Die armen Städte und ihre teuren Bauten

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Man mag es nicht mehr hören: Die armen Städte ächzen unter ihren Zentrumslasten, haben keine Stimme im (ländlichen) Umland und schon gar keine in Bundesbern. Mehr Geld fordern sie, mehr Mitsprache, ja gar eine eigene Vertretung im Ständerat.

Schaut man allerdings genau hin, stellt man als erstes einmal fest, dass dieselben Städte gerne viel Geld ausgeben. «Darf es nicht auch ein bisschen teurer sein?», scheint häufig ihre Maxime zu sein. Beispiele gefällig: Die geplanten Stadtzürcher Schulpavillons kosten ein Drittel mehr als diejenigen in Uster. Das neue Hardturmstadion soll doppelt so teuer werden wie die schmucke Luzerner Arena. Aber nicht nur Zürich übt gerne die grosszügige Geste. Die Stadt Bern, mit ihren 125’000 Einwohnern eigentlich ein grosses Dorf, leistet sich eine eigene Schulbürokratie, um die rotgrünen Bildungsideale gegen den bürgerlich dominierten Kanton zu verteidigen. Luzern unterhält das «notorisch defizitäre» (TA vom 10. Dezember) Kultur- und Kongresszentrum KKL. Von den Sozialtöpfen, die in den Städten meist üppiger dotiert sind als auf dem Land, gar nicht zu sprechen. Oder von den stets modernsten und mit allen Schikanen ausgerüsteten Trams und Bussen.

Die Städte suchen solche ‹Zentrumslasten› bewusst, um im regionalen, nationalen und internationalen Standortwettbewerb attraktiv zu sein.

Niemand verlangt von den Städten, so viel und so teuer zu bauen, wie sie es tun: Konzert im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL), August 2003. (Keystone)

Niemand verlangt von den Städten, so viel und so teuer zu bauen, wie sie es tun: Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL). (Keystone)

Eben haben die Stadtzürcher Stimmberechtigten knapp 90 Millionen für die Erweiterung des Kunsthauses gesprochen. Und sich damit quasi selber eine neue Zentrumslast aufgebürdet. Für wen? Für die Schwyzer, Zuger, Schaffhauser und Aargauer, deren dringendster Wunsch es ist, auf Kosten der Zürcher hoch subventionierte Kultur zu konsumieren?

Wohl kaum. Viel eher haben sie es für sich selbst getan. Und für ihre Stadt. Damit eben gerade jene Schwyzer, Zuger, Schaffhauser, Aargauer und noch ein paar andere nach Downtown Switzerland kommen und in den dortigen Restaurants, Hotels und Läden vielleicht auch noch einige Franken liegen lassen.

Wenn man sieht, wie die Universitätsspitäler um die immer teurere Spitzenmedizin buhlen, wie sie Starchirurgen zu sich locken, als bewegten sie sich auf dem Transfermarkt der Fussballer, dann wirkt die Diskussion um die Zentrumslasten nachgerade abstrus.

Gibt es irgendeinen Völkerrechtspassus oder sonst eine unabänderliche universelle Verpflichtung für die Städte, Universitäten, Opernhäuser, Museen – und was es sonst noch an teuren Einrichtungen gibt – zu betreiben?

Eben. Vielmehr ist es doch umgekehrt: Die Städte suchen solche «Zentrumslasten» bewusst, um im regionalen, nationalen und internationalen Standortwettbewerb attraktiv zu sein, zu werden oder zu bleiben. Sie sollen daher endlich aufhören, zu jammern. Und sich einfach das leisten, was sie sich leisten wollen. Und das dann so einrichten, dass sie es sich auch leisten können.

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