Nichts für Warmduscher

  • Wer am Tough Viking bestehen will, muss bereit sein, durch Feuer ...

  • ... und Eis zu gehen.

  • Auch der Gott der Blitze prüft die Teilnehmer.

  • Nur wer leiden kann, hat eine Chance. Fotos: Toughviking.se

Ich gebe es offen und ehrlich zu: Ich war ein lausiger Soldat. In der Rekrutenschule setzte ich mich nur dann wirklich ein, wenn die Aussicht auf verlängerten Urlaub durch «Leistungsabtreten» winkte, beim Schiessen bezog ich das gesamte Alpenpanorama in die Zielübungen ein, und grundsätzlich machte ich immer nur so viel, dass nicht ein Vorgesetzter auf die Idee kam, mich strafweise für die Korporal-Schule anzumelden.

Doch sozusagen auf dem zweiten Dienstweg stelle ich mich dem militärischen Drill und dem sportlichen Überlebenskampfs doch noch – und werde am 26. August in Stockholm zur Grenzerfahrung namens Tough Viking antreten. Der «Harte Vikinger» ist nicht ein keulenschwingender Urmensch oder ein prozentstarker nordischer Drink, sondern ein Geländelauf über 16 Kilometer, der über furchteinflössende Hindernisse aus Schlamm, Feuer, Elektrizität, Seilen und senkrechten Wänden führt. Als Partner der Veranstaltung wird die Eliteeinheit des schwedischen Militärs aufgeführt.

Der Donnergott droht

Das lässt ebenso wenig auf einen gemütlichen Wochenendausflug in die schwedische Hauptstadt schliessen wie das Kleingedruckte auf dem Anmeldeformular: Dort wird den Teilnehmern empfohlen, eine spezielle Versicherung abzuschliessen und nur nach einem harten Vorbereitungstraining zum Wettkampf zu erscheinen. Menschen mit Herz- oder Kreislaufproblemen wird dringend von einer Teilnahme abgeraten.

Angesichts der einschüchternden Tonlage und des martialischen Rahmens bereue ich meine Zusage bereits. Doch noch bleiben mir fast zwei Monate Zeit, meine Aussichten auf eine erfolgreiche Bewältigung des Kurses zu steigern. Das Krafttraining werde ich zwangsläufig intensivieren – und vielleicht finde ich auf dem altehrwürdigen Vita Parcours den einen oder anderen Posten, der mir auf die Sprünge hilft. Doch das wird kaum reichen. Denn im hohen Norden drohen Geister, Kobolde und der Donnergott Thor! So habe ich prophylaktisch bereits Markus Ryffel eingeschaltet. Als Veranstalter des Survival Run in Thun ist er quasi der oberste Wikinger der Schweiz.

Eine «Love Parade» der anderen Art

Ryffel, der früher auch den Fisherman’s Friend Strongmanrun durchführte, rät zu ganzheitlichem Training: «Als regelmässiger Läufer besitzt man zwar die erforderliche Kondition. Oft fehlt es allerdings an der Kraft im Rumpf-, Bauch- und Armbereich.» In seiner Jugend habe er diese Muskeln mit dem sogenannten Bänkli-Training gestärkt. Ryffel erklärt: «Bei jeder Sitzbank, die man auf der Laufrunde passiert, macht man eine Übung wie Rumpfbeugen oder Liegestützen. An jeder Teppichstange streut man ein paar Klimmzüge ein.»

Den Trend zu dieser neuen Form der Wettkämpfe erklärt sich der Olympia-Silbermedaillen-Gewinner von 1984 mit dem veränderten Zeitgeist: «Vielen Menschen genügt es nicht mehr, nach Uhr oder Leistung zu laufen. Sie wollen Spass und Gruppendynamik erleben.» Den Survival Run in Thun bezeichnet er als sportliche «Love Parade». Fürs Erste beruhigt mich das. So ganz sicher bin ich mir der Sache allerdings nicht. Ryffel sagt auch: «Diese Läufe sind nichts für Warmduscher.» Bleibt zu hoffen, dass er sich dabei vor allem auf die Wassertemperatur in Stockholm bezieht: Die liegt gemäss 100-jährigem Kalender im August bei erfrischenden 15 Grad.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser. Was halten Sie von solchen Wettkämpfen? Gehören Überlebensübungen in die Armee? Oder kann man sie auch als sportliche Herausforderungen verstehen?

5 Kommentare zu «Nichts für Warmduscher»

  • Anna sagt:

    kann auch Are Extreme Challenge Empfehlen

    http://www.areextremechallenge.se/en/the-race/

  • hubert sagt:

    Um an solchen Veranstaltungen teilnehmen zu dürfen, bezahlt man noch Startgeld
    in der Armee wird geflucht über solche Uebungen, obwohl es Sold gibt dafür
    Manchmal ist es schwierig das zu verstehen

    • Richi Schweizer sagt:

      Das frag ich mich auch, warum man sich so was antut als erwachsener Mensch.
      Wir ziehen es vor, mit dem Auto in die Berge zu fahren, dort irgendwo den Picknick-Koffer zu öffnen, ein paar Leckereien zu geniessen, eine Flasche Wein zu trinken, auf einer Decke ein Nickerchen zu halten…
      Nach einem Verdauungsspaziergang geht’s dann gemütlich nach Hause. Begegnet uns auf dem Heimweg noch ein schöner Gasthof, wird dort noch schön was gegessen und getrunken.
      Kann sein, dass sich ein paar Wohlfühl-Kilos ansammeln, aber was soll’s. Man lebt nur einmal.

  • Mrs Katana sagt:

    Wir haben letztes Jahr die sog. „Spartan Races“ entdeckt. Diese sind absolut empfehlenswert und richten sich sowohl an ambitionierte Amateure als auch Profis. Das idale Training für solche Rennen: CrossFit (o.ä.) kombiniert mit Lauftraining.
    Es gibt verschiedene Distanzen, sodass es für jede/n was dabei hat. Und an die Grenze kommt man ganz bestimmt!

  • Martin sagt:

    So ein Lauf und mag er noch so hart sein ist immer schnell vorbei. Und man ist dann wieder zuhause oder im schönen Hotel. Während des Laufes gibt es zig Helfer und man kann jederzeit aufgeben.
    Eine oder besser zwei Wochen in der Wildnis. In denen man zu Fuss oder per Kanu unterwegs ist halte ich für viel prägender. Man muss alles Mitnehmen, Essen,Kleider udn soagr die Unterkunft. Jeden Tag ein Camp aufstellen. Sich in der Wildnis orientieren. Und auch aufs geliebte Smartphone verzichten.

Kommentar

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