Archiv für die Kategorie „Der Berg“

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Klassiker der Ostschweiz: Über Pragel und Ibergeregg

Anette Michel am Donnerstag den 11. September 2014


Tour de France und Rennbahn Oerlikon: Meine letzten Blogs drehten sich ums Zuschauen bei Radrennen, ums Auf-der-Tribüne-Hocken und Wurstessen. Um bei Ihnen keinen falschen Eindruck zu erwecken, habe ich eine meiner Lieblingsstrecken unter die Räder genommen – ein Ostschweizer Klassiker: von Glarus über Pragelpass und Ibergeregg nach Pfäffikon.

Ich mag keine langen, flachen Anfahrten, also überlasse ich die Anreise bis Glarus den SBB. Dort verweile ich nicht lange – zum Beispiel bei Zigerhöreli oder auf dem Landsgemeindeplatz –, sondern radle gleich los Richtung Klöntal. Kurz nach Beginn der Steigung biege ich bei einer Autogarage links ab. Während es auf der Hauptstrasse ins Klöntal am Wochenende viel Ausflugsverkehr haben kann, bin ich auf dem lohnenswerten Umweg über die Schwammhöchi fast allein. Zusätzlich werde ich hier bereits nach sieben Kilometern mit einer kurzen Abfahrt von hundert Höhenmetern belohnt – eindeutig eine Win-win-Entscheidung! Unten überquere ich den Staudamm des Klöntalersees und geniesse die erste Flachpassage dem Ufer entlang. Die Kulisse ist eindrücklich: 2000 Meter ragen die Wände des Glärnischmassivs mit dem sagenumwobenen Vrenelisgärtli über dem See in die Höhe. In den Wintermonaten verirrt sich kein Sonnenstrahl hierher.

Jetzt ist es noch spätsommerlich warm, und im Aufstieg zum Pragelpass fallen Schweisstropfen auf den Rahmen meines Velos. Dies ist die weniger steile Seite des Pragels (laut Quäldich.de bis zu 13 Prozent). Trotzdem bin ich jedes Mal überzeugt, die Strasse sei stotziger geworden (Profil Pragel). Mittlerweile bin ich fast sicher, dass die Alpen am Pragel schneller wachsen als anderswo! Der Aufstieg ist dennoch ein Genuss. Die schmale Strasse schlängelt sich durch eine Bergahorn-Allee, Laubwald und Alpweiden mit Kühen und Hochlandrindern. Und das Beste: Samstags und sonntags ist der Pass auf der Glarner Seite für Autos und Motorräder gesperrt. Damit ist er einer der wenigen Alpenpässe, die auch am Wochenende in Ruhe befahren werden können.

Nach rund 1100 Höhenmetern erreiche ich die sonnige Ebene der Pragelpasshöhe. Der Pass liegt mitten in einer Karstlandschaft. Zu dieser gehören das grösste Karrenfeld der Schweiz (Silberen) sowie eines der längsten Höhlensysteme Europas, das 200 km lange System des Hölloches. Das ist interessant, doch für mich hat die Alpwirtschaft auf dem Pragel grösseren praktischen Nutzen. Nach einer Erfrischung bremse ich nach Muotathal hinunter. Die Abfahrt ist sehr steil (nicht selten um die 20 Prozent!), die Strasse schmal und nass. Unten bin ich erschöpfter als oben und froh um den Rückenwind, der mich talauswärts bläst.

Nach rund sechs Kilometern biege ich rechts in die Strasse nach Illgau ein, die von der Breite her einer Autobahn in nichts nachsteht. Nach dem Dorf wird die Strasse gemütlicher und abgesehen von einer Kuhherde praktisch verkehrsfrei. Erst gut 3 Kilometer vor der Passhöhe treffe ich auf die eigentliche Ibergeregg-Passstrasse. Hier hat es wieder mehr Verkehr, dafür bieten sich schöne Ausblicke über den Vierwaldstättersee. Nach etwa 850 Höhenmetern ist die Passhöhe erreicht, sie hat einen eigentümlichen Charme. Ich pausiere nicht lange und fahre zum Sihlsee ab. Wer noch nicht genug hat, kann hier mit der Sattelegg nochmals 300 Höhenmeter anhängen und schliesslich nach Siebnen gelangen. Ich habe genug und folge dem linken Seeufer, um via Biberbrugg und Schindellegi nach Pfäffikon am Zürichsee zu gelangen.

Für den Abschluss der Strecke möchte ich keine irreführende Werbung machen: hier geht es nur noch darum, möglichst rasch zu einer guten Zugsverbindung zu gelangen. Immerhin bietet die Variante über Feusisberg ab Schindellegi eine verkehrsarme Alternative zur Hauptstrasse. Hätte ich einen Velocomputer, so hätte er bis Pfäffikon knapp 90 Kilometer und gut 2000 Höhenmeter aufgezeichnet (Karte der Route).

Diese Route könnte übrigens mit einer Fahrt über den Klausenpass am 27. September kombiniert werden: An diesem Tag ist der Klausen autofrei! Infos unter www.freipass.ch.

Teilen Sie meine Vermutung, der Pragel werde immer steiler?

 

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Schreckliche Erinnerung ans Matterhorn

Outdoor-Redaktion am Mittwoch den 16. Juli 2014

Ein Gastbeitrag von Emil Zopfi*

GEOGRAFIE, ALPEN, NATIONALES, SYMBOL, WOLKE, WALD, BERG, WAHRZEICHEN

In einer Sekunde kann sich Glück in Unglück wandeln: Vor fünfzig Jahren kam am Matterhorn der Bergführer Anselm Biffiger ums Leben. (Foto: Keystone)

Es ist der 19. Juli 1964. Schon früh weckt uns das Poltern, Klirren und Murmeln der Bergsteiger, die zum Matterhorn wollen. Das Wettrennen um die ersten Plätze am Hörnligrat beginnt bereits im Massenlager, setzt sich fort an den Tischen, um die man dicht gedrängt und verschlafen das Frühstück in sich hineinstopft. Die ersten Seilschaften brechen auf, Lichtpunkte in der Nacht. Wir nehmen es gelassener, wollen zum Zmuttgrat, müssen uns nicht in die Karawane der Führerpartien einreihen. Vor uns eine einzige Seilschaft, der Bergführer Anselm Biffiger mit seiner Verlobten. In drei Wochen soll Hochzeit sein, haben wir in der Hütte gehört.

Schon in der Seilbahn zum Schwarzsee ist mir das Paar aufgefallen. Der kräftige, braun gebrannte Bergführer mit der schönen jungen Begleiterin auf den Knien. Sie unterhalten sich auf Französisch, aber wir verstehen: Arête de Zmutt. Ich beneide die beiden ein bisschen, wie gern wäre ich mit einer Freundin auf Berge gestiegen. Aber ich bin im Militärdienst in Bern, und meine Begleiter, drei Berner, kenne ich kaum.

Anselm3

Anselm Biffiger war 34 Jahre alt, als er verunglückte.

Bei den Felsstufen am Fuss des Eisfeldes, das auf den Gletscherbalkon unter der Nordflanke führt, überholen wir den Bergführer und seine Begleiterin. Sie haben Probleme mit einem Steigeisen, doch dann schliessen sie rasch auf. Anselm steht ein paar Meter unter mir, als es hoch über uns in den Felsen kracht. Vom Hörnligrat stürzt ein Felsbrocken auf uns zu, wohl ausgelöst von einer Seilschaft, die sich verstiegen hat, er reisst eine Steinlawine mit sich. Ich stehe in einer Rinne, kralle mich an den Pickel, höre Schreie, spüre Steine auf Schultern und Arme prasseln. Sekunden wie Stunden, ich fühle mich in einer andern Welt, entrückt und schwerelos. Kein Schmerz, nichts. Fast ein Traum, ein Albtraum.

Eine seltsame bleischwere Stille macht sich breit. Ich schaue hinab, sehe am Fuss der Wand zwei Körper langsam, wie in Zeitlupe, durch den Schnee rutschen. Sie bleiben liegen. Verbunden durch das Seil. Jenseits des Tals fällt das erste Licht auf die Gipfel der Dent Blanche und des Zinalrothorns.

Anselm hatte keine Chance

Blick nach oben. Mein Seilpartner hängt kopfüber im Eishang, klammert sich mit einer Hand an einen Riss, den er im Rutschen fassen konnte. Der Felsblock hat seinen Rucksack aufgerissen. Wir haben überlebt, auch unsere zwei Gefährten, die hinter Anselm eingestiegen sind.

Überlebt hat auch die junge Frau, schwer verletzt liegt sie im Schnee, wir schützen sie mit Tüchern vor der Sonne. Anselm, vom Felsblock direkt getroffen, hatte keine Chance. Warten, warten, ein strahlender Tag, gleissendes Licht. Nach sechs Stunden landet auf dem kleinen Feld, das wir gestampft haben, ein Helikopter, gesteuert vom Gletscherpiloten Hermann Geiger. Es ist nicht die erste Rettung an diesem Morgen.

Ein hervorragender Bergsteiger

Warum ich das erzähle? Weil es genau fünfzig Jahre her ist vielleicht und mich die Bilder jener Sekunden und Stunden nie mehr losgelassen haben. Weil ich nach Jahren, durch einen Zufall, mit einem Neffen von Anselm in Kontakt kam. So erfuhr ich einiges über sein Leben.

Anselm4

Jede freie Minute verbrachte Biffiger am Berg.

Anselm Biffiger war 34 Jahre alt, stammte aus St. Niklaus im Mattertal. Er war Mitglied im lokalen Bergführerverein, im Hauptberuf Mechaniker beim Cern. Mit Freunden vom Kletterclub Amis Montagnards kletterte er jede freie Minute an der Salève bei Genf. Ein Foto zeigt ihn in einem Überhang, in Strickleitern stehend, wie damals üblich. Ein anderes auf dem Gipfel der Aiguille Verte nach der Nordwand. Und kürzlich habe ich, seltsamerweise auf einer österreichischen Website, gelesen, dass ihm 1962 die 31. Begehung der klassischen Nordwandroute am Matterhorn glückte. Ein hervorragender Bergsteiger also, in den besten Jahren, wie man sagt, und am Beginn seines Lebens als Ehemann, als Vater vielleicht.

Ich frage nicht nach dem Warum, weil es doch keine Antwort gibt. Erfahren habe ich damals, wie sich Glück in einer Sekunde in Unglück wandeln kann. Vor allem auch in unseren geliebten Bergen.

SCHRIFTSTELLER, AUTOR,* Emil Zopfi ist Schriftsteller und lebt in Zürich. Er ist seit über fünfzig Jahren Bergsteiger und Kletterer.

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Elektronische Seilschaft

Jürg Buschor am Mittwoch den 13. November 2013


Ein Trekkingstock zischt knapp an meinem Gesicht vorbei. Aufgeschreckt folge ich der Bewegung des Stocks bis zu seinem Besitzer. Ein Wanderer, der seiner Begleitung lehrerhaft jeden einzelnen Gipfel in der Umgebung mithilfe seiner «Zeigehilfe» veranschaulichen möchte. Doch plötzlich ein Stocken in der Bewegung. «Wie heisst nochmal dieser unscheinbare Gipfel genau gegenüber?» Smartphone raus, auf den Gipfel richten und schon erkennt der Bergfex-Lehrer dank seiner Peakfinder-App auch den letzten Gipfel. Erleichterung!

Digitale Gipfelbücher, Sicherheits-Apps und Schneeberichte erklimmen die Bergwelt in Datenform. Ich gebe zu, auch ich ertappe mich oft beim Blick auf das Smartphone und der Abwägung, ob eines meiner Programme mir in der momentanen Situation von Nutzen sein könnte: Hochtouren-Packliste, White-Risk, Schneelage.... Doch von Zeit zu Zeit entsteht der Eindruck, dass sich unsere digitalen Begleiter von hilfreichen Spielzeugen hin zu Risiko-Analysten und Erziehern entwickeln, die uns sagen wollen, wann ein Schneefeld oder die Wetterlage sicher ist. Wer voll «ausge-apped» ist, dürfte sich also nie wieder verlaufen und bei einem Ausflug in die Natur auf keinerlei Hindernisse treffen. Doch sollten wir uns in der Realität wirklich darauf verlassen?

Rundumschutz für die Hosentasche

Dank durchdachter Apps werden viele Gefahren reduziert und Teile der Bergwelt sicherer gemacht. Nützlich zum Beispiel die Erfindung von Notruf-Apps. Eine «lebensrettende Idee» hatte der Lausanner Arzt Jocelyn Corniche während der Arbeit. Er stellte fest, dass eines der grössten Probleme die Lokalisierung der Verletzten in den Bergen ist. Daraufhin entwickelte er die Echo112-Notruf-App – The Pocket Lifesaver – welche die Position des Handynutzers ortet und an den Rettungsdienst im jeweiligen Land übermittelt. Bereits Hunderte Verletzte konnten dank der unkomplizierten Bedienung nach einem Unfall in den Bergen lokalisiert und gerettet werden. Vorteil: Die App ist gratis und funktioniert nach dem gleichen Prinzip auch im Ausland. Und was passiert im Funkloch? Die Uepaa-App sorgt dafür, dass Bewusstlose und Nutzer ohne Empfang nicht «übersehen» werden. Eine speziell entwickelte Ortungstechnik macht es möglich: Dank der App verbinden sich Handys automatisch bis zu einer Distanz von 450 Metern untereinander und bilden ein vom Mobilfunknetz unabhängiges Netzwerk, das zur Lokalisierung genutzt wird. Der umfassende Uepaa-Schutz für ein komplettes Jahr kostet den Alpinisten 70 Franken (die Grundfunktionen gibt es schon für einen Bruchteil). Eine stattliche Summe – aber wenns hilft...

Mentaler Download

Das ist nur ein Teil der verfügbaren Notruf-Apps, die scheinbar perfekt ausgereift sind, tipptopp Nutzer-Bewertungen haben und nicht selten in der Entwicklung und bei Tests direkt von erfahrenen Rettungshelfern, wie zum Beispiel der Rettungsflugwacht Rega, unterstützt werden. Es bleibt spannend, welche Art von Sicherheit uns Technik schon in ein paar Jahren ermöglichen kann. Eines sollte bei diesen förderlichen Innovationen nicht vergessen werden: Es handelt sich nur um Hilfsmittel, die Wissen und Erfahrung nicht ersetzen. Denn eine Sache gibt es bisher leider noch nicht zum Download. Da war noch etwas?! Ach ja, der menschliche Verstand! Denn haben Sie nicht auch manchmal den Eindruck, dass die Digitalisierung am Ende dazu führt, dass wir uns vor einem Tag am Berg kaum mehr Gedanken machen oder Risiken abwägen und uns leichtsinnig auf die neueste Technik verlassen?

Welche Erfahrungen haben Sie mit «digitalen Bergführern» gemacht? Welche Apps nutzen Sie aktiv?

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«Eine grosse Portion, bitte!»

Anette Michel am Donnerstag den 17. Oktober 2013
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Herzhaft darf es gerne sein: Gerade beim Velofahren muss man für eine genügend grosse Energiezufuhr sorgen. (Bild: Flickr/Oleg)

Ich bin ein Fresssack. Beim Kochen multipliziere ich alle Rezepte mit einem Faktor zwei bis drei, und meine Bürokollegin muss fast pausenlos Knabber- und Schmatzgeräusche aus meiner Ecke ertragen. Zum Glück hat sie sich daran gewöhnt, denn hungrig bin ich gänzlich unerträglich. In Restaurants sind meine Ansprüche an das Essen nicht speziell hoch. Ich esse fast alles und brauche keine Haute Cuisine. Aber: Ich will satt werden – ob unterwegs oder mittags im Büroalltag. Bei jeder Bestellung füge ich meinen Wunsch nach einer grossen Portion an, bei ganz grossem Hunger verbunden mit dem Angebot, mehr zu bezahlen. Hin und wieder wird der Wunsch ernst genommen, meistens mit einem «unsere Portionen sind gut bemessen» weggewischt. Oft erweisen sich diese Portionen dann als ungenügend. Meinen sportlichen Freunden ergeht es ähnlich.

«Menschen, die sich wenig bewegen, kommen mit ca. 1800 bis 2200 Kilokalorien am Tag aus», erklärt Sportphysiologe Raphael Blesi. «Frauen eher am unteren Ende dessen, Männer eher am oberen. Einigermassen ambitionierte Sportler, die sich täglich bewegen, verbrauchen rasch das Doppelte an Energie – oder auch viel mehr, je nach Trainingsumfang und -intensität.» Mein Appetit ist also legitim und es ist klar, dass die Bedürfnisse an die Energieaufnahme sehr unterschiedlich sind.

«War es genug?»

Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass sich die Portionen in der Regel eher an der unteren Norm orientieren. Unnötige Verschwendung muss schliesslich nicht sein. Doch ein Nachschlag muss möglich sein. Eine Hauptmahlzeit sollte dazu taugen, einigermassen satt zu werden. «War es genug?», finde ich eine wichtige Frage, die man in Restaurants viel zu selten zu hören bekommt.

Mit meinen Bürokollegen etwa gehe ich nur selten essen. Ich habe ihrer Lieblingsbeiz mehrere Chancen gegeben, bin aber jedes Mal hungrig herausgekommen. Es nervt, wenn man sich nach eineinhalb Stunden und 25 Franken in der Migros mit Brot und Käse eindecken muss.

Unterwegs mit dem Velo ist es mir besonders wichtig, zu genügend Kalorien zu kommen. Bleibe ich hungrig, fehlt mir am nächsten Tag die Kraft für die gewohnte Leistung. Gerade unterwegs ist es aber oft nicht einfach, die ideale Beiz ausfindig zu machen.

Mehrmals wurde mir für jeden Nachschlag, um den ich freundlich und verbunden mit einem Lob an die Küche bitte, ein weiteres Mal der volle Preis auf die Rechnung geschlagen. 40 Franken, um mit Teigwaren und einem Salat satt zu werden, finde ich zu viel. Den Vogel abgeschossen hat eine Hotelkette in den USA, dem Land der – normalerweise – grossen Dimensionen. Die Spaghettiportionen waren nicht gross, dafür die Rechnung: Darauf standen pro Person drei volle Pastamenüs inklusive zweier Salate, die wir nie bekommen hatten.

Hingegen nie ein Problem sind die Mengen in Berghütten und Bauernhöfen (Agritourisme), dort ist man sich an hungrige Mäuler gewöhnt. In Zürich kenne ich mittlerweile auch eine Reihe von Adressen, wo neben der Qualität auch für Sportler die Quantität stimmt:

  • La Casa am Schaffhauserplatz. Im Gegensatz zu den Pizzas sind die Pastamenüs für meinen Appetit eher knapp bemessen, doch gibt es anstandslos einen Nachschlag.
  • Rosita an der Lagerstrasse. Bei ihr werde ich sogar mit einem Sandwich (mit selbst und unbescheiden gewähltem Inhalt) satt, garantiert mit einem portugiesischen Dessert dazu.
  • Chiang Mai an der Josephstrasse. Der grosse Teller hier ist gigantisch und sogar mir zu viel! Der mittlere reicht in der Regel.
  • Bombay Karachi an der Stampfenbachstrasse. Fein und nicht knausrig.
  • Rheinfelder Bierhalle, Niederdorf: Die Jumbo-Jumbo-Cordon-Bleus sind legendär, jedoch nicht mein Ding. Auch die anderen Menüs sind gut bemessen, allerdings meist auf der fettigen Seite.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Portionengrössen? Haben Sie weitere Tipps, wo auch Gäste mit grossem Appetit auf ihre Kosten kommen?

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Der Extrem-Strip

Pia Wertheimer am Montag den 12. August 2013
Die nackte Wahrheit: Die Gigathlon-Woche setzte die gesellschaftliche Knautschzone ausser Kraft.

Die nackte Wahrheit: Die Gigathlon-Woche setzte die gesellschaftliche Knautschzone ausser Kraft.

Die Quittung – so sagen Sportler – wird am Wettkampf präsentiert. Dann zeigt sich, ob das Training gut dosiert, wohl gemischt und effizient war; ob die Ernährung und die Erholung vor dem grossen Tag gestimmt haben. Die Stunde der Wahrheit ist erbarmungslos. Frei von Doping lassen sich die Fakten nicht beschönigen. Am Start des einwöchigen Gigathlons war ich mir dessen bewusst. Angesichts meiner Unglückssträhne und der in vieler Hinsicht schlechten Vorbereitungen war ich für diesen Augenblick gewappnet. Das Happy End unseres Sportabenteuers ersparte mir aber diese Quittung.

Die Gigathlon-Woche hielt eine ganz andere Abrechnung für mich bereit: die nackte Wahrheit über meinen Charakter. Meine Energie reichte nämlich weder aus, um die gesellschaftliche Knautschzone zu schaffen, die im Alltag unabdingbar ist, um sozialverträglich zu sein, noch um den Schutz aufrechtzuerhalten, der meine Verletzlichkeit verbirgt.

Durchschnittlich fünf Stunden Schlaf pro Tag; sportliche Kraftakte in verschiedenen Disziplinen; Nervosität; die Angst vor dem Scheitern; ein rebellierender Magen – kurz, ich überschritt in dieser Juliwoche mehrmals meine eigenen Grenzen. In dieser Extremsituation liess ich die Hüllen fallen.

Ich bin eine ungeduldige Person.
Mit den Jahren habe ich gelernt, diese Ungeduld zu zügeln, um meine Mitmenschen damit nicht zu überfahren. Im Laufe der Gigathlon-Woche kamen unsere Supporter aber unter die Räder. Ungehalten reagierte ich auf Lappalien, vergriff mich dabei im Ton; verletzte damit insbesondere jene Menschen, die mir nahestehen.

Ich bin ein hoffnungsloser Optimist.
Ob es sich dabei um eine Stärke oder Schwäche handelt, darüber scheiden sich die Geister. Ich würde diesen Charakterzug um nichts in der Welt hergeben. Der Alltag fordert indes von mir, dass ich die Realität nicht aus den Augen verliere und durch eine kritische Brille betrachte. Diese warf ich nach dem Start regelrecht weg. Beflügelt von atemberaubender Kulisse, Adrenalin und Glückshormonen sah ich das Ziel und die Möglichkeit, es zu erreichen. Ich vergass die zahlreichen sportlichen und logistischen Hürden, welche die Organisatoren eingebaut hatten. Es brauchte unsere Supporter, um mich halbwegs auf den Boden der Realität zurückzuholen. Im Nachhinein war aber diese leichte Naivität vonnöten, die hoffnungslosen Optimisten eigen ist – wäre ich ein Realist gewesen, hätte ich wohl ob der schwierigen Vorbereitungen Forfait gegeben.

Ich kann die Zügel nicht aus der Hand geben.
Von Natur aus eine Macherin, bin ich es gewohnt, Dinge anzureissen oder Ausflüge zu organisieren. Gerne halte ich dann die Zügel in der Hand – manchmal viel zu fest und merke zu selten, wie wohltuend es ist, sich auf dem Kutschbock auch mal zurückzulehnen. Am Gigathlon war ich höchstens das vorgespannte Pferd, die Organisation hatten unsere Supporter inne. Es gelang mir nur selten, die Kontrolle abzugeben und zu vertrauen, dass sie den logistischen Kraftakt mindestens gleich gut meistern würden. Was sie rückblickend zweifellos taten.

Ich bin überzeugt, dass es nicht einen Gigathlon braucht, um «nackt» vor seinen Mitmenschen zu stehen. Wir strippen dann, wenn unsere Energieressourcen nicht ausreichen, um unsere Fehler auszubügeln. Die Beispiele meiner Charakterzüge sind für mich zwar nichts Neues, schliesslich lebe ich täglich mit ihnen. Ich habe mich an sie gewöhnt, ich habe gelernt, mit ihnen zu kutschieren. Der Extrem-Strip am Gigathlon hat mich aber dazu bewogen, mich ihnen wieder mal zu stellen, an ihnen zu arbeiten oder sie bewusst zuzulassen.

Gab es schon Situationen in denen sich Ihr wahrer Charakter offenbarte?

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Intermittent Fasting – wieder ein neuer Ernährungstrend

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 8. August 2013

Der heutige Beitrag ist ein Gastblog von Yvonne Störzer*.

Erfolgsversprechend: Beim Konzept «Intermittent Fasting» wird die festgelegte Fastenzeit durch Mahlzeiten unterbrochen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Erfolgsversprechend: Beim Konzept Intermittent Fasting wird die festgelegte Fastenzeit durch Mahlzeiten unterbrochen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Intermittent Fasting oder auch kurz IF ist ein neuer aufkommender Trend in der Ernährungsszene. Was genau aber versteht man überhaupt unter IF und für wen ist IF gut. Dieser Artikel soll einen kurzen Einblick in das Thema verschaffen:

Auf Deutsch übersetzt heisst IF so viel wie zwischenzeitliches oder periodisches Fasten – also Fasten mit Unterbrechung.

Jeder hat sicher schon einmal gefastet – ob bewusst über eine gewisse Zeitperiode oder unbewusst während des Schlafs. Manche fasten aus religiösen Gründen, andere wiederum fasten, um Gewicht zu verlieren.

IF unterscheidet sich vom herkömmlichen Fasten dadurch, dass der Rhythmus der Nahrungsaufnahme im Prinzip unserer genetischen Programmierung entspricht. Vielleicht können sich die Leser noch an meinen Artikel «Sport is(s)t gesund» erinnern, wo es um das Thema Paleo-Ernährung (Paleo=Steinzeit) ging. Unsere Vorfahren der letzten zwei Millionen Jahre hatten nicht den Luxus, am Morgen aufzuwachen, zum Kühlschrank zu gehen und sicher etwas Essbares zu finden. Wir sind eigentlich dafür geschaffen, am Morgen wach zu sein und viel Energie zu haben, um «auf Nahrungssuche zu gehen» – eben wie unsere Vorfahren. Darum ist unser ganzes System darauf ausgelegt, am Morgen viel Energie zu mobilisieren und sehr wach zu sein. Kurze Zeit nach dem Aufstehen steigt der Cortisonspiegel an und Fettsäuren werden freigesetzt. Weil kein Insulin im Blut ist (da noch nichts gegessen wurde) werden im Gehirn zwei Neurotransmitter produziert. Diese Neurotransmitter sorgen dafür, dass man wach und leistungsfähig ist, was ja schlussendlich auch Sinn macht, da man noch «auf Nahrungssuche gehen muss». Dieser Zustand hält bis ca. 14 Uhr an (Zeitpunkt der ersten Nahrungsaufnahme).

Der wesentliche Grund meines Entscheids für IF war, den Körperfettanteil und somit Gewicht zu reduzieren, um mein Gewicht für einen Wettkampf zu optimieren. Ich unterzog mich daher diversen Experimenten. Trotz täglichen Sports und dem Verzicht auf einen Grossteil an gesunden Kohlenhydraten verlor ich kaum Gewicht und folglich reduzierte sich auch mein Körperfettanteil nicht. Bis ich beim Lesen von verschiedenen Blogs auf das Thema IF stiess. Das Frühstück auslassen oder bewusst zu bestimmten Zeiten nicht zu essen war unter Ernährungswissenschaftlern und Ärzten bis jetzt verpönt. Lieber ernährt man sich nach Weightwatcher oder isst die Hälfte. Jetzt ist IF in der Sport- und Fitnesswelt eingekehrt.

Beim IF verzichtet man wie eingangs erwähnt nicht vollständig auf die Zuführung von Nahrungsmitteln, sondern verlängert einfach die Zeitperioden ohne Nahrungsaufnahme zwischen den Mahlzeiten. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten: alle 14 Stunden, alle 20 Stunden, alle 24 Stunden, jeden zweiten Tag, jeden dritten Tag, einmal pro Woche fasten etc. Ich habe mich für die Variante entschieden, alle 20 Stunden zu fasten. Meine letzte Mahlzeit nehme ich um 18 Uhr zu mir und faste dann bis 14 Uhr, d. h. ich lasse das Frühstück und das frühe Mittagessen aus. Während der Zeit des Fastens nehme ich lediglich Flüssigkeiten in Form von Wasser und ungesüssten Tees zu mir. Zudem mache ich jeden Tag mindestens einmal Sport. Am Anfang war die Umstellung recht schwer, da ich die ganze Zeit an nichts anderes als an Essen denken konnte, war genervt, müde und unkonzentriert, aber in keiner Weise so schlimm wie erwartet. Im Gegenteil, nach vier Tagen war ich wacher und konzentrierter als je zuvor.

Bei mir hat IF zum Erfolg geführt. Allgemein ist IF oft erfolgversprechend, weil die Insulinausschüttung im Verlaufe des Tages gesenkt wird. Im Nachhinein muss ich auch sagen, war es leichter für mich, auf das Essen bis Mittag zu verzichten, als am Abend nichts mehr essen zu dürfen – mein soziales Umfeld dankte es mir. Zudem konnte ich mich auf zwei ausreichend grosse Mahlzeiten freuen und musste nicht über den Tag verteilt immer wieder Kleinigkeiten essen, nur um mehr Appetit zu bekommen, aber den Hunger nicht stillen zu können.

Trotz der positiven Aspekte von IF ist es sicher nicht für jedermann geeinigt. Insbesondere Personen, die bereits einen sehr stressigen Alltag haben, sollten vorsichtig sein, da «nichts essen» zusätzlichen Stress im Körper verursachen kann. Bei mir hat es funktioniert, und ich bin überzeugt. Allen, die IF auch ausprobieren wollen, wünsche ich viel Spass, denn es ist nicht so schlimm, wie man denkt, 20 Stunden mal ohne Essen auszukommen.

Was halten Sie von solchen Ernährungstrends? Haben Sie bereits Erfahrungen mit Intermittent Fasting gemacht?

*Yvonne Störzer ist leidenschaftliche Rennvelofahrerin, Bikerin und Läuferin. Um Bestleistungen erbringen zu können, befasst sie sich vor allem auch mit der Ernährung, die einen wesentlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat.

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Unter Nikes Bewegungsdiktat

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 9. Oktober 2012

Ein Gastblog von Christian Lüscher*.

Ein Gadget motiviert und stachelt den Konkurrenzkampf an: Die Tester rennen um sogenannte Fuelpunkte.

Ein Gadget motiviert und stachelt den Konkurrenzkampf an: Die Tester rennen um sogenannte Fuelpunkte. (Foto: Rod Kommunikation)

Das runde schwarze Dings an meinem Armgelenk ist aus technischer Sicht eine kleine Wundermaschine. Es misst den Kalorienverbrauch, zählt die Schritte, die ich gehe, dokumentiert meine Bewegungen mit Hilfe eines Beschleunigungsmessers, und ein Farbcode – von rot bis grün – zeigt an, wie sich diese Werte zum definierten Tagesziel entwickeln. Das Dings hat einen Namen: Fuelband.

Es ist das neuste Supergadget aus dem Haus Nike. Es soll den Konzern in eine neue Ära führen. Statt «Just do it» heisst das neue Motto «Game on, World». Dahinter steckt die Idee, aus der Welt eine Art Spielplatz zu machen. Das Fuelband ist – wenn man so will – die Spielkonsole. Es zeichnet die Aktivität eines Menschen auf (Game), vergleicht Werte (Scores), interpretiert sie (Progress) und übermittelt sie an die Internetcommunity (Ranking). Im Zentrum steht der Wert Fuel (zu Deutsch Treibstoff), eine Art virtuelle Währung.

Wettkampf im sozialen Netz

Das Gadget zeigt 6500 sogenannte Fuelpunkte an. (Foto: Nike)

Das Sport-Gadget zeigt hier die sogenannten Fuelpunkte an. (Foto: Nike)

In dieser neuen Ökonomie geht alles um Fuelpunkte. Die Regel ist einfach: Wer sich mehr bewegt und ausdauernd trainiert, sammelt mehr. Und das ist entscheidend, ist man auf der Communityplattform Nike+ mit einer gewissen Ernsthaftigkeit dabei. Da vergleicht man sich mit Kollegen und studiert ihre Werte. Das Suchtpotenzial ist enorm, der Datenvoyeurismus kaum zu bändigen. Nach dem Joggen logge ich mich mehrfach ein und schaue, wie meine Kollegen sich im sportlichen Alltag so schlagen. Ich sehe, dass Sabrina mit ihrem Zumbatraining ihren Fuelschnitt regelmässig über die 5000er-Marke katapultiert. Ich sehe, dass Reto abends eine halbe Stunde läuft, sonst aber im bewegungsarmen Büroalltag gefangen ist. Und ich sehe mir die Daten von Daniel an, der das Band wohl nicht aus sportlichen sondern ästhetischen Gründen gekauft hat.

Doch der abendliche Vergleich in der Community ist mir nach einer Weile nicht genug. Es reizt mich mehr. Es reizt mich die Idee eines direkten Duells. Ein knallharter Kampf um jeden einzelnen Fuel. Am besten mit einem ebenbürtigen Gegner, denn nichts spornt einen mehr an, als der direkte Vergleich mit einem Kontrahenten. Ein Gegner ist auf Nike+ schnell gefunden: David, ein Zürcher Werber. Auf dem Papier sieht alles perfekt aus: Ausdauersportler gegen Kraftsportler, Boxer gegen Hockeyaner. Regeln gibst keine. Es zählt einzig die Summe der Fuelpunkte nach acht Tagen. Der Wettkampf beginnt:

Tag 1
3600 Fuelpunkte macht ein Durchschnittssportler im Alter von 25 bis 29 Jahren. Das gibt Nike als Richtwert durch. Um diesen Wert zu erreichen, ist einiges an Einsatz gefragt. Wer im Büro arbeitet, bringt es am Ende des Tages auf etwa 1000. Deshalb gehe ich aus Prinzip alles zu Fuss. Das Benutzen des Aufzugs ist verboten. Gleich zu Beginn unseres Duells treffen wir uns zum Boxtraining. Eine Stunde quälen wir uns mit Liegestützen, Situps und Schattenboxen ab. Nach einer Stunde Training liegt David mit rund 1200 Fuelpunkten voraus. Abends bessere ich meine Bilanz mit Unihockey auf. Ich spurte, versuche an jeden Ball zu kommen, lasse mich selten auswechseln. Der Tagessieg gehört mir. David kommt auf 5200 Punkte. Ich auf 6100.

Tag 2
Die Zahlen haben mich voll im Griff. Ständig checke ich die Werte ab. Ich will schon morgens aus der roten Zone, akzeptiere nur grün. Wenn ich nur im Büro sitze, verbrenne ich kaum Kalorien. 50 Fuelpunkte gehts pro Stunde vorwärts, zu wenig. Ein SMS von David um halb neun setzt mich enorm unter Druck. «Schon 2500 Fuels», lese ich auf dem Display. Er war bereits um 6 Uhr auf den Beinen, bei perfekten Wetter legte er einen 8-km-Lauf am Basler Rheinhafen hin. Um aufzuholen, entscheide ich mich über Mittag für ein Lauftraining. Vorwärts komme ich allerdings nicht. Durch die vielen Stop-and-Gos im Strassendschungel Zürich komme ich gerade mal auf 1500 Punkte. David hat die Marke von 3000 längst geknackt. Angetrieben von der Angst, eine Schlappe einzufangen, gehe ich abends nochmals laufen. 10 Kilometer sind mein Ziel, das Tempo bewusst hoch. Die Bilanz lässt sich sehen. Ich schliesse mit 5500 ab. David gibt 5200 durch. Obwohl ich in Führung liege, zeichnet sich ein Kopf an Kopf Rennen ab. So viel ist klar.

Tag 3
Meine Beine sind müde. Die Oberschenkel schmerzen. Die Belastung in den letzten beiden Tagen war zu viel. Wenn das so weiter geht, bin ich in fünf Tagen ein Wrack, sage ich mir. Jetzt heisst es regenerieren. Meine Strategie: Den Gegner leicht in Führung gehen lassen, um dann im entscheidenden Moment zuzupacken. David hingegen gibt Vollgas. 90 Minuten Boxtraining absolviert er über Mittag. Das Sacktraining haut buchstäblich Fuel drauf. Der Tag endet für ihn mit 5435 Fuel. Mein Faulenzen kostet mich die Führung. Ich liege mit 3500 Punkten klar zu tief, vergebe die Führung. So schnell gehts.

Tag 4
Ich bin immer noch müde. Ich schlafe länger, brauche immer noch Erholung. Aber auch David spürt das Duell in den Knochen. Seine Tage beginnt er jeweils früh, bewegt sich morgens mehr und hetzt von einem Kundentermin zum nächsten. Um Mitternacht zählt sein Fuelband 5462. Ich hingegen kam nicht so recht auf Touren. Mein Fuelband zeigt 2600. Der Einbruch drückt aufs Gemüt. Die Motivation wäre ja da, der Körper streikt. Es muss sich was ändern.

Tag 5
Jetzt heisst es aufholen. Alle Kräfte müssen mobilisiert werden. Ich geh morgens vier Kilometer joggen. Mittags nochmals acht Kilometer, mache Hanteltraining, poliere die Bilanz mit Seilspringen auf und putze die Küche. Der Wert steigt. Um 16 Uhr habe ich einen Traumwert von 4300 Fuel. Und David? Auch er legt sich ins Zeug. Nach dem Meeting mit seinem Geschäftspartnern in Zürich joggt er 7,6 km zurück nach Kilchberg. Das Ausschlafen kostete ihn allerdings wertvolle Punkte. 24:00 Uhr heisst es Abrechnung: Ich schick ihm ein Bild meiner Anzeige: 6000. I am back. Das Rennen ist wieder offen. Zu meiner Überraschung kommt er auf einen Tageswert von 4325.

Tag 6
Jetzt ist klar warum. Am Telefon erklärt er mir, dass auch er müde ist. Was wir an Fuels sammeln, kommt der Aktivität eines Extremsportlers nach. Davids Tag beginnt spät. Wieder verschläft er wertvolle Fuelpunkte. Ich sehe meine Chance gekommen. Ich entscheide mich für den Lauf der Woche. Die magische Grenze von 8000 Punkten schwebt mir vor. Ich laufe auf den Uetliberg – plus 1000 Punkte. Jogge zur Felsenegg und wieder zurück – plus 3000 Punkte. Sprinte auf den Turm – plus 300 Punkte. Und jogge gemütlich wieder nach Hause – plus 2000 Punkte. Abends bin ich noch voller Energie. Ich entscheide mich für einen lockeren Lauf: Plus 1300 Punkte. Um Mitternacht steht 8080 auf meiner Anzeige. War das der Sieg? David schreibt mir eine SMS. Der Schock: 3906. Das wars.

Tag 7
Meine Taktik scheint aufgegangen zu sein. Nun nicht locker lassen. David und ich treffen uns zu einer zweiten Direktbegegnung. Joggen entlang der Sihl. Wir machen einen 5-km-Lauf. Beide konnten wir den Tag durch wenig Fuel sammeln. Wir joggen locker. Doch ich spüre das linke Bein, mein gestriger Husarenstreich hat mich körperlich ans Limit gebracht. Trotzdem schenken wir uns nichts. Die kompetitive Komponente des Fuelbands gipfelt darin, dass es nicht mehr nur darum geht, wer das höchste Fuel einfährt. Sondern auch darum, wer der Schnellere ist: Wie die Irren jagen wir im Schlussspurt die Bürglistrasse runter. David gewinnt klar. Real hat er mich abgehenkt. Virtuell bin ich immer noch in Front.

Tag 8
Zwar konnte David den Abstand verringern. Doch nach meinem Kassensturz bin ich nur noch 1000 Punkte in Führung. Zu einem Fuelshowdown kommt es nicht. Er muss sein dienstägliches Boxtraining wegen eines Meetings sausen lassen. Tatsächlich kommt er um Mitternacht nur auf 4130 Fuel. Durch das Unihockey und Lauftraining knacke ich nochmals die 5000er-Marke. Die Bilanz lässt sich sehen. Am Ende gewinne ich mit 1200 Punkten Differenz, was äusserst knapp ist.

Fazit

Zuerst das Gute: Das Fuelband von Nike ist in jeder Hinsicht ein tolles Gadget, das nur schon wegen der LED-Leuchten einen Kauf wert ist. Es bringt alle Fakten auf den Tisch und verbindet diese clever mit dem Netz. Ganz nach dem Motto: «You can only improve what you can measure.» Mein Alltag wurde aktiver und ich entwickelte mich vom Couch-Potato zum Runner. Das Resultat: Nach 5 Wochen verlor ich 5 Kilogramm an Gewicht.

Nun zum Schlechten: Seit 2 Wochen trage ich mein Fuelband nicht mehr. Das Dings ist im Innern durchgerostet, was es untauglich macht. Wie das passieren konnte? Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist die Entwicklung vom Läufer zurück zum Couch-Potato auf der Waage deutlich zu erkennen: Plus 2 Kilogramm. Und David? Er kommt nur schwer vom Fuelband los. Er sammelt mit seinem Personaltrainer am Handgelenk immer noch Fuel und das verbissener als je. Neuerdings sogar mit einem Spezialschuh von Nike.

Und was halten Sie von solchen digitalen Vermessern?

*Christian Lüscher ist Reporter bei Newsnet in Zürich.

Outdoor

Frauenschweiss und Trillerpfeife

martin sturzenegger am Dienstag den 3. April 2012


Heute ist kein guter Tag. In meinem Körper nehme ich bisher noch unentdeckte Sehnen und Fasern wahr, deren scheinbar einziger Zweck es ist, mir Schmerzen zuzufügen. Jawohl, ich verspüre Muskelkater. Ein Ziehen und Spannen, das sich auch mit einer halben Tube Dul-X-Gel nicht wegmassieren lässt. Doch ich bleibe positiv. Denn schliesslich ist Muskelkater auch immer ein Zeichen dafür, dass man am Leben ist.

Als ich am Tag zuvor durch Genf marschiere, ist die Stadt noch tot. Kurz nach sechs Uhr morgens erreiche ich mein Ziel: ein dunkler Stadtpark, dessen Pforten von schlafenden Obdachlosen flankiert wird. Ausser ihnen, mir und Denise van Erven Dorens hat sich noch niemand hier eingefunden. Denise organisiert gemeinsam mit ihrer Kollegin Linh das Private Bootcamp – eine aussergewöhnliche Art von Fitnesskurs, inspiriert durch militärische Drillübungen.

«Das Wichtigste ist Pünktlichkeit», sagt Denise. Deshalb kämen die Teilnehmer jeweils auch kurz vor Trainingsbeginn aus den Büschen gekrochen. Wenn sich jemand verspätet, habe dies Konsequenzen für die gesamte Gruppe: eine Rumpfbeuge oder Liegestütze pro versäumte Sekunde. Ob es tatsächlich zur Kollektivstrafe kommt, hänge jeweils vom Trainer ab; der heutige sei beispielsweise ein «ganz netter».

Freundlich, aber knapp begrüsst Anthony die Gruppenmitglieder. Ohne sich in Floskeln zu verlieren, fordert er uns auf, ein paar Runden im Park zu laufen. Was auffällt: Ausser mir sind es nur Frauen, die dem Ruf der Trillerpfeife gefolgt sind. Die beiden Männer, die regelmässig vorbeischauen – zwei Private Banker – sind heute auf Geschäftsreise. Also bin ich Hahn im Korb: Eine 20-jährige, leicht übergewichtige Kunststudentin gesellt sich zur durchtrainierten, aber schon etwas angegrauten Managerin eines Tabakkonzerns. Daneben eine knapp 50-jährige Bankerin, die schon in den frühen Morgenstunden so wach und parat wirkt, als könnte sie gleich ein Kundengespräch zur Vergabe eines Millionenkredits abhalten. Insgesamt präsentiert sich die Gruppe so bunt wie das internationale Flaggenmeer des nahen UNO-Hauptquartiers. Was die Teilnehmer hier eint, ist die Motivation zu leiden – für die Fitness, für die Figur. Eine Stunde lang Hardcore-Training, das problemlos den täglichen Bewegungsbedarf einer gesamten Grossfamilie decken würde.

Die Anweisungen von Drill-Instructor Anthony bleiben freundlich aber bestimmt: «A little bit faster», als ich an ihm vorbeijogge, oder «do it again», nachdem ich die x-te Kniebeuge vollziehe, zu deren Erschwerung er mir kurz zuvor noch einen 12 Kilo schweren Sandsack auf die Schultern geladen hat. Zwischendurch wird mit Intervalltrainings die Schnellkraft auf die Probe gestellt. 50-Meter-Sprint, Rumpfbeugen, Kniebeugen und was sich sonst noch alles beugen lässt. Dann wieder Sprint, Liegestützen, Arm- und Beckentraining. Bizeps, Trizeps und schliesslich nochmals das bekannte Kniebeugenspiel mit aufgeschultertem Sandsack. Das Leistungsniveau der Teilnehmerinnen reicht von fortschrittlich bis medioker. Aber wer morgens um halb sieben in einem dunklen Stadtpark trainiert und dafür auch noch Geld bezahlt, ist von Grund auf hochmotiviert.

Einen ganz besonders beflissenen Eindruck hinterlässt eine junge Inderin, die mich und alle anderen alt aussehen lässt. «Die heiratet nächste Woche», verrät mir Denise nach dem Training. Als sie vor zwei Monaten hier anfing, habe sie noch zehn Kilogramm mehr gewogen. Nun scheint sie rechtzeitig zum Einstieg ins weisse Schleierkleid ihr Idealgewicht gefunden zu haben. Dafür habe es aber ein bisschen mehr gebraucht, als das morgendliche Training im Genfer Stadtpark, sagt Denise: «Wir beraten unsere Klienten auch in Ernährungsfragen und sind deshalb ständig für sie erreichbar.»

Im Mai 2011 gründete Denise mit ihrer Freundin Linh das schweizweit erste Bootcamp. «Wir hatten selbst ständig mit Gewichtsproblemen zu kämpfen und wollten etwas dagegen tun», sagt Denise. Ihren Job bei der Bank haben sie inzwischen an den Nagel gehängt. Heute gehört ein einwöchiges Drillcamp auf Mallorca ebenfalls zu ihrem Angebot. Eine Woche Hardcore-Training: «Da sind auch schon Tränen geflossen», sagt Denise.

Nach gefühlten 1000 Rumpfbeugen ist es inzwischen Tag auf dem Trainingsgelände im Genfer Stadtpark. Denise erkundigt sich nach meinem Wohlbefinden: «Gut, aber ich werde mir nun ein fettiges Frühstück reinpfeifen», sage ich und bemerke, wie Denise, die Ernährungsberaterin, innerlich zusammenzuckt. Den Weg zum nächsten Starbucks legte ich schnell zurück. Der Muskelkater holte mich erst später ein.

The Private Bootcamp erwägt dieses Jahr den Schritt in die Deutschschweiz, nach Zürich. Könnten Sie sich vorstellen, sich einem solchen Drillprogramm zu unterwerfen – der Fitness zuliebe? Als Alternative zum Fitnesscenter?

Outdoor

Sprung über den eigenen Schatten

Natascha Knecht am Freitag den 20. August 2010

«Hallo, Natascha. Wir sind gut gelandet. Ich bin direkt in die Kletterhalle gegangen und habe bereits meine erste Trainingssession hinter mir...:-) Jetzt bin ich auf dem Weg nach Hause. Glg Roger»

Dieses SMS landet fünf (!) Stunden nach Roger Schaelis Ankunft im Flughafen Zürich auf meinem iPhone.

Roger, wie ich ihn kenne! Jeder normale Mensch geht doch nach den Strapazen einer mehrwöchigen Big-Wall-Expedition in Grönland als erstes heim, isst was Feines, entspannt sich, erzählt von seinen Erlebnissen. Nicht so Roger Schaeli: Er fährt auf direktem Weg zum Training. Jeder Tag ohne Klettern ist für ihn ein verlorener Tag.

Trotzdem: Auch er schafft es immer wieder, mich zu überraschen. Etwa mit diesem Video, das er mir vor drei Tagen aus Grönland für den Blog übermittelte. Ich traute meinen Augen nicht: Roger macht einen Köpfler ins Eiswasser! Sogar einen eleganten! Wow!

Es war für ihn ein Sprung über den eigenen Schatten. «Ich liess mich dazu zum Spass überreden», erzählt er und lacht. Die Wassertemperatur betrug gerade mal 3 Grad, die Luft war 7 Grad kalt.

Rogers Welt sind das Gebirge und schwindelerregende Höhen am Fels. Mit Baden lockt man ihn nirgendwo hin. Selbst auf einer Mittelmeerinsel und im Hochsommer - Roger will er nur eines: klettern. «Im Wasser wird mir kalt», sagt er. Und outet sich ungeniert als «Gfrörli». Laufen andere in T-Shirt, Shorts und Flipflops rum, ist ihm in Fleecepulli und Socken am wohlsten.

Roger pusht auch meine sportliche Limite, setzt mir Ziele

Als «Aufzeichnerin» seines Bergblogs bin ich froh, dass ihm in Grönland alles gut lief. Ich hatte hier in Zürich einige schlaflose Nächte, obschon mein Bauchgefühl immer gut ist, wenn er klettert. Doch als «Seefahrer» auf dem Schlauchboot gab er mir zeitweilig schon zu denken.

Wie auch immer: Endlich ist nun mein bester Bergpartner wieder da, es kann weitergehen, ich freue mich. Allein in diesem Jahr hat Roger mich bereits auf unzählige Gipfel mitgenommen, ich durfte mehrere Hundert Stunden mit ihm klettern, in der Schweiz, im Ausland, sogar ganztägige Mehrseilrouten im teils überhängenden Eis.

Roger pusht meine sportliche Limite, setzt mir Ziele, auf die ich mich konzentrieren kann und für die ich gerne konsequent trainiere. Etwa für die Heckmair-Route durch die Eigernordwand, die er mir vorgeschlagen hat (inklusive Biwak). Ich hoffe, dass ich im kommenden Winter/Frühling für diesen – für mich – happigen Klassiker fähig bin – und uns die Witterung hold sein wird.

Im Outdoor-Blog schreibe ich bald regelmässig, wie es ist, als Hobby-Alpinistin mit dem Profi unterwegs zu sein: meist wird es schön, manchmal extrem. Und: Ich werde gern von den Tipps und Tricks berichten, die mir Roger als mein «Personal Alpine Trainer» zeigt.

Da Roger als Profi-Alpinist hin und wieder im Ausland weilt, bin ich natürlich auch mit anderen Partnern in den Bergen unterwegs. Auch sie sind stark, unterhaltsam und bereit, ihr Wissen weiterzugeben.

Bis dann also, draussen in der Vertikalen oder hier im Outdoor-Blog!

Natascha Knecht

Outdoor

Messner: «Schaeli, Gietl und Kopp waren nach dem Prinzip Abgrund unterwegs. Das gefällt mir»

Natascha Knecht am Donnerstag den 19. August 2010

Was sagen Reinhold Messner und Hans Kammerlander zur Erstbegehung von Roger Schaeli, Simon Gietl und Daniel Kopp durch die 1325-Meter-Bigwall in Grönland?

Reinhold Messner

«Ich freue mich immer, wenn junge Kletterer neue Spielfelder finden und dort ihre Talente ausschöpfen. Schaeli, Gietl und Kopp waren nach dem 'Prinzip Abgrund' unterwegs und das gefällt mir. Ihre gekletterte Linie, die Schwierigkeiten und Länge der Tour in Ostgrönland – weit weg von der Zivilisation – sind eindrucksvoll.» Reinhold Messner

Geboren 1944 in Südtirol, gilt Reinhold Messner als der berühmteste Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit. Er hat hundert Erstbegehungen durchgeführt, alle vierzehn Achttausender bestiegen und zu Fuss die Antarktis und Grönland, Tibet und die Wüsten Gobi und Takla Makan durchquert. «Westwand: Prinzip Abgrund» ist sein neustes Buch.


Hans Kammerlander

Hans Kammerlander

«Roger Schaeli hat bereits einige grosse Erstbegehungen gemacht. Diese jetzt in Ostgrönland ist eine weitere beachtliche Tour, besonders weil die Durchsteigung im Big-Wall- und Alpinstil gelungen ist. Simon Gietl und Daniel Kopp sind noch ganz junge Bergsteiger, für sie ist es eine hervorragende Leistung.

Ich halte viel von Alpinisten, die sich trauen, in solcher Abgeschiedenheit auf eine unbegangene Steilwand zuzugehen. Das erfordert nebst Können auch Mut. Die 1325-Meter-Wand ist sehr speziell, solche gibt es nur selten auf der Welt. Grönland gehört zu den wenigen Gegenden, die bergsteigerisch noch weitgehend unberührt sind. Da gibt es noch viel zu tun für die junge Generation mit hohem Niveau.» Hans Kammerlander

1956 in den Dolomiten geboren, zählt Hans Kammerlander zu den herausragendsten Alpinisten der Gegenwart. Ihm glückten 50 Erstbegehungen und 60 Solobegehungen bis zum VI. Schwierigkeitsgrad. Er bestieg zwölf Achttausender, davon sieben mit Reinhold Messner. Als erstem Menschen gelang ihm 1990 die Skiabfahrt vom Gipfel des Nanga Parbat (8125 m), 1996 folgte die vom Gipfel des Mount Everest (8848 m). Zehn Jahre lang hielt er den Rekord für die schnellste Besteigung des Everests (in 17 Stunden ohne Sauerstoff).

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