Während William und Kate heirateten, ging ich wandern. Ich fuhr ins Bündnerland, ins Königreich der Steinböcke. Am Vorabend war mir als Route der Polenweg eingefallen, der von Rothenbrunnen mehr oder minder geradeaus nach Domat/Ems führt. Eine leichte Sache, schliesslich hatten die Meteorologen Regen angekündigt.
In Rhäzüns stieg ich aus dem Zug, beschaute mir die 1000 Meter hohe Bergflanke gegenüber, zerklüftet von Tobeln und bewachsen mit mühevoll sich am rutschenden Boden und bröckelnden Fels festkrallenden Bäumen. Dann trug mich der Bus vorbei an der Feldis-Seilbahn und der Mineralquelle Rhäzüns über den Rhein. In Rothenbrunnen stieg ich aus, fand mich inmitten gebräunter Holz- und kolorierter, an den Ecken mit geometrischen Mustern versehener Steinhäuser.
In der Festung lagerte Gold
Der Wegweiser zeigte mir die Richtung nach Domat/Ems, ich zog los. Etwas fehlte. Der Regen. Die Wolken hatten abgedreht. War das nun nicht eine zu anspruchslose Route? Nach 20 Minuten auf dem Strässchen kam ich zu einer Bunkertür im Fels. An dieser Engstelle des Domleschgs enstand um 1240 eine Sperre, die die Kontrolle der Reichsstrasse von Augsburg nach Rom erlaubte: eine Burg auf einem Felssporn und Mauern bis hinab zum Rhein sowie ein Strassentor ungefähr dort, wo ich stand. Exakt 700 Jahre später folgte die Festung «Juvalta». Ihr Zweck war derselbe: Kontrolle und notfalls Blockierung der Durchgangsroute im Hinblick auf die deutschen Faschisten im Norden und die italienischen im Süden. Zudem lagerte die Nationalbank in dem Bau Gold.
Bei Ravetg empfingen mich zwei aufdringliche, aber nette Hunde. Nun änderte ich meinen Plan: Ich erwählte mir Feldis zu meinem neuen Ziel und liess den Polenweg links liegen, der so heisst, weil ihn internierte Polen im Zweiten Weltkrieg herrichteten. Gleich nach der Brücke bog ich rechts in den Hang, und die nächsten zwei Stunden waren: streng, streng, streng. Ein Zickzackweglein führte den Hang hinauf. Lange verfolgte mich noch der Autobahnlärm. Dann kam ich in eine Zone von Hüttchen mit Heu für die winterliche Notfütterung des Wilds, seltsamerweise waren mehrere Hüttchen mit «Globus Savoir Vivre»-Werbeplakaten bestückt.
Kate und William auf der Karte
Nach dem Abzweiger von Tit zeigte sich der Kirchturm von Feldis. Und schon bald war ich im Dorf, kehrte im Mira Tödi ein, also im Tödiblick, ass vorzügliche Cevapcici. Vom Menüblatt lachten mir Kate und William entgegen. Ebenso sehr wie das Essen genoss ich, auch wenn ganz hinten der Tödi sich im Dunst verbarg, das Panorama. Und ich dachte, dass man an diesem Ort Ferien machen muss. Verkehr gibt es in Feldis nur wenig. Die Leute kommen und gehen diskret mit der Seilbahn.
Der Abstieg nach Domat/Ems auf nicht-asphaltierten Forstpisten war lang, aber leicht. Dreierlei belohnte mich: Erstens die hübsche Verenakapelle mit dem Schild «Die Stifterin Frl. Verena Haas bittet um ein Vaterunser». Zweitens der Anblick der wilden Fluhen über Felsberg. Und drittens die eindrücklichen Anlagen der Ems-Chemie unter mir, die von Christoph Blochers Tochter Magdalena geführt wird. In Domat-Ems ging ich dann auf meinem iPhone online – tatsächlich, William und Kate waren Mann und Frau. Bereits hatten sie sich auf dem Balkon von Buckingham Palace vor der Menge geküsst.
Route: Bus vom Bahnhof Rhäzuns zum Startort Rothenbrunnen (Dorf, nicht Bahnhof) – Weg nach Domat-Ems – Festung Juvalta – Ravetg – Abzweiger Feldis – Tit – Feldis – Verenakapelle – Domat/Ems
Dauer: 5 ½ Stunden
Karte: Wanderkarte 1: 60 000 von Kümmerly + Frey «Davos – Arosa»
Höhendifferenz: 850 Meter auf-, 900 abwärts.
Charakter: Schlenderei bis Ravetg. Anstrengender Aufstieg im Steilwald und durch die Heustadelzone. Langer Abstieg auf Forstpisten.
Höhepunkte: Die vielen Birken im Aufstieg. Der Tiefblick ins Domleschg. Das apart gelegene Feldis mit seinem Kirchlein. Die Verenakapelle oberhalb Domat/Ems.
Historie: Infos zur Festung Juvalta/Rothenbrunnen auf www.festung-oberland.ch
Einkehr: Gut gegessen im Mira Tödi, www.miratoedi.ch. Mo Ruhetag. Toller Tal- und Bergblick von Terrasse und Gaststube. Empfehlenswert für Ruhesucher.
Seilbahn: Die Seilbahn Feldis-Rhäzüns ist dieser Tage nicht immer im Betrieb (Revision). Es gibt einen Ersatzbus. www.bergbahnen-feldis.ch
Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch.
Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
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Laurens van Rooijen (38) ist seit 1989 mit dem Velo im Gelände und seit 2000 als Velo-Journalist unterwegs – bis Ende 2004 als Redaktor der Zeitschrift MOVE, seither als freischaffender Journalist in Sachen Fahrrad für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Web-Formate. Er schreibt neu im Ressort
Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 






















































































Der Anblick einer Chemiefabrik…muss wahrlich eine schöne Belohnung dieser Wanderung gewesen sein….
Man muss ja nicht unbedingt nur die Ems-Chemie betrachten, diese taucht sowieso nicht gerade am Anfang der Wanderung im Blickfeld auf….
Anblick hin oder her! Immerhin hat und wird hoffentlich auch in der Zukunft diese Fabrik vielen Bündnern das Leben ermöglicht, und zwar nicht mit frommen Sprüchen…