Diese Woche aufs Davoser Seehorn (GR)
Das Seehorn, 2238 Meter hoch, ist einer der Hausberge von Davos. Und es ist sozusagen ein Wander-Schnäppchen. In nur zwei, zweieinhalb Stunden ist man oben und bekommt eine berauschende Aussicht. Falls jemand diesen Herbst Ferien im Landwassertal plant: Dies ist der geeignete Gipfel, sie stilvoll zu eröffnen. Man schafft ihn bestens auch, wenn man erst am frühen Nachmittag startet, nach der Anreise am Morgen.
Peter und seine Sucht
Peter und ich starteten schon um zehn – und vielleicht ist hier der Moment, in Erinnerung zu rufen, was ich auch schon schrieb: Peter war ein Studienkollege und ist heute ein Bergfreund. Er hat viele gute Eigenschaften und eigentlich nur eine schlechte: Er ist Gerberkäsli-süchtig. Manchmal irritiert mich das, Peter mampft seinen Stoff so seltsam in sich gekehrt, er hört und sieht dann nichts mehr.
Bei Stilli ass Peter das erste Gerberkäsli. Viele andere würden folgen, aber lassen wir die Suchtsache und erklären lieber, wo Stilli liegt. Es handelt sich um eine Haltestelle des Davoser Ortsbusses (Linie 4 ab Dorf oder Platz) ziemlich am Anfang der Flüelapassstrasse. Hier wird der Wanderer in den Hang zur Linken gelenkt und beginnt den Aufstieg zum Seehorn.
Der Charme eines Zahnspangenmundes
Über dessen ersten Teil gibt es nichts Spektakuläres zu berichten. Man geht durch Wald, der von Forstwegen und -strässchen durchzogen ist, und gewinnt schnell Höhe. Von den rot-gelben Markierungen lasse man sich nicht verwirren, sie bedeuten, dass Wald- und Wildschutz herrscht.
Endlich kamen wir aus dem Wald. Wir fanden uns an einer steilen Grashalde. Sie führte zu einem Sattel. Dort erblickten wir geradeaus das Hüreli, linkerhand aber das Seehorn. Dessen Südflanke hat, fanden wir, den Charme eines Zahnspangenmundes: Metallene Lawinenverbauungen bleckten uns an. Die folgende Schlusspartie bereitete uns viel Freude, die Alpenrosenbüsche, das spärliche Gebirgsgras, die aus dem Grün ragenden Felsen.
Die Davoser Puppenstuben
Oben dann, auf dem mit Steinmännchen geschmückten Flachdach des Seehorns, eine Wucht von Panorama: Tief unter uns liegt Davos; aus dieser Perspektive nimmt sich die Alpenstadt aus wie eine Puppenstubensiedlung und wird niedlich. Die Flüelastrasse ist bis weit hinauf verfolgbar als ebenmässiges graues Band. Und natürlich reihen sich rundum Berge, von denen ich die wenigsten mit Namen aufzuzählen wüsste. Immerhin, souverän identifiziere ich die Weissfluh.
Wir schauten und schwelgten und waren uns einig, dass das Seehorn ins Palmarès jedes Wanderers von Ambition gehört. Es folgte der Abstieg, retour zum erwähnten Sattel und via den Alpboden von Drusatscha hinab zum Davosersee. Entlang den Gestaden trafen wir wieder den nichtwandernden Teil der Menschheit: ausländische Touristen, Familien mit kleinen Kindern, Alte, Behinderte. Es herrschte Kurstimmung. Peter und ich setzten uns auf eine Bank und picknickten.
Süsse Stängeli
Was Peter mit entrückter Miene ass, dürfte klar sein. Und ich? Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich mich selber oute. Seit langem nehme ich nur noch eines mit: Haselnussstängeli aus der Migros. Ein Sack versorgt mich zuverlässig für jede Art von Tour, die süssen Dinger sättigen und kräftigen und liegen gut im Bauch. Aber irgenwie ist das schon kurios: zwei Bergwanderer, von denen der eine nur Gerberkäsli isst. Und der andere nur Haselnussstängeli.
Infos
- Route: Bahnhof Davos-Dorf – Stilli – Sattel – Seehorn – Sattel – Drusatscha – Davosersee – Bahnhof Davos Dorf
- Dauer: 4 Stunden.
- Höhendifferenz: je 700 Meter auf- und abwärts.
- Charakter: einfache Bergbesteigung, mittlere Anstrengung.
- Höhepunkte: Die gewaltige Rundsicht vom Gipfel. Die Erholung des Auges vom Gebirge beim Anblick des blauen Davosersees.
- Keine Einkehr unterwegs.
- Landeskarte 1:25 000, 1197 „Davos“.
Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch, oder auf www.thomaswidmer.ch.


Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Simon Eppenberger ist Journalist und Bike-Coach. Seit seiner Jugend ist er auf zwei Rädern unterwegs. Ob Üetliberg oder Alpen, Pumptrack oder Abfahrt, die Leidenschaft fürs Biken lebt er auf den unterschiedlichsten Trails aus. Im Sommer leitet er einen Bike-Kurs für Jugendliche in Zürich, wo er auch wohnt. Er gehört zum Team hinter der Bike-Website
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den


















