Diese Woche auf die Hundwiler Höhe (AR/AI)
Vielleicht fällt auf, dass derzeit in meiner Kolumne so gar keine grossen Ski- und Tourismusorte auftauchen. Jawohl! In den letzten Jahren winterwanderte ich in Adelboden, Grindelwald, Wengen, Sils-Maria, Davos, Arosa, Saas-Fee, Zermatt. Dieser Tage aber verspüre ich nur Unlust, wenn ich an den Rummel denke: Dieses Skischuhgetrampel. Die denaturierten, kunstbeschneiten Hänge. Die übervollen Züge. An einem sonnigen Sonntagnachmittag um vier in Landquart auf dem Perron mit Hunderten anderer auf den pumpenvollen Zug warten: die Hölle.
Das alles muss nicht sein. Bleiben wir doch einfach im Alpenvorland! Bleiben wir im Winter, der wirklich ein Winter ist mit hohem Märchenfaktor. Und in diesem Sinne nun eine Route, die ich mit Freunden vor einem Jahr bei klirrender Kälte und null Sicht machte: von Hundwil auf die Hundwiler Höhe. Wenn ich an jenen Tag denke, sehe ich Eugen vor mir, seine gefrorenen Haare wie irre dünne Pommes-allumettes.
Bei Minus fünf Grad zur «Alpenrose»
Wir starteten bei der Post Hundwil. In diesem Dorf habe ich sieben Jugendjahre verbracht. Eine Gedenkminute eingelegt, dann folgte ich den anderen und wir hielten gemäss Wegweiser in die Wiese. Es war minus fünf Grad. Die Bise blies. Nebel waberte. Gut, dass ich mich auskenne, dachte ich – und empfehle allen Nichtortskundigen, doch einen klaren Tag zu wählen. Umso mehr, als die Hundwiler Höhe, von den Einheimischen «d Höi» genannt, einen tollen Blick auf den Alpstein bietet. Und auf das Hogerland rundum.
Bald passierten wir das Altersheim Pfand, das vor gut zehn Jahren schweizweit in die Schlagzeilen kam wegen eines Tuberkulosefalls: Das Vieh des Gutsbetriebs war durch einen Menschen angesteckt worden. Nach Querung des Kamms der Fuchsenegg hatten wir dann, soweit sichtbar, den Buchberg vor uns, eine Senke mit locker gestreuten Bauernhöfen. Und wir erreichten die «Alpenrose», in der ich mit meinen Eltern oft einkehrte. Mit Interesse las ich kürzlich den Bericht der «Appenzeller Zeitung» über eine familiäre Ablösung: Neuerdings wirtet mit seiner Frau der junge Markus Tobler, der den Betrieb von den Eltern übernommen hat. Er ist gelernter Koch, arbeitet freilich vorwiegend auswärts. Will man mehr essen als eine feine Kleinigkeit, kommt man in der Gruppe, sollte man sich anmelden.
Zu Gast bei der besten Wirtin der Schweiz
Wir keuchten und schwitzten danach im Steilhang zum Gipfel, hatten gleichzeitig Freude am verschneiten Wald und posierten, jeder einzeln, vor einem gefrorenen Wasserfall fürs Foto. Schnee lag nicht viel – und überhaupt ist das Gute an dieser Route, dass sie von den Leuten der Gegend fleissig begangen wird: Auch wenn es massiv geschneit hat, sind da sehr schnell wieder ausgetrampelte Wege.
Endlich waren wir oben, gingen am tiefgefrorenen Vogelhäuschen vorbei, betraten die Wirtschaft, freuten uns auf die Siedwurst mit Chäshörnli. Über die Wirtin Marlies Schoch will ich hier gar nicht zuviel schreiben, sie ist eine Berühmtheit, kommt immer wieder im Fernsehen, wurde im «Tages-Anzeiger» an Weihnachten 2009 zur «besten Wirtin der Schweiz» proklamiert. Marlies wirtet auf der Höi seit Jahrzehnten, hält die Gaststube 365 Tage im Jahr offen, hat für jeden ein offenes Ohr. Hat man eine Lebenskrise, geht man dort hinauf und zieht dann in der Regel erleichtert wieder hinab.
Genau das taten wir schliesslich auch: Wir hielten, auf der überfrorenen Nagelfluh rutschend und schlitternd, hinab nach Jakobsbad und fuhren mit der Bahn zufrieden heim.
Infos:
Route: Hundwil Post – Pfand – Fuchsenegg – Alpenrose – Hundwiler Höhe – Oberschwarz – Jakobsbad Station.
Dauer: drei bis dreieinhalb Stunden.
Höhendifferenz: circa 500 Meter auf- und 450 abwärts.
Charakter: Eine Wanderung von mittlerer Anstrengung. Steiler Aufstieg zwischen Buchberg und Gipfel. Im Abstieg nach Jakobsbad kann es vereiste Stellen geben, Stöcke und/oder Schulkrallen mitnehmen!
Höhepunkte: Winterstimmung im Nagelfluhland. Die Aussicht vom Gipfel. Die immer offene Wirtschaft.
Einkehr: Hundwiler Höhe. www.hundwilerhoehe.ch
Karte: Es reicht die normale Wanderkarte 1: 50 000.
Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch.
Wanderblog: http://widmerwandertweiter.blogspot.com/







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Laurens van Rooijen (38) ist seit 1989 mit dem Velo im Gelände und seit 2000 als Velo-Journalist unterwegs – bis Ende 2004 als Redaktor der Zeitschrift MOVE, seither als freischaffender Journalist in Sachen Fahrrad für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Web-Formate. Er schreibt neu im Ressort
Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 





















































































