
Die Bergauf-Fahrer kommen: Die britische Downhill-Bikerin Manon Carpenter während der WM 2012 in Saalfelden, 2. September 2012. (Foto: EPA/Jürgen Feichter)
«Grüezi. Min Name isch Müller. Ich lüüte a im Uuftrag vom Meinigsforschigs-Institut Volltransparent und ich han sie welle fröge, öb sie föif Minute Ziit händ für d’Teilnahm anere Umfrog?»
«Ähm…»
«Es goht würklich nur föif Minute.»
«Aber…»
«Genau ihri Meinig isch euis wichtig. Es freut mich deswäge, dass sie mitmached…»
Wenn Sie diese Situation nicht aus eigener Erfahrung kennen, müssen Sie sich ernsthafte Sorgen bezüglich Ihrer Bedeutungslosigkeit machen. Oder man darf Ihnen dazu gratulieren, dass Sie es erfolgreich geschafft haben, Ihre Kontaktdaten erfolgreich aus irgendwelchen Datensammlungen herauszuhalten. Die erste Fragerunde ertragen die meisten ja noch mit stoischer Ruhe. Bei den nächsten Anrufen kommt einem die gute Erziehung in die quere, die es einem verbietet, den Mitmenschen fünf Minuten seiner Zeit vorzuenthalten. Die nächsten drei Gespräche führt man noch aus Mitleid mit den bedauernswerten Call-Center-Mitarbeitern, die bestimmt auch lieber in einem anständigen Gewerbe arbeiten würden. Spätestens beim zehnten Anruf zu Unzeiten hingegen hilft auch die gute Erziehung nur noch so weit, dass man im Tonfall anständig bleibt, wenn reale oder fiktive Erklärungen zur Nichtteilnahme angeführt werden: Keine Zeit. Keine Lust. Kinder mit Masern und Durchfall. Gerade beim Essen. Auf dem Sprung ins Kino. Auf dem Klo.
Was fast jede Umfrage grundsätzlich suspekt macht ist die Tatsache, dass weder der Auftraggeber noch die Zielsetzung bekannt sind. Wenn man schon seine Zeit opfert, sollte zumindest Klarheit darüber herrschen, ob wenigstens indirekt ein Nutzen daraus gezogen werden kann. Zum Beispiel, indem ein echte Angebotsverbesserung daraus resultiert.
Trotz weitgehender «Umfrage-Immunität» hat dieser Tag der Teilnahmeaufruf für eine Mountainbike-Studie mein Interesse geweckt, die das Hergiswiler Marktforschungsinstitut GfK Switzerland AG durchführt. «Da gehöre ich wenigstens zur Zielgruppe», denke ich mir. Der Aufruf impliziert, dass die Datenerhebung einem höheren Zwecke diene: «Marktforschungen wie jene des renommierten GFK können wesentlich dazu beitragen, dass künftig Angebote und Infrastruktur näher an den Bedürfnissen der Mountainbiker liegen.» Da allerdings wie üblich, der Auftraggeber nicht offengelegt wird, bleibt es bei der Hoffnung, das eine übergeordnete Instanz wie beispielsweise Schweiz Tourismus oder der Schweizer Tourismusverband dahinter stehen könnte. Spätestens bei der «Welche Bikestrecken nutzen Sie?» überlege ich mir erstmals, aus der Umfrage auszusteigen. Nicht der Frage wegen, sondern ob der angebotenen Antwort-Auswahl:
«Bergauf fahren»
«Downhill»
«Singletrails – technisch anspruchsvoll»
«Singletrails – technisch einfacher»
«Wald- und Flurwege»
«Asphaltierte Strassen»
Wer hat sich diese Antwortauswahl ausgedacht? Und mit welchem Ziel? Dass es genügend Menschen gibt, die ausschliesslich Downhill fahren, und für die es sich lohnt, ein entsprechendes Angebot bereitzustellen, ist mir durchaus bekannt. Aber gibt es wirklich Menschen, die sich darüber definieren, dass sie bergauf fahren? Und wie sähe denn das entsprechende touristische Angebot aus? Uphill-Strecken mit anschliessender Talfahrt per Bergbahn?
Ich liefere artig weitere Antworten, bis dass auf Basis der Fragestellungen wenigstens klar wird, dass offenbar Graubünden Ferien sein Angebot möglichst bedürfnisgerecht anpassen möchte. Zwei Fragen weiter stürzt das Frageformular ab. Aber die fünf Minuten sind ohnehin schon längst um, und so verzichte ich, meine Kundenbedürfnisse in einem zweiten Anlauf noch einmal kundzutun. Ein Konkurrent weniger, der einem das Bike-Weekend streitig machen könnte, das unter allen Teilnehmern der Umfrage verlost wird…
Nehmen Sie an Studien teil? Sie gehören zur Zielgruppe der aktuellen GfK-Studie – gedenken Sie an der Umfrage teilzunehmen? Welches sind die Gründe für eine Teilnahme/einen Verzicht? Sollte Ihrer Meinung eine solche Umfrage von einzelnen Destinationen oder übergeordneten Organisationen durchgeführt werden?


















Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Anette Michel ist Umweltnaturwissenschaftlerin und im Bereich Energieeffizienz tätig. Daneben hat sie mehrere Jahre als Velokurierin gearbeitet und dabei ihre Leidenschaft fürs Fahrrad entdeckt. Sie fährt seit fünf Jahren in ihrer Freizeit Rennvelo. Sie schreibt im Ressort 


















































