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Archiv für die Kategorie „Action“

Wellen statt Berge

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 14. Mai 2013

Ein Blog von Siri Schubert*

Schweizer als Ski- und Snowboardlehrer? Klar. Schweizer als Surflehrer? Hmm, nicht so selbstverständlich. Dennoch ist auf fast jeder Welle, egal ob in Europa, Australien, oder Asien, ein Schweizer Akzent zu hören, auch wenn er durch Englisch, Spanisch oder Französisch maskiert wird. Und in Galizien in Spanien eröffnet gerade das schweizerisch-deutsche Surfcamp Waverocker. Organisatoren sind der in Nebikon im Kanton Luzern aufgewachsene Tom Egli sowie Bernd Geissler und Ines Ruetz aus Deutschland, die auf der Suche nach der perfekten Welle ihre Ozean-armen Heimatländer zumindest vorübergehend hinter sich gelassen haben. Sie wollen nicht nur selbst surfen, sondern ihre Begeisterung für den Sport auch anderen vermitteln.

Ich habe die drei in der Atlantic Surf Lodge in Vieux-Boucau-les-Bains in Frankreich getroffen, einem kleinen Ort mit langem Sandstrand zwischen Bordeaux und Biarritz. Dort fand gerade der NARS Surf Coach Lifesaver Award Kurs statt, ein Ozean-Lebensrettungskurs, den Surflehrer alle zwei Jahre wiederholen müssen, um ihre Akkreditierung zu behalten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin die einzige Nicht-Surferin im Kurs. Aber als Stand-up-Paddlerin und Instruktorin möchte ich so viel wie möglich über Wasserrettung lernen, weil es Sicherheit gibt, interessant ist und mich Meer und Wellen einfach faszinieren.

Die Sehnsucht nach dem Meer

Immer wieder müssen wir die Abläufe für das Retten von Ertrinkenden, bewusstlosen Erwachsenen und Kindern üben und zudem demonstrieren, wie wir mit und ohne Soft-Boards Ertrinkende aus dem Meer ziehen können. Ausserdem wird Theorie gepaukt und die Fitness mit Lauf- und Schwimmtest bewertet. Am Ende steht eine Prüfung und Assessor Dean Gough, Instruktor, Lifeguard und Surflehrer aus Wales, schaut genau hin, dass keine Fehler passieren. Denn die Routinen müssen sitzen, auch und gerade wenn es stressig wird. Am nächsten Tag geht es für die Teilnehmer, die noch keine Surflehrer-Akkreditierung von der International Surfing Association haben, weiter. Sie paddeln schon um 6:30 Uhr morgens im Neoprenanzug für ihre erste Lektion durch unruhige Wellen und kaltes Wasser, selbst wenn die Bedingungen durch starken Wind alles andere als ideal sind.

Zugegeben, ich bin überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit die Teilnehmer aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, die alle nicht am Meer aufgewachsen sind, durch die brechenden Wellen schwimmen, paddeln oder tauchen, Strömungen erkennen und auch richtig schwierige Wellen mit ihren Surfboards erwischen. Meine Einschätzung: Auch wenn sie nicht am Meer aufgewachsen sind, könnte man sie fast für Einheimische halten. Noch überraschter war ich, als ich erfuhr, dass die meisten der Teilnehmer nicht als Dreijährige von ihren Eltern in den Mini-Neoprenanzug gesteckt und aufs Surfbrett gestellt wurden, sondern sich den Surf-Virus erst als Jugendliche eingefangen haben. Seither haben sie alles darauf ausgerichtet, so viel Zeit wie möglich am Meer zu verbringen, bei jedem Praktikum und jedem Studienaufenthalt zählte nur das Kriterium: Gibt es dort gute Wellen?

Nun scheint die Sehnsucht nach dem Meer in der Schweiz besonders verbreitet. Jodie Winkler, Managerin der Atlantik Surf Lodge zählt viele Schweizer zu ihren Gästen und zwei der Mitarbeiter stammen aus Bern. «Was Trendsportarten angeht, sind die Schweizer immer vorne mit dabei,» sagt sie. «Sie sind einfach sehr aufgeschlossen.» Als Wassersportlerin kann ich die Sehnsucht nach dem Meer gut verstehen, auch ich versuche, so oft wie möglich ans Meer zu kommen. Doch natürlich frage ich mich, wo sie herkommt, denn in der Schweiz gibt es genug Möglichkeiten, auch ohne Meer einen richtigen Adrenalin-Kick zu bekommen. Was meinen Sie?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Mehr Experimente bitte!

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 9. April 2013

Ein Blog von Siri Schubert*

Dieser Winter war sehr ungewöhnlich. Nicht nur, weil er gefühlt immer noch andauert, sondern weil ich von Januar bis März auch anders trainiert habe als sonst. In den vergangenen Jahren hatte ich Anfang April sicher schon 600 bis 700 Kilometer im Kajak zurückgelegt, auch Krafttraining und Joggen standen zumindest teilweise auf dem Trainingsplan. In diesem Jahr waren es bisher gerade mal 200 Kilometer im Kajak, noch nicht richtig viel, finde ich. Allerdings sind Langstreckenfahren bei Kälte und Nässe nicht besonders produktiv, weil sich die Muskeln schneller verkrampfen und Dauererkältungen der Fitness auch nicht besonders zuträglich sind.

Aber viel wichtiger war: Ich wollte mal wieder etwas Neues ausprobieren. Zu viel Routine ist einfach nicht meine Sache. Also ersetzte ich das Krafttraining und Joggen durch Schwimmen und Paddeln auf dem Stand-up-Paddleboard (SUP). Meine Trainingsphilosophie: das Lustprinzip. Wenn ich Lust hatte, Schwimmen zu gehen, drehte ich meine Runden im Schwimmbad, wenn mir nach Stand-up-Paddeln war, machte ich eben das.

Dass ich das Glück hatte, noch eine Woche auf Fuerteventura in der Wärme auf dem Stand-up paddeln zu können, machte das neue Trainingsprogramm nur besser. Und beim kurzen Osterurlaub am Luganer See war das Training im Kajak oder auf dem SUP schon allein wegen der wunderschönen Landschaft ein absoluter Genuss.

Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich einen recht ausgeprägten Bewegungsdrang habe: Lustprinzip heisst bei mir deshalb selten, auf dem Sofa sitzen und Schoggi essen, sondern eher, mich irgendwie zu bewegen, am liebsten draussen – auch wenn ich der Schoggi oder den Gummibärchen hinterher auf jeden Fall etwas abgewinnen kann.

Aber alles in allem bleibt meine Trainingsmethode ein Experiment. Schliesslich will ich in diesem Jahr ein paar anspruchsvolle Langstreckenrennen fahren und ob die Vorbereitung reicht, muss sich zeigen. Ich fühle mich fit und denke, dass ich von der Grundlagenausdauer genau dort bin, wo ich sein sollte, aber kann ich mich auf mein Gefühl verlassen?

Ich konnte es nicht erwarten, zu testen, wo ich denn nach dem Winter in Sachen Fitness und Kondition so stehe. Eigentlich war mein erstes Rennen der Saison erst für den 20. April geplant, aber als ein Freund vergangene Woche ein Mail schickte mit der Frage, ob ich beim Zeitfahren beim WSV Schwörstadt mit dabei sei, entschloss ich mich spontan, mitzumachen. Rund 12 Kilometer lang war die Strecke und es war ein Massenstart für alle Bootsklassen, also für Einer- und Mannschafts-Outrigger sowie für Einer-, Zweier, und Viererkajaks geplant (siehe Video unten).

Ich war ziemlich nervös, nicht so sehr, weil ich mir um die Zeit Sorgen machte, sondern eher, weil 12 Kilometer ziemlich unangenehm werden können, wenn man nicht fit ist oder sich die Strecke nicht richtig einteilt. Dennoch fuhr ich relativ zügig vom Start weg und versuchte ein gutes Streckentempo zu halten. Schon nach den ersten paar Hundert Metern merkte ich, dass es gut lief. Es machte einfach einen Riesenspass, mich auf dem Wasser mal wieder so richtig auszutoben – mit anderen, denen die knapp 3 Grad Kälte auch nichts ausmachten und die auch Spass am Langstreckenfahren haben. Nach der Wendeboje nach 6 Kilometern spürte ich keinen grossen Energieverlust und konnte mit einem für mich guten Tempo weiterfahren. Als ich dann nach dem Rennen noch meine Zeit erfuhr, war ich ganz zufrieden: Experiment geglückt, der Bruch mit der Routine scheint sich auszuzahlen. Ich  werde weiter auf Experimente setzen.

Und Sie? Was machen Sie, um Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen? Welche Experimente sind geglückt? Oder haben Sie auch schon einmal richtig daneben gelegen?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Warum ist Schwimmen nur so anders?

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 12. März 2013

Ein Blog von Siri Schubert*

Die Schweizerin Swann Oberson während den Olympischen Spielen 2012 in London, August 2012. (Keystone/Laurent Gillieron)

Schwimmen braucht mehr als nur Kondition: Die Schweizerin Swann Oberson schwimmt während den Olympischen Spielen 2012 in London in der Diziplin «Frauen Open Water», 9. August 2012. (Keystone/Laurent Gillieron)

Es ist schon frustrierend. Eigentlich halte ich mich für eine einigermassen fitte Ausdauersportlerin: Am Sonntag nach dem morgendlichen Training im Kajak noch 20 Kilometer zu joggen macht mir nicht viel aus und auch bei Wettkämpfen auf dem Stand-up-Paddleboard oder im Surfski sind meine Lieblingsdistanzen Strecken ab 10 Kilometer aufwärts. Inzwischen erwarte ich es schon fast, im letzten Drittel des Rennens noch einige Konkurrenten zu überholen. Denn müde werde ich nur selten. Dachte ich. Bis ich im Winter damit begann, regelmässig zu schwimmen. Beim ersten Mal hing ich schon nach 100 Metern Kraulschwimmen luftschnappend am Beckenrand. Peinlich. Also versuchte ich es nochmal, langsam, ruhig, mit 3er-Atmung. 300 Meter. Dann war mir wieder die Luft ausgegangen und der Puls in die Höhe geschossen. Und nach einer Stunde im Becken fühlte ich mich ziemlich ausgelaugt. Wie kann das sein? Wo ist meine Kondition hin? Warum ist Schwimmen nur so anders?

Es könnte mir ja egal sein, denn auch kürzere Strecken schwimmen macht Spass, aber nachdem ich im Sommer öfter mal im Bodensee geschwommen bin, habe ich es mir in den Kopf gesetzt, eine Seeüberquerung zu machen, vielleicht noch nicht in diesem Sommer, aber definitiv sobald ich fit genug bin. Der Schweizerische Schwimmverband listet eine ganze Reihe von Events im Sommer und bietet zudem noch Trainings, Tipps und Tricks an. Motivation genug also, um meine Ausdauer beim Schwimmen zu verbessern.

Schlechte Technik – diagnostizierten Freunde, denen ich von meiner mangelnden Kondition beim Schwimmen erzählte. «Ausatmen unter Wasser ist das Wichtigste», sagten andere und verwiesen mich auf Websites wie Swimsmooth.com und Total Immersion Swimming. Da ich wirklich gerne schwimme, trainiere ich inzwischen auch beim SLRG Basel mit, doch – ganz untypisch für mein sonstiges Faible für lange Distanzen – liebe ich hier die Sprints. Nach 50 Metern Kraul den Puls so richtig zu spüren ist ein tolles Gefühl und bei Serien wie 8 mal 50 Meter macht auch meine Kondition halbwegs mit. Inzwischen habe ich gemerkt, dass ich mit meinem Ausdauerproblem beim Schwimmen nicht allein bin. Triathleten-Foren sind voll von Fragen nach richtiger Schwimmtechnik und Tipps zum Verbessern der Ausdauer im Wasser.

Doch so langsam steigere ich auch meine Schwimm-Kondition. 1000 Meter Kraul mit 3er-Atmung sind inzwischen machbar und ich denke, dass sich die Distanz auch noch erhöhen lässt. Jetzt freue ich mich schon auf wärmere Temperaturen und darauf, mal zu probieren, wie weit ich beim Schwimmen im See komme – ohne Wende nach 25 oder 50 Metern, ohne Orientierungshilfe in Form von schwarzen Balken und Kacheln am Boden und mit allerlei Pflanzen und Fischen im Wasser. Ich bin sicher, dass das eine ganz neue Herausforderung bietet und bin gespannt, wie ich mich in der Umgebung fühle. Doch eines weiss ich heute schon: Ich freue mich darauf, wieder draussen zu sein, und mich in einer natürlichen Umgebung zu bewegen. Ganz egal, ob ich nach 50 Metern in den Bruststil wechseln muss oder erst nach 1500. Und längere Strecken im Meer stehen auch auf dem Programm, spätestens im Mai, wenn ich die Ausbildung zum NARS Surf Coach Lifesaver in Frankreich mache.

Was sind Ihre Erfahrungen beim Schwimmen? Wie haben Sie Ihre Ausdauer verbessert?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Mit Sicherheit mehr Spass

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 12. Februar 2013

Ein Blog von Siri Schubert*

Nass werden kann man: Stand-Up Paddleboarding vor Fuerteventura. (Bilder: Siri Schubert)

Nass werden kann man: Stand-Up Paddleboarding vor Fuerteventura. (Bilder: Siri Schubert)

Einer der absoluten Pluspunkte des Stand-Up Paddleboarding (SUP) ist, dass es so leicht erlernbar ist. Meist dauert es auf flachem Wasser nur Minuten, bis Anfänger aus der knienden Position in die stehende wechseln und – zuweilen noch mit leichtem Wackeln – drauflos paddeln und Spass haben.

Als ich von der 7-tägigen Kombi-Ausbildung der österreichischen ASUPA (Austrian Stand Up Paddle Association) und der International Surfing Association (ISA) zum Instruktor im Stand-Up-Paddeln und Stand-Up Paddle Surfing hörte, meldete ich mich sofort an. Die Idee, Methoden zu lernen, um meine Begeisterung für das Paddleboarding auch mit anderen besser teilen zu können, faszinierte mich. Der besondere Bonus: Die Ausbildung fand auf Fuerteventura statt und das Konzept Sonne statt Schnee war genauso verlockend wie die Aussicht, mit dem SUP auf dem Meer zu paddeln und vielleicht auch die ein oder andere Welle zu erwischen und auf ihr zu surfen.

Doch Freunde, denen ich davon erzählte, waren skeptisch. «Warum braucht man denn fürs SUP-en einen Instruktor?» fragten Sie. «Da gibts doch nichts viel zu lernen.» Die ganze Lizenzierung würde den Sport nur komplizieren und reglementieren. Ich war gespannt.

Steht ihre Frau: Die Autorin auf hoher See.

Steht ihre Frau: Die Autorin auf hoher See.

Im theoretischen Teil ging es gleich los mit Materialkunde, gesetzlichen Bestimmungen, methodischen Grundsätzen, Paddel-Techniken, Wetterkunde und – vor allem – Sicherheit. Dann durften wir aufs Wasser – ein passendes SUP hatte ich mir vor Ort bei der Surfschule Rapa Nui geliehen. Jetzt war Eigenkönnen gefragt. Basisschlag, Bogenschlag, Ziehschlag, Paddelstütze, Stoppschlag, Offside-Turn – wir, eine kleine Gruppe von drei Teilnehmern aus der Schweiz und Österreich, musste zeigen, dass wir die Basics drauf hatten. Und wenig später, dass wir sie auch SUP-Anfängern vermitteln können. Immer wieder forderte Kursleiter Peter Bartl einen von uns auf, die Gruppe zu übernehmen, um den Schülern eine Paddel-Technik beizubringen oder ein Lernziel wie sicheres Geradeaus-Paddeln im Seitenwind anzustreben.

Da wir nur zu dritt waren, liessen sich die Kurskollegen einiges einfallen, damit es nicht langweilig wurde. Manchmal hielten sie absichtlich das Paddel verkehrt herum, paddelten davon, standen rückwärts auf dem Brett oder liessen sich ins Wasser fallen. Und als Instruktorin in spe musste ich reagieren. Und zwar schnell. Das war nicht immer einfach. Denn auch wenn sich der erste Teil des Kurses auf Flachwasser beschränkte, gab es doch Wind, Wellen und zuweilen auch Steine am Ufer, auf die man achten musste. Und ohne schnelle, klare Anweisungen könnten SUP-Anfänger hier schon in Situationen geraten, die zumindest am Board Kratzer verursachen, aber auch, wenn es ganz dumm läuft, brenzliger werden könnten.

Deshalb war für mich das Sicherheitstraining eines der Highlights des Kurses. Rettungsschwimmer und Erste-Hilfe-Kenntnisse sind ohnehin vorgeschrieben und für das Modul im Stand-Up Paddle Surfing, also im Wellenreiten mit dem SUP, wird auch noch die NARS (National Rescue Standard) Livesaver Lizenz, also eine Rettungsschwimmer-Lizenz für das Meer, vorgeschrieben. Während des Kurses gab es zudem noch Rettungsübungen und ich merkte schnell: Einen Mann, der rund 20 Kilo schwerer ist als ich, aufs Board und dann sicher wieder ans Ufer zu bringen, ist kein Kinderspiel. Doch allein die Tatsache, dass ich die Situation geprobt habe und einige Kniffe zur besseren Ausnützung der Hebelwirkung gelernt habe, werden mir helfen, sollte es einmal einen Ernstfall geben.

Auch die Analyse der Wetter- und Umgebungsbedingungen, die Kursleiter Peter Bartl immer wieder einforderte, war äusserst hilfreich. Zwar schaue ich bei meinen Ausflügen und Trainings auch vorab im Internet auf Wind-, Wetter- und Wasserbedingungen, aber konsequent vor jedem Start eine Skizze mit Sicherheitszonen und Gefahrenzonen wie Steinen, flachem Wasser, Strömungen sowie Wind und Wetter zu erstellen, erhöht die Aufmerksamkeit und hilft, die Bedingungen besser einschätzen zu können.

Eines ist klar: Stand-Up Paddleboarding ist ein sehr sicherer Sport – meist ist das Schlimmste, was passieren kann, dass man nass wird. Und auf einem See ab und zu ins Wasser zu fallen macht ja gerade im Sommer einen Teil des Vergnügens aus.

Dennoch kann ich denen, die einer Ausbildung skeptisch gegenüberstanden, jetzt klar widersprechen: Es gibt einiges zu lernen und gut ausgebildete Instruktoren machen den Sport sicherer und schöner. Denn zu lernen, sich auf dem Wasser richtig zu bewegen, Gefahren realistisch einzuschätzen oder am besten zu vermeiden, dabei die Umwelt zu respektieren und noch Tricks zum besseren Fahren und schnelleren Wenden zu üben, ist in jedem Fall ein Gewinn. Was meinen Sie?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Raus aus der Komfortzone

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 15. Januar 2013

Ein Blog von Siri Schubert*

Foto: Flickr/gabriel amadeus)

Wer sich überwindet, wird belohnt: Ein Paddler im Januar. (Foto: Flickr/gabriel amadeus)

Paddeln im Winter – mit dem Kajak oder dem Stand-up-Paddleboard – ist oft eine Herausforderung. Die Kälte, die an Fingern und Füssen nagt, ist eine Sache. Die Dunkelheit eine andere. Die Kombination von beiden – nicht gerade die beste Motivation. Doch Crosstraining wie Schwimmen, Aquacycling oder Joggen sind nur ein bedingter Ersatz fürs Paddeln.

Als der Basler Kanuverein «Basilik Paddler» vergangenen Freitag eine Neumondfahrt auf dem Rhein von Rheinfelden nach Pratteln organisierte, war ich deshalb auch sofort dabei. Denn oft bringen gerade die Aktivitäten, die ein bisschen Überwindung kosten, die besten Erfahrungen und den grössten Motivationsschub. Nicht umsonst ist «Raus aus der Komfortzone» das Mantra vieler Sportler.

Rund 10 Kajakfahrer hatten sich, ausgestattet mit Stirnlampen und Schwimmwesten für Sicherheit und zusätzliche Wärme-Isolation, am Treffpunkt versammelt. So richtig warm war es mir trotz zweier Fleece-Shirts und Paddeljacke nicht. Vor allem die Hände waren schon unangenehm kalt, bevor wir in die Boote stiegen. «Du bist wohl eine von den Schönwetterpaddlerinnen, die nur im Sommer aufs Wasser gehen», sagte eine der jugendlichen Kajakfahrerinnen spasshaft, als ich bemerkte, dass ich, obwohl ich schon warm angezogen war, für den Schneeregen nicht optimal ausgestattet war. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und versuchte, trotz der niedrigen Temperaturen so cool wie möglich auszusehen. Doch auch an der Paddlerin ging die Kälte nicht ganz spurlos vorüber, zumindest schlug sie nach knapp zwei Minuten auf dem Wasser vor, einen Sprint rheinaufwärts zu fahren, um wieder warm zu werden. Gute Idee. Bei der entsprechenden Herzfrequenz kam sogar etwas Blut in die Finger und sie liessen sich wieder gut bewegen.

Ein einmaliges Erlebnis in der Natur

10 Kilometer ging es dann rheinabwärts, die Lichter vom Ufer und von den Stirnlampen zauberten magische Muster auf die Wasseroberfläche. Die Schneeflocken, die sich kurzzeitig unter den Regen mischten, tanzten vor den Augen und schufen eine ganz besondere Atmosphäre. Der Rhein war wie verlassen, keine Schiffe oder Motorboote schlugen Wellen oder machten Lärm. Und in der Dunkelheit über das Wasser zu gleiten, war einfach ein tolles Gefühl. Und mit einigen Sprints gegen die Strömung als Zusatzbonus kam ich zwischenzeitlich sogar ins Schwitzen.

«Warum mache ich das nicht öfter?», fragte ich mich. Denn die Kombination aus Dunkelheit und Kälte, die sonst eher abschreckend wirkt, machte die Fahrt zu einem erstklassigen Erlebnis, das mir wieder ins Bewusstsein rief, warum ich so gerne auf dem Wasser bin und das Paddeln in der Natur – selbst in urbaner Umgebung – so sehr geniesse. Am Ziel warteten dann ein Feuer,  trockene Klamotten, heisse Getränke und Speisen auf die Paddler, so dass wir noch lange ums Feuer versammelt redeten und lachten.

Nach dem Nachtpaddeln fühlten sich die 16 Kilometer im Langstreckentempo, die ich mit einem Freund am nächsten Tag zurücklegte, zumindest was die Temperaturen anging, richtig leicht an. Erst als wir versuchten, die Boote mit Spanngurten auf dem Autodach zu befestigen und die Finger dabei streikten, merkten wir, dass es doch ziemlich kalt war. Doch das Verlassen der Komfortzone am Abend vorher hatte sich gelohnt – Kälte und Dunkelheit sind Teil des Vergnügens und keine Motivationskiller – und haben mir einen richtigen Kick-Start fürs Training gegeben.

Was machen Sie, um Ihre Komfortzone zu verlassen?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Wenn das keine schönen Beine gibt

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 4. Dezember 2012

Ein Blog von Siri Schubert*

Strampeln unter Wasser: Der Widerstand macht das Workout erst recht spannend. (Bild: Aqua Kinetics)

Strampeln unter Wasser: Der Widerstand macht das Workout erst recht spannend. (Bild: Aqua Kinetics)

Es scheint fast unausweichlich. Als ich auf der Wüsteninsel Fuerteventura mit einem Freund eine Mountainbiketour machte, brach ein so heftiger Regenguss über uns herein, dass sich die Schotterstrasse vor uns in einen reissenden Wildbach verwandelte. Überquerung unmöglich. Am nächsten Morgen, beim Joggen zum Sonnenaufgang hatte ich zwar ein wunderschönes Panorama auf der Ostseite, aber von Westen kamen schwarze Wolken und mit ihnen gleich der Regen. Belohnt wurde ich mit einem schillernden Regenbogen. Doch das Fazit bleibt: Fast alles, was ich mache, wird unweigerlich zum Wassersport. Das ist auch gut so, denn für mich fängt der Spass oft erst an, wenn ich im oder auf dem Wasser bin.

So wie dieser Jogger wurde auch ich beim Joggen im Regen mit einem Regenbogen belohnt. (Bild: Stephen Murphy)

So wie dieser Jogger wurde auch ich beim Joggen im Regen mit einem Regenbogen belohnt. (Bild: Stephen Murphy)

Zumindest, wenn es draussen warm ist. Im Winter trainiere ich zwar auch auf dem Wasser, doch kalte Finger und angefrorene Zehen mindern den Spass schon ein wenig. Und auf das stechende Gefühl, wenn unter der Dusche das Blut dann in die Zehen zurück fliesst, könnte ich genau genommen auch verzichten. Deshalb suche ich im Winter immer wieder nach Alternativen, da es ja im Wintertraining auch darum geht, die Grundlagenausdauer zu verbessern und ein wenig Abwechslung ins die Routine zu bringen. Klar, dass mein Blick bei einem Plakat für Aqua Kinetics im Schwimmbad sofort verharrte. Eine Spinning Class im Wasser. Toll. Das musste ich natürlich ausprobieren.

Das Bike-Workout geht in die Arme

Am Freitagabend tauchte ich dann im Badeanzug und Cycling Shorts beim ersten Probetraining auf, die teils belustigten, teils skeptischen Blicke der Schwimmer und Taucher, die das Treiben vom benachbarten Becken aus beobachteten, ignorierte ich glatt. Das Rad, das aussah, wie ein Spinning Bike im Fitnessstudio, wurde von Trainerin Ornella Pokarn auf meine Körpergrösse eingestellt und im Nichtschwimmerbecken versenkt. Nachdem die Trainingsgruppe von sechs Leuten komplett war – einige hatten wegen Krankheit oder Familienfeiern absagt –, ging es los. Aus der Stereoanlage tönten schnelle Rhythmen und Ornella ermutigte uns, flott und heftig in die Pedale zu treten. Vorwärts, rückwärts, aus dem Sattel, in den Sattel, hoch, tief – es ging sofort zur Sache.

Aquacycling: Die Massage durch den Wasserwiderstand ist sehr angenehm. (Bild: PD)

Aquacycling: Die Massage durch den Wasserwiderstand ist sehr angenehm. (Bild: PD)

Allerdings nicht, bevor wir alle mit widerstandserhöhenden Neoprenhandschuhen ausgestattet worden waren. Und hier begann der für mich überraschende Teil. Ich hatte mich auf ein Bike-Workout eingestellt, bei dem hauptsächlich die Beine arbeiten. Doch dank der Handschuhe wurde es zu einem Ganzkörper-Workout, bei dem die Arme abwechselnd vorwärts, rückwärts, in Achterschleifen und Kreisen durchs Wasser gezogen wurden, während die Beine unter Wasser kräftig in die Pedale traten. Durch Oberkörperdrehungen, gegensätzliche Bewegungen mit den Armen, Vorwärts- und Rückwärtstreten und schnelle Wechsel zwischen den Bewegungsabfolgen wurde auch die Koordination gefordert. Natürlich kann der Widerstand der Aqua-Bikes individuell eingestellt werden und auch bei der Intensität hat jeder die Wahl, wie stark er sich verausgaben möchte.

Das Schwitzen unter Wasser steckt an

Ich jedenfalls kam ganz schön ins Schwitzen, obwohl fast mein ganzer Körper im Wasser war, das mit 29 Grad für meinen Geschmack allerdings auch deutlich zu warm war. Die Schwimmbadluft störte mich dagegen nicht, auch wenn ich normalerweise Sport in der Natur bevorzuge. Nach der ersten halben Stunde, in der die Trainerin immer wieder dazu aufrief, das Tempo zu halten oder noch kräftiger zu kurbeln, dachte ich mir: «Wenn das keine schönen Beine gibt…», schliesslich war die Massage durch den Wasserwiderstand sehr angenehm und ich stelle mir vor, dass dieses gelenkschonende Training auch für die Ausdauer und Fitness ganz schön etwas bringt. Und Spass machte es mir auf jeden Fall – und zwar so viel, dass ich gleich noch eine Stunde dranhängte.

Eins ist klar, wenn ich draussen trainieren kann, mache ich es, auch wenn es regnet, schneit oder schnell dunkel wird, kein Problem. Doch als Ergänzung im Winter probiere ich gerne etwas Neues aus, und sei es Fahrradfahren im Wasser. Gute Laune schaffts auf jeden Fall. Und meine Zehen und Finger freuen sich auch, wenn sie nach dem Training einmal nicht steif gefroren sind. Und Sie? Was machen Sie, um in den Wintermonaten fit zu bleiben und die kalten dunklen Monate mit guter Kondition zu überstehen?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Kiten im Aufwind

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 6. November 2012

Ein Blog von Siri Schubert*.

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Dynamisch: René Egli, Leiter des Wind- und Kitesurfcenters auf Fuerteventura, nutzt den Wind auf Fuerteventura. (Foto: Roger Protzen)

So kann’s gehen. Schon seit Tagen hatte ich mich auf den Kitesurf Kurs gefreut, und dann: Kein Wind. Nada. Nichts. Flaute. Nicht einmal für die Trockenübungen am Strand reicht es. Dabei befinde ich mich an einem der windsichersten Orte der Welt, an der Playa Sotavento auf Fuerteventura, wo 1986 der damalige Geschwindigkeits-Weltrekord im Windsurfen gebrochen wurde.

Die Hügelformationen an der Südspitze Fuerteventuras kanalisieren den Wind in der so genannten Düse, die dann für ideale und konstante Wind-Bedingungen am weitläufigen Sandstrand sorgen soll – ausser eben bei Flaute. Seit 1984 leitet der Luzerner René Egli hier das nach eigenen Angaben grösste Wind- und Kitesurfcenter der Welt, das im vergangenen Jahr von rund 20’000 Wassersportbegeisterten besucht wurde. 2200 davon waren Kiteschüler, Tendenz steigend.

Kein Wunder, denn es sieht schon verlockend aus, wenn die Kitesurfer mit farbenfrohen Drachen über das türkisfarbene Wasser gleiten, gekonnte Sprünge absolvieren und mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht wieder an Land kommen. Klar, dass ich das auch ausprobieren wollte. Und ich war mir bereits ziemlich sicher, dass mir der Sport gefallen würde. Bereits im August hatte ich im Rahmen des Butterfly-Effects, eines Wassersport-Events für Frauen, in Silvaplana einen Kite-Schnupperkurs absolviert, bei dem nach einer theoretischen Einführung mit einem kleineren, leichteren Kite auf der Wiese geübt wurde.

Grosse Sprünge: Kitesurfer aus aller Welt kommen wegen des warmen Wassers und Winds nach Fuerteventura. (Foto: Tom Bromwich)

Grosse Sprünge: Kitesurfer aus aller Welt kommen wegen des warmen Wassers und Winds nach Fuerteventura. (Foto: Tom Bromwich)

Zugegeben, am Anfang machte der bunte Lenkdrachen im windigen Silvaplana, was er wollte. Schwang nach rechts und dann wieder nach links, nahm Kurs auf den Boden und legte vor der Landung noch ein paar spektakuläre Loops hin. Aber nach einigen Versuchen und guter Anleitung von Mit-Kiteschülern und der Instruktorin hatte ich den Bogen raus. Der wilde Drachen verwandelte sich ein gefügiges Flugpferd, das sich mit minimaler Korrektur der Leinen richtig schön lenken liess. Ein super Gefühl. Seither kann ich es kaum erwarten, das Kitesurfen auch einmal im Wasser auszuprobieren.

Bisher war das in der Schweiz ja alles andere als einfach. Zwar gab es in Silvaplana und auf einigen anderen Schweizer Seen kantonale Ausnahmegenehmigungen, aber auf den meisten Gewässern war was Kitesurfen, oder das Fahren mit Drachensegelbrettern, wie es im Binnenschifffahrtsgesetz genannte wird, seit 2001 verboten. Das war genau das Jahr, in dem René Egli erstmals unter der Schirmherrschaft der Professional Kiteboard Riders Association (PKRA) den ersten Kiteboarding World Cup auf Fuerteventura organisierte, der seither jährlich ausgetragen wird. In der Schweiz soll der Sport künftig ebenfalls mehr Raum bekommen. Der Bundesrat erklärte sich im September damit einverstanden, das Kitesurfen auf Schweizer Seen zu erlauben und grundsätzlich anderen Wassersportarten gleichzustellen. Das Timing ist passend, schliesslich soll Kiten ab 2016 olympisch werden und da wäre es ja schade, wenn die Schweizer Talente zum Trainieren ins Ausland müssten. René Egli sieht für das Kiten in der Schweiz Potenzial: «Wenn man das Kiten am passenden Ort anbietet und richtig aufbaut, kann es das Freizeitangebot der Region aufwerten – sowohl auf Fuerteventura wie auch in der Schweiz.»

Tatsächlich bin ich, wie Leser dieses Blogs wissen, nicht der grösste Fan von grossem Trubel auf dem Wasser. Und die schnellen Kitesurfer mit ihren langen Leinen, ihrem Speed und den waghalsigen Manövern vermitteln nicht gerade das Gefühl, als seien sie auf Kuschelkurs mit anderen Wassersportlern. Doch bei den beiden Schnupperkursen, die ich bisher gemacht habe, in Silvaplana und auf Fuerteventura, ging es in erster Linie um Sicherheit. Rücksichtsvolles Verhalten und die Methoden, den Druck aus dem Kite zu nehmen, standen im Vordergrund. Für mich steht fest, dass Kitesurfen eine Bereicherung sein kann, solange die Sicherheit ernst genommen wird und beispielsweise spezielle Übungszonen für Schulen und Anfänger eingerichtet werden, die ich auf jeden Fall nutzen würde. Deshalb finde ich es gut, dass es bald möglicherweise mehr Seen gibt, auf denen Kiten erlaubt sein wird. Was meinen Sie?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Kein Mangel an Motivation

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 2. Oktober 2012

Ein Blog von Siri Schubert*

Lewis Pugh schwimmt in eisigem Wasser, um auf die Zerstörung der Meere hinzuweisen.

Lewis Pugh schwimmt in eisigem Wasser, um auf die Zerstörung der Meere hinzuweisen.

Sportler kennen diese Reaktionen: Unverständiges Kopfschütteln und Achselzucken, wenn man mal wieder an einem Freitagabend zum Training geht, statt mit den Kollegen einen Apero zu trinken, vor allem, wenn man schon am Dienstag und Donnerstag trainiert hat und das Wochenende ohnehin für den Sport reserviert ist. Das freundlichste, was man dann zu hören bekommt, ist das fragwürdige Kompliment «Du bist aber diszipliniert», was sich wahlweise in «Du bist aber ein Langweiler» oder, in der boshafteren Variante, in «Du bist aber gestört» übersetzen lässt. Manchmal gibt es auch einen gemurmelten Halbsatz aus dem «…muss sich wohl was beweisen…» herauszuhören ist. Selten kommt die Frage ganz direkt: «Warum machst du das überhaupt?» – Dabei trifft das ja genau den Kern.

Ja, warum fahre ich im Kajak oder auf dem Stand-up-Paddleboard Kilometer um Kilometer, mache Sprints und Intervalle, stehe oft schon um 5 Uhr auf, um vor der Arbeit auf dem Wasser zu sein? Warum gehe ich Joggen und, wenn es ganz schlimm kommt, sogar in den Kraftraum?

Wellen wie diese fordern Kraft und Konzentration. (Foto: Anthony Grote)

Wellen wie diese fordern Kraft und Konzentration. (Foto: Anthony Grote)

Erklärungen gibt es viele. Um fit und gesund zu bleiben, könnte ich sagen. Nur weiss ich nicht, ob viele Kilometer im Kajak oder auf dem Stand-up-Paddleboard wirklich gesünder sind, als eine Mischung aus verschiedenen Sportarten, die den Körper ausgewogener belasten. Oder Gartenarbeit, die ja auch sehr gut für Körper und Geist zu sein scheint. Ausserdem ist ein netter Abend mit Freunden und Kollegen und einem Prosecco oder einem Glas Rotwein ebenfalls gesundheitsfördernd und bestens für die Laune.

Die beliebteste Erklärung – um abzunehmen – zieht bei mir schon gar nicht. Ich bin sicher schlank und sportlich, doch je mehr ich trainiere, desto grösser wird auch mein Appetit. Und wenn ich 10 Kilometer paddle, aber für 20 Kilometer esse, dann muss man nicht lange raten, was passiert. Abnehmen jedenfalls nicht.

Da wären noch die Wettkämpfe: Trainiere ich nicht, um zu gewinnen? Klar, gewinnen ist schön, es fühlt sich super an, aber die Konkurrenz ist gross, schnell und oft um einiges jünger, so dass es nicht so häufig – besser gesagt, sehr selten – vorkommt. Und oft sind die Rennen, in denen ich mich richtig verausgabt habe und optimal gefahren bin, aber wegen der starken Konkurrenz weiter hinten gelandet bin, auch die schöneren. Mal abgesehen von den vielen netten Leuten, die man bei Rennen trifft und die für mich oft die Motivation sind, überhaupt an Rennen teilzunehmen.

Klar ist, Sport macht mir Spass, ich könnte mir mein Leben ohne Sport nicht vorstellen. Aber ist das alles?

Am Sonntag erzählte mir ein Paddler von einer Meeresüberquerung zwischen zwei Inseln, die er im vergangen Jahr gemacht hat. 9 Stunden hat es gedauert, sagte er. Die Hinfahrt. Dann ist er ein bisschen Schwimmen gegangen, hat sich kurz am Strand ausgeruht und ist zurück gepaddelt. 10,5 Stunden dauerte das Paddeln zurück zum Ausgangsort, den grössten Teil bei totaler Dunkelheit, starkem Wind und meterhohen Wellen. Sein Bericht liess mir ein Schauder über den Rücken laufen. Um so etwas zu meistern, muss man topfit sein. Körperlich und mental. Und über Stunden trotz Müdigkeit hochkonzentriert sein, keine inneren Zweifel aufkommen lassen. An die Grenzen gehen können und sich dort noch sicher fühlen. Wow!

Ein ähnliches Gefühl hatte ich, als ich Lewis Pugh zuhörte, dem ersten Menschen, der nur mit Badehose und Schwimmbrille am Nordpol einen Kilometer in minus 1,7 Grad kaltem Wasser schwamm. Wie sich das wohl anfühlt, fragte ich mich mit einem Kälteschauder und gleichzeitig riesiger Neugier.

Lewis Pugh schwimmt, um auf die zunehmende Zerstörung der Meere hinzuweisen. Ein Thema, das auch mir sehr am Herzen liegt und für das sich Extrem-Aktionen wie das Schwimmen am Nordpol sicher lohnen. Zumindest tritt Lewis Pugh jetzt öfters als Redner bei Veranstaltungen mit Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft auf, eine Zuhörerschaft hat er also auf jeden Fall.

Und während ich lauschte, wurde mir klar, dass das zumindest ein grosser Teil der Motivation für mich ist. Ich möchte ungewöhnliche Dinge erleben und mich in einem anderen Element bewegen. Ich möchte fit genug sein, um so weit aufs Meer hinaus zu paddeln, dass Delphine neben dem Boot her schwimmen, wie ich es einmal in Kalifornien erlebt habe. Oder dass ein Wal ganz nahe bei meinem Boot auftaucht und mich in unglaubliches Staunen versetzt, so wie in Südafrika im vergangenen Jahr. Oder bei meinem morgendlichen Paddeln auf dem Rhein bei Basel einen Biber sehen, wie schon sehr oft in den vergangenen Monaten. Ich möchte erfahren, wie es ist, mit dem Kajak auf richtig grossen Wellen zu surfen und den Lärm zu hören und die Kraft des Wassers zu spüren, wenn die Wellen sich brechen. Oder eine lange Überquerung auf dem offenen Meer zwischen zwei Inseln zu machen. Vielleicht auch bei Nacht. Und wenn es mir dabei gelingt, mehr Menschen für das Wasser und die Meere, die für uns Menschen so wichtigen Ökosysteme, zu interessieren und begeistern, umso besser. Noch bin ich von solchen Abenteuern weit entfernt, aber das Training und der Wunsch, so etwas zu tun, sind erste Schritte.

Manchen motiviert der Wunsch, beim Marathon die Ziellinie zu überqueren. Ein anderer möchte den Blutdruck senken und paar Kilo abnehmen. Manche möchten persönliche Bestzeiten erreichen oder in der Gruppe oder dem Verein Spass haben. Erfahrungen zu machen ist, was mich persönlich motiviert. Und Sie? Was motiviert Sie?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

In Philipp Rittermanns Garten der Lüste

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 11. September 2012

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Der Outdoorblog lebt von Ihrer Meinung und Ihren Kommentaren. Einer der fleissigsten Kommentierer ist Philipp Rittermann*. Seine Kommentare im Outdoorblog haben aber oft wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun. Als er uns dann auch noch keck fragte, ob er einen Gastblog über den Outdoorsport Gartenarbeit schreiben dürfe, waren wir zwar etwas verdattert, konnten aber fast nicht Nein sagen.

Rittermann

Der Garten von Philipp Rittermann.

Ist es nicht so, dass nebst Leistungssport auch im Hobby-Bereich noch andere Möglichkeiten sinnvoller Betätigungen im Freien existieren? Klar, Wandern ist beispielsweise eine Variante, die Natur zu geniessen, ohne sich bis zur Erschöpfung quälen zu müssen. Eine weitere Alternative für eine gesunde und ausgleichende Betätigung offeriert die Gartenarbeit. Diese bietet ein sehr breites Spektrum an unterschiedlichen Tätigkeiten, die da unter anderem wären:

Rasenmähen. Gerade die Verwendung eines Elektro-Mähers garantiert einen Kalorienverbrauch von rund 440 Kcal pro Stunde bei einem Körpergewicht von 80 kg. Es ist ein überaus herrliches Gefühl nach dieser getaner Arbeit mit Stolz die gleichmässigen Grashälmchen zu betrachten und darob den Alltagsärger glatt zu vergessen!

Sträucher und Bäume schneiden. Hier gibt es immer was zu tun. Je nach Saison und Gewächs, bewaffnet man sich mit Gartenschere, Fuchsschwanz-Säge und Baumschere und stutzt die Botanik (mehr oder weniger fachgerecht) zurück. Hier ist noch zu erwähnen: Die Natur verzeiht vieles. Natürlich gibt es Anleitungen und Pflegetipps von Profis zuhauf; ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass man mit «einfach mal ausprobieren» hier mit moderatem Aufwand auch gute Ergebnisse erzielt, egal ob man zu viel oder zu wenig weggeschnippelt hat.

Unkraut jäten. Meine Gattin kann sich hier stun-den-lang verweilen, um «irgendwas Störendes» raus zu zupfen. Wichtig ist hier, dass man auf eine ergonomische Haltung achtet und die Arbeit beispielsweise auf Knien oder sitzend verrichtet, um den Rücken zu schonen und/oder auf Geräte zurückgreift, welche einem diese Arbeiten auch im Stehen ermöglichen.

Aussäen und Pflanzen. Wohl eine der dankbarsten Tätigkeiten im Garten überhaupt. Fragen Sie mal einen Hobby-Gärtner, wie der Salat aus dem eigenen Beet schmeckt. Verglichen mit dem Frischhandel eine Geschmacksexplosion sondergleichen (gut, ein wenig Suggestion ist da wohl immer dabei – aber Hauptsache es schmeckt).

Das Setzen von Pflanzen, verbunden mit der adäquaten Pflege wie richtiges Giessen, Düngen sowie Standortberücksichtigung je nach Vorliebe der Art wird meist mit einer ausgiebigen Blütenpracht belohnt und erfreut somit Auge und Gemüt.

Rittermann

Gemüse aus dem eigenen Garten: «Eine Geschmacksexplosion sondergleichen».

Sie werden vielleicht die Arbeiten im Winter vermissen. Nun – ich kann Ihnen sagen, auch im Winter kann man sich im Garten vergnügen. So eine Schneemann-Familie nach Grösse abgestuft zu bauen macht Spass und schreckt nachts Einbrecher ab – probieren Sies aus. Schneeballschlachten, Schnee-Engel fabrizieren nach dem 3. Glas Glühwein und Schnee schippen rund ums Haus verführen auch im Winter dazu, mal die warme Stube zu verlassen, sich zu bewegen und Vitamin D zu tanken.

Rittermann

Rittermanns Schneeengel.

Aber das Aller-aller-schönste nach getaner Gartenarbeit ist selbsterklärend und sei hier bildlich dargestellt:

Rittermann

Selbsterklärend – und wahrscheinlich ein Gruss an Leser Roland K. Moser.

Und was machen Sie draussen an der frischen Luft?

*Philipp Rittermann ist technischer Kaufmann, lebt im Zürcher Oberland und liebt seinen Garten.

Langsamfahren als Spassbremse?

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 4. September 2012

Ein Blog von Siri Schubert*

Un rider en action sur son wakeboard, lors du "Come & Ride Tour 2011" ce samedi 28 mai 2011 au large d'Ouchy a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Manchmal wird es auf dem Wasser eng: Wakeboarder und Pedalo auf dem Genfersee. (Foto: Keystone)

Interessant, wozu Pulsuhren manchmal gut sind. Als ich das Trainingsprofil eines sonnigen Sonntagsnachmittags-Paddeln auf meinen Computer lud, sah ich immer wieder kurze Höhenflüge in der Herzfrequenz, die bis zu 98 Prozent der maximalen Pulsrate erreichten. Hartes Training im Sprintkajak, dachte ich zuerst zufrieden – bis ich die dazu gehörige Geschwindigkeitskurve anschaute. Was? Da stand ich ja fast. Von wegen hartes Training!

Und dann erinnerte ich mich. Das war der Tag, an dem zwei Motorboote, die sich vermutlich ein Wettrennen lieferten, schnurgerade auf mich zuhielten. Ich war in meinem nur 7 Kilo leichten und sehr wackligen Sprintkajak unterwegs und selbst als die Motorboote kurz bevor sie in meine unmittelbare Nähe kamen, die Geschwindigkeit drosselten und auswichen, war mein Training gelaufen. Ich paddelte mit dem Schreck noch in den Gliedern in Ufernähe zurück, navigierte zwischen weiteren Motorbootwellen, Schwimmern, Ruderern und Kindern auf Bodyboards vorsichtig hin und her. Die nächste Trainingseinheit verschob ich sofort auf 7 Uhr morgens, um dem Trubel auf dem Wasser zu entkommen.

Eigentlich denke ich, Wassersport ist klasse und je mehr Leute auf und im Wasser sind, desto besser. Schliesslich ist Wassersport einer der Gründe, warum mir Basel auf Anhieb gefiel: die vielen Rheinschwimmer, Ruderer, Wasserfahrer, Stand-up-Paddler, Drachenbootfahrer, Wakeboarder und Wasserskifahrer, die auf dem Rhein Sport machen oder auch nur die schnelle Abkühlung suchen. Auch auf den Schweizer Seen, die ich im Sommer zum Training oder wegen Wettkämpfen besuchte, fand ich es schön, so viele andere Wassersportler zu sehen. Und da ich einige der Wassersportarten zumindest schon einmal ausprobiert habe und andere sogar aktiv betreibe, ist es klar, dass es mich freut, andere Menschen auf dem Wasser zu sehen.

Und doch: Vor allem an den heissen Sommertagen war ich zunehmend genervt vom Gedränge auf dem Wasser und als an einem anderen Tag noch zwei junge Männer im Motorboot dicht an mich heranfuhren, um mir «Wir sind schneller!» zuzurufen, bevor sie wieder Gas gaben und mit einer heftigen Welle verschwanden, verlor ich wirklich die Geduld und rief ihnen nicht unbedingt zitierfähige Ausdrücke hinterher, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass ich sie kannte. Zum Glück war der Motor ziemlich laut. Ich hoffe, die beiden haben nichts gehört.

Tatsächlich ist aber der Streit um den Platz auf dem Wasser nichts Neues: Immer wieder gibt es Konflikte, bei denen meist die Rücksichtslosigkeit der anderen angeprangert wird. Natürlich ist jeder für seine eigene Sicherheit verantwortlich und ich weiche allem aus, wenn ich kann, weil ich ja sonst ohnehin den Kürzeren ziehen würde. Allerdings würde ich mir wünschen, dass auch die Motorboote das Tempo drosseln, wenn Schwimmer, Ruderer und Paddler auf dem Wasser sind. Natürlich weiss ich auch, dass das Langsamfahren im Motorboot die Spassbremse schlechthin ist und dass man gerade für das Wakeboarden Boote braucht, die schöne, steile Wellen verursachen.

Ich bin fast jeden Tag im Jahr auf dem Wasser, auch bei Regen, Wind und wenn das Thermometer nicht zu extreme Minusgrade anzeigt – meist im Kajak oder auf dem Stand-up-Paddelboard, manchmal beim Schwimmen und ganz vereinzelt auch beim Wakeboarding, auch wenn meine Versuche auf dem Wakeboard bisher eher noch der Kategorie «Schwimmen» zuzuordnen sind. Wenn es allerdings im Sommer so voll wird, und sich gerade die, die man nur ein- bis zweimal im Jahr auf dem Wasser sieht, so aufführen, als würde das Wasser ihnen allein gehören, nervt das schon. Beim Gedanken an den Herbst bin ich deshalb etwas hin- und hergerissen. Es ist zwar schade, dass die langen, warmen Abende im und auf dem Wasser vorbei sind, dafür ist zum Glück auch der Trubel langsam zu Ende.

Was meinen Sie, ist Rücksichtnahme immer höchste Priorität? Oder darf man ruhig etwas Spass haben und einen drauf machen, solange die Sicherheit nicht gefährdet wird?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.