Blogs


Archiv für die Kategorie „Biken“

Mit Krafttraining zu mehr Ausdauer

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 9. Mai 2013

Ein Gastblog von Yvonne Störzer*

Starkes Stück: Christoph Sauser und Jaroslav Kulhavy, die späteren Gesamtsieger des 698-Kilometer-Rennens Cape Epic, in einem Tunnel auf der 6. Etappe. (Bild: Keystone, 23. März 2013)

Starkes Stück: Christoph Sauser und Jaroslav Kulhavy, die späteren Gesamtsieger des 698-Kilometer-Rennens Cape Epic, in einem Tunnel auf der 6. Etappe. (Bild: Keystone, 23. März 2013)

Geht nicht! Das denken sich die meisten Menschen, wenn es darum geht, Kraft- und Ausdauersport zu kombinieren. Das mag daran liegen, dass Kraftsport oft mit Gewichtheben und Bodybuilding assoziiert wird. Zu viele Muskeln und damit zusätzliches Gewicht sollten insbesondere ambitionierte Ausdauer-Mountainbiker tunlichst vermeiden. Gezielt eingesetztes Krafttraining kann jedoch auch die Leistungsfähigkeit von Ausdauersportlern verbessern. Ich spreche aus eigener (positiver) Erfahrung.

Ausdauersportler sollten das gewohnte Ausdauertraining um ein gezieltes Kraft- und Beweglichkeitsprogramm ergänzen, um stärker zu werden. Wichtig bei diesem Programm ist, dass die Bewegungen mit hoher Intensität und ohne Pausen ausgeführt werden. Oberstes Ziel ist es, gleichzeitig Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer zu trainieren. Neben der Leistungssteigerung tritt ein positiver Nebeneffekt ein: Mehr Abwechslung im bisweilen tristen Trainingsalltages eines Ausdauersportlers.

Übungen für überall

Wie aber kann ein solches Kraft- und Beweglichkeitstrainings aussehen? Das Gute an diesem Trainingskonzept ist, dass mit wöchentlich zwei zusätzlichen Trainingsstunden bereits bedeutende Leistungssteigerungen erzielt werden können. Hierfür braucht man sich auch nicht an irgendwelche Kraftmaschinen abzumühen. Zahlreiche Übungen können jederzeit und überall ausgeführt werden.

Ein konkretes Beispiel für einen sinnvollen Workout: 21 Liegestützen, 21 Burpees, 21 Kniebeugen. Danach ist allerdings noch längst nicht Schluss, denn dann wird diese Abfolge 15 bis 20 Minuten lang wiederholt (je nach gewünschter Intensität auch länger). Sie sind nicht beeindruckt? Probieren Sie es aus und Sie werden sehen, dass die Übungen sehr anstrengend sein können und manch einer – schneller als ihm lieb ist – seine persönlichen Limiten erreicht.

Der Körper passt sich an

Die berechtigte Frage sei gestellt: Weshalb plötzlich so kurze Trainingseinheiten, wenn Ausdauerathleten doch üblicherweise sich stundenlang auf ihren Mountainbikes abmühen? Die Antwort liefern neueste Studienergebnisse, die bewiesen haben, dass sich der Körper dank solch ungewohnt starker Trainingsanreize viel schneller anpasst als bei einer dreistündigen Trainingsausfahrt.

Neben den bereits erwähnten Übungen setze ich persönlich beispielsweise auch Langhanteln mit den entsprechenden Gewichten ein. Ich habe die besten Erfahrungen damit gemacht, dass die Gewichte so gewählt werden, dass ich nach rund fünf Wiederholungen an meine Grenzen komme. Gewichtheben mit leichteren Gewichten, kurzen Pausen zwischen den Sets und folglich vielen Wiederholungen verändern zwar die Muskelform/-grösse, aber sie helfen nicht, schnellere und kräftigere Muskelkontraktionen zu fördern.

Die richtigen Reize

Nehmen wir als Beispiel zwei gleiche Mountainbiker, die sich nur hinsichtlich der Muskelkraft unterscheiden – der stärkere Läufer wird über jede Distanz besser sein. Wenn der eine Läufer beispielsweise 10 Prozent mehr Gewicht bei den Kniebeugen mit einer Langhantel heben kann, dann müssen die Muskeln nicht so stark arbeiten, um den Körper in Bewegung zu bringen. Daraus schliesse ich, dass er auch als Ausdauersportler bessere Ergebnisse erzielen wird. Müssen Muskeln nicht so hart arbeiten, dann benötigen sie auch weniger Sauerstoff, was folglich als Kombination verschiedener Faktoren auch zu einem tieferen Puls führt.

Letztlich geht es darum, mittels Kraft- und Beweglichkeitstrainings die richtigen Reize zu setzen, um optimale Trainingserfolge zu erzielen. Dabei sollte keinesfalls vergessen gehen, den ganzen Körper einschliesslich Rumpf und Oberkörper zu trainieren und nicht bloss auf die Beine zu fokussieren. Ausdauertraining und Krafttraining schliessen sich also nicht aus, sondern gehören zwingend zusammen.

Was halten Sie vom Konzept, mittels Krafttraining die Ausdauerleistung zu verbessern? Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Autorin? Wie machen Sie sich fit für die grossen Mountainbiketouren?

*Yvonne Störzer ist leidenschaftliche Rennvelofahrerin, Bikerin und Läuferin. Um Bestleistungen erbringen zu können, befasst sie sich vor allem auch mit der Ernährung, die einen wesentlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat.

Enduro ist der Renner

Jürg Buschor am Donnerstag den 25. April 2013


Sieben Tage Abenteuer: Die Highligts des Mountainbikerennens Trans-Provence 2012.

«Ausgebucht!» – Diese Meldung bekommt manch einer zu hören und zu lesen, wenn er sich in diesem Jahr für ein Enduro-Rennen einschreiben möchte. Während die Teilnehmerzahlen an Downhillrennen stagnieren und zahlreiche Ausdauerrennen mit rückläufigen Teilnehmerzahlen zu kämpfen haben (oder wie das traditionsreiche Swiss Bike Masters ganz aus dem Rennkalender verschwinden), erfahren Enduro-Rennen grossen Zuspruch. Die Fazination für dieses Rennformat dürfte die Kombination aus fahrtechnischen und physischen Herausforderungen, den oft ausgesuchten Singletrails und einem Schuss Abenteuergeist sein, der diesen Events oft eigen ist. Die sportliche Performance ist zwar wichtig, aber das damit verbundene Lebensgefühl mindestens ebenso. Vielleicht aber auch die Tatsache, dass sich bei keinem Rennformat die Athleten so stark vermischen – Profis und ambitionierte Hobbysportler stehen oft in derselben Startaufstellung.

Geradezu exemplarisch für den Spirit des Sports steht das härteste und exklusivste Enduro-Rennen: Trans Provence. Die Startplätze für den Anlass sind jeweils in Bruchteilen einer Sekunde vergeben. Das Programm ist genauso eindrücklich wie die Streckenführung: 6 Tage, 280 Kilometer, 9000 Höhenmeter hoch, 14000 Höhenmeter runter, 23 Singeltrail-Downhill-Etappen mit Zeitmessung. So sportlich ambitioniert die 23 Wertungsprüfungen von den Profi- und Hobbysportlern angegangen werden, so entspannt werden alle anderen Streckenabschnitte gefahren. Abends sitzen die 72 Rennteilnehmer zum entspannten Nachtessen zusammen. Die Resultate rücken plötzlich in den Hintergrund, auch wenn die ersten 13 Plätze des Schlussklassements 2012 geschlossen von Profis belegt werden (u.a. mit Nicolas Vouilloz, Jérôme Clementz und Nicolas Lau auf dem Podest).

1. internationale Enduro-Rennserie

Nicht ganz zufällig kommt 2013 die erste internationale Rennserie zur Austragung, die von der neuen Enduro Mountain Bike Association (EMBA) organisiert wird. Gegründet wurde die EMBA von Enrico Guala von der italienischen Superenduro Series, dem ehemaligen UCI Gravity-Verantwortlichen Chris Ball, Fred Glo von der Enduro Series und Darren Kinnaird von Crankworx Events Inc.

Die neue Enduro World Series besteht aus insgesamt sieben namhafte Enduro-Rennen in Europa und Nordamerika. Darunter die italienischen Superenduro-Rennen, die Crankworx-Wettbewerbe in Whistler/Kanada und Les 2 Alpes/Frankreich und das Colorado Freeride Festival. Die Anlässe im Überblick:

18./19. Mai: Superenduro PRO – Punta Ala, Italien
29./30. Juni: Enduro Series – Val d’Allos, Frankreich
6./7. Juli: Crankworx Les 2 Alpes – Les 2 Alpes, Frankreich
27./28 Juli: Colorado Freeride Festival – Winter Park, USA
10./11. August: Crankworx Whistler – Whistler, Kanada
24./25. August: Enduro Des Nations – Val d’Isere, Frankreich
19./20. Oktober: Superenduro PRO – Finale Ligure, Italien

Aber auch im deutschsprachigen Alpenraum gibt es 2013 zahlreiche Events, anlässlich derer man sich mit Gleichgesinnten messen kann. Im Vordergrund steht hier die Specialized-Sram Enduro Series mit insgesamt sieben Rennanlässen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien:

27./28. April: Treuchtlingen, Deutschland
4./5. Mai: Riva del Garda, Italien
25./26. Mai: Samerberg, Deutschland
15./16. Juni: Willingen, Deutschland
6./7. Juli: Kirchberg, Österreich
27./28. Juli: Kronplatz, Italien
12./13. Oktober: Flims/Laax, Schweiz

Vom 13. bis 15. September geht im österreichischen Ischgl mit der Overmount Challenge eine weitere Premiere über die Bühne, respektive über den Trail. Wer also seine eigene Enduro-Premiere feiern möchte, findet in diesem Jahr genug Möglichkeiten.

Haben Sie schon an einem Enduro-Rennen teilgenommen oder überlegen Sie sich, in diesem Jahr an einem Anlass teilzunehmen? Worin besteht für Sie persönlich der Reiz von Enduro-Rennen?

Rollmaterial

Jürg Buschor am Donnerstag den 11. April 2013
Laufradwahl getroffen - Scott setzt auf 27,5 und 29 Zoll (Foto: Scott Sports/Daniel Geiger)

Laufradwahl getroffen – Scott setzt auf 27,5 und 29 Zoll (Foto: Scott Sports/Daniel Geiger)

«Ist es wirklich ein Downhill-Rennen, wenn ein Trail-Bike gewinnt?» diese rhetorische Frage stellt Matt Wragg in seinem Artikel auf www.pinkbike.com. Was ist passiert? Der Amerikaner Mitch Ropelato hat am «Pro GRT Downhill Race» in Southridge/Fontana die DH-Grössen Aaron Gwin und Logan Binggeli auf die Plätze verwiesen. Nicht der Sieg als solcher sorgte für Gesprächstoff in der Szene, sondern die Tatsache, dass Ropelato das fahrtechnisch wenig anspruchsvolle Rennen an Bord eines All Mountain Bikes mit 29-Zoll-Rädern siegreich beendete. «Kein professioneller Downhill-Rennfahrer hat bisher das Weltcup-Podium auf Rädern grösser denn 26 Zoll erreicht. Das könnte sich in der anstehenden Saison ändern», mutmasst Mike Kazimer auf Pinkbike und wagt die Prognose: «Sollte es in diesem Jahr ein Bike mit grösserem Raddurchmesser aufs Podium schaffen, dann wäre das ein Wendepunkt in der Debatte. Es wäre ein Beweis fern von Wissenschaft und der Pseudowissenschaft von Marketingteams, die mit ihrer Ware hausieren.»

Ropelatos Sieg rückt einmal mehr die Diskussion um die Laufradgrössen in den Mittelpunkt. Nicht nur in der Rennszene. Zugegeben – die Sache war auch schon mal einfacher. Nachdem sich Befürworter und Gegner von 26-, respektive 29-Zoll-Rädern im vergangenen Jahr angeregte Argumentationsduelle lieferten, versprechen mittlerweile auch die Anhänger der neusten Laufradgrösse 27,5-Zoll, dass das Rad im wahrsten Sinne des Wortes neu erfunden worden sei.

Laufradwahl für Physiker

Was die 29-Zoll-Räder angeht, so sind deren Vor- und Nachteile im Vergleich mit den klassischen 26-Zöllern sowohl in Theorie als auch Praxis verschiedentlich untersucht und beschrieben worden. Vieles ist reine Physik: Weil 29-Zoll-Laufräder schwerer sind, muss mehr Energie aufgewendet werden, um sie zu beschleunigen. Der Grund hierfür liegt in der kinetischen Energie und der Rotationsenergie, die in jedem sich drehenden Rad steckt. Ausserdem gilt es zu beachten, dass die Rotationsenergie eines drehenden Rads bei einer vorgegebenen Geschwindigkeit proportional zum Radius ist – je grösser der Radius, desto mehr Energie muss aufgewendet werden.

Natürlich kann man auch 29-Zoll-Laufräder einer radikalen Gewichtsdiät unterziehen. Wer am Laufrad das Gewicht reduziert, profitiert gleich doppelt, denn das reduziert nicht nur die kinetische Energie, die in der Vorwärtsbewegung selbst steckt, sondern auch die Rotationsenergie. Allerdings sind hier Limiten gegeben, wenn nicht die Festigkeit des Rads kompromittiert werden soll.

Tieferer Rollwiderstand

Die deutsche Fachzeitschrift «Mountain Bike» hat in einem aufwändigen Labortest belegen können, dass in der Rollwiderstandsmessung die 29er die Nase vorne haben – rund acht Prozent soll die Energie-Ersparnis sein. Die Rollvorteile konnten auch auf unebenem Untergrund nachgewiesen werden: Die grossen Räder brauchen zwar mehr Energie, um in Schwung zu kommen, sie rollen aber auf Grund des flacheren Aufprallwinkels einfach über Hindernisse wie Wurzeln oder Steine und erhöhen so ganz nebenbei den Fahrkomfort. Genau deshalb ist der gefühlte Fahrkomfort eines 29-Zöllers mit 120 bis 130 mm Federweg vergleichbar mit dem eines 26-Zöllers und 150 bis 160 mm.

Fahrgefühl und Traktion

Die Laufradgrösse verändert zweifelsohne die Fahreigenschaften und das Fahrgefühl. Der veränderte Radstand und die Trägheit der grossen Räder verleiht den 29ern mehr Laufruhe – sowohl in der Abfahrt als auch im Anstieg. Die besondere Herausforderung für die Konstrukteure besteht darin, dass das Mountainbike nicht zu träge wird. Dank den grossen Rädern steigen die Mountainbikes allerdings auch besser. Tendenziell neigen sie weniger zum Aufbäumen. Das ins Feld geführte Argument der besseren Traktion kann allerdings offenbar nicht belegt werden. Bei gleichem Luftdruck ist der Unterschied der Aufstandsfläche unerheblich. Unabhängig von der Laufradgrösse: Wer die Traktion erhöhen will, reduziert den Luftdruck. Weshalb die Traktion beim 29-Zoll-Rad trotzdem besser sein soll, erklärt Markus Hachmeyer, Produktmanager beim Reifenhersteller Schwalbe, im Gespräch mit der «Spiegel»-Wissenschaftsredaktion wie folgt: «Bei 29 Zoll ist die Aufstandsfläche länger und schmaler als bei 26 Zoll.» Was für die kleine Laufradgrösse spricht, ist die grössere Stabilität, ein tendenziell agileres Fahrverhalten und (zumindest aktuell noch) eine grössere Auswahl bei Reifen, Speichen und Felgen.

Die Argumente für oder gegen 26, respektive 29 Zoll liegen auf dem Tisch. Und wie ist es mit 27,5 Zoll (650B)? Ist das «Mittelmass» nur ein fauler Kompromiss oder vereint es das Beste aus zwei Welten, wie es einige Hersteller propagieren? Meine persönliche Meinung ist die: Es lohnt sich nicht, sich durch die ganzen Laufrad-Diskussionen verrückt machen zu lassen. Ein 26er der Spitzenklasse bereitet immer noch jede Menge Fahrspass. 29 Zoll hat mich in der Praxis zwar überzeugt – aber auch nur dann, wenn die Konstrukteure ihre Hausaufgaben gut gemacht haben. Das Fahrverhalten ist spürbar anders als beim guten alten 26er und eine leichte Anpassung des Fahrstils kann nicht schaden. Auch wenn ein «Blindtest für Mountainbikes» in der Praxis nicht sehr praktikabel ist, so würde ich die beiden Laufradgrössen problemlos blind unterscheiden können. Was die Unterschiede zwischen 26 und 27,5 Zoll betrifft, so würde mein Wetteinsatz nach den letzten Tests allerdings nicht sehr hoch ausfallen. Auch wenn die Differenzen in der Praxis nur bedingt spürbar sind, so sprechen die physikalischen Gesetze eher für 27,5 Zoll. Ob die Physik allerdings das Todesurteil für 26 Zoll bedeutet, wird sich weisen. Eine Beschränkung auf zwei Laufradgrössen – zumindest in dieser Frage herrscht ein breiter Konsens – würde die Sache jedenfalls erheblich vereinfachen. Im Video unten ist ein Vergleich der drei Readgrössen zu sehen.

Mit welchen Laufradgrössen haben Sie eigene Praxiserfahrungen sammeln können? Welche Laufradgrössen werden sich Ihrer Meinung in Zukunft durchsetzen? Sollten Ihrer Meinung alle drei Laufradgrössen beibehalten werden?

Velo-Love oder die Rückkehr aufs Bike

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 4. April 2013

Ein Gastblog von Yvonne Birker*.

Genau vier Wochen nach meinem unglücklichen Abflug vom Bike habe ich meinen Arzttermin im Spital von Queenstown. Zwischenzeitlich hatte ich versucht, mich möglichst still zu halten und die Zeit mit etwas Sinnvollem auszufüllen. Somit drückte ich knappe vier Wochen die Schulbank, um ein «Cambridge University Advanced English»-Diplom mit nach Hause zu nehmen. Dieses wirkt sich hoffentlich positiv auf die Stellensuche nach meiner Rückkehr aus. Das Röntgenbild meines Schlüsselbeins zeigt, dass zwar alles auf gutem Weg ist, der Knochen aber noch nicht durchgebaut hat. Ich darf mich wieder bewegen, bis zur Schmerzgrenze und mit gegebener Vorsicht. Seine volle Stabilität werde der Knochen aber erst nach weiteren vier Wochen wieder erreicht haben.

Tolle Diagnose, was sollte ich nun damit genau anfangen? Ich befinde mich im Paradies für jeden Biker und bin natürlich heiss darauf, möglichst rasch wieder auf meinen zwei Rädern zu sitzen. Vernunftsgemäss müsste ich damit noch etwas abwarten, da ich einen erneuten Sturz wohl noch nicht wegstecken könnte. Vorsichtig Downhillbiken ist etwas, das einem wohl nur ein Nicht-Downhillbiker raten kann. Ich beschliesse, einfach auf mein Gefühl zu hören und beginne mit Liegestützen, Schwimmen und selbst erfundenen Physiotherapie-Übungen, um meine Beweglichkeit zurückzuerlangen.

Ein Freund leiht mir sein Allmountain-Bike aus. Damit werde ich nun zuerst vorwiegend hochfahren, um meine Fitness wieder aufzubauen. Vor meinem ersten Ride bin ich regelrecht nervös. Ich suchte mir für meine ersten Versuche den «7 Miles Track» in Queenstown aus. Das ist ein Netzwerk von flowigen Singletrails. Es geht relativ gut, ich bin zwar anfangs noch etwas wackelig unterwegs, doch habe ich kaum Schmerzen und könnte platzen vor Glück darüber, wieder auf dem Bike zu sitzen. Das Leben ist grossartig!

In den folgenden Tagen erklimme ich verschiedene Berge in der Umgebung und habe mächtig Spass daran. Wer mich kennt, mag dies mit gewissem Unglauben lesen, da ich normalerweise nicht gerade ein Fan des Hochfahrens bin… Nun vielleicht werde ich ja durch den Unfall fitter als je zuvor? Nach dem Trebel Cone Peak und dem «Moonlight Track», steht der «Skyline»-Bikepark auf dem Programm, in umgekehrter Richtung, nämlich von unten nach oben. Natürlich folgt nach dem Aufstieg eine Abfahrt und das ist der Moment: Ich bin zurück im Bikepark! Die Zeit ist gekommen, um mein Allmountain-Bike wieder gegen Knieschoner, Integralhelm und mein Giant Glory einzutauschen.

Darauf erlebe ich herrliche Tage mit meinen Freunden beim Shuttlen in den Remarkables, am Coronet Peak und im Queenstown Bikepark. Auf dem Bike ist das atemberaubende Panorama Neuseelands einfach noch tausendmal schöner. Und endlich kann auch ich die Tracks fahren, von denen ich die letzten Wochen immer wieder gehört habe… Natürlich gehe ich die Sache noch ziemlich locker an, schliesslich freue ich mich auch auf einen langen Bikesommer in der Schweiz. Abschliessend kann ich sagen, dass der Schlüsselbeinbruch ein relativ glimpflicher Unfall für mich war. Abgesehen davon, dass der Knochen eine etwas unförmige Gestalt angenommen hat und der Bikerucksack nun auf einen abstehenden Knochensplitter unter der Haut drückt, bin ich absolut beschwerdefrei. Mental habe ich keine Probleme. Im Gegenteil, ich bin einfach nach der Wartezeit umso dankbarer und motiviert, um jeden Ride zu geniessen.

Wie haben Sie die Rückkehr aufs Bike nach einer Verletzungspause erlebt?

PS: Viele Grüsse aus Australien, wo ich gerade die «Great Ocean Road» erkunde…

*Yvonne Birker ist seit 2003 aktive Bikesportlerin und DH Bike Spezialistin. Sie bietet über den Shop Citycycles (Bern und Zürich) die «Sister Rides» an, dies sind Bike Kurse für Frauen, im Gravity Bereich. Sponsoren: GIANT, FOX, ADIDASeyewear, Schwalbe, Citycycles.

Mountainbikebergsteigen

Jürg Buschor am Donnerstag den 28. März 2013
Lotet Grenzen aus - Harald Philipp (Foto: www.summitride.com/Sebastian Doerk)

Lotet Grenzen aus - Harald Philipp (Foto: www.summitride.com/Sebastian Doerk)

Schneller, höher, stärker – das olympische Motto wird auch von Mountainbikern hochgehalten. Im Mittelpunkt des Interesses steht allerdings meist das schneller – egal ob in der Disziplin Crosscountry, Downhill oder Fourcross. Keine Sieger gibt es in der Disziplin Bikebergsteigen. Ausser natürlich, man würde das bezwingen des inneren Schweinehunds auch als Sieg feiern. Im Mittelpunkt steht das Erreichen von alpinen Zielen und die Bewältigung von fahrtechnischen Schwierigkeiten. Mit diesem Ziel vor Augen, wird das Mountainbike auch mal vier bis fünf Stunden auf den Berg getragen, um danach auf besonders anspruchsvollen Trails abzufahren. Das wirkt selektiv. Die Gruppe der Mountainbiker, die solche Herausforderungen annehmen, ist überschaubar.

Bekannt ist beispielsweise die Gruppe der VERTRiders (Video oben), die sich um die Jahrtausendwende im österreichischen Innsbruck formiert hat. Sie haben sich einen umfassenden Verhaltenskodex auferlegt, der 22 Punkte umfasst, so zum Beispiel:

  • Hot Spots meiden
  • Keine Routen-Postings in Foren/Keine GPS-Tracks posten
  • 0,0 Promille
  • nur in kleinen Gruppen fahren
  • trittsichere Bergschuhe tragen
  • keine Bremsspuren, Hinterrad versetzen
  • Steinschlag beachten und vermeiden
  • Alpenvereinsmitglied werden

Auch die Webseite Bikebergsteigen.org hat sich dem Thema verschrieben und versucht die Informationsbedürfnisse und Interessen der Sportler wahrzunehmen: «Unsere Interessengemeinschaft eint dabei der respektvolle Umgang mit der Natur und den anderen Wegnutzern, was sich in unserem Verhaltenskodex manifestiert. Ein besonderer Reiz des Bikebergsteigens liegt übrigens auch im Neuland, dass es für uns Biker noch zu entdecken gibt. Den Spuren der Wanderer folgend können wir Wege abseits der altbekannten Bike-Routen nutzen und erreichen alpine Ziele die früher undenkbar waren.»

In den Mittelpunkt des Interesses ist das Bikebergsteigen auch gerückt, nachdem der Athlet Harald Philipp seine Projekte im Rahmen seiner Diavorträge (z. B. mit Explora) und Videos einem breiten Publikum bekannt gemacht hat. So zum Beispiel auch sein Video «The Sea of Rock»  (siehe unten), das mit einem behördlichen Nachspiel endete.

SEA OF ROCK from infinite trails on Vimeo.

Wer sieht sich so etwas nicht gerne an? Es zeigt eine extreme Seite unseres Sports, die für 99,5 Prozent aller Mountainbikerinnen und Mountainbiker unerreichbar scheint. Doch Grenzen sind da, um verschoben zu werden. Was heute als unfahrbar gilt, wird mit grösster Wahrscheinlichkeit schon sehr bald von irgendwelchen ambitionierten Mountainbikern unter die Stollenräder genommen. Die technologisch immer ausgereifteren Mountainbikes und eine neue Generation von Mountainbikern mit stupender Fahrtechnik machen es möglich. Ob alles, was theoretisch fahrbar ist, auch gefahren werden soll, bleibt dabei natürlich eine philosophische Frage, die jeder für sich beantworten kann.

Was halten Sie vom Thema Mountainbikebergsteigen? Sind Sie der Meinung, dass solche Projekte den Mountainbikesport insgesamt voranbringen? Wo sehen Sie mögliche Probleme?

Geschundene Trails

Jürg Buschor am Donnerstag den 14. März 2013
Was in Bikeparks oder auf Downhill-Strecken geht, ist auf Trails problematisch:

Was in Bikeparks oder auf Downhill-Strecken geht, ist auf Trails problematisch: Ein Downhill-Biker schrammt an den Schweizer Meisterschaften in Chur um die Kurve, 4. Juli 2009. (Keystone/Arno Balzerini)

«Der ist für mich gestorben!» – Markus’ Mimik verrät, dass er es Ernst meint. Auf meinen fragenden Blick legt er gleich nach: «Ich schaue mir prinzipiell keine Videos an von Mountainbikern, die mit blockiertem Hinterrad um die Kurve driften.» Die Entscheidung mag radikal sein, aber im Grunde genommen teile ich seine Meinung. Für mich steht fest, dass gewisse Fahrweisen den Singletrails mehr zusetzen als andere. Bestes Beispiel hierfür ist der mittlerweile sehr populäre «Brazilian» – ein Singletrail im Kanton Wallis, der über 2000 Höhenmeter vom Col de Cou (2529 m) nach Grône führt. Der Trail wurde schon seit jeher von Touren-Mountainbikern gefahren. Seit eine kanadische Filmproduktion eine Sequenz auf dem Trail gedreht hat (siehe Video unten), ist er jedoch auch bei Freeridern und Downhillern sehr populär. Trotz rund 500 Höhenmetern Anstieg, die die meisten schiebend hinter sich bringen. Auch wenn die Gesamtzahl der Freerider immer noch überschaubar bleibt, hat der Trail in den vergangenen drei Jahren überproportional stark gelitten. Flowige Singletrails sind stellenweise zu Wellblechpisten verkommen. Immer mehr Kurven sind komplett «ausgelutscht». Der Trail ist leider keine Ausnahme.

Freerider lieben die Geschwindigkeit und neigen dazu, erst kurz vor den Kurven zu bremsen (dazu ein paar Beispiele im Video unten). Dann jedoch umso heftiger. Sehr oft so stark, dass das Hinterrad durch die Scheibenbremsen komplett blockiert wird. Während die Mehrzahl der «klassischen Tourenbiker» Kurven komplett ausfahren, tendieren Freerider dazu, das Hinterrad zu blockieren und um die Kurven zu driften. Was im Bikepark Spass bereitet, ist auf Touren problematisch, weil die Singletrails so innert kürzester Zeit stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Für den Unterhalt der Pisten stehen in den Parks zahlreiche Mitarbeiter im Einsatz. Selbst in Crans-Montana, das aktuell «nur» zwei Abfahrtsstrecken betreibt, sind im Sommer zwei Personen hauptberuflich damit beschäftigt, die Pisten in Schuss zu halten, damit sie auch Fahrspass bereiten. Klar ist: Wenn Wellblechpisten im Park und mit massiv gefederten und steifen Downhillern schon keinen Spass bereiten, dann tun sie es auf einer Tour erst recht nicht. Wer also den Bikepark verlässt, tut gut daran, seinen Fahrstil entsprechend anzupassen. Überhöhte Geschwindigkeit, blockierte Räder und um die Kurven driften sorgen ausserhalb von Bikeparks nur für Ärger. Nicht nur mit anderen Wegnutzern, sondern immer öfter auch mit anderen Mountainbikern, denen an einem pfleglichen Umgang mit Wanderern ebenso gelegen ist, wie an Singletrails, die auch in Zukunft noch Fahrspass machen. Denn anders als im Park, gibt es in den Bergen keine Armada von Spezialisten, die die Trails in Schuss halten.

Sind Sie der Meinung, dass Freerider/Downhiller die Singletrails stärker beanspruchen als Tourenmountainbiker? Kennen Sie Beispiele für Singletrails, die besonders stark in Mitleidenschaft gezogen sind? Sind Sie der Meinung, dass der Fahrstil dem Gelände angepasst werden soll oder soll das jeder für sich entscheiden können?

Auch Zuschauen macht Spass!

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 7. März 2013

Ein Gastblog von Yvonne Birker*.

Regelmässige Outdoorblog-Leser wissen es bereits: Ich befinde mich zurzeit in Neuseeland, bin aber leider etwas lädiert. Mein Schlüsselbein benötigt Zeit, um zusammenzuwachsen und ich habe beschlossen, mich im kitschig-schönen Actionsport-Mekka Queenstown niederzulassen. Das war ein guter Entscheid. Denn hier komme ich biketechnisch zumindest als Zuschauerin auf meine Kosten.

Innerhalb der letzten zwei Wochen standen gleich zwei grosse Events mit internationalem Touch auf dem Programm: Der Farmjam (siehe Video unten)  und das Redbull «Roast it». Der Farmjam lockte Anhänger der Freestyle-Disziplinen FMX, Dirtjump und BMX irgendwo ins südlichste Niemandsland, auf die abgelegene Farm von drei ziemlich verrückten Brüdern. Diese haben dort ein beachtliches Setup an Jumps und Obstacles aufgestellt, auf dem sich einige namhaften Grössen der Szene aus Australien, Neuseeland aber auch Übersee (von hier aus gesehen) im Jamformat um die Ohren fuhren. Darunter auch der Spanier Andreu Lacondeguy, der gleich in allen drei Disziplinen antrat und der Schweizer Ramon Hunziker, mit seinem Dirtbike. «Rämu» kann man zurzeit als das helvetische Aushängeschild im Freestyle/Freeride-Biken bezeichnen. Er fuhr letzten Herbst als erster Schweizer im legendären Redbull Rampage Contest mit und überzeugte mit soliden Runs.

Nur eine Woche später geht in Queenstown an der Gorge Road ein Raunen durch die Menge. Soeben hat ein BMXler beim vierten Anlauf einen unglaublichen Transfer geschafft. Das heisst, er ist vom Absprung einer Jump-Line in die Landung einer anderen gesprungen. «Roast it» ist ein Contest, ausschliesslich für Freestyle-BMXler. Im Jam-Format machen 20 Rider im Final die Titel «Best Trick», «Best Line» und «Best Overall Impression» unter sich aus. Der Jumppark ist eine riesige Spielwiese an Kickern und Features. Oft befinden sich mehrere Fahrer gleichzeitig auf dem Kurs. Somit  wird sogar das Zuschauen zur puren Herausforderung. Es ist faszinierend, was die Freestyle-BMX-Fahrer mit ihren kleinen, ungefederten Bikes an Action zeigen. Ich bin schwer beeindruckt. Freestyle-BMX ist eine Disziplin die in Amerika gross, in der Schweiz aber leider fast gänzlich unbekannt ist. Ramon Hunziker erklärt, dass es bei uns keine Contests dieser Art gibt. Er sitzt heute ebenfalls auf der Zuschauertribüne, da BMX ja nicht seine Disziplin ist.

Die BMX-Tricks, die wir heute zu sehen bekommen sind zumeist äusserst technisch. Besonders anspruchsvoll meint Ramon, sei zum Beispiel die sogenannte «Cashroll», ein kombinierter Sprung aus 360-Grad-Drehung und Backflip. Das Level wird ständig auf neue Ebenen gepusht und die Tricks inspirieren auch Ramon, um sein eigenes Repertoire auf dem Dirtbike stetig weiter auszubauen. Der Hauptunterschied zwischen BMX und Dirtbike besteht darin, dass beim BMX aufgrund der grösseren Wendigkeit und des leichteren Bikes technischere Tricks möglich sind. Beim Dirtbiken hingegen sind die Jumps um einiges grösser. Laut Ramon geht der Trend eher weg von klassischen Dirtjump-Events, hin zu den sogenannten Slopestyles. Dies ist eine Kombination von grossen Elementen, wie Stepdowns, Stepups, Wallrides sowie verschiedenen Table- oder Doublesprüngen. In der Schweiz organisiert Ramon übrigens mit seinem Bruder Jerome und der Flying Metal Crew das «Swatch Rocket Air» www.rocketair.ch . Wer Lust hat Freestyle-Bike-Luft live in der Schweiz zu schnuppern, dem empfehle ich dringend am 12. und 13. April 2013 den Weg nach Thun.

Ramon Hunziker bereitet sich hier in Neuseeland auf die neue Saison vor und möchte nächsten Herbst auf jeden Fall wieder am Rampage starten. Für Interessierte lohnt es sich bestimmt, ihn den kommenden Sommer über im Auge zu behalten. Nachdem ich die grösste Enttäuschung über meine Zwangspause – ausgerechnet in Neuseeland – überwunden hatte, schlüpfte ich in die Rolle der Zuschauerin. Dabei hatte ich jede Menge Spass und es gelang mir, mich an den Leistungen und der Befriedigung anderer zu erfreuen.

Liebe Leser und angefressene Sportler, empfinden Sie beim Sport ausschliesslich Befriedigung, wenn Sie sich selber verwirklichen und auspowern können, oder schauen Sie auch gerne zu und inspirieren sich an den Erfolgen Anderer?

Ich wünsche «Rämu» viel Glück für die kommende Saison und geniesse meinen eigenen neuseeländischen Spätsommer, ab heute wieder auf zwei Rädern…

*Yvonne Birker ist seit 2003 aktive Bikesportlerin und DH Bike Spezialistin. Sie bietet über den Shop Citycycles (Bern und Zürich) die «Sister Rides» an, dies sind Bike Kurse für Frauen, im Gravity Bereich. Sponsoren: GIANT, FOX, ADIDASeyewear, Schwalbe, Citycycles.

Wenn der Fluss zum Trail wird

Jürg Buschor am Donnerstag den 28. Februar 2013


«Ich verfluche mich jeden Morgen. Wenn ich im Schlafsack liege und versuche, mich auf die Kälte vorzubereiten, die mich erwartet, finde ich keine netten Worte für mein Abenteuer. Draussen herrschen eisige minus 20 Grad,» schreibt der Zuger Claude Balsiger. Was er und sein Team vorhaben, ist allerdings auch nicht gerade alltäglich: Mit dem Mountainbike, zu Fuss und mit Tourenskis wollen sie aus eigener Kraft 500 Kilometer zurücklegen und den Himalja durchqueren. Im Winter hat das noch kein Mensch versucht. Wen wunderts – eine Winterdurchquerung bei Temperaturen von bis zu Minus 30 Grad Celsius hört sich reichlich ungemütlich an.

Den ersten Streckenabschnitt des Trans-Himalaja-Projekts haben der Abenteuerbiker und sein Team bereits hinter sich: Am 15. Februar erreichten sie nach fünf Tagen und 200 Kilometern das Dorf Padum in der Region Zanskar. Aussergewöhnlich dabei: Die Strecke legten sie auf dem Fluss Zanskar zurück, der für die Einheimischen der Region die einzige Verbindung zur Aussenwelt wird, sobald er zufriert. Was sich relativ einfach anhört, war mit erheblichen Gefahren verbunden. Das wusste auch Balsiger: «In der Vorbereitungszeit drehten sich meine Gedanken oft um unsere Sicherheit auf dem gefrorenen Fluss. Zum einen ist Eis auf fliessenden Gewässern heimtückisch, weil es unregelmässig gefriert, zum anderen haben wir schon viele Geschichten über die Gefahren des Chaddar gehört. So heisst die Strasse aus Eis, die der Zanskar-Fluss im Winter bildet.»

Die Strecke - 500 Kilometer quer durch den Himalaja

Die Strecke - 500 Kilometer quer durch den Himalaja

Nachdem die ersten Etappen plangemäss verliefen, häuften sich gemäss den letzten Meldungen die Schwierigkeiten. Der Gepäckschlitten musste zurückgelassen werden, nachdem ein effizientes Vorwärtskommen nicht mehr möglich war. Auch Balsigers Mountainbike blieb in Zanskar zurück. Und schliesslich zwangen die Rückenschmerzen und Magenprobleme von Begleiter Thomas Wäspe das Team zu einer Pause im Kloster Phuktal. Wenn die Drei in den nächsten Tagen das Glück wieder auf ihre Seite zwingen können, werden sie voraussichtlich die ersten Sportler sein, die den Himalaja im Winter durchquert haben.

Abenteuerprojekte wie dieses stehen in letzter Zeit vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit. Galt die breite Aufmerksamkeit lange den Rennsportlern (insbesondere den Cross-Country-Bikern), profilieren sich immer öfter auch Mountainbiker, die ihren Sport ohne Startnummern ausüben. Das Höher, Schneller, Weiter und Schwieriger abseits der Rennstrecken kann dank immer günstigeren und qualitativeren Foto- und Film-Kameras festgehalten und im Internet einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Was Qualität hat, wird beachtet und mittlerweile auch monetär belohnt. Profilierte Mountainbiker wie beispielsweise ein Harald Philipp oder Claude Balsiger können von ihrem Sport leben. Gut so, wie ich meine, denn der Sport verdient es, immer wieder spannende neue Gesichter hervorzubringen.

Was halten Sie von Abenteuerprojekten wie Claude Balsigers Himalaja-Cross? Lassen Sie sich durch solche Athleten und Abenteuer inspirieren?

Fahrradhändler im Todeskampf?

Jürg Buschor am Donnerstag den 14. Februar 2013
Angeschlagenes Geschäftsmodell: Velos warten in Zürich auf Käufer. (Bild: Keystone)

Angeschlagenes Geschäftsmodell: Velos warten in Zürich auf Käufer. (Bild: Keystone)

«Velohändler kämpfen ums Überleben», titelte die «Basler Zeitung» in einem Hintergrundartikel vom 6. Februar. Das Phänomen des Einkaufstourismus kennen allerdings nicht nur die Basler Fahrradfachhändler. Die oft kritisierte Hochpreisinsel Schweiz ist klein und der grenznahe Fachhändler im Ausland meist nicht weit. Egal ob im Tessin, St. Gallen oder Genf. Auch Herr und Frau Zürcher setzten sich immer öfters in Auto mit der Aussicht, jenseits der Landesgrenze ein paar hundert Franken zu sparen.

Die Problematik ist nicht neu, hat sich aber mit dem schwächelnden Euro akzentuiert. Moralische Bedenken, selber die hohen Schweizer Löhne einzustreichen, aber auf der Ausgabenseite vom tieferen Preisniveau im Ausland zu profitieren, werden von vielen bedenkenlos vom Tisch gewischt. Man ist sich meist selbst am nächsten. Das kann man gut finden oder auch nicht. Die moralische Grenze wird allerdings da überschritten, wo zwar die Beratung des Schweizer Fachhändlers in Anspruch genommen wird, aber der Kauf anderswo getätigt wird.

Grosse Konkurrenz erwächst den Schweizer Fachhändlern allerdings schon längst nicht mehr nur durch die grenznahen Fachhändler im Ausland, sondern durch die preisaggressiv operierenden Internethändler. Wenn der Schweizer Fachhändler die Ware zu höheren Preisen beim Importeur einkauft, als sie der Endkonsument im Internet angeboten bekommt, dann ist an ein nachhaltiges Wirtschaften nicht mehr zu denken. Da sitzen die Schweizer Fachhändler allerdings im selben Boot wie ihre ausländischen Kollegen. Auch diese ächzen unter dem Margendruck.

Wie aber soll mit diesem Druck umgegangen werden? Respektive – bietet der sich stark verändernde Markt auch Chancen? In diesem Zusammenhang hat folgende Nachricht mein besonderes Interesse geweckt: Ein deutscher Fachhändler verabschiedet sich aus dem immer margenärmeren Geschäft der Fahrradverkäufe und stellt die Montage und den Service in den Mittelpunkt seines Angebots. Damit nicht genug – er sucht die Nähe zu einem Onlineanbieter, der ihm Montagegutscheine ausstellt. Natürlich kann das nicht die Lösung für alle Fahrradmechaniker sein, aber der Ansatz ist durchaus interessant und wertet ganz nebenbei die Arbeit des Fahrradmechanikers erheblich auf. Das perfekt eingestellte Schaltwerk, die sauber justierte Bremse und die jährlich gewartete Federgabel stehen plötzlich im Mittelpunkt.

Hat also der deutsche Händler die Zeichen der Zeit richtig erkannt? Sicher ist, dass die Veränderungen am Markt auch neue Chancen bieten. Allerdings auch nur den Fahrradfachhändlern/-Mechanikern, die mit ihrer Ausbildung und ihren Leistungen auf der Höhe der Zeit sind. Profilierungspotenzial dürften beispielsweise all jene haben, die komplexe Federsysteme warten und sauber einstellen können und mit Elektroantrieben nicht auf Kriegsfuss stehen. Bei manch einem Mechaniker wäre allerdings auch dann schon viel erreicht, wenn er ein Rad sauber zentrieren und die Schaltung perfekt justieren könnte. Denn manchmal – das zeigen auch immer wieder die Kommentare auf einschlägigen Blogs – hapert es bei den so genannten Spezialisten auch damit schon.

Was halten Sie von der Idee, dass Fahrradmechaniker sich vermehrt auf Serviceleistungen spezialisieren? Welche Kriterien gewichten Sie bei einer Kaufentscheidung am stärksten?

Auf der Suche nach dem endlosen Sommer

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 7. Februar 2013

Ein Gastblog von Yvonne Birker*.

Der Job ist gekündigt und das Bike in einem unglaublich grossen Karton zerlegt und verstaut. Das beträchtliche Übergewicht von 17 kg konnte ich zu meinem eigenen Erstaunen nach langem Verhandeln am Schalter kostenlos in die Luft diskutieren. Happy New Year im Flieger und nach diversen Stops in Dubai, Bangkok und Sydney lande ich am ersten Tag des neuen Jahres im Kiwiland. Mein Traum vom endlosen Sommer ist Realität geworden.

Die grossen Erdbeben und die fast täglichen, kleinen Nachbeben haben Christchurch schwer gezeichnet. Das Stadtzentrum ist komplett zerstört und nach wie vor nicht wieder aufgebaut. Viele Leute haben die Stadt verlassen. Das Bild ist eher trist und ich bin etwas schockiert. Die Rädchen, die ich mühevoll an meinem Bikekarton angebracht hatte, waren leider bereits beim Einchecken, noch in der Schweiz, abgefallen. Ziemlich hilflos stehe ich nun da, mit meinem überdimensionalen Bikekarton und versuche ihn irgendwie, den ganzen Weg vom Busstop bis zum vorreservierten Hostel zu schleifen. Da hält ein Auto und eine Frau beginnt eifrig ihre Kopfsalate und Cornflakes vom Kofferraum auf den Vordersitz zu schaffen. Sie will mir unbedingt helfen und fährt mich und mein Gepäck kurzerhand an die gewünschte Adresse. Wow!

Unterwegs bin ich mit Greg, einem guten Bikefreund aus Frankreich. Im ersten Teil unseres Trips folgen wir der nationalen neuseeländischen Race-Serie, den NZ Downhillcups. Die Austragungsorte der Rennen geben uns die Reiseroute vor.  Somit entsteht ein abwechslungsreicher Mix. Wir sehen viel vom Land und der Natur und können ausgezeichnete Strecken fahren. Dazwischen finden wir unterwegs überall phantastische Trails. So reisen wir im Van, der gleichzeitig unser Zuhause ist, vom untersten Zipfel der Südinsel bis  weit oben auf die Nordinsel. Nur einen Pinguin haben wir leider bis heute noch keinen gesehen!

Als Downhillfahrer sind wir in der Schweiz verwöhnt, mit den zahlreichen Skiliften, die uns auch im Sommer auf den Gipfel befördern. In Neuseeland gibt es ausser in Queenstown nirgends Lifte. Wer runterfahren möchte, der muss eben auch raufpedalen, das Bike hochstossen oder Shutteln. Das Shutteln ist vor allem bei Downhillbikern eine beliebte Variante. Hierbei werden die Bikes auf einen Anhänger verladen und man schliesst sich in Fahrgemeinschaften zusammen. Wir fahren uns manchmal abwechslungsweise mit unserem Van hoch. Oft finden wir aber Anschluss bei Einheimischen zum Shutteln. Die Neuseeländer sind stolz auf ihre Trails und freuen sich, dass wir so begeistert sind. Es macht ihnen Spass, uns abgelegene Trails zu zeigen, die wir niemals alleine entdeckt hätten. Ich empfinde das  Gemeinschaftserlebnis viel intensiver als in der Schweiz, wo man eher eigenbrötlerisch auf dem Sessellift kutschiert.

Neuseeland wird von immer mehr Fahrern als optimale Winterdestination entdeckt und verzeichnet regen Zuwachs. Trotzdem erscheint mir die Bike-Community in Neuseeland noch relativ klein und familiär. Man kennt sich und hält zusammen. Diesen Eindruck gewinne ich im Laufe der Reise immer wieder. Ich tauche irgendwo auf und werde von wildfremden Leuten zum Essen, Wohnen oder Biertrinken eingeladen. Ich möchte mich bedanken, gar Geld geben oder mich revanchieren, da mir die ungewohnt überschwengliche Gastfreundschaft fremd ist.  Doch: «No worries, we all ride bikes», ist die Antwort, die jedes weitere Wort überflüssig macht.

Dass Neuseeland das ideale Land zum Biken ist, bestätigt  ironischerweise abschliessend das Gesundheitssystem. Im Renntraining in Levin muss ich leider einen harten Sturz einstecken. Ich werde mit der Ambulanz abtransportiert. Mein Bike und vor allem mein Schlüsselbein sind hinüber. In gut schweizerischer Manier versuche ich jeder Kontaktperson zu erklären, dass ich über ausreichenden Versicherungsschutz verfüge. Doch siehe da, in Neuseeland werde ich sogar als Touristin kostenlos versorgt, gepflegt und mit Medikamenten eingedeckt.

Meine Bikepläne sind folglich für 4-6 Wochen, trotz sommerlicher Hitze auf Eis gelegt. Trotzdem denke ich keine Sekunde darüber nach, den Trip vorzeitig abzubrechen. Das Land und vor allem die herzliche und gastfreundliche Bevölkerung haben es mir angetan. Ich finde, dass wir uns in der Schweiz eine grosse Scheibe von dieser Offenheit abschneiden sollten. Ich werde jedenfalls versuchen, mir ein Stück Kiwi-Lifestyle im Herzen zu bewahren. Trotzdem bin ich nicht sicher, wie es in der Schweiz ankommen würde, wenn ich jemandem den ich seit 5 Minuten kenne, meinen Hausschlüssel in die Hand drücke, bloss weil er auch Fahrrad fährt.

Liebe Grüsse aus dem Sommer!

*Yvonne Birker ist seit 2003 aktive Bikesportlerin und DH Bike Spezialistin. Sie bietet über den Shop Citycycles (Bern und Zürich) die «Sister Rides» an, dies sind Bike Kurse für Frauen, im Gravity Bereich. Sponsoren: GIANT, FOX, ADIDASeyewear, Schwalbe, Citycycles.