Leben


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«Es tat extrem gut, dass so viele Leute hinter uns standen»

Natascha Knecht am Mittwoch den 18. August 2010

Es regnet, windet, stürmt und ist kalt – wie an einem schlechten Novembertag bei uns. Seit Stunden sitzen wir in einem Hangar im Stützpunkt Constable Point und warten darauf, nach Island abfliegen zu können. Am Nachmittag sah es noch so aus, als könne heute kein Flugzeug starten. Vorher hats aber geheissen, es gehe jetzt doch.

Insgesamt hatten wir wirklich ein Riesenglück, dass wir unser Expeditions-Ziel hier in Grönland erreichten: Bei der Ankunft war das Wetter fast zu schön, um wahr zu sein. Unsere abenteuerliche Schlauchbootfahrt zum Berg verlief trotz einer Panne glimpflich. Im unteren Teil der Big Wall hatten wir zwar Steinschlag, aber die Durchsteigung gelang uns – auch dank des guten Wetters.

Rückblickend bin ich echt froh, dass wir den Gipfel so rasch angegriffen haben. Ich weiss nicht, ob die Besteigung danach noch möglich gewesen wäre. Denn kaum waren wir zurück, kippte das Wetter. Simon und ich mussten bereits bei unserer kurzen Zusatztour im strömenden Regen abseilen. Seither blieb es unbeständig, die Temperatur sank bis knapp über den Gefrierpunkt.

Unsere Schlauchbootfahrt heute früh von der Inuit-Siedlung Ittoqqortoormiini verlief sehr stürmisch. Beim Anlegen in Constable Point ging auch noch eines der Boote kaputt, es hat einen Riss bekommem, als wir es an Land zogen. Wir müssen es jetzt mit nach Island nehmen und dort in die Reparatur geben. Das haben wir schon organisiert. Unser Anschlussflug geht via Koppenhagen nach Zürich.

Eisberg Grönland

Unvergesslich schöne Eisberge hier in Grönland. Dieses Bild haben wir vor zwei Tagen während unserer Nacht-Fahrt gemacht. Heute konnten wir leider nicht mehr fotografieren, das Meer war viel zu stürmisch. Wir mussten schauen, dass wir Constable Point heil erreichen!

Die Big-Wall-Route heisst «Eventyr»

Aber zum Glück hat alles irgendwie geklappt. Wir sind noch immer mega happy, dass wir die Big Wall geschafft haben, fühlen uns immer noch wie im Märchen. Wir entschieden uns, die neue Route «Eventyr» zu nennen – dänisch (und norwegisch) für Märchen und Abenteuer. Wir finden, das passt perfekt, ist einzigartiger als «Fairy Tale» und wurde auch von vielen Blog-Leserinnen und -Lesern vorgeschlagen. Ganz herzlichen Dank! Selber wären wir wahrscheinlich kaum darauf gekommen.

Unsere Zusatzroute taufen Simon und ich «Moonlight Sonata» – in Anlehnung an Beethovens Mondscheinsonate. Die Route ist ein echter Klassiker und wir kletterten sie in einer Nacht.

Dank an alle!

Daniel, Simon, Thomas, Jost und ich danken allen von Herzen, die unseren Bergblog mitverfolgt haben und für die vielen Kommentare. Es tat extrem gut, dass so viele Leute hinter uns standen. Eine echte Unterstützung! Für uns eine ganz neue, aber wunderbare Erfahrung.

Morgen im Bergblog: Was Reinhold Messner und Hans Kammerlander zur Erstbegehung der 1325-Meter-Bigwall von Roger Schaeli, Simon Gietl und Daniel Kopp sagen.

(Aufgezeichnet von Natascha Knecht)

Ab sofort sind wir auf uns allein gestellt

admin am Freitag den 30. Juli 2010
Foto: visualimpact.ch | Thomas Ulrich

Constable Point, Scoresbysund, Grönland: Erste Testfahrt mit den Zodiac-Schlauchbooten. So reisen wir nun in ein bis zwei Tagesetappen zu «unserem» Berg.

Foto: visualimpact.ch | Thomas Ulrich

Die schicke orange Bekleidung ist ein Überlebensanzug. Ein wasserdichter Overall mit angenähten Schuhen und Handschuhen. Er schützt uns vor Nässe, Wind, Kälte – und im Falle eines Falles vor dem eiskalten Wasser und vor dem Ertrinken.

Heute lief alles wie am Schnürchen.

Thomas konnte beide Zodiac-Schlauchboote für die Weiterreise fahrtüchtig machen. Die Luft ist drin, die Motoren laufen. Am Vormittag fuhren wir schon mal raus aufs Meer, es lief perfekt.

Wir sind früh aufgestanden, haben unsere Zelte wieder abgebaut, das ganze Material fertig verpackt, ein spezielles Reparaturset für den Generator zusammengestellt, Benzin abgefüllt, einen Eisbärenzaun parat gemacht, den wir dann um das Basislager aufstellen, und die Munition für das Gewehr kontrolliert. Für den Fall der Fälle nehmen wir auch noch eine Signalpistole mit.

Jost hat es geschafft, die Satellitenschüssel für die «Aussenkommunikation» wieder funktionsfähig zu machen. Auch sie steckt jetzt in einem wasserdichten Sack, wir behandeln sie ab sofort mit besonderer Vorsicht.

Foto: visualimpact.ch | Thomas Ulrich

Wir haben unser Gepäck mit einem Gewehr, Leuchtraketen und Notfallsender ergänzt. Als Selbstschutz, falls uns dann im Basislager Eisbären besuchen wollen.

Alle Details sind geprüft, das Gepäck liegt in den Booten. Jetzt verlassen wir Constable Point und brausen in ein, oder zwei Tagesetappen zum Berg.

Ab sofort sind wir nur noch auf uns alleine gestellt. Mit Karte und Kompass suchen wir den schnellsten Weg zu unserem Zielberg. Zum Glück kennt Thomas die Gegend von einer früheren Reise.

Wir brennen alle darauf, bald klettern und unser Ziel in Angriff nehmen zu können!

PS: Ich danke allen von ganzem Herzen, die uns für diese Expedition Glück gewünscht haben. Es bedeutet uns sehr viel, dass zu Hause so viele Leute hinter uns stehen. Eine riesengrosse Motivation. Happy Grüsse aus Grönland, wir geben alles.

Foto: visualimpact.ch | Thomas Ulrich

So haben wir die Zodiac-Schlauchboote gestern im Empfang genommen: verpackt. Wir mussten sie erst zum Meer transportieren, aufbauen, bei den Motoren das Öl wechseln und Benzin auffüllen.

(Aufgezeichnet von Natascha Knecht)

Traumhaft schön hier in Grönland. Und wir werden umschwärmt – von Riesenmosquitos!

Natascha Knecht am Mittwoch den 28. Juli 2010
zwischen Kulusuk und Constable Point

2. Reisetag. Flug von Island nach Grönland: Aussicht vom Flugzeug zwischen Kulusuk und Constable Point. Was für eine Gletscherlandschaft!

Eis und Meer.

Ost-Grönland: Eis und Meer.

Constable Point. Foto: visualimpact.ch | Thomas Ulrich

Anflug auf Constable Point, Scoresbysund.

Unsere Reise: Zürich – Kopenhagen – Reykjavík – Kulusuk – Constable Point, Standort jetzt. Wenn alles klappt, fahen wir morgen mit dem Schaluchbot weiter – zum Berg

Landung in Constable Point.

Landung in Constable Point.

Das Kletterteam

Daniel Kopp, Thomas Ulrich, Roger Schaeli, Simon Gietl (v. l.). Auf dem Bild fehlt unser Basislager-Manager Jost von Allmen. Er hat fotografiert.

Alles geht bestens vorwärts.

Wir sind vor einer Stunde in Constable Point eingetroffen, ein Stützpunkt ohne Einwohner. Es gibt nur eine nicht asphaltierte Schotterflugpiste und sechs Hangars.

Sonst sehe ich weit und breit nur Meer, Berge und Gletscher. Die Sonne scheint, es ist windstill und trocken, die Temperatur beträgt milde 10 Grad. Wie an einem schönen Novembertag bei uns.

Constable Point

Alles, was es gibt in Constable Point.

Thomas nimmt gerade die beiden Schlauchboote in Betrieb. Das heisst: aufblasen, den Motor testen, Spezialöl, das wir noch in Island gekauft haben, einfüllen.

Jost versucht, unsere «Aussenverbindung» einzurichten. Er sagt, die Satellitenschüssel habe auf der Reise einen Schaden erlitten. Sie funktioniere überhaupt nicht mehr. Jetzt ist er daran, sie zu «zerlegen», um herauszufinden, was das Problem ist. Das Satellitentelefon hat aber trotzdem Verbindung. Darum: No stress.

Essen für 14 Tage vorbereiten

Simon, Daniel und ich verstauen unser Material in wasserdichte Säcke. Zudem bereiten wir jetzt schon mal Tagesportionen mit Essen vor – für die nächsten zwei Wochen.

Eine Tagesportion beinhaltet: 1 Frühstück (Müesli), 1 Abendessen (gefriergetrocknet im Alubeutel) – und für jeden zweiten Tag ein Dessert (ebenfalls gefriergetrocknet). Dazu jeweils 2 Schoko-Riegel, 2 Portionen Cappuccino, 1 Portion Trockenfleisch, 1 Portion Käse.

Leider hat der Käse auf der Reise Schimmel angesetzt. Wir versuchen jetzt via Schweiz abzuklären, ob wir ihn trotzdem essen können. Ich selber finde Schimmel nicht so tragisch, das habe ich bei Käse schon öfter erlebt. Einfach wegschneiden, oder?

Essen verpacken

Im Hangar verpacken wir das Essen in Tagesportionen: Simon Gietl, Daniel Kopp, ich (von rechts).

Constable Point

Material sortieren und in wasserdichte Säcke verpacken.

Die Mückenplage

Wir werden hier zünftig umschwärmt. Nicht von Frauen – tausende Riesenmücken haben es auf uns abgesehen. Ich habe schon einige Stiche, aber wir haben Insektenspray dabei. In Grönland ist das ja nichts Neues.

Übernachten werden wir heute in unseren Zelten, die wir zwischen Hangar und Flugpiste aufschlagen. Wenn die Schlauchboote funktionieren und wir es schaffen, alles zu verpacken, fahren wir morgen weiter – Richtung Ziel-Berg. (Aufgezeichnet von Natascha Knecht)