Kürzlich fand ich an meiner Haustür eine Mitteilung des Tiefbauamts der Stadt Zürich. Der Velostreifen an unserer Strasse werde von Trottoirhöhe auf Fahrbahnebene abgesenkt. Der Grund: in dem Bereich, wo der Radstreifen aktuell auf dem Trottoir geführt wird, befindet sich der Zugang zu einem Schulhaus. Die Kinder seien gefährdet, da «die Radfahrer dort wegen dem Längsgefälle hohe Geschwindigkeiten erreichen». Die Mitteilung brachte mich zum Lachen – und zum Kopfschütteln. Erstens: es gibt kein Gefälle in meiner Strasse. Sie verläuft parallel zum Seeufer und ist eben. Zweitens geht man im Tiefbauamt offenbar immer noch davon aus, dass Velos ein Gefälle brauchen, um schnell unterwegs zu sein – Langsamverkehr halt.
Kein fester Platz im Stadtverkehr
Wie das Tiefbauamt nehmen auch die Radwege in Zürich ihre Zielgruppe nicht ernst. Sie anerkennen das Velo nicht als effizientes und schnelles! Verkehrsmittel, das seinen festen Platz im Stadtverkehr verdient. Wer mal in Kopenhagen oder Amsterdam geradelt ist, kann, wieder zurück in Zürich, einen ziemlichen Schock erleben. Selten sind die Radwege hier direkt und sicher angelegt, sondern sie führen über Umwege und Fussgängerstreifen, durch Restaurants, Bushaltestellen und über Treppen. Sie brechen ab, wo die Strasse eng wird und eine Markierung wichtig wäre. Oft pferchen sie Velofahrer zu den Fussgängern aufs Trottoir anstatt ihnen auf der Strasse genug Platz einzuräumen.
Mit der Annahme der Städte-Initiative haben die Bewohner Zürichs (wie auch der Städte St. Gallen, Winterthur, Luzern, Basel und Genf) 2011 ihrer Regierung den Auftrag erteilt, in zehn Jahren den Anteil der mit öV, Velos und zu Fuss zurückgelegten Wege um zehn Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig muss der Autoverkehr reduziert werden. Der Auftrag verlangt deutliche Schritte, ist aber keinesfalls übertrieben. Autos sind unverzichtbar zum Zügeln und Transportieren von gewissen Gütern, ansonsten aber in der Stadt fehl am Platz. Der Autoverkehr verursacht Lärm, Abgase und Unfallopfer, er trägt entscheidend zur Klimaerwärmung bei und verschlingt viel zu viel des knappen Platzes – sogar wenn er gar nicht fährt. Autos beeinträchtigen die Gesundheit – über schädliche Abgase einerseits, über Bewegungsmangel (sowohl der Autofahrenden als auch von Kindern, die sich wegen der Gefahr nicht frei in der Stadt bewegen können) andererseits.
Höchste Zeit, die Verhältnisse auf den Strassen umzukrempeln!
Gute und sichere Velofahrer kommen zwar auch ohne spezielle Velo-Infrastruktur flink durch die Stadt. Doch ist das heute in Zürich nicht ohne Gesetzesübertretungen möglich. Zudem sollen sich auch weniger Geübte auf dem Velo durch die Stadt getrauen (Autofahrer, zum Beispiel?). Nichts erhöht die Sicherheit von Velofahrern mehr als – viele Velofahrer. Wo Velos omnipräsent sind, ‹vergisst› man am Steuer nicht einfach mal den Seitenblick vor dem Abbiegen.
Bislang wird den Velofahrern dort Platz eingeräumt, wo es höchstens den Fussgängern, nicht aber den Autofahrenden weh tut. Obwohl die Platzverhältnisse grotesk sind: nur selten ist es auf Trottoirs möglich, zu zweit nebeneinander zu gehen und ein anderes Paar zu kreuzen. Obwohl der Platzverbrauch eines Autos viel grösser ist und meist nur eine Person drin sitzt, ist dasselbe eine Selbstverständlichkeit im Strassenverkehr. Auch sonst ist das Verkehrsnetz auf den Autoverkehr ausgerichtet: die Schaltung der Ampeln, die Verkehrsregeln. Viel weniger Regulierung und Zupflasterung des Bodens wäre nötig für den Veloverkehr.
Es müssen Taten folgen
Seit der Annahme der Städte-Initiative hat die Stadt Zürich einen Masterplan Velo präsentiert, hier und da etwas neue gelbe Farbe auf die Strasse gemalt. Wir Velofahrer warten gespannt auf substanzielle Verbesserungen! Die Wahl des bekennenden Velofahrers Wolff in den Zürcher Stadtrat lässt hoffen, dass den Informationsveranstaltungen bald Taten folgen.
Bei der Baustelle vor meinem Haus werden, anders als üblich, Velofahrer nicht ignoriert, sondern es wurde eigens für sie ein Schild aufgestellt. Ein Schild, auf dem steht: «Velos schieben». Meine Strasse ist die wichtigste Veloverbindung im Quartier. Zürich kanns besser! Vielleicht nicht besser als Basel oder Winterthur, aber als heute.
Wie erleben sie das Velofahren in der Stadt?

















Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Anette Michel ist Umweltnaturwissenschaftlerin und im Bereich Energieeffizienz tätig. Daneben hat sie mehrere Jahre als Velokurierin gearbeitet und dabei ihre Leidenschaft fürs Fahrrad entdeckt. Sie fährt seit fünf Jahren in ihrer Freizeit Rennvelo. Sie schreibt im Ressort 





















































