Ein Label für Krippen ist dringend nötig

Wer sich über die Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung informieren möchte, findet heute leichter Informationen denn je. Im Internet existieren Websites wie Comparis.ch mit umfassenden Vergleichen, Medien wie der Kassensturz beauftragen Forschungsinstitute mit Studien und in Internetforen tauschen sich User lebhaft über alle möglichen Dienste aus.

Fast keine Transparenz herrscht nach wie vor im Bereich der Kinderkrippen, obwohl gerade sie in einem äusserst sensiblen Bereich tätig sind. Einerseits leisten sie einen wichtigen Beitrag ans Wohlbefinden sowie an die Entwicklung von Tausenden von Kindern. Andererseits sind die Ausgaben für die externe Betreuung einer der grössten Budgetposten im Haushalt einer Familie. Ein passendes Angebot zu finden, ist daher besonders wichtig.

Die Nachfrage nach Plätzen ist nach wie vor derart gross, dass die Anbieter ohne grosse Anstrengungen ihre Dienstleistung verkaufen können.

Baby in einer Krippe in Nyon. (Foto: Keystone/ Laurent Gillieron)

Eltern müssen wissen, nach welchen Kriterien eine Krippe funktioniert: Baby in einer Krippe in Nyon. (Foto: Keystone/ Laurent Gillieron)

Die Intransparenz bei der externen Betreuung hat verschiedene Gründe: Die Nachfrage nach Plätzen ist nach wie vor derart gross, dass die Anbieter ohne grosse Anstrengungen ihre Dienstleistung verkaufen können. Hinzu kommt, dass im Markt wohl Hunderte von unabhängigen, kleinen Anbietern tätig sind, so dass kaum jemand die Übersicht hat und vermitteln kann. Schliesslich fehlen den Krippen selber oft das Geld und das Personal, um wenigstens selbst im Internet oder in einer ansprechenden Broschüre einen guten Überblick über das Angebot und beispielsweise die pädagogische Grundhaltung zu machen.

Mit ihrem Beschluss, ein Label für die Qualität von Kindertagesstätten zu lancieren, schaffen der Krippenverband Kitas sowie die Jacobs Foundation endlich eine Abhilfe. Im Frühling findet eine Testphase mit ersten Krippen statt, ab der zweiten Jahreshälfte zeichnen Kitas sowie Jacobs Foundation erste Institutionen offiziell aus. Eltern wissen dann: Krippen, die über das Label verfügen, genügen mindestens den üblichen Standards der Branche. In einem Transparenzbericht werden sie darüber hinaus erfahren können, in welchen Bereichen eine bestimmte Krippe besonders gut respektive eher unterdurchschnittlich ist.

Selbstverständlich wird die Auswahl einer Krippe trotz dieses Labels keine Sache von einigen wenigen Stunden sein. Auszeichnungssysteme bilden immer nur einen Teil der Realität ab. Wer wissen will, wo sich ein Kind wohl fühlen und gut entwickeln kann, wird auch weiterhin einen Augenschein vor Ort nehmen und ein Gespräch mit der Krippenleitung führen wollen. Das Label wird es den Eltern aber ermöglichen, sich wenigstens in nützlicher Frist einen Überblick über das gesamte Angebot einer Stadt zu verschaffen und an Hand dessen zu entscheiden, wo sich die Vereinbarung eines Besuchstermins lohnt.

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