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Archiv für die Kategorie „Motivation“

Die Altersfrage – Teil 1

Pia Wertheimer am Montag den 20. Mai 2013
Diese ganz persönlichen Projekte zeigen den Menschen, dass sie zu mehr fähig sind, als sie ahnen»: Pia Wertheimer am Greifensee-Lauf 2008, 2010 und 2012.

Diese ganz persönlichen Projekte zeigen den Menschen, dass sie zu mehr fähig sind, als sie ahnen»: Pia Wertheimer am Greifensee-Lauf 2008, 2010 und 2012.

Kürzlich erhielt ich ein langes, berührendes Mail einer Leserin. Berührend darum, weil sie sich mir anvertraute, weil mich ihr Anliegen mitten ins Herz traf. Sie schrieb: «Ich habe vor knapp zwei Jahren etwas intensiver mit Sport angefangen. Seit diesem Winter (also seit Oktober) trainiere ich nun regelmässig und konsequent. Ziel wäre, mal einen Marathon zu bestreiten. Ich habe aber immer mal wieder ein Motivationsloch beziehungsweise eine ‹Altersblockade›. Ich denke dann, dass ich doch mit 31 zu alt bin, um noch voll in dieses Metier einzusteigen.» Sie katapultierte mich damit direkt zurück in zwei der turbulentesten Jahre meines Lebens…

Auch ich bin ein Spätzünder, habe meine Leidenschaft fürs Laufen erst 2009 entdeckt. Zuvor war es Mittel zum Zweck: Die Laufschuhe schnürte ich, um mich fürs Turniertanzen fit zu halten. Ab und an stand der Greifenseelauf auf dem Programm. Es war eine ausgewachsene Krise, die mich das Laufen entdecken liess: Eine gründlich gescheiterte Ehe sowie eine angekündigte Kündigungswelle unserer Redaktion und damit die Angst meine berufliche Leidenschaft zu verlieren. Ich tigerte in diesem Tief hin und her.

Ein kraftspendender Fluchtplan

Plötzlich war er da, mein Fluchtplan – dieser Gedanke, irgendwann an einem Morgen im Jahr 2009. Ich beschloss einen Marathon ins Aug zu fassen. 42,195 Kilometer laufen – das ist Knochenarbeit. Und bei diesem Vorhaben würde es nur drei Protagonisten geben: Me, myself and I. Dieser Ausbruch sollte nicht irgendein Ziel haben. Er hatte etwas Grosses verdient: den Big Apple, die mythische Marathon-Kulisse von New York!

Nach etlichen wertvollen Fehlern, zahlreichen Trainingsstunden und nicht zuletzt dank der Unterstützung von Freunden und Familie war es ein Jahr später soweit: Ich lief im Central Park über die Ziellinie. Unvergesslich. Weder diesen Augenblick noch den Weg dorthin möchte ich missen. Mein Marathon war viel mehr als nur ein knapp vierstündiger Lauf. Er umfasste gut zwölf Monate, in denen ich laufend viel Zeit mit mir selbst verbrachte, mich neu entdeckte und neu orientierte. Das anspruchsvolle Ziel gab mir Halt und damit Kraft. Ich würde es zweifellos wieder tun – trotz den Strapazen, den Rückschlägen und den Zweifeln, die ein derart grosser Plan zuweilen mit sich bringt.

Eine Medaille von unschätzbarem Wert

Auch ich hatte damals die 30er-Marke bereits geknackt – na und? Natürlich wünschte ich heute, ich hätte diese Passion vorher entdeckt. Offenbar war die Zeit nicht reif dafür, denn die Laufschuhe standen schon Jahre zuvor im Regal – griffbereit. Ich packte aber just in dieser Krise im Jahr 2009 zu – nennen Sie es Zufall, nennen Sie es Schicksal.

Ich glaube nicht, dass es eine Rolle spielt, in welchem Alter ein Mensch seine Leidenschaft zum Sport entdeckt. Natürlich gehören die Podeste nur selten den Spätzündern. Und obschon meine New-York-Medaille nur die Finisher-Medaille ist, die jedem Läufer im Ziel umgehängt wurde, ist sie für mich von unschätzbarem Wert: Selbstvertrauen, Zuversicht, Neugierde, überschrittene Grenzen sind nur einige ihrer Facetten.

Sich Marathonziele setzen – egal in welcher Disziplin – lohnt sich immer! Sie eröffnen neue Horizonte. Es sind diese ganz persönlichen Projekte, welche den Menschen zeigen, dass sie zu mehr fähig sind, als sie ahnen. Oder in den Worten der Olympia-Hymne von Atlanta: «It’s the moment that you think you can’t, you’ll discover that you can!»

Ich habe mich mit der Lauflegende Haile Gebrselassie, der 40 Jahre alt ist, über die Altersfrage unterhalten. Lesen Sie das Interview morgen im Outdoorblog!

So macht Laufen Spass: Motivationstipps

Pia Wertheimer am Montag den 13. Mai 2013
Ein Frau geht mit ihrem Hund joggen. (Foto: Flickr/lululemon athletica)

Setzen Sie realistische Trainingsziele: Ein Frau geht mit ihrem Hund joggen. (Foto: Flickr/lululemon athletica)

Ich leide, wenn ich mich nicht bewegen kann – und meine Mitmenschen ebenfalls. Sport macht mich erst umweltverträglich – ab und an vielleicht sogar geniessbar. Muss ich stillhalten, vegetiere ich – gereizt, unzufrieden, geladen, gefangen. Die Endolis, wie ich meine kleinen Glücksbringer gerne nenne (im Duden auch Endorphine genannt), machen mich glücklich. Böse Zungen nennen es süchtig. Nennen Sie es, wie Sie wollen – ich bin ein Glückskind. Ich muss mich weder zwingen noch motivieren – im Gegenteil – an die frische Luft zu gehen und damit gesund zu leben. Gewichtsprobleme? Unbekanntes Terrain.

Ich brauche keine Neujahrsvorsätze, die mir genug Bewegung verschaffen. Fremd sind mir die Aussagen, wie jene meines Kollegen, dem Radio-1-Morgenshowmoderator Marc Jäggi. Mit einer regelrechten Rosskur, hatte er seinen Pfunden den Kampf angesagt. Das Ziel: ein Sixpack. Ich bewundere noch heute seine Disziplin. Sein neues Ziel? «Endlich mal Sport einfach zu meinem Leben zu machen und nicht drei Monate spinnen und drei Monate nix tun!»

Laufen zu einem Ganzjahressport machen

Ich kann ihm dabei kaum helfen – weil ich ein Glückskind bin, weil ich seine Not nicht kenne. Valentin Belz, von Runningcoach.ch hingegen schon. «Es gibt grundsätzlich den intrinsisch und den extrinsisch motivierten Läufer. Wer des Laufens willen läuft, kennt keinen Jojo-Effekt. Alle anderen hingegen schon.» Und jetzt kommt’s: «In diesem Fall ist Laufen ein ziemlich mühsamer Sport.» Denn wer zwei bis drei Wochen keinen Meter laufe, plage sich nach den ersten zwei bis drei Einheiten sofort wieder mit Muskelkater herum. Sein Körper ist sich die Belastungen nicht mehr gewohnt.

Belz, ist verantwortlich für den dynamischen Trainingsplan, der von Viktor Röthlin, Markus Ryffel und seinem Bruder Christian Belz entwickelt wurde. Er weiss, dass die Abonnenten von Runningcoach.ch im Winter beispielsweise weniger laufen. «Die Dunkelheit, die eisigen Strassen und die fehlenden (Wettkampf-)Ziele mögen mögliche Ursachen sein.» Für Belz steht deshalb fest: Das Ziel sollte sein, das Laufen zu einer Ganzjahressportart zu machen. Und wer beginnt, steht vor einer grossen Falle: dem Übereifer. «Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.» Beim Laufen sei es ganz entscheidend, dass man seinem Körper genügend Zeit gebe, damit er sich an die Belastung gewöhnen kann. «Der Motor mag zu mehr fähig sein, aber das Fahrgestell braucht seine Zeit.» Belz rät deshalb: zuerst die Häufigkeit steigern, dann die Dauer und erst am Schluss die Intensität.

Mit dem Laufen kommt die Freude

In der Praxis sehe es meistens so aus, dass die Leute bei jeder Einheit versuchen, eine neue Bestzeit aufzustellen. Ja, liebe Männer, das gilt besonders für euch! Belz kennt das Resultat: «Nach wenigen Wochen gibt es keine Verbesserung mehr und die Motivation ist weg.» Viel besser fahre man, wenn man systematisch trainiere und vor allem die Basis pflege. Drei Viertel der Trainingseinheiten sollten deshalb locker sein.

Für Belz steht fest: «Wenn Sport ein wahres Bedürfnis ist, dann funktioniert es. Dann räumt man ihm den nötigen Platz ein – auch in einer vollen Agenda.» Wer aber, wie Kollege Jäggi, Mühe hat, das richtige Mass zu finden, soll sich realistische Ziele setzen. Der Laufexperte schlägt beispielsweise vor: zwei Hauptwettkämpfe pro Jahr, 100 Laufkilometer pro Monat, vier Einheiten Sport pro Woche, 3000 Radkilometer pro Jahr, und so weiter… Es hilft aber auch, verbindliche Termine zu schaffen: Kneifen liegt dann nicht drin. Schliesslich lässt man den Arbeitskollegen nur einmal früh morgens im Regen stehen.

Für Marc Jäggi und Seinesgleichen ist allerdings nicht Hopfen und Malz verloren, denn mit dem Essen (sprich Laufen) kommt auch der Appetit (sprich Genuss) – oder?

17 Gründe, warum Schweizer keinen Sport treiben

Natascha Knecht am Montag den 29. April 2013

Fast die Hälfte aller befragten Schweizer hat keine Zeit für Sport: Drei Frauen beim Nordic Walking (Bild: Keystone).

Falls Sie vom Institut LINK noch keinen Telefonanruf erhalten haben, kommt er vielleicht noch. Im Auftrag des Bundesamt für Sport führt es zwischen 20. Februar und 31. August 2013 eine Befragung über das Sportverhalten in der Schweizer Wohnbevölkerung durch.

Die Auswertungen der Antworten, das steht schon jetzt fest, werden wieder hochinteressant sein. Letztmals gabs eine solche Umfrage vor fünf Jahren – und die war insgesamt und nüchtern betrachtet sehr aufschlussreich (die Brochure mit allen Daten finden Sie hier).

Die Frage «Betreiben Sie Gymnastik, Fitness oder Sport?» beantworteten im Jahr 2008 27 Prozent mit einem klaren «nein». Uns überraschte das positiv. Wir hätten geschätzt, der Anteil Sportmuffel sei höher. Unterhaltsam fanden wir die Gründe, welche die 2431 befragten Nichtsportler nannten,

«weshalb man keinen Sport treibt»:

41.8 % sagten: Habe zu wenig Zeit

→ Wir sagen: Dieser Vorwand gefällt uns schon mal gut. Aber es kommen noch bessere Ausreden (nur weiterlesen).

17.3 %: Habe keine Lust, Sport macht mir keinen Spass

→ Okay, fast jeder Fünfte ist ehrlich.

14.6 %: Gesundheitliche Gründe

→ Fortgeschrittene, unheilbare Krankheiten sind furchtbar und unbestritten ein Grund, weshalb Sport nicht möglich ist. Aber falls Sie an heilbaren Beschwerden wie Raucherhusten, Fettleber oder Burnout leiden, denken Sie daran: Sport wirkt gesundheitsfördernd. Es gibt Leute, die bewegen sich mit künstlichen Hüftgelenken regelmässig.

9.9 %: Habe genug Bewegung, bin genug fit

→ Das lassen wir gelten, wenn Sie als Bergführer, Forstwart oder auf dem Bau arbeiten.

8.2 %: Fühle mich zu müde für sportliche Betätigungen

→ Für Nicht-Sportler ist es unvorstellbar, dass Sport enorm viel Energie zurückgibt, besonders nach einem strengen Arbeitstag. Zudem ist der Schlaf danach tief und erholsam.

7.9 %: Habe andere Interessen

→ Das akzeptieren wir, jedem das Seine. Aber selbst beim interessierten Kunstmalen, Stricken, Musikhören, Kaffeedeckelisammeln kann etwas frische Luft zwischendurch inspirieren.

7.7 %: Ungünstige, lange Arbeitszeiten

→ Klar, das kennen wir auch! Und tun es darum vorher, zwischendurch, an den freien Tagen.

4.1 %: Die Zeit geht der Familie verloren

→ Ansichtssache. Warum nicht mit dem Kinderwagen joggen? Oder mit der ganzen Familie wandern, schwimmen, biken? Eltern sind daheim relaxter, wenn sie sich regelmässig eine sportliche Auszeit nehmen. Es muss ja nicht gleich eine ganztägige Mehrpässe-Fahrt mit dem Rennvelo sein. Ein Stündchen Yoga reicht. Das kommt allen zugute und beflügelt sogar das Sexleben.

3.6 %: Sport liegt mir nicht, Sport tut mir nicht gut

→ Okay, wenn Sie Schlangenakrobatik meinen, pflichten wir bei.

3.5 %: Bin zu alt für Sport

→ Sicher. Bei Fauja Singh hatten wir auch vollstes Verständnis. Der britisch-indische Langstreckenläufer beendete vergangenen Februar im Alter von 102,5 Jahren seine Marathon-Karriere.

2.2 %: Verletzung beim Sporttreiben war Grund für Ausstieg

→ Sportverletzungen kennen wir, sie nerven, sind überflüssig und bremsen vorübergehend aus. Aber gleich ein Grund für den totalen Ausstieg auf immer und ewig?

2.0 %: Finanzielle Gründe, Sport ist mir zu teuer

→ Genau! Ein zügiger Spaziergang schlägt enorm aufs Portemonnaie. Zum Glück ist der TV gratis.

1.4 %: Finde kein passendes Angebot

→ Absolut nachvollziehbar. Zwischen Aerobic und Zumba gibt es leider null Alternativen.

0.6 %: Schlechte Erinnerungen, schlechte Erfahrungen

→ Ja, dieser böse Turnlehrer in Primarschule. Und die gemeinen Klassenkameraden haben uns beim Völkerball immer als Letzte in ein Team gewählt. Ein Trauma, das nachhaltig gepflegt werden muss.

0.6 %: Langer Arbeitsweg

→ Sie arbeiten 8 Tage pro Woche und haben nie frei, oder? Zur Erinnerung: Ferdy Kübler legte als Teenager den Arbeitsweg von seinem Wohnort Marthalen im Zürcher Weinland zur Bijouterie Barth an der Zürcher Bahnhofstrasse mit dem Rad zurück. 2 x 45 Kilometer pro Tag. Für Kübler war das der Startschuss für den Tour-de-France-Triumph und den WM-Titel. Mit anderen Worten: Arbeitswege können grosse Karrieren starten.

0.4 %: Unpassende Öffnungszeiten, schlechte Erreichbarkeit der Sportanlagen

→ Exakt. Der Wald hat oft geschlossen. Und ohne Sportanlage geht gar nichts.

10.2 %: Andere Gründe

→ 10,2 % haben andere Gründe? Himmel, was gibts denn sonst noch?

Doping für die Motivation

Natascha Knecht am Montag den 1. April 2013
Manchmal muss man sich etwas Neues gönnen, um sich zu motivieren: Beschwingte Läuferin. (Foto: Flickr)

Manchmal muss man sich etwas Neues gönnen, um sich zu motivieren: Beschwingte Läuferin. (Foto: Flickr)

Sind Sie beim Sport eher der Typ Geniesser oder der Typ Kämpfer? Oder anders gefragt: Wie gerne quälen Sie sich? Welche Freundschaft pflegen Sie mit Ihrem inneren Schweinehund?

Ich selber zähle mich zu den Genusssportlerinnen. Wenn ich eines nicht ausstehen kann, dann Leiden. Wenn ich beissen muss, um auf den Uetliberg zu joggen, bin ich danach zwar stolz auf meinen Durchhaltewillen, aber Spass hatte ich nicht wirklich. Viele meiner Sportsfreunde sind anders. Sie haben mehr Freude, wenn sie gelitten haben, wenn sie ihre letzte Energie wie auf Knopfdruck abrufen konnten.

Darum hilft bei mir nur eines: Öfter trainieren. Laufe ich nur ein Mal pro Woche, ist es jedes Mal eine Tortur. Gehe ich zwei Mal pro Woche, wird es besser. Laufe ich regelmässig drei Mal pro Woche, beginnt der Spass. Und bei vier oder fünf Einheiten, möchte ich gleich noch ein sechste, oder siebte anhängen, weil ich jedes Training richtig geniesse.

Doping für die Motivation brauche ich normalerweise nicht. Aber nachdem ich aufgrund meines Unfalls viele Wochen sportlich ausgefallen bin, ist meine Kondition jetzt leider im Keller. Und meine Triebfeder eingerostet. Seit ich wieder Sport treiben darf, kostet es mich Überwindung, meine Laufschuhe zu schnüren. Ich habe keine Lust auf Leiden, ausserdem hatte ich mich gerade daran gewöhnt, dass die Abende auf dem Sofa auch ganz nett sein können.

Neu gepaart

«Kauf dir eine Motivationspritze», riet ein Kollege. In dieselbe Richtung zielte die Anregung eines anderen Bekannten: «Wenn ich mal keine Lust auf Sport habe, ziehe ich immer etwas Neues an. Das motiviert mich immer. Neue Sachen auszuführen, macht halt schon Spass.»

Die neuen Schuhe von Adidas sind offensichtlich Aufsteller: Werbung für die Energy-Boost-Schuhe. (Foto: Adidas)

Die neuen Schuhe von Adidas verschaffen ganz offensichtlich Auftrieb: Werbeplakat für Energy-Boost-Schuhe. (Foto: Adidas)

Gut gemeinte, plausible Ratschläge sollte man annehmen, oder? Ich bin jetzt also Besitzerin von neuen Laufschuhen. Ich möchte hier keine Werbung für Marken machen, aber die Ironie ist die Folgende: Der Schuh passt perfekt zu meinem Motivations- und Konditionsloch. «Energy Boost» heisst das Modell. In Fachzeitschriften und Läufer-Foren wird seine Sohle als Revolution im Laufsport gerühmt. Eine neue Generation sei geboren, heisst es da. Ob das so ist, kann ich nicht fachkundig beurteilen, von Technologie verstehe ich zu wenig. Meistens kaufe ich einfach den besten Schuh, den es gerade im Ausverkauf gibt.

Mit dem «Energy Boost» bin ich nun aber eine Paarung zu einem bestimmten Zweck eingegangen. Was ich von ihm sagen kann: Er ist sehr leicht und angenehm, läuft sich definitiv anders als all meine anderen Schuhe. Aber vor allem motiviert er mich, mich aufzuraffen und beschert mir dadurch Erfolgserlebnisse. Wir hatten inzwischen schon einige Stunden Spass zusammen im Wald. Und ich merke, dass meine Fitness so sicher zurückkommt wie der Frühling und die damit verbundenen Gefühle. Es gibt Tricks, den inneren Schweinehund zu bodigen. Im Moment gebe ich ihm einfach den Schuh und mir den Boost.

Auf welche Motivationshilfen schwören Sie?

Liebe Leserinnen und Leser, über Ostern kann es etwas länger dauern, bis ihre Kommentare freigeschaltet werden. Die Redaktion.

Müssen sich Sportler grüssen?

Natascha Knecht am Montag den 18. März 2013
Eine freundliche Joggerin. (Foto: Flickr/M. Creedon)

Viele Läufer scheinen einen Tunnelblick zu haben: Eine freundliche Joggerin. (Foto: Flickr/M. Creedon)

Wenn ich im Hochgebirge anderen Bergsteigern begegne, wird gegenseitig gegrüsst. Keine Frage. Aber wenn ich – insbesondere hier in Zürich – beim Sport andere Sportler kreuze, dann scheint das komplizierter. Manche grüssen zurück, manche nicht. Weshalb ist das so? Seit Jahren versuche ich zu analysieren, welcher Typ Sportler ein «Hoi» über die Lippen bringt und wer stumm tut. Zu einem abschliessenden Fazit bin ich bis heute nicht gekommen, aber ich habe folgende Erfahrungen gemacht:

Fitnesscenter: Ein Hort von Nicht-Grüssern. Die Leute schauen sich lieber auf die Turnschuhe als in die Augen. Nach Jahren im selben Studio sind es nur einzelne, die mir «Hallo» sagen, oder gar mit mir schwatzen. Fast nur solche, denen ich auch ausserhalb des Fitnesscenters ab und zu begegne, die in der gleichen Nachbarschaft oder gar im selben Haus leben. Speziell befremdend finde ich das Nicht-Grüssen in der Garderobe. Wir Frauen ziehen uns nebeneinander bis auf die Unterhosen aus, oder wir stehen Duschkopf an Duschkopf nackt unter dem Wasserstrahl. Aber grüssen? Nein, das ist den meisten dann doch zu intim. Und wehe, ich sage spontan «Hoi», dann kommt oft ein gereizter Blick zurück. Oder noch schlimmer: ein «Grüezi». Natürlich habe ich auch in der Fitnesscenter-Garderobe schon kommunikative Mitsportlerinnen getroffen, aber selten.

Kletterhalle: Dort verhält es sich in der Damen-Garderobe ähnlich wie im Fitnesscenter. In der Halle selber grüssen sich die Sportkletterer auch selten, wenn sie sich nicht persönlich kennen. Selbst dann nicht, wenn man sich schon hundert Mal in der Halle gesehen hat. Das Maximum, das da mit einer anderen Seilschaft kommuniziert wird, lautet etwa so: «Seid Ihr fertig in der grünen Route?» Das bedeutet: «Können wir endlich in die grüne Route?» Gemeint ist: «Haut endlich ab aus der grünen Route.» Vielleicht ist das nur ein Züri-Ding? Bin ich im Berner Oberland plaudern die Leute freundlich miteinander, selbst wenn man sich vorher nicht gekannt hat.

Joggen: Zu den Nicht-Grüssern gehören – sorry – die Anfänger. Entweder ist es ihnen peinlich, durch den Wald zu schnaufen und keuchen, oder sie können vor lauter Schnaufen und Keuchen keinen Ton mehr von sich geben, selbst für einen freundlichen Blick reicht ihre Kraft nicht mehr. Zu den Nicht-Grüssern unter den Joggern zähle ich aber auch die Verbissenen. Solche, die wahrscheinlich für einen Ultra-Mega-Marathon trainieren und im Usain-Bolt-Tempo durch den Wald sprinten. Sie sehen nichts und niemanden. Röhrenblick! Ich selber laufe vor allem am Uetliberg und beobachte dort: Die einzigen die grüssen, sind gut trainierte Läuferinnen und Läufer, die aber eindeutig noch Spass am Sport haben. Besonders an regnerischen oder kalten Tagen zeigt sich, wer wirklich gerne läuft und nicht aus einem Fettverbrennungszwang unterwegs ist. Bei schlechter Witterung hat es an Zürichs beliebtestem Ausflugsberg kaum Leute, und die wenigen, die rauf und runter joggen haben ein glückliches Gesicht, grüssen ganz selbstverständlich mit einem freundlichen Lächeln, manche heben zum Gruss sogar die Hand oder den Daumen. An solchen Tagen fühle ich mich unter Gleichgesinnten – und wohl.

Ob man sich beim Sport grüssen soll, weiss ich nicht. Ich tue es jedenfalls gerne und finde es extrem motivierend, wenn ein «Hallo» zurückkommt. Und Sie?

Jetzt wirds ganz dreckig

Natascha Knecht am Montag den 21. Januar 2013
Survival Run Thun

Überleben im Dreck: Sportlich fordert der Survival Run in Thun einiges ab. (Foto: Ryffel Running)

Ich liebe es, durch Wald, über Wiesen und bergauf zu joggen. Und ich trainiere stets nach Plan. Aber meine Ziele heissen eher Matterhorn als Marathon. Jedenfalls habe ich bis heute noch nie an einem Wettlauf teilgenommen. Es reizt mich schlichtweg zuwenig. Joggen bedeutet für mich Entschleunigung vom City-Alltag, und es ist eine Möglichkeit, mich fernab der hohen Berge fit zu halten.

Zufällig zappte ich letztes Jahr in eine TV-Sendung, wo es um ein Rennen der besonderen Art ging. Die Läufer mussten über Baumstämme klettern, durch Rohre kriechen, über Tarnnetze krabbeln, sich durch Wasserlöcher kämpfen und durch Matsch und Schlamm aalen. Am Ende waren alle von Kopf bis Fuss dreckig, von den Ohrmuscheln bis zu den Zehennägeln blieb nichts verschont. Warmduscher haben hier keine Chance, jeder muss unten durch.

Wow, dachte ich, ein solches Wildsau-Gaudi würde mir auch gefallen. Ich nahm mir vor, dieses Jahr in Thun dabei zu sein. Der sogenannte Survival Run findet am 10. März statt. Leider hat mir nun mein Knochenbruch am Bein einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar durfte ich mich vergangenen Donnerstag – nach sechs endlos langen Wochen sportlicher Zwangspause – von meinem «Freund», dem Vacoped-Gipsstiefel, trennen. Trotzdem geht Joggen noch nicht – null Kraft! Meine Muskulatur ist etwa so verkümmert wie jene einer bettlägerigen Grossmutter. Der Wiederaufbau dauert seine Zeit. Meine neuen Sportsfreunde heissen jetzt Pascal, der Physiotherapeut. Und Dr. med. Martin Narozny-Willi vom Medbase Sports Medical Center in Zürich – er ist seit über zwei Jahren auch unser Running-Doc hier im Outdoorblog.

Survival Run Thun

Spass, Schlamm und Spektakel: Nichts für Warmduscher. (Foto: AP / Monterey County Herald, David Royal).

Schicken Sie uns Ihr Bild!

Wer weiss, vielleicht bin ich im März wieder so gut auf den Beinen, dass ich den Survival Run bestreiten kann – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Falls nicht, fände ich es wirklich toll, wenn wenigstens einige von Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, zur Survival-Wildsau werden. Lassen Sie es mich bitte wissen, falls Sie sich anmelden und Lust hätten, mir Bilder von Ihrem Run zu schicken. Gerne würde ich einen Beitrag machen, wo ich explizit Outdooblog-Leserinnen und -leser zeigen könnte.

Für die meisten Teilnehmer geht es übrigens nicht um Superzeiten. Im Vordergrund stehen Schlamm, Spass und Spektakel. Eine Trophäe gibts nicht nur für die schnellste Frau und den schnellsten Mann, sondern auch für die originellste Verkleidung. Also für jenen Teilnehmer, der vor den 30’000 erwartetetn Zuschauern aus der Masse sticht.

Klar ist: Sportlich fordert der Survival Run einiges ab. Ausdauer, Kraft, Koordination, Geschicklichkeit, Mut. 16 Kilometer Distanz mit 50 Hindernissen sind kein Klacks. Wer sich zu wenig fit fühlt: Noch bleibt genügend Zeit fürs Training! Und ein Ziel vor Augen ist die beste Motivation. Gerade jetzt im Winter.

Organisiert wird der Survival Run Thun von Ryffel Running. Anmeldung unter: www.survivalrun.ch

Liebe Leserinnen und Leser, Wir haben zurzeit technische Probleme. Wir werden diese so schnell wie möglich lösen. Die Redaktion.

Sport ist mehr als Kalorien verbrennen

Natascha Knecht am Montag den 7. Januar 2013
Sport sollte Freude bereiten, nicht Qualen: Gewichtheberin Hripsime Khurshudyan. (Bild: Keystone)

Sport sollte Freude bereiten, nicht Qualen: Gewichtheberin Hripsime Khurshudyan. (Bild: Keystone)

Erstaunlich viele Leute treiben nur Sport, weil sie abnehmen wollen. Gerade jetzt nach den Feiertagen stehen sie auf die Waage. Ihre Hoffnung, die Schlemmerei habe weniger angehängt als befürchtet, bewahrheitet sich nicht. Sie erschrecken, kaufen sich im Übereifer teure Abos im Fitnesscenter, gehen zwei-, dreimal hin, schwitzen, leiden, verlieren bald den Kampf gegen den inneren Schweinehund, geben auf – und schämen sich dann wegen ihres schwachen Durchhaltewillens und dem Übergewicht, das sie sich so sehr wegwünschen. Das muss nicht sein!

Bevor Sport wirklich Freude macht, keine grosse Überwindung mehr kostet und zum ganz gewöhnlichen Alltag gehört wie Zähneputzen oder Einkaufen, braucht es Zeit (mehr als ein, zwei Wochen). Doch eines ist sicher: Wer mit Sport nur Fettverbrennung im Sinn hat, bringt auch Schoggi, Rahmplätzli und Butterrösti nicht aus dem Kopf – und macht sich nur das Leben schwer.

Ein mögliches Rezept dagegen heisst: Einstellung ändern! Nicht in erster Linie an die Figur denken, sondern an die zahlreichen positiven Effekte, welche der Sport bringen kann. Folge: Das Wunschgewicht kommt dann von alleine.

Hier sind 5 Tipps, die motivieren könnten:

1.    Regelmässiger Sport stärkt das Immunsystem und schützt vor Volkskrankheiten wie etwa Diabetes, Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen, Alkoholismus, Rauchen, etc. Lesen Sie dazu auch:

2. Mehr Energie und bessere Laune. Wer sich zu wenig bewegt, fühlt sich chronisch schlapp, müde, gereizt. Sport verhilft dagegen zu mehr Vitalität – auch wenn das manche Leute nicht glauben. Ausserdem machen Aktivitäten an der frischen Luft gute Laune. Etwa ein Lauf durch den Wald erhöht den Endorphinspiegel im Blut – das Glückshormon. Regelmässiger Ausdauerport wie Joggen vertreibt Alltagssorgen, hilft sogar bei Depressionen, und macht deutlich stressresistenter. Ein Sprichwort sagt: «Laufen funktioniert wie ein Beruhigungsmedikament oder ein Antidepressivum. Es ist einfach gesünder.» Lesen Sie dazu auch:

3. Weniger Schlafstörungen, bessere Hirnleistungen. Sport – insbesondere am Morgen – hilft, dass wir tagsüber wacher sind und nachts besser schlafen. Auch die geistige Fitness wird gefördert. Die erhöhte Sauerstoffversorgung verbessert die Leistungsfähigkeit des Gehirns, verlangsamt den natürlichen, altersbedingten Schrumpfungsprozess der Hirnzellen und erhöht logisches Denken und Kreativität. Lesen Sie dazu auch:

4.    Besseres Sexleben. Wer regelmässig Sport treibt, bringt sein «Kraftwerk» in Gang und setzt Hormone frei, die für einen gesunden Kreislauf sorgen. Die sexuelle Lust wird gesteigert. Warum das so ist? Wer regelmässig trainiert, fühlt sich wohler mit seinem Körper, steigert dadurch sein Selbstvertrauen und hat weniger Mühe, sich dem Partner nackt zu zeigen. Lesen Sie dazu auch:

5.    Gezähmter Heisshunger. Wer mal so weit ist und regelmässig und konsequent trainiert, achtet automatisch auf seine Ernährung. Denn  Ausdauersport reguliert den Appetit von selbst. Das belegen Studien. 
Lesen Sie dazu auch:

Ich wünsche allen ein gesundes 2013 und viel Spass beim Spörteln!

Unter Nikes Bewegungsdiktat

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 9. Oktober 2012

Ein Gastblog von Christian Lüscher*.

Ein Gadget motiviert und stachelt den Konkurrenzkampf an: Die Tester rennen um sogenannte Fuelpunkte.

Ein Gadget motiviert und stachelt den Konkurrenzkampf an: Die Tester rennen um sogenannte Fuelpunkte. (Foto: Rod Kommunikation)

Das runde schwarze Dings an meinem Armgelenk ist aus technischer Sicht eine kleine Wundermaschine. Es misst den Kalorienverbrauch, zählt die Schritte, die ich gehe, dokumentiert meine Bewegungen mit Hilfe eines Beschleunigungsmessers, und ein Farbcode – von rot bis grün – zeigt an, wie sich diese Werte zum definierten Tagesziel entwickeln. Das Dings hat einen Namen: Fuelband.

Es ist das neuste Supergadget aus dem Haus Nike. Es soll den Konzern in eine neue Ära führen. Statt «Just do it» heisst das neue Motto «Game on, World». Dahinter steckt die Idee, aus der Welt eine Art Spielplatz zu machen. Das Fuelband ist – wenn man so will – die Spielkonsole. Es zeichnet die Aktivität eines Menschen auf (Game), vergleicht Werte (Scores), interpretiert sie (Progress) und übermittelt sie an die Internetcommunity (Ranking). Im Zentrum steht der Wert Fuel (zu Deutsch Treibstoff), eine Art virtuelle Währung.

Wettkampf im sozialen Netz

Das Gadget zeigt 6500 sogenannte Fuelpunkte an. (Foto: Nike)

Das Sport-Gadget zeigt hier die sogenannten Fuelpunkte an. (Foto: Nike)

In dieser neuen Ökonomie geht alles um Fuelpunkte. Die Regel ist einfach: Wer sich mehr bewegt und ausdauernd trainiert, sammelt mehr. Und das ist entscheidend, ist man auf der Communityplattform Nike+ mit einer gewissen Ernsthaftigkeit dabei. Da vergleicht man sich mit Kollegen und studiert ihre Werte. Das Suchtpotenzial ist enorm, der Datenvoyeurismus kaum zu bändigen. Nach dem Joggen logge ich mich mehrfach ein und schaue, wie meine Kollegen sich im sportlichen Alltag so schlagen. Ich sehe, dass Sabrina mit ihrem Zumbatraining ihren Fuelschnitt regelmässig über die 5000er-Marke katapultiert. Ich sehe, dass Reto abends eine halbe Stunde läuft, sonst aber im bewegungsarmen Büroalltag gefangen ist. Und ich sehe mir die Daten von Daniel an, der das Band wohl nicht aus sportlichen sondern ästhetischen Gründen gekauft hat.

Doch der abendliche Vergleich in der Community ist mir nach einer Weile nicht genug. Es reizt mich mehr. Es reizt mich die Idee eines direkten Duells. Ein knallharter Kampf um jeden einzelnen Fuel. Am besten mit einem ebenbürtigen Gegner, denn nichts spornt einen mehr an, als der direkte Vergleich mit einem Kontrahenten. Ein Gegner ist auf Nike+ schnell gefunden: David, ein Zürcher Werber. Auf dem Papier sieht alles perfekt aus: Ausdauersportler gegen Kraftsportler, Boxer gegen Hockeyaner. Regeln gibst keine. Es zählt einzig die Summe der Fuelpunkte nach acht Tagen. Der Wettkampf beginnt:

Tag 1
3600 Fuelpunkte macht ein Durchschnittssportler im Alter von 25 bis 29 Jahren. Das gibt Nike als Richtwert durch. Um diesen Wert zu erreichen, ist einiges an Einsatz gefragt. Wer im Büro arbeitet, bringt es am Ende des Tages auf etwa 1000. Deshalb gehe ich aus Prinzip alles zu Fuss. Das Benutzen des Aufzugs ist verboten. Gleich zu Beginn unseres Duells treffen wir uns zum Boxtraining. Eine Stunde quälen wir uns mit Liegestützen, Situps und Schattenboxen ab. Nach einer Stunde Training liegt David mit rund 1200 Fuelpunkten voraus. Abends bessere ich meine Bilanz mit Unihockey auf. Ich spurte, versuche an jeden Ball zu kommen, lasse mich selten auswechseln. Der Tagessieg gehört mir. David kommt auf 5200 Punkte. Ich auf 6100.

Tag 2
Die Zahlen haben mich voll im Griff. Ständig checke ich die Werte ab. Ich will schon morgens aus der roten Zone, akzeptiere nur grün. Wenn ich nur im Büro sitze, verbrenne ich kaum Kalorien. 50 Fuelpunkte gehts pro Stunde vorwärts, zu wenig. Ein SMS von David um halb neun setzt mich enorm unter Druck. «Schon 2500 Fuels», lese ich auf dem Display. Er war bereits um 6 Uhr auf den Beinen, bei perfekten Wetter legte er einen 8-km-Lauf am Basler Rheinhafen hin. Um aufzuholen, entscheide ich mich über Mittag für ein Lauftraining. Vorwärts komme ich allerdings nicht. Durch die vielen Stop-and-Gos im Strassendschungel Zürich komme ich gerade mal auf 1500 Punkte. David hat die Marke von 3000 längst geknackt. Angetrieben von der Angst, eine Schlappe einzufangen, gehe ich abends nochmals laufen. 10 Kilometer sind mein Ziel, das Tempo bewusst hoch. Die Bilanz lässt sich sehen. Ich schliesse mit 5500 ab. David gibt 5200 durch. Obwohl ich in Führung liege, zeichnet sich ein Kopf an Kopf Rennen ab. So viel ist klar.

Tag 3
Meine Beine sind müde. Die Oberschenkel schmerzen. Die Belastung in den letzten beiden Tagen war zu viel. Wenn das so weiter geht, bin ich in fünf Tagen ein Wrack, sage ich mir. Jetzt heisst es regenerieren. Meine Strategie: Den Gegner leicht in Führung gehen lassen, um dann im entscheidenden Moment zuzupacken. David hingegen gibt Vollgas. 90 Minuten Boxtraining absolviert er über Mittag. Das Sacktraining haut buchstäblich Fuel drauf. Der Tag endet für ihn mit 5435 Fuel. Mein Faulenzen kostet mich die Führung. Ich liege mit 3500 Punkten klar zu tief, vergebe die Führung. So schnell gehts.

Tag 4
Ich bin immer noch müde. Ich schlafe länger, brauche immer noch Erholung. Aber auch David spürt das Duell in den Knochen. Seine Tage beginnt er jeweils früh, bewegt sich morgens mehr und hetzt von einem Kundentermin zum nächsten. Um Mitternacht zählt sein Fuelband 5462. Ich hingegen kam nicht so recht auf Touren. Mein Fuelband zeigt 2600. Der Einbruch drückt aufs Gemüt. Die Motivation wäre ja da, der Körper streikt. Es muss sich was ändern.

Tag 5
Jetzt heisst es aufholen. Alle Kräfte müssen mobilisiert werden. Ich geh morgens vier Kilometer joggen. Mittags nochmals acht Kilometer, mache Hanteltraining, poliere die Bilanz mit Seilspringen auf und putze die Küche. Der Wert steigt. Um 16 Uhr habe ich einen Traumwert von 4300 Fuel. Und David? Auch er legt sich ins Zeug. Nach dem Meeting mit seinem Geschäftspartnern in Zürich joggt er 7,6 km zurück nach Kilchberg. Das Ausschlafen kostete ihn allerdings wertvolle Punkte. 24:00 Uhr heisst es Abrechnung: Ich schick ihm ein Bild meiner Anzeige: 6000. I am back. Das Rennen ist wieder offen. Zu meiner Überraschung kommt er auf einen Tageswert von 4325.

Tag 6
Jetzt ist klar warum. Am Telefon erklärt er mir, dass auch er müde ist. Was wir an Fuels sammeln, kommt der Aktivität eines Extremsportlers nach. Davids Tag beginnt spät. Wieder verschläft er wertvolle Fuelpunkte. Ich sehe meine Chance gekommen. Ich entscheide mich für den Lauf der Woche. Die magische Grenze von 8000 Punkten schwebt mir vor. Ich laufe auf den Uetliberg – plus 1000 Punkte. Jogge zur Felsenegg und wieder zurück – plus 3000 Punkte. Sprinte auf den Turm – plus 300 Punkte. Und jogge gemütlich wieder nach Hause – plus 2000 Punkte. Abends bin ich noch voller Energie. Ich entscheide mich für einen lockeren Lauf: Plus 1300 Punkte. Um Mitternacht steht 8080 auf meiner Anzeige. War das der Sieg? David schreibt mir eine SMS. Der Schock: 3906. Das wars.

Tag 7
Meine Taktik scheint aufgegangen zu sein. Nun nicht locker lassen. David und ich treffen uns zu einer zweiten Direktbegegnung. Joggen entlang der Sihl. Wir machen einen 5-km-Lauf. Beide konnten wir den Tag durch wenig Fuel sammeln. Wir joggen locker. Doch ich spüre das linke Bein, mein gestriger Husarenstreich hat mich körperlich ans Limit gebracht. Trotzdem schenken wir uns nichts. Die kompetitive Komponente des Fuelbands gipfelt darin, dass es nicht mehr nur darum geht, wer das höchste Fuel einfährt. Sondern auch darum, wer der Schnellere ist: Wie die Irren jagen wir im Schlussspurt die Bürglistrasse runter. David gewinnt klar. Real hat er mich abgehenkt. Virtuell bin ich immer noch in Front.

Tag 8
Zwar konnte David den Abstand verringern. Doch nach meinem Kassensturz bin ich nur noch 1000 Punkte in Führung. Zu einem Fuelshowdown kommt es nicht. Er muss sein dienstägliches Boxtraining wegen eines Meetings sausen lassen. Tatsächlich kommt er um Mitternacht nur auf 4130 Fuel. Durch das Unihockey und Lauftraining knacke ich nochmals die 5000er-Marke. Die Bilanz lässt sich sehen. Am Ende gewinne ich mit 1200 Punkten Differenz, was äusserst knapp ist.

Fazit

Zuerst das Gute: Das Fuelband von Nike ist in jeder Hinsicht ein tolles Gadget, das nur schon wegen der LED-Leuchten einen Kauf wert ist. Es bringt alle Fakten auf den Tisch und verbindet diese clever mit dem Netz. Ganz nach dem Motto: «You can only improve what you can measure.» Mein Alltag wurde aktiver und ich entwickelte mich vom Couch-Potato zum Runner. Das Resultat: Nach 5 Wochen verlor ich 5 Kilogramm an Gewicht.

Nun zum Schlechten: Seit 2 Wochen trage ich mein Fuelband nicht mehr. Das Dings ist im Innern durchgerostet, was es untauglich macht. Wie das passieren konnte? Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist die Entwicklung vom Läufer zurück zum Couch-Potato auf der Waage deutlich zu erkennen: Plus 2 Kilogramm. Und David? Er kommt nur schwer vom Fuelband los. Er sammelt mit seinem Personaltrainer am Handgelenk immer noch Fuel und das verbissener als je. Neuerdings sogar mit einem Spezialschuh von Nike.

Und was halten Sie von solchen digitalen Vermessern?

*Christian Lüscher ist Reporter bei Newsnet in Zürich.

Wenn ein Kapitel im Drehbuch fehlt

Pia Wertheimer am Montag den 16. Juli 2012
Aufgeben liegt nicht drin: Erschöpft im Ziel. (Keystone)

Aufgeben liegt nicht drin: Erschöpft im Ziel. (Keystone)

Zwei Wochen sind seit dem Swiss Olympic Gigathlon 2012 vergangen. Gegen die körperlichen Schmerzen haben die verschriebenen Medikamente geholfen, gegen die emotionalen Wunden ist aber kein Kraut gewachsen. Die Enttäuschung ob des aufgegebenen Teamwettkampfs sitzt mir noch in den Knochen – die sportlichen Pläne für die kommenden Monate liegen seither auf Eis.

Aufgeben hatte ich in meinem Drehbuch nicht vorgesehen. «Ein häufiger Fehler», sagt Mentaltrainer und Ultratriathlet Daniel Meier. Dieses Szenario gehöre zu jedem sportlichen Wettkampf – egal, ob es sich um einen 5-Kilometer-Lauf oder einen mehrfachen Ironman handle. «Es spielt nicht nur die Willensstärke und die Motivation eine Rolle, manchmal machen einem Sportler nicht beeinflussbare Faktoren wie ein Zielschluss, das Wetter oder gesundheitliche Risiken sowie Verletzungen einen Strich durch die Rechnung.» Ausblenden zaubere das Schreckensszenario nicht weg. Sportler sollten sich deshalb vor Wettkämpfen damit befassen. Sie installieren sich damit ein mentales Fangnetz, das sie auffängt, falls alle Stricke reissen.

Seit dem Gigathlonwochenende kenne ich den Weg, der mich von allen Strapazen erlöst: «The easy way out». Würde ich künftig dem bisher für mich unbekannten Weg des geringsten Widerstandes widerstehen können? Meier spricht Klartext: «Diese Option wird künftig in allen Drehbüchern verankert sein.» Und zerstreut sogleich meine wachsenden Zweifel: «Die Fortsetzung aber auch – du wirst nächstes Mal wissen, wie du dich danach fühlst.» Das werde in meine Entscheidung einfliessen.

Enttäuschung hat emotionale Spuren hinterlassen – normal, findet Meier. Das ist nicht nur im Sport so. Es hat mit Erwartungen, Zielsetzungen zu tun. Das ist einfach: Mein Ziel war das Ziel. Meier bohrt aber weiter: Und worum ging es? Darum, an die Grenzen zu gehen und dabei Spass zu haben. Fazit: Mein Ziel habe ich klar verfehlt und damit auch gleich jenes meines Teampartners zerstört – das schmerzt. Als würde Meier mir aber eine wohltuende Salbe in die Hand drücken, realisiere ich mit meiner Antwort, dass ich die Grenze aber durchaus erreicht habe – obschon sie diesmal vor der Ziellinie lag. Mit einem schmerzenden Steissbein und einem Hämatom am Allerwertesten war die Limite am zweiten Gigathlon-Tag bei Kilometer 34 der Radetappe erreicht. Der Spass war schon seit einigen Kilometern auf der Strecke geblieben.

«Es geht für jeden Sportler bei jedem Wettkampf darum, eine Zielformulierung zu finden.» Der Mann, der im vergangenen Jahr einen zehnfachen Ironman hinter sich brachte, muss wissen, wovon er spricht. «Ich mache das während meines Trainings.» Er beziehe dabei die Gegebenheiten des Wettkampfes und seinen eigenen Zustand mit ein. Für den in drei Wochen anstehenden dreifachen Ironman etwa sei er verletzungsbedingt nicht so gut vorbereitet, wie er es sich erhofft hatte. «Eine Zeit anzupeilen wäre deshalb aus mentaler Sicht riskant.» Seine Zielformulierung für die bevorstehenden Strapazen lautet deshalb: «Es gibt nur eine Wettkampfintensität und das ist meine.» Der Winterthurer gewinnt seine Erkenntnisse nicht nur aus Lehrbüchern. Er hat in Gesprächen mit Athleten und während seiner Wettkämpfe die mentalen Hürden und Möglichkeiten verschiedener Menschen kennengelernt. Er weiss, dass es auch fürs mentale «Krafttraining» verschiedene Methoden gibt – die Anwendungen variieren je nach Situation und Sportler.
Hier einige Beispiele aus Meiers mentaler «Apotheke»:

  • Visualisieren: Visualisieren kann verschiedentlich eingesetzt werden. Dabei kann sich der Sportler unter anderem eine positive Situation vorstellen. Meier rät mir etwa, mich daran zu erinnern, wie gut es mir erging während der ersten 20 Kilometer vor dem fatalen Sturz auf den Skates, als ich zuweilen gar die Führungsarbeit in einer kleinen Gruppe übernahm. Die positiven Gefühle motivieren.
  • Selbstgespräche: Für Meier eines der zentralen Hilfsmittel. Er meint damit die Gedanken, die Art und Weise also, wie ein Sportler permanent mit sich selber spricht. Er kann sich damit in eine Negativspirale katapultieren, oder aber sein Selbstvertrauen stärken und sich selbst ermuntern, die Strapazen anzupacken. Meier vermutet, dass ich nach dem Sturz in einer Negativspirale gefangen war und es mental nicht daraus heraus schaffte. Dies liess die letzten zehn Kilometer der Inlinestrecke zur Qual werden.
  • Atemtechnik: Mit raschem Atmen kann sich ein Sportler aktivieren, mit tiefen und langsamen Atemzügen beruhigen. Meier legt mir letzteres ans Herz, wenn ich das nächste Mal die Skates schnüre.
  • Aufmerksamkeitstraining: Es geht darum, die Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes zu lenken. Das mulmige Gefühl, das sich einschleichen könnte, wenn ich die Skates nächstes Mal schnüre, monopolisiere typischerweise meine Aufmerksamkeit. Meier hat ein Werkzeug dagegen: «Konzentriere dich beispielsweise auf die Zielsetzung deiner Trainingsstrecke – im Nu ist die Unsicherheit Geschichte.»

Mentaltrainer Daniel Meier hat mir mentale «Pflästerchen» in die Hände gelegt. Jetzt können nicht nur die Schürfungen und das Hämatom heilen…

Welche Krankheiten riskieren Sportmuffel?

Natascha Knecht am Montag den 5. März 2012
Lässt sich bewegen: Angestellte der Moskauer U-Bahn auf der Rolltreppe. (Keystone)

Lässt sich bewegen: Eine Angestellte der Moskauer U-Bahn fährt mit der Rolltreppe. (Keystone)

Die Motivation für regelmässiges Sporttreiben variiert von Mensch zu Mensch. Der eine joggt, um sich fit zu fühlen, der andere, um sein Gewicht in Schach zu halten. Andere haben Ziele, wollen über sich hinauswachsen, ihre physischen Grenzen testen. Manche sagen, Sport sei ein wichtiger Faktor, um psychisch ausgeglichener zu leben.

Aber was geschieht eigentlich, wenn wir uns zu wenig oder gar nicht bewegen? Bisher war bekannt, dass Bewegungsmuffel ein erhöhtes Risiko aufweisen, Herzerkrankungen und Diabetes Typ 2 zu entwickeln. Weshalb das so ist, wusste die Wissenschaft allerdings nicht. Denn es gibt keinen typischen Couch-Potato. Der eine ist vielleicht übergewichtig, der andere dagegen ein fanatischer Körnlipicker und schlank, treibt aber trotzdem keinen Sport.

Im Rahmen einer Studie baten nun Forscher der University of Missouri eine Gruppe junge, gesunde und sportliche Erwachsene, sich markant weniger zu bewegen, einigen wurde gar absolute Bettruhe verordnet. Das Resultat publizierten sie soeben im Magazin Medicine & Science in Sports & Exercise.

Auch schlanke Menschen sind betroffen

Im Zentrum der Studie stand insbesondere die Frage, wie sich körperliche Inaktivität auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Denn besonders nach Mahlzeiten schnellen die Werte in die Höhe. Diese massiven Schwankungen gelten als Hauptursache für Diabetes Typ 2 und Herzprobleme – Körpergewicht und Körperfettanteil spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Die Missouri-Probanden wurden mit Überwachungsgeräten ausgerüstet, welche den Blutzuckerlevel rund um die Uhr massen. Zudem erhielten sie einen Pedometer, der zählt, wie viele Schritte sie in ihrem Alltag gehen. Und sie mussten ein Tagebuch führen, was und wie viel davon sie gegessen haben.

In den ersten drei Tagen durften die Volontäre ihren gewohnten Lebensstil nicht verändern, sie mussten sich so viel bewegen wie normal und ihr Sportprogramm wie üblich absolvieren. Im Schnitt machten die jungen Probanden 13’000 Schritte pro Tag (der Bevölkerungsdurchschnitt liegt bei ca. 5’000 Schritten, empfohlen sind mind. 10’000). In diesen drei Tagen zeigten die Messgeräte an, dass ihre Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten nur wenig anstiegen.

Ganz andere Resultate dann aber während des zweiten Teils des Experiments, als die Probanden ihr Sporttraining ausliessen, sich im Alltag weniger als 5000 Schritte pro Tag bewegten, mit dem Lift fuhren, statt die Treppe zu nehmen, sich das Mittagessen liefern liessen, statt es draussen beim Take-away selber zu holen. Gegessen haben sie exakt die selben Mahlzeiten und Snacks wie während der ersten drei Tage, um die Resultate nicht aufgrund fettreicherer oder zuckerhaltigerer Nahrung zu beeinflussen. Folge: Die Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten waren im Durchschnitt 26 Prozent höher als in den Tagen, in denen sie sich normal bewegten und Sport trieben. Mit jedem inaktiven Tag stiegen die Werte mehr an.

Die Wissenschaftler waren überrascht, wie unmittelbar sich körperliche Inaktivität auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Veränderungen des Fitnesszustandes treten dagegen erst mit der Zeit auf, ebenso die Zunahme von Körperfett (aufgrund der verminderten Aktivität).

Treppenlaufen für die Gesundheit

Die gute Nachricht: Nachdem die Volontäre wieder normal aktiv waren, pendelte sich ihr Blutzuckerspiegel rasch wieder ein, er schnellte nach den Mahlzeiten nicht mehr rapide in die Höhe.

Die bedenkliche Nachricht: Wer sich über lange Zeit hinweg kaum bewegt, mutet seinem Körper starke Schwankungen des Blutzuckerhaushalts zu und entwickelt damit ein ernsthaftes Risiko, chronisch an Diabetes Typ 2 oder Herzproblemen zu erkranken. Ob eine Person übergewichtig ist oder nicht, und ob sie auf die Ernährung achtet, hat offenbar nur einen geringen Einfluss darauf.

Darum empfehlen die Forscher der University of Missouri, sich regelmässig zu bewegen – bereits kleine Einheiten würden sich positiv auswirken. Im Büro immer wieder aufstehen und umhergehen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder eine Tramhaltestelle früher aussteigen, Treppen steigen statt Lift fahren etc. Es sei nicht nötig, ein Marathon-Training zu absolvieren, um sich vor den erwähnten Volkskrankheiten zu schützen. Aber das Forschungsresultat zeige klar: Bewegung ist das A und O.

Als leidenschaftliche Sportler nehmen wir solche Ergebnisse natürlich gerne zur Kenntnis, oder?