
Setzen Sie realistische Trainingsziele: Ein Frau geht mit ihrem Hund joggen. (Foto: Flickr/lululemon athletica)
Ich leide, wenn ich mich nicht bewegen kann – und meine Mitmenschen ebenfalls. Sport macht mich erst umweltverträglich – ab und an vielleicht sogar geniessbar. Muss ich stillhalten, vegetiere ich – gereizt, unzufrieden, geladen, gefangen. Die Endolis, wie ich meine kleinen Glücksbringer gerne nenne (im Duden auch Endorphine genannt), machen mich glücklich. Böse Zungen nennen es süchtig. Nennen Sie es, wie Sie wollen – ich bin ein Glückskind. Ich muss mich weder zwingen noch motivieren – im Gegenteil – an die frische Luft zu gehen und damit gesund zu leben. Gewichtsprobleme? Unbekanntes Terrain.
Ich brauche keine Neujahrsvorsätze, die mir genug Bewegung verschaffen. Fremd sind mir die Aussagen, wie jene meines Kollegen, dem Radio-1-Morgenshowmoderator Marc Jäggi. Mit einer regelrechten Rosskur, hatte er seinen Pfunden den Kampf angesagt. Das Ziel: ein Sixpack. Ich bewundere noch heute seine Disziplin. Sein neues Ziel? «Endlich mal Sport einfach zu meinem Leben zu machen und nicht drei Monate spinnen und drei Monate nix tun!»
Laufen zu einem Ganzjahressport machen
Ich kann ihm dabei kaum helfen – weil ich ein Glückskind bin, weil ich seine Not nicht kenne. Valentin Belz, von Runningcoach.ch hingegen schon. «Es gibt grundsätzlich den intrinsisch und den extrinsisch motivierten Läufer. Wer des Laufens willen läuft, kennt keinen Jojo-Effekt. Alle anderen hingegen schon.» Und jetzt kommt’s: «In diesem Fall ist Laufen ein ziemlich mühsamer Sport.» Denn wer zwei bis drei Wochen keinen Meter laufe, plage sich nach den ersten zwei bis drei Einheiten sofort wieder mit Muskelkater herum. Sein Körper ist sich die Belastungen nicht mehr gewohnt.
Belz, ist verantwortlich für den dynamischen Trainingsplan, der von Viktor Röthlin, Markus Ryffel und seinem Bruder Christian Belz entwickelt wurde. Er weiss, dass die Abonnenten von Runningcoach.ch im Winter beispielsweise weniger laufen. «Die Dunkelheit, die eisigen Strassen und die fehlenden (Wettkampf-)Ziele mögen mögliche Ursachen sein.» Für Belz steht deshalb fest: Das Ziel sollte sein, das Laufen zu einer Ganzjahressportart zu machen. Und wer beginnt, steht vor einer grossen Falle: dem Übereifer. «Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.» Beim Laufen sei es ganz entscheidend, dass man seinem Körper genügend Zeit gebe, damit er sich an die Belastung gewöhnen kann. «Der Motor mag zu mehr fähig sein, aber das Fahrgestell braucht seine Zeit.» Belz rät deshalb: zuerst die Häufigkeit steigern, dann die Dauer und erst am Schluss die Intensität.
Mit dem Laufen kommt die Freude
In der Praxis sehe es meistens so aus, dass die Leute bei jeder Einheit versuchen, eine neue Bestzeit aufzustellen. Ja, liebe Männer, das gilt besonders für euch! Belz kennt das Resultat: «Nach wenigen Wochen gibt es keine Verbesserung mehr und die Motivation ist weg.» Viel besser fahre man, wenn man systematisch trainiere und vor allem die Basis pflege. Drei Viertel der Trainingseinheiten sollten deshalb locker sein.
Für Belz steht fest: «Wenn Sport ein wahres Bedürfnis ist, dann funktioniert es. Dann räumt man ihm den nötigen Platz ein – auch in einer vollen Agenda.» Wer aber, wie Kollege Jäggi, Mühe hat, das richtige Mass zu finden, soll sich realistische Ziele setzen. Der Laufexperte schlägt beispielsweise vor: zwei Hauptwettkämpfe pro Jahr, 100 Laufkilometer pro Monat, vier Einheiten Sport pro Woche, 3000 Radkilometer pro Jahr, und so weiter… Es hilft aber auch, verbindliche Termine zu schaffen: Kneifen liegt dann nicht drin. Schliesslich lässt man den Arbeitskollegen nur einmal früh morgens im Regen stehen.
Für Marc Jäggi und Seinesgleichen ist allerdings nicht Hopfen und Malz verloren, denn mit dem Essen (sprich Laufen) kommt auch der Appetit (sprich Genuss) – oder?

















Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Anette Michel ist Umweltnaturwissenschaftlerin und im Bereich Energieeffizienz tätig. Daneben hat sie mehrere Jahre als Velokurierin gearbeitet und dabei ihre Leidenschaft fürs Fahrrad entdeckt. Sie fährt seit fünf Jahren in ihrer Freizeit Rennvelo. Sie schreibt im Ressort 














































