielle Ressourcen, aber mit grossem Engagement, das Unmögliche möglich gemacht und die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt.

Und nun soll im Bereich schulische Integration gespart werden? Nein! Wissen wir doch längst aus vielen Untersuchungen, dass dies einem Bumerang gleichkäme. Wer bei den Schwächsten der Gesellschaft spart, generiert früher oder später hohe Folgekosten bei den Sozialausgaben. Lebenslange IV-Renten, Erwerbslosigkeit oder Sozialhilfebezüge kosten ein Mehrfaches der Investitionen in die Bildung. Mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingskindern kommen zudem neue Herausforderungen auf die Schule zu.

Wenn es nötig wird, müssen wir die Steuern anheben.

Ich erwarte, dass die Politik mit Weitblick und Sorgfalt mit den wichtigen Errungenschaften der letzten zehn Jahre umgeht. Wir haben eine hohe Qualität in der Bildung erreicht, Leistungstests und Quervergleiche belegen dies. Das wirkt sich gewinnbringend auf alle Kinder aus. Dieser Spitzenplatz generiert Wohlstand und garantiert uns internationale Wettbewerbsfähigkeit. Hier bedeutet jeder kurzfristige Abbau eine nachhaltige Schädigung der Qualität des Unterrichts.

Der grösste Kostentreiber in der Bildung sind die Lehrerinnen- und Lehrerlöhne. Und nun soll in diesem Bereich gespart werden? Nein! Wissen wir doch längst, dass hoch motivierte und bestens ausgebildete Lehrpersonen der grösste Erfolgsfaktor für eine gelingende Schule mit den besten Leistungen ist. Also Hände weg von den Lehrerlöhnen!

Bliebe noch die Klassengrösse. Hier haben wir ein strukturelles Problem. Jede noch so kleine Gemeinde leistet sich eine eigene Schule mit Klassengrössen oft weit unter dem Richtwert. Dies führt dazu, dass die Durchschnittswerte nicht die Wirklichkeit abbilden. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten werden die Richtwerte andauernd überschritten. Also Hände weg von der Erhöhung der Klassengrösse!

Ein ruinöser Steuerwettbewerb in den letzten Jahren hat die Finanzen in den Kantonen teils dramatisch verknappt. Eine Gesellschaft, die sich der Bedeutung von Bildung für den eigenen Wohlstand nicht bewusst ist, schadet sich selber massiv und auf lange Zeit. Exzellente Bildung ist nicht zum Schnäppchenpreis zu haben, in sie muss investiert werden. Nötigenfalls mit dem Anheben von Steuern.