Blogs


Archiv für die Kategorie „Aktuell“

Jeder dritten Joggerin schmerzen die Brüste

Natascha Knecht am Montag den 10. Juni 2013
(Flickr/Mike Baird)

Den richtigen Sport-BH zu finden ist nicht einfach: Joggerinnen in den USA. (Flickr/Mike Baird)

Bestimmt haben Sie das auch schon beobachtet: Es gibt Joggerinnen, die kommen mit ziemlich wackeligen Brüsten daher – auch solche, die keinen übermässigen Brustumfang haben. Ich denke dann jedes Mal: Weshalb kaufen sich die keinen anständigen Sport-BH? Doch den perfekt sitzenden Sport-BH zu finden, ist offenbar nicht so einfach, wie das British Journal of Sports Medicine jetzt berichtet.

Ein Team um Dr. Nicola Brown von der Sportschule der St. Mary’s Universität in London liess 1397 Starterinnen am London Marathon einen Fragebogen ausfüllen. Die Forscherinnen wollten herausfinden, ob und wie vielen Frauen beim Laufen die Brüsten schmerzen, was die Gründe dafür sind und wie diese unangenehme Nebenwirkung umgangen werden kann.

Resultat:

  • 32 Prozent der befragten Marathon-Frauen, also fast jede Dritte, spüren beim Laufen Schmerzen in den Brüsten (manche gelegentlich, manche oft).
  • Am häufigsten betroffen sind Frauen mit grossem Brustumfang (51 Prozent), aber auch Frauen mit Cup A und weniger kennen das Problem (24 Prozent). Das zeige, so das Ärzteteam, dass nicht nur Vollbusige betroffen sind. Auch etwa Marathon-Läuferinnen, bei denen durch jahrelanges, intensives Training kaum noch Brüste zu sehen sind, können betroffen sein.
  • Frauen, die keine Kinder geboren haben, sind häufiger betroffen (35 Prozent) als Mütter (28 Prozent).
  • Das Alter spiele bei diesen Schmerzen keine Rolle.
  • 17 Prozent der betroffenen Frauen haben deswegen schon ihre Trainingsstrecke oder das Lauftempo reduziert. 25 Prozent haben das Training sogar schon ganz ausfallen lassen.
  • 91 Prozent der Betroffenen tragen einen gewöhnlichen Sport-BH. 44 Prozent von ihnen unternehmen nichts weiter gegen die Beschwerden. 21 Prozent tragen einen speziellen Sport-BH. 15 Prozent nehmen Schmerzmittel. 14 Prozent halten beim Laufen ihre Brüste mit den Händen.

Das BH-Angebot ist zu klein

Die Schmerzen könne der Monatszyklus verursachen. In den meisten Fällen sei aber der schlecht sitzende Sport-BH der Grund. Das Ärzteteam folgert aus den gesammelten Daten, dass das Angebot an Sport-BHs auf dem Markt bei weitem nicht den Bedürfnissen der Läuferinnen entspricht. Die Messungen von Brustumfang und Unterbrustumfang – also die zwei wichtigsten Angaben für einen gut sitzenden Büstenhalter – ergab bei den 1397 Marathon-Frauen 56 unterschiedliche BH-Grössen.

Frauen wissen, es ist schon schwierig, den perfekt sitzenden Alltags-BH zu finden. Doch da sei die Auswahl bedeutend grösser als bei Sport-BHs, sagt Dr. Nicola Brown. «Die Hersteller sollten mehr tun, damit Frauen, egal welche Grösse sie benötigen, einen aktiven und gesunden Lifstyle pflegen können.» Manche Frauen würden überhaupt keinen Sport treiben, weil der passende BH nicht existiere.

Eine grenzenlose Unsportlichkeit

Pia Wertheimer am Dienstag den 4. Juni 2013


Ich kann es noch heute kaum fassen: Was ich dieses Wochenende erlebt habe, ist an Unsportlichkeit kaum zu übertrumpfen. Der erste Übeltäter war Petrus. Seine Unsportlichkeit machte aus dem Ironman 70.3 in Rapperswil vier Tage vor dem Start einen Duathlon. Die Temperatur des Obersees war zu kalt und stellte für die Triathleten eine Gefahr dar. Die Veranstalter ersetzten die 1,9 Kilometer lange Schwimmetappe durch eine 4,5 Kilometer lange Laufstrecke, welche den 90 Kilometern Rad und dem regulären Halbmarathon voranging.

Damit aber nicht genug, Petrus wütete weiter: Die starken Schauer, die Ende vergangener Woche über die Schweiz zogen, setzten einiges unter Wasser – auch einen Teil der Laufstrecke, weshalb der Veranstalter uns Athleten am Renntag wissen liess, dass die Schlussetappe statt 21 lediglich 20 Kilometer betragen würde. Was wir aber nicht ahnten: Petrus hatte sich nur warmgelaufen. Rund eine Stunde nach dem Start der Profis drückte er dem Anlass seinen finalen Stempel auf: Ein lokaler Starkregen war für einen Hang neben der Zürcherstrasse zwischen Schmerikon und Bollingen (siehe Karte unten) zu viel. Er rutschte zwischen dem Spitzenfahrzeug und den führenden Athleten ab und begrub die Strasse unter sich. Die Organisatoren gaben sich geschlagen und bliesen das Rennen ab.

Enttäuschung und Erleichterung

Mit den anderen Frauen, die um 9.15 Uhr auf die erste Laufstrecke hätten geschickt werden sollen, erlebte ich das Wetter-Foul im Trockenen der Rapperswiler Eishalle. Wir standen startbereit, als uns der Speaker bat, wieder an die Wärme zu gehen – unser Start sei verschoben. Rund 15 Minuten später gaben die Veranstalter den Abbruch bekannt.

Auf meine Enttäuschung folgte bald schon Erleichterung, dass niemand bei diesem Erdrutsch verletzt worden war. Meine Erleichterung hatte aber auch einen ganz egoistischen Grund – auf Grund meines Trainingsrückstandes bin ich heute noch nicht sicher, ob ich den halben Ironman beendet hätte. Zugegeben – ich konnte es darum gelassener nehmen als jene Athleten, die sich just diesen Anlass als Jahresziel ausgesucht hatten. Was ich aber in der Wechselzone erlebte, als ich mein Velo und Habseligkeiten wieder zusammenpackte, lässt mich heute noch vor Wut kochen.

Unnötig risikobereit

Eine Athletin liess nicht nur ihrer Enttäuschung freien Lauf (wofür ich absolutes Verständnis gehabt hätte), sie schimpfte: «Das ist ein Ironman, sie sollen uns starten lassen – schliesslich ist das nichts für Weicheier», war der ungefähre Wortlaut. Sie konnte partout kein Verständnis für den Entscheid der Organisatoren aufbringen, das Rennen abzubrechen. Zwei andere Sportler machten ihrem Ärger im selben Ton Luft und sprachen von einem «Fehlentscheid» und der «Kurzsichtigkeit» des Veranstalters. Sie schlagen damit in dieselbe Kerbe, wie jene Teilnehmer, welche den Organisatoren in den sozialen Medien Saures gaben, weil sie die Schwimmstrecke aus Sicherheitsgründen strichen. Alle, die auf diese Weise argumentieren, sind keine eisernen Kämpfer, sondern unnötig risikobereit und unsportlich. Sie setzen ihren Egoismus vor das Wohlergehen anderer Menschen.

Nicht immer gehe ich mit Organisatoren von Veranstaltungen in ihren Entscheidungen einig, doch die Verantwortlichen des Ironman 70.3 von Rapperswil haben ihr Menschenmögliches getan, um den Anlass durchzuführen. Sie haben mit Hilfe der Feuerwehr am Morgen des Rennens Wasser von der Strasse gepumpt und Geröll weggebracht. Gemeinsam mit der Polizei befanden sie kurz vor dem Start die Strecke als sicher. Dass Petrus sein letztes Wort noch nicht gesprochen hatte, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen – die Meteorologen sprachen höchstens von einzelnen Tropfen.

Die Ironman-Distanz ist ein Parforceritt und schon wer die halbe Distanz bewältigen kann, erntet Bewunderung (und natürlich Kopfschütteln). Wir Athleten – auch wenn wir unter «ferner liefen» – sind es unserem Sport schuldig, diese kleine Vorbildrolle wahrzunehmen. Schwerverletzte oder gar Tote hätten die Kopfschüttler in ihrer Meinung bestärkt und die Bewunderer zurückschrecken lassen. Oder rechtfertigt ein immenser Trainingsaufwand das erhöhte Risiko von Verletzten?


View Larger Map

«Joggen ist wie Sex»

Natascha Knecht am Montag den 27. Mai 2013

Sport soll ja auch Freude bereiten, darum heute ein Thema zum Schmunzeln. Es beginnt mit folgendem Zitat:

«Joggen ist wie Sex.
Du musst nicht gut darin sein,
um dabei Spass zu haben.»

Dies sagte der irische Senator Jimmy Harte vor einigen Monaten bei einer Medienveranstaltung zum Thema Reisetourismus (!) – und machte sich damit quasi über Nacht in der Läuferszene bekannt. Als erster belustigte sich Mark Remy, Blogger bei Runner’s World über das Zitat, und er führte weitere Gründe auf, weshalb Joggen wie Sex ist. Seither geistert das Thema durch die Sozialen Medien, die Community scheint es zu inspirieren. Jedenfalls wurden amüsante Argumente zusammengetragen. Hier eine kleine Auswahl:

«Joggen ist wie Sex. …

  • … Es ist besser, wenn Du nicht zu schnell startest.»
  • … Seit Nachwuchs da ist, klappts nur noch 1 Mal pro Woche.»
  • … Danach schläfst Du besser.»
  • … Wenn Du es am Morgen machst, fühlst Du dich für den Rest des Tages gut.»
  • … Du kannst es schnell, oder langsam tun.»
  • … Es empfiehlt sich, den Kaugummi vorher rauszunehmen.»
  • … Je schneller Du startest, desto eher bist Du im Ziel.»
  • … Krämpfe auf der Zielgeraden solltest Du vermeiden.»
  • … Die passende Playlist kann einen Unterschied machen.»
  • … Nach dem ersten Mal gibts noch Steigerungspotenzial.»
  • … Wenn Du es einen Tag nicht macht, vermisst Du etwas.»
  • … Manchmal hast Du keine Lust darauf. Aber wenn Du es trotzdem tust, bereust Du es danach nur selten.»
  • … Es entschleunigt vom Alltagsstress.»
  • … Nach einem gewissen Alter, werden die Erwartungen realistischer.»
  • … Wenn Du gut darin bist, geniesst Du es noch mehr.»

Fällt Ihnen auch ein Grund ein?

Schlafen Sie dank Alkohol besser?

Natascha Knecht am Montag den 4. Februar 2013
In Lyon probieren Frauen einen Beaujolais. (Reuters/Robert Pratta)

Nach einem Glas Rotwein schläft man schneller ein: In Lyon probieren einige Frauen einen Beaujolais. (Reuters/Robert Pratta)

Dass sich ein Bier nach dem Training positiv auf die Regeneration und die Gesundheit auswirkt, ist bekannt. Allerdings nur Alkoholfreies. Aber mit welchen Konsequenzen müssen Sportler rechnen, wenn sie Alkohol konsumieren, insbesondere vor der Nachtruhe?

Selber habe ich folgende Erfahrungen gemacht: Wenn ich tagsüber Sport treibe – egal, ob Joggen, Langlauf, Skifahren, Wandern, Bergsteigen, Pilates, etc. – schlafe ich am Abend rasch ein und erwache am Morgen herrlich erholt. Anders ist das hingegen, wenn ich bis in den späten Abend aktiv bin, wenn ich zum Beispiel erst nach 21 Uhr vom Lauftraining zurückkomme. Oder wenn ich nach Feierabend in die Kletterhalle gehe. Meistens bleiben wir dort bis geschlossen wird, also mindestens bis 22.30 Uhr. Nach Hause komme ich dann weit nach 23 Uhr, fühle mich energiegeladen und aufgekickt, könnte Bäume ausreissen und Berge versetzen. An Schlaf ist vorerst jedenfalls nicht zu denken.

Alkohol ist für Sportler besonders ungünstig

Trinke ich dann zum Entspannen gemütlich ein, zwei Gläschen Wein, hilft mir das zweifellos, schneller ins Land der Träume zu finden. Aber: Nach vier, fünf Stunden wache ich auf und kann kaum mehr einschlafen. Ich bin unruhig, denke an die Tausend Dinge, die ich am nächsten Tag erledigen muss, döse zwischendurch vielleicht ein, aber erholsam ist das nicht. Resultat: Am Morgen stehe ich müde und gerädert auf, der Tag beginnt schlecht und meine Lust auf geistige oder körperliche Aktivität bleibt fern. Verzichte ich jedoch nach dem «Spät-Abend-Sport» auf Alkohol und warte einfach geduldig darauf, bis ich endlich einschlafe, bin ich am Morgen trotz kurzer Nacht immer noch fitter, als wenn ich meine Einschlafschwierigkeiten mit Rotwein bekämpfe.

Nun belegen Wissenschaftler genau das, was ich auch festgestellt habe. Die Ärzte von zwei britischen Schlafzentren werteten über hundert Studien in diesem Zusammenhang aus und kamen zum Schluss: Alkohol stört den Schlaf grundsätzlich. Zwar verkürzt er – egal in welcher Menge – die Dauer bis zum Einschlafen. Er verhilft anfangs sogar zum vertieften Schlaf, aber eben nur kurz. Danach unterbricht er die Schlafzyklen. Für Sportler ist das besonders ungünstig: Denn vor allem der Tiefschlaf regeneriere die Muskulatur, Knochen, das Gewebe und er stärkt das Immunsystem. Alkohol beeinträchtige zudem jene Schlafphase, während der wir träumen – wichtig für die geistige Erholung, um tagsüber konzentriert und motiviert zu bleiben. (Die umfassenden Studien-Auswertungen werden in der April-Ausgabe des Journals «Alcoholism: Clinical and Experimental Research» erscheinen. Eine Vorabmeldung lesen Sie hier.)

Süffige Stunden in Ehren

In einigen Ländern gehört ein Glas Wein zum Essen respektive ein Schnäpschen zur Verdauung einfach zur Kultur. Und selbst viele Mediziner sagen, mässiger Weingenuss senke das Herzinfarktrisiko, reguliere den Blutdruck und so weiter – also Volkskrankheiten, die Sportler durch ihre regelmässige körperliche Aktivität sowieso schon abwehren. Sicher wäre es übertrieben, Alkohol grundsätzlich zu verteufeln. Auch wir Sportler dürfen uns gelegentlich süffige Stunden gönnen. Solange wir uns den darauf folgenden schlechten Schlaf und die damit verbundene schlechte Regeneration bewusst sind, spricht hin und wieder auch nichts dagegen. Aber als Schlafmittel ist er definitiv ungeeignet und wirkt besonders, wenn wir sportliche Ziele verfolgen, völlig kontraproduktiv. Was sind Ihre Erfahrungen?

Jetzt wirds ganz dreckig

Natascha Knecht am Montag den 21. Januar 2013
Survival Run Thun

Überleben im Dreck: Sportlich fordert der Survival Run in Thun einiges ab. (Foto: Ryffel Running)

Ich liebe es, durch Wald, über Wiesen und bergauf zu joggen. Und ich trainiere stets nach Plan. Aber meine Ziele heissen eher Matterhorn als Marathon. Jedenfalls habe ich bis heute noch nie an einem Wettlauf teilgenommen. Es reizt mich schlichtweg zuwenig. Joggen bedeutet für mich Entschleunigung vom City-Alltag, und es ist eine Möglichkeit, mich fernab der hohen Berge fit zu halten.

Zufällig zappte ich letztes Jahr in eine TV-Sendung, wo es um ein Rennen der besonderen Art ging. Die Läufer mussten über Baumstämme klettern, durch Rohre kriechen, über Tarnnetze krabbeln, sich durch Wasserlöcher kämpfen und durch Matsch und Schlamm aalen. Am Ende waren alle von Kopf bis Fuss dreckig, von den Ohrmuscheln bis zu den Zehennägeln blieb nichts verschont. Warmduscher haben hier keine Chance, jeder muss unten durch.

Wow, dachte ich, ein solches Wildsau-Gaudi würde mir auch gefallen. Ich nahm mir vor, dieses Jahr in Thun dabei zu sein. Der sogenannte Survival Run findet am 10. März statt. Leider hat mir nun mein Knochenbruch am Bein einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar durfte ich mich vergangenen Donnerstag – nach sechs endlos langen Wochen sportlicher Zwangspause – von meinem «Freund», dem Vacoped-Gipsstiefel, trennen. Trotzdem geht Joggen noch nicht – null Kraft! Meine Muskulatur ist etwa so verkümmert wie jene einer bettlägerigen Grossmutter. Der Wiederaufbau dauert seine Zeit. Meine neuen Sportsfreunde heissen jetzt Pascal, der Physiotherapeut. Und Dr. med. Martin Narozny-Willi vom Medbase Sports Medical Center in Zürich – er ist seit über zwei Jahren auch unser Running-Doc hier im Outdoorblog.

Survival Run Thun

Spass, Schlamm und Spektakel: Nichts für Warmduscher. (Foto: AP / Monterey County Herald, David Royal).

Schicken Sie uns Ihr Bild!

Wer weiss, vielleicht bin ich im März wieder so gut auf den Beinen, dass ich den Survival Run bestreiten kann – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Falls nicht, fände ich es wirklich toll, wenn wenigstens einige von Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, zur Survival-Wildsau werden. Lassen Sie es mich bitte wissen, falls Sie sich anmelden und Lust hätten, mir Bilder von Ihrem Run zu schicken. Gerne würde ich einen Beitrag machen, wo ich explizit Outdooblog-Leserinnen und -leser zeigen könnte.

Für die meisten Teilnehmer geht es übrigens nicht um Superzeiten. Im Vordergrund stehen Schlamm, Spass und Spektakel. Eine Trophäe gibts nicht nur für die schnellste Frau und den schnellsten Mann, sondern auch für die originellste Verkleidung. Also für jenen Teilnehmer, der vor den 30’000 erwartetetn Zuschauern aus der Masse sticht.

Klar ist: Sportlich fordert der Survival Run einiges ab. Ausdauer, Kraft, Koordination, Geschicklichkeit, Mut. 16 Kilometer Distanz mit 50 Hindernissen sind kein Klacks. Wer sich zu wenig fit fühlt: Noch bleibt genügend Zeit fürs Training! Und ein Ziel vor Augen ist die beste Motivation. Gerade jetzt im Winter.

Organisiert wird der Survival Run Thun von Ryffel Running. Anmeldung unter: www.survivalrun.ch

Liebe Leserinnen und Leser, Wir haben zurzeit technische Probleme. Wir werden diese so schnell wie möglich lösen. Die Redaktion.

Den ganzen Tag sitzen ist lebensgefährlich

Natascha Knecht am Montag den 29. Oktober 2012
Grosses Gesundheitsrisiko: Arbeiter im Büro im Film «Alles Routine». (Bild: Fox)

Grosses Gesundheitsrisiko: Ein Angestellter (David Herman) sitzt im Büro. Szene aus dem Film «Alles Routine». (Bild: Fox)

Arbeiten Sie im Büro und treiben nach Feierabend regelmässig Sport? Dann gibt es für Sie eine schlechte Nachricht: Sie leben wahrscheinlich nicht länger als z. B. ein Mechaniker, der keinen Sport treibt. Oder anders gefragt: Schauen Sie gerne TV, rauchen aber nicht? Dann sterben Sie vermutlich früher als wenn Sie pro Tag bis zu zehn Zigaretten rauchen, aber nie vor der Glotze hocken würden. Und Sie ahnen es schon: Die tiefste Lebenserwartung haben Menschen, die viel im Büro arbeiten, am Abend viel fernsehen und viel rauchen. Da hilft es auch nichts, wenn sie täglich eine Stunde sportlich aktiv sind.

Wie schädlich ist Sitzen?

Das Journal «Diabetologia» veröffentlichte vorige Woche die Resultate einer Metastudie des Forschungsteams um Dr. Emma Wilmot. Sie verglichen und analysierten 18 Studien, die unabhängig voneinander durchgeführt und bei denen insgesamt 794’577 Personen befragt und untersucht wurden. Im Zentrum stand die Frage, welche Gefahren das Sitzen für die Gesundheit birgt.

Im Schnitt gaben die Teilnehmer an, 50 bis 70 Prozent des Tages im Sitzen zu verbringen. Die Forscher verglichen die Sitzdauer mit der Gesundheit und fanden heraus: Jene, die am längsten sitzen, erhöhen ihr Risiko, an Diabetes und Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken deutlich. Das Risiko für einen frühen Tod steigt um 49 Prozent.

Sport könne das Sitzen nicht ausgleichen

Studienleiterin Dr. Emma Wilmot sagt: «Leute, die im Büro arbeiten, reduzieren ihr Risiko auch dann nicht, wenn sie sich wie empfohlen täglich 30 Minuten bewegen.» Zwar werde ein Sportler bessere Gesundheitswerte haben als sein Kollege, der nach dem Büro nach Hause fährt und fernsieht. Ein Kellner, der den ganzen Tag auf den Beinen sei, habe verglichen damit jedoch ein viel geringeres Gesundheitsrisiko.

Viele würden sich selbst einreden, einen gesunden Lebensstil zu pflegen, weil sie täglich 30 Minuten Sport machen. «Aber sie müssen an die restlichen 23,5 Stunden des Tages denken.» Immerhin fügt Wilmot an, es sei zwar nicht ganz umsonst, wenn man sich nach der Arbeit aufraffe, eine Stunde zu joggen, aber ausgleichen könne das die schädlichen Auswirkungen des langen Sitzens nicht.

Sitzen ist also Gift für die Gesundheit. Diabetes sei die häufigste Folge. Weshalb das so ist und ab wie vielen Stunden die Folgerisiken auftreten, konnten sie noch nicht wissenschaftlich belegen. Man wisse bisher einzig, dass sich das lange Verharren in der ungesunden Sitzhaltung negativ auf die Glukosewerte auswirke und die Insulinresistenz erhöhen könne.

Um die Stunden im Sitzen zu reduzieren, geben die Forscher folgende Tipps:

-    Zwischendurch im Stehen arbeiten
-    Meetings im Stehen abhalten (Stehung statt Sitzung)
-    Während der Mittagspause herumspazieren
-    Die Zeit am Abend vor dem TV reduzieren

Ganz verteufeln wollen die Wissenschaftler den Sport dann aber doch nicht: Sport sei eine grossartige Möglichkeit, ein gesundes Gewicht zu halten. Und das sei wiederum die beste Möglichkeit, das Risiko von Typ-2-Diabetes zu minimieren.

Nun, was halten wir von dieser Studie? Bereits vor einem Jahr kamen australische Forscher zu einem ähnlichen Resultat. Sie hatten zudem herausgefunden, dass jede Stunde, die man vor dem Fernseher sitzt, die Lebenserwartung um 21,8 Minuten verkürzt. Gerne hätte ich gewusst, ob die Studienteilnehmer auch gefragt wurden, welche Sendungen sie sich im Fernsehen anschauen. Macht es für den Herz-Kreislauf einen Unterschied, ob man Gruselfilme schaut oder Rosamunde Pilcher? Welche Auswirkungen haben Hypochonder züchtende Sendungen wie «Puls» auf die Gesundheit?

Und erinnern wir uns an vergangene Woche, als durch die Medien ging, Pommes frites essen in der Schwangerschaft sei genau so schädlich wie Rauchen. «Würde das stimmen, gäbe es längst keinen einzigen Belgier mehr», kommentierte mein unsportlicher, vielrauchender Bürokollege. Erforscht ist übrigens auch schon, dass eine Zigarette die Lebenserwartung um 11 Minuten verkürzt – offenbar halb so viel wie eine Stunde vor dem TV sitzen. Können Sie das glauben?

Zwei Stunden lang fremdgehen

Pia Wertheimer am Montag den 8. Oktober 2012
Die Schrittmacher sind mit einem Ballon markiert: Teilnehmer am Greifenseelauf 2012. (Foto: Greifenseelauf.ch)

Die Schrittmacher sind mit einem Ballon markiert: Teilnehmer am Greifenseelauf 2012. Pacemaker ist der Franzose Guy Nunige. (Foto: Greifenseelauf.ch)

Läufer sind Egoisten. Sie sind Einzelgänger. Läufer sind nicht teamfähig und betreiben darum keinen Mannschaftssport. Sie sind Eigenbrötler, deren Beweggründe in aller Herrgottsfrühe aufzustehen und zu laufen rätselhaft ist.

Das sind einige Beispiele eines Klischees, das mir und Gleichgesinnten zuweilen anhaftet. Wer schon mal an einem Volkslauf zugegen war, weiss aber: Das stimmt so nicht. Dafür liefern an etlichen Wettkämpfen, zumindest eine Handvoll Läufer, einen unwiderlegbaren Beweis. Diese Kronzeugen tragen Ballone. Sie leisten Entwicklungshilfe für Teilnehmer, die sich ein Zeitziel gesteckt haben, welches sie nur knapp erreichen können. Und seit dem Greifenseelauf weiss ich, wie erfüllend die Aufgabe der Pacemaker ist: Zwei Stunden – das war für mich an diesem Septembersamstag das Mass aller Dinge. Zwei Stunden – Schweizer Genauigkeit und Verlässlichkeit verlangten die Veranstalter von mir. Ich war der lebende Tempomat jener Läufer, welche das Ziel des Halbmarathons innert zwei Stunden erreichen wollten.

Auf Nummer sicher

Und diese zwei Stunden raubten mir nahezu den Schlaf. Was, wenn ich aus irgendeinem Grund meine Schützlinge nicht innert zwei Stunden ins Ziel bringen würde? Was, wenn mein Magen nach zehn Kilometer streikt und ich mich in ein Toi-Toi verabschieden muss? Was, wenn ich am Start mit den Kräften meiner Schützlinge verschwenderisch umgehe und sie deshalb auf halbem Weg verliere? An diesem Tag hiess es läuferische Verantwortung übernehmen. Nach zahlreichen – nicht immer erfolgreichen – Wettkämpfen habe ich gelernt, mit eigenen verfehlten Zeitzielen umzugehen. Verpasste ich die 2-Stunden-Limite, würde ich für einmal aber nicht lediglich meine eigenen Erwartungen enttäuschen. Diesmal würden jene Läufer die Quittung erhalten, die sich an meine Fersen geheftet hatten.

Es galt also vom Start weg das richtige Tempo zu finden und mich keinesfalls von den vorbeiziehenden Teilnehmern anstecken zu lassen. Das richtige Tempo, die richtige Taktik. Ich hatte dabei zwei vernünftige Alternativen: Entweder lief ich die gesamten 21,1 Kilometer in einer konstanten Geschwindigkeit, oder trat während der ersten Hälfte auf die Bremse, um dann auf der zweiten Gas zu geben. Ich beschloss auf Nummer sicher zu gehen und wählte die konstante Option.

Schrittmacher, Motivator, Unterhalter

Kurz nach 15 Uhr war es soweit. Ein Ballon kennzeichnete mich als Tempomacher. Auf ihm prangte eine schwarze 2:00. Diese 120 Minuten bescherten mir noch immer einen schnelleren Puls. 7200 Sekunden für 21,1 Kilometer – eine Zeit, die mir eigentlich kein Kopfzerbrechen bereiten sollte. Tat sie aber – wegen der Verantwortung, dem Vertrauen, das mir meine Schützlinge entgegenbrachten. Sie scharten sich bereits um mich, lächelten, traten von einem Fuss auf den anderen. Für sie ging es an diesem Greifenseelauf um die Wurst, sie wollten die 2-Stunden-Limite knacken. Meine Nervosität wich in diesem Moment der Entschlossenheit. Ich würde das Piamögliche tun, um ihnen dabei Schrittmacher, Motivator und Unterhalter zu sein.

Der Startschuss fiel. Wir liefen los. Rund zehn Läuferinnen und Läufer hatten sich an meine Fersen gehängt. Ein Läufer wollte wissen, wie meine Strategie aussah, eine Teilnehmerin warnte mich bereits nach den ersten 100 Metern: «Ich weiss im Fall nicht, ob ich das schaffe.» Da war sie wieder, die Verantwortung, ich schaute auf meine Uhr – wir waren eine Spur zu schnell unterwegs, als wir die 5-Kilometer-Marke passierten. «Tempo drosseln, sonst verheizt du sie.» Ich blickte zurück, einige hatten sich bereits zurückfallen lassen. Ich kündigte die nächste Verpflegungsstation an. In den Augen «meiner» Läufer war die Erleichterung nicht zu verkennen.

Zurücklassen schmerzt

Nach der Hälfte hatten wir uns ein Polster von drei Minuten erarbeitet. Ich versuchte in den Gesichtern meiner Schützlinge zu lesen, die meisten hatten ganz offensichtlich zu kämpfen begonnen, der «Spaziergang» war vorbei, Stille hatte sich über den kleinen Tross gelegt. Einer der Läufer hatte den Blick auf den Boden geheftet, er hob ihn kaum mehr. Aus eigener Erfahrung wusste ich, dass dies eines der Symptome der Resignation ist. Gut zureden half nicht, er winkte ab und liess uns ziehen. Die Steigung nach der Schifflände Maur brach den Willen weiterer Schützlinge – die Gruppe schrumpfte drastisch. Eine junge Frau kämpfte sich hoch, ihr Gesichtsausdruck war von Entschlossenheit gezeichnet. Trotzdem reichte es nicht, sie verlor den Anschluss. Ich war versucht die Geschwindigkeit zu verringern, um sie wieder mitzunehmen. Mein Verstand rief mein Herz zur Ordnung: «Wartest du, bringst du das Ziel der anderen in Gefahr!» Ich liess sie zurück – und für einmal war es keine Wohltat eine andere Teilnehmerin hinter mir zu lassen, es schmerzte.

Meine kleine Gruppe nahm die letzten fünf Kilometer unter die Füsse. Der mentale Stolperstein des Greifenseelaufs ist eine Schleife in Riedikon – hin und dieselbe Strecke wieder zurück zu laufen, mit schweren Beinen, fordert innerliches Stehvermögen. Ich versuchte meine Protegés auf dem Hinweg davon abzubringen, sich auf die entgegenkommenden Sportler zu konzentrieren. «Guckt euch die Stimmung über dem See an, wir sind bald am Wendepunkt angelangt», riet ich und hoffte ihnen damit nicht auf die Nerven zu gehen. Zwei meiner Schützlinge meisterten diese Herausforderung – ein Mann, eine Frau. Die Übriggebliebenen. Wir waren im Fahrplan, als wir den Kirchhügel in Angriff nahmen. Das pièce de resistance dieses Laufs.

Ein egoistisches Motiv

Er bestritt, wie er mir auf den ersten Kilometern erzählt hatte, seinen ersten Halbmarathon. Er lief neben mir und hatte offensichtlich noch Reserven. Sie, eine Genussläuferin mit Marathonerfahrung, befand sich bei Kilometer 19 auf einer mentalen Gratwanderung – unentschlossen, ob sie sich das wirklich antun wollte. «Beiss dich an meinen Waden fest», rief ich ihr zu. Sie wich meinem Blick aus. «Nein! Sie nicht auch noch», schoss es mir durch den Kopf. Ich war wild entschlossen sie nicht kneifen zu lassen – nicht einen Kilometer vor dem Ziel. Oben angelangt, schickte ich ihn los. «Lass raus, was noch in dir steckt – du schaffst es locker!» Er zog davon, was mir die Gelegenheit gab, das Tempo zu drosseln.

Ich liess mich zur Läuferin zurückfallen, gönnte ihr bergab eine Pause. Nun liefen wir gegen die Zeit. «Jetzt drehen wir noch ein letztes Mal auf», ordnete ich an. Mein Tonfall liess kein Nein zu. Ich hoffte, ihr damit nicht auf die Füsse zu treten – das hätte ihr den Rest gegeben. Ihre Gesichtszüge zeigten, wie sie biss – mehr nicht. Die letzten Meter. Das Ziel. Eine Umarmung. Reden konnte sie (noch) nicht, Worte waren ohnehin unnötig – ihre Augen sprachen Bände. Eines war sicher: Wegen dieser Freude, diesem Blick, würde ich es nächstes Jahr wieder tun – ein rein egoistisches Motiv…

Erst dick, später dement

Natascha Knecht am Montag den 17. September 2012
Ein Übergewichtiger lässt sich treiben. (Foto: Keystone)

Zu viel Körpergewicht schadet anscheinend der geistigen Gesundheit : Ein Übergewichtiger lässt sich treiben. (Foto: Keystone)

Normalgewicht, regelmässiger Sport sowie ein aktives soziales Leben seien die besten Voraussetzungen, um bis ins hohe Alter körperlich und geistig gesund zu bleiben. Eine Studie will nun herausgefunden haben, dass Übergewicht noch mehr negative Auswirkungen hat als bisher angenommen – es erhöhe das Demenzrisiko. Zwar ist das längst bekannt gewesen, aber früher glaubte die Forschung, es seien Folgeerscheinungen von Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Problemen oder Diabetes – Krankheiten, unter denen besonders Übergewichtige leiden. Ende August 2012 publizierte das «Neurology Journal» die Ergebnisse einer Langzeituntersuchung, wonach Körperfülle mit den Jahren auch das Denkorgan beeinträchtigt.

Insbesondere adipöse Menschen müssten schon in jüngeren Jahren mit einem markanten Abbau ihrer Gehirnleistungen rechnen als Schlanke. Nicht erst im Lebensherbst, sondern schon im «Spätsommer» ihres Lebens haben sie in Kognitionstests deutlich schlechter abgeschnitten als Normalgewichtige, so die Studie, auch wenn sie körperlich gesund, also noch keine kardiometabolischen Risikofaktor aufwiesen.

«Es gibt keine gesunde Fettleibigkeit»

Ausgewertet haben die Forscher um Dr. Archana Singh-Manoux vom Paul-Brousse-Institut Daten von 6400 Erwachsenen, welche über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren getestet wurden. Im Zentrum stand: logisches Denken, Sprachflüssigkeit und Erinnerungsvermögen. Zu Beginn der Untersuchungen waren die Testpersonen im Schnitt 50 Jahre alt. 31 Prozent wiesen eine metabolische Auffälligkeit auf, 38 Prozent waren übergewichtig, 9 Prozent adipös. Von den Adipösen zeigten 60 Prozent einen metabolisch abnormen Status.

Fazit der Studie: Bei den Kognitionstest schnitten adipöse Teilnehmer deutlich schlechter ab als Normalgewichtige. Wobei es keinen Unterschied zwischen metabolisch auffälligen und unauffälligen Adipösen gegeben habe – auch mit höchstens einem weiteren kardiometabolischen Risikofaktor, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sei die Hirnleistung schon schlechter. Am metabolischen Status liege es folglich nicht, so die Forscher.

«Es gibt keine gesunde Fettleibigkeit», kommentierte der Deutsche Neurologe Günther Deuschl die Studie. Die Testpersonen hätten zwar noch keine Demenz, die kognitiven Auffälligkeiten würden aber wohl auf Dauer zu einer solchen führen. Über den Zusammenhang von Übergewicht und kognitiven Störungen könne zwar im Moment nur spekuliert werden. Deuschl mutmasst jedoch: «Fett lagert sich in den Gefässen ab, verengt sie und verursacht die Störungen. Eine andere Theorie ist, dass das Fettgewebe Hormone aussendet, die das Gehirn beeinflussen.»

Was halten Sie von solchen Studien?

Mit Kampf und Krampf zum Genuss

Outdoor-Redaktion am Montag den 10. September 2012

Der heutige Gastblog ist ein aktueller Erfahrungsbericht von Jörg Greb, der am vergangenen Wochenende am Jungfrau-Marathon teilgenommen hat.


Früher schüttelte ich den Kopf: Peinlich diese alten, ehrgeizigen, durch die Gegend hechelnden Senioren. Nun stehe ich selber an der Startlinie des Jungfrau-Marathons: Mit den über 50-jährigen Männern sowie den um den WM-Titel laufenden Frauen. 42,195 km stehen an, garniert mit 1839 Höhenmetern und 305 Metern Gefälle. Ich will mich beweisen.

Ich denke zurück an die intensive und hoch befriedigende Vorbereitung aber auch an die Rückschläge – ein muskuläres Stresssymptom im Oberschenkel und dreiwöchiger Laufpause. Ich spüre Nervosität, die ich zu zügeln versuche, kombiniert mit einer enormen Freude, Motivation. Und Erwartungen. Die 5:22-Stunden, erreicht beim Jungfrau-Marathon vor acht Jahren, dienen als Massstab. Diese Zeit will ich unterbieten.

Interlaken, 9 Uhr, der Startschuss durch Viktor Röthlin erfolgt. Einen 5-Minuten-Schnitt habe ich mir vorgenommen für die topfebenen ersten Kilometer. Locker bin ich unterwegs, bedeutend lockerer als beim Tempojustieren im Training. «Zu langsam?», frage ich mich. Kilometer 1 passiere ich bei 4:45 Minuten. Die phantastische Stimmung am Streckenrand sauge ich auf. Gleichzeitig zügle ich die Kräfte. Und trotzdem war der Beginn wohl zu schnell. Nach 15 km werden die Schritte schwerer. Ich muss mich immer wieder überholen lassen. Die Uhr konsultiere ich fortan nur noch selten.

Der eigentliche Beginn des Jungfrau-Marathons erfolgt in Lauterbrunnen bei Kilometer 25 mit dem Aufstieg nach Wengen. Kaum jemand trabt mehr. Bei mir sorgt Kraft in den Beinen für neuen Schwung. Das Überholen beflügelt. «The Wall» aus einem Lautsprecher mitten in der Wand inspiriert zum Mitsingen. Die Euphorie verfliegt wieder. Der Parcours wird wieder sanfter. Die Angst vor Muskelkrämpfen hemmt beim Laufen. Aber andern geht es nicht besser. Sie dehnen an Bäumen oder Pfahlen die Wadenmuskulatur. Etliche liegen am Streckenrand und lassen sich von den Sanitätern behandeln. Bei diesen hohen Temperaturen gibt es einige Dehydrierte.

Jeder Schritt ist Kampf. Mit meinem Stöhnen erheische ich besorgte Blicke von Mitkonkurrentinnen und –konkurrenten. «Schnuf normal, dich nähmets no usem Ränne», sagt einer. Quasi die rote Karte der Mitkonkurrenten, denke ich. Alle 250 Meter zeigt nun eine Flagge die zurückgelegte Distanz an: 34,250 km, 34,500, 34,750. Es geht langsam voran und doch naht das Ziel erfreulich rasch. Und mir kommt gelegen, dass es nochmals richtig steil wird: im Zickzack hoch, an Alphorn- und dem Dudelsackbläsern vorbei. Helfer unterstützen bei den hohen Tritten im steilsten Stück. Ich nehme die Hand und bedanke mich. Dann die Moräne, welche Jahr für Jahr die berühmten Bilder «der schönsten Marathonstrecke der Welt» liefert, Lauchernfluh, der höchste Punkt und die abfallenden letzten 1,2 Kilometer.

Plötzlich spielen die Beine auch hinunter wieder mit. Ein tiefes Glücksgefühl begleitet mich, obwohl ich mit 5:24-Stunden an meinem Zeitziel scheitere. Und erst jetzt wird mir bewusst, dass ich das gigantische Panorama mit Jungfrau, Mönch und Eiger, die Felsen, die Gletscher und Schneefelder unterwegs nicht bewusst wahrgenommen habe. Umso mehr geniesse ich die Kulisse danach.

Ist nach dem Leiden bei einer sportlichen Herausforderung die Freude danach umso grösser? Wie sehen Sie das?

Wenn Silber mehr wert ist als Gold

Pia Wertheimer am Montag den 13. August 2012
Nicola Spirig und Roger Federer mit ihren Medaillern

Nach einem Endspurt-Thriller und Tenniskrimi die verdiente Belohnung: Nicola Spirig und Roger Federer mit ihren Medaillen. (Bild Keystone)

Ein Wochenende, zwei Sportler, zwei Medaillen. Nicola Spirig und Roger Federer holten die Schweiz aus der Olympiamisere. Sie mit einer Silber-, er mit einer Goldmedaille. Diesen Eindruck erweckte jedenfalls der Niederschlag im Schweizer Blätterwald am Montag danach – obschon es die Triathletin ist, die Gold nach Hause bringt. Trotzdem prangte auf diversen Titelseiten das Konterfei des Tennisspielers, während Nicola Spirig in den Sportbund verbannt wurde – zum Teil nicht einmal auf die erste Seite. Spirigs Gold vermochte offenbar in der Medienwaage Federers Silber nicht aufzuwiegen.

Der Schein trügt nicht: Eine kleine Recherche in der Schweizer Mediendatenbank liefert dazu den Zahlenbeweis. Mit der Eingabe «Nicola Spirig» spuckt sie am 6. August 79 Treffer aus, 129 sind es für Roger Federer. Bei beiden Sucheingaben erscheinen auch Beiträge, in welchen Journalisten beide Sportler gewürdigt haben. Noch deutlicher sprechen die Anzahl Zeichen, welche die Redaktionen den beiden Medaillengewinnern gewidmet haben: Die Artikel, welche die Triathletin erwähnten, vereinen insgesamt 279’138 Zeichen. Die Beiträge sind zwischen 7891 und 402 Buchstaben lang. Der Tenniskönig war den verschiedenen Redaktionen an diesem besagten Montag 420‘000 Zeichen wert, die Länge der Beiträge bewegte sich dabei zwischen 10’583 und 204 Buchstaben.

Vom Basler Entlein zum Schweizer Schwan

Behehrte Fotos: Federer mit Fans beim House of Switerland in London. (Bild: Keystone)

Begehrte Fotos: Federer mit Fans im House of Switzerland in London. (Bild: Keystone)

Es ist unumstritten, dass Federer mit seinem Tenniskrimi gegen Juan Martin Del Potro die Schweizer vor ihren Bildschirmen fesselte. Nach dem längsten Dreisatzspiel der Profigeschichte im Halbfinal, enttäuschte aber der Final am Sonntagnachmittag. Keine Frage, dass sich Roger Federer den Erfolg erkämpfte und die Silbermedaille verdient mit nach Hause nimmt.

Nachdem er die Führung der Weltrangliste wieder übernommen hat, krönt er nach 858 Siegen und 193 Niederlagen (51:7 im Jahr 2012) zweifellos eine beispiellose Karriere. Mit seiner charmanten Art fliegen dem 31-Jährigen die Schweizer Herzen zu – er hat sich vom Basler Entlein zum Schweizer Schwan gemausert. Er ist ein Idol von jungen Tennisspielern und solchen die es noch werden möchten.

Wenn Siege und Charisma nicht reichen

Mit Freunden und Familie (v.l.): Freund Reto Hug, Bruder Thomas, Schwester Kathrin, Nicola, Mutter Ursula, Vater Sepp, Coach Brett Sutton (Bild: Jörg Greb)

Spirig mit Freunden und Familie (v.l.): Freund Reto Hug, Bruder Thomas, Schwester Kathrin, Nicola, Mutter Ursula, Vater Sepp, Coach Brett Sutton (Bild: Jörg Greb)

Nicola Spirig lieferte dem Publikum einen Thriller. Wohl kaum ein Fernsehzuschauer hielt nicht den Atem an, als die Schweizerin endlich zum Endspurt ansetzte, die Führung übernahm, mit dem Herzen einer Löwin kämpfte, um wenige Millimeter vor der Schwedin Lisa Norden über die Ziellinie zu laufen. In der Triathlon World Series der International Triathlon Union belegt Spirig mit 3109 Punkten den zweiten Platz, nur 25 Punkte hinter der Neuseeländerin Andrea Hewitt.

Die Zürcher Unterländerin verbuchte in ihrer eindrücklichen Karriere bisher 53 Siege in verschiedenen Disziplinen, mehrheitlich als Triathletin. Alleine 2012 entschied die 30-Jährige sieben von neun Wettkämpfen für sich. Den letzten nur wenige Wochen vor Olympia in Antwerpen über die halbe Ironman-Distanz. Spirig ist eine attraktive Sportlerin, deren charismatisches Lächeln nicht minder fotogen ist als jenes des Tennis-Asses. Auch Spirig hat es verdient, sich zum Idol zu mausern – dafür reichen Siege und Charisma aber nicht aus. Es braucht Sendezeit, etliche Zeichen und Platz auf den Titelseiten.

Ist Spirigs Gold weniger wert als Federers Silber?