Zur Wanderung von Bargen nach Beggingen muss ich zwei Dinge vorausschicken. Erstens wollte ich eigentlich doppelt so lang wandern und via Babental nach Schleitheim weiterziehen. Und zweitens sei betont, dass auch die zweistündige Kurzroute schön ist und sich unbedingt lohnt. Auch wenn an meinem Tag einiges schief lief.
Zwei Tage vor Weihnachten fuhr ich nach Bargen. In diesem nördlichsten Dorf der Schweiz stieg ich nicht, nein: Ich gumpte aus dem Bus. Vielleicht benahm ich mich so juvenil, weil Wandern in dem verhügelten Grenzland etwas Bubenabenteuerhaftes, Schmugglerisches hat. Meine alte Diskushernie allerdings quittierte den Sprung mit einem üblen Stich.
Die erhoffte Romantik bleibt aus
Im Bus-Unterstand erholte ich mich. Dann zog ich los durchs Dorf mit Asterixgepräge, zu dem ein Misthaufen an bester Lage ebenso gehörte wie eine liebevoll bestückte Weihnachtskrippe. Bald war ich im Mülital, in dem man langlaufen kann. Es schnee-regnete. Grauer Pflotsch lag zentimeterhoch auf dem Weg. Ich hatte bereits nasse Füsse.
Die Iblenquelle hatte ich mir romantischer vorgestellt, irgendwie im Umfeld der Artussage positioniert, mit einer Jungfrau samt Einhorn. Stattdessen gab es eine neuzeitliche Grillstelle, und das Wasser war in einer Röhre gefasst.
Mit Schanzen gegen Schweden
Nun schneite es fette Flocken. Die frischen Fussstapfen vor mir fand ich unheimlich. War das Yeti? Ein Serienkiller? Oder gar das wildeste aller Menschentiere, ein Wanderer? Keine Ahnung!
Ein paar Mal musste ich im Aufstieg über umgekippte Bäume klettern. Beim Wegweiser «Hoher Randen 890 m» war eine «Schwedenschanze» vermerkt, so heisst offenbar die nahe Waldkuppe. «Schwedenschanzen» gibt es vielerorts in Europa. Sie entstanden in der Prähistorie als natürliche Befestigungen und Rückzugsorte in der Höhe. Der Name selber wurde wohl erst im Dreissigjährigen Krieg 1618 bis 1648 kreiert, als die Schweden Mitteleuropa unsicher machten und die alten Schanzen Zuflucht boten. Oder aber die Nachwelt vermeinte noch später, die Schanzen seien zur Abwehr der Schweden gebaut worden, und taufte sie entsprechend.
Der Teufelshund von Beggingen
Ich stieg im Steilwald ab. Die Steine unter dem Schnee waren glitschig. Ich stürzte dreimal, tat mir wundersamerweise nicht weh, hatte aber Schnee in allen Taschen und Schlitzen meiner Hi-Vent-Outdoor-Jacke. Nach dem Stiegenbrünneli kam ich aus dem Wald und sah den ersten Hof. Am Rand von Beggingen dann das «Mördergärtli»: Ein Stein gedenkt des Massakers von 1633 in besagtem Dreissigjährigem Krieg, als viele Verteidiger des Dorfes im Kampf gegen eine fremde Soldateska umkamen.
Von Beggingen wollte ich via Strickhof zur Alp Babental aufsteigen. Dort gibt es ein Restaurant; vor allem aber handelt es sich um die einzige Schaffhauser Alp. Dank der Tieflage von 600 Metern kann das Vieh doppelt so lang sömmern wie im Gebirge. Leider erwischte ich den falschen Wanderabzweiger. Ich realisierte das nach der Hohlen Gasse, einer Strassenklus am Dorfausgang von Beggingen. In dem Moment attackierte mich vom nahen Haus her eine Bestie von Hund. In Notwehr streckte ich ihr meinen Schirm hin, in den sie mehrmals schnappte. Ich floh, retour ins Dorf. Dort stand ein Bus, ich stieg ein, fuhr heim. Trotzdem sei es noch einmal betont: Erwischt man nicht das mieseste Wetter aller Zeiten und meidet Beggingens bösen Hund, ist das eine tolle Route.
Route: Bargen Dorf (Bus ab Bahnhof Schaffhausen) – Mülital – Iblenquelle – Hoher Randen 877 m – Hoher Randen 890 m – Schwedenschanze – Stiegenbrünneli – Beggingen.
Gehzeit: 2 Stunden.
Höhendifferenz: 300 Meter aufwärts, 350 abwärts.
Charakter: Allerhöchstens mittelstrenge Route. Einsamer Wald. Relativ steiler Abstieg nach dem Hohen Randen, vorsichtig gehen!
Höhepunkte: Das abseitige Bargen weckt Asterixerinnerungen. Das Mülital ist ein Idyll. Der stille Winterwald auf dem Hohen Randen.
Hund: Keine Leitern, keine Gitterroste; für Hunde geeignet.
Einkehr: Am Anfang und am Schluss.
Verlängerung: Von Beggingen gibt es viele Fortsetzungen. Zum Beispiel zur Alp Babental und hinab nach Schleitheim.
Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com


Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Simon Eppenberger ist Journalist und Bike-Coach. Seit seiner Jugend ist er auf zwei Rädern unterwegs. Ob Üetliberg oder Alpen, Pumptrack oder Abfahrt, die Leidenschaft fürs Biken lebt er auf den unterschiedlichsten Trails aus. Im Sommer leitet er einen Bike-Kurs für Jugendliche in Zürich, wo er auch wohnt. Er gehört zum Team hinter der Bike-Website
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den


















