Es gibt kein Bier auf Bierla

Diese Woche zum Lac des Chavonnes (VD)

  • Mit dem Bus sind wir von Les Diablerets zum Col de la Croix gefahren. Nun starten wir. Alle Fotos: Thomas Widmer

  • Herrlicher Südblick.

  • Kurz vor dem Col de Bretaye geraten wir in ...

  • ... eine touristisch erschlossene Gegend mit Bähnli.

  • Es geht zum Lac des Chavonnes.

  • Seeblick aus dem Restaurant.

  • Der Heidelbeerkuchen, doch, der ist genial.

  • Rückblick zum Restaurant.

  • Am See.

  • Rück- und Tiefblick zum See.

  • Einige Zeit später sehen wir hinab ins Tal von Les Diablerets. Da hinab wollen wir.

  • Der Abstieg ist steil und ...

  • ... stellenweise schlüpfrig (Blick retour).

  • In der reizenden Kirche von Vers-l'Eglise.

Der Bus von Les Diablerets hinauf zum Col de la Croix ist ziemlich voll, alles Wanderer. Oben zeigt ein Wegweiser Gips-Pyramiden an; jawohl, die sind berühmt. Freilich ist die Sache eher enttäuschend. Das voralpine Gelände ist zum Teil baumbestanden und von Grünpflanzen und Buschwerk überwachsen. Die Pyramiden, kleine weisse Kegel, kommen nicht richtig zur Geltung.

Gewaltig ist dafür der Blick nach Süden: samtene Weiden und Bergketten. Der Berg ganz hinten, das ist der Montblanc.

Die Seenserie

Schön und leicht geht es am Hang vorwärts, der Weg senkt sich, wir kommen zum Alpweiler von Ensex. Dann wieder ein wenig aufwärts, und schon sind wir auf dem Col de Bretaye. Er ist das Reich der Turnschuhträger, die im Schmalspurbähnli vom Rhonetal her anreisen, auf dem Pass endet die Linie von Bex und Villars her; herrlich, wie eben eine Komposition den Steilabschnitt vor uns im Zahnradmodus nimmt.

Vier Seen, direkt oder doch nah am Wanderweg, prägen den nächsten Abschnitt, und wir sind uns einig, dass das Waadtland eine grossartige Bergwelt besitzt. Am vierten See, dem Lac des Chavonnes, kehren wir im Restaurant ein, besehen uns die spiegelnde Fläche. Familien tun, was man an einem Bergsee eben tut: Füsse baden und picknicken. Ein paar junge Leute machen Party, hören Musik, das geht aneinander ohne Probleme vorbei.

Heidelbeerkuchen und eine Worttheorie

Wir gönnen uns einen Heidelbeerkuchen mit viel Schlagrahm. Gesättigt wandern wir weiter, zuerst den See entlang und dann steil hinauf an den oberen Rand des Kessels nach Vy Boveyre. Was das wohl heisst? Der Lateiner in mir spekuliert auf etwas mit «Rind», bos/bovis auf Lateinisch.

Auf einen Schlag sind wir das Ausflugsvolk los. Im Folgenden begegnen wir bloss ein paar Wanderern, ein paar Offroaderfahrern auf dem Weg zum Chalet, ein paar Bikern; die Gegend als Ganzes ist einsam. Kühe hat es en masse; scheint es nur so, oder sind die entspannter als die Kühe der Deutschschweiz?

Tief unten das Grosse Wasser

Tief unten haben wir zur Linken das Tal der Grande Eau mit Les Diablerets, wo wir Stunden zuvor im Bus starteten. In dieses Tal hinab wollen wir. Aber zuerst geht es einigermassen parallel zu ihm gen Osten, fast eine halbe Stunde gehen wir auf Hartbelag.

Bei Bierla gibt es kein Bier. Wir erreichen immerhin den Abzweiger, an dem wir links abbiegen. Der Abstieg hat es in sich. Abschüssig sind manche Partien, sind im Wald schlüpfrig und von Wurzelwerk durchzogen, oft gehen wir in der Falllinie. Für Besitzer problematischer Gelenke ist das gar nichts; sie halten besser von Vy Boveyre via Perche und L’Encrène wieder zum Ausgangspunkt, der Bushaltestelle auf dem Col de la Croix.

Die Geborgenheitsspenderin

Unten haben wir Schlotterbeine. Nun sind wir im Dorf Vers-l’Eglise, das wie Les Diablerets zur Gemeinde Ormont-Dessus gehört – aber was für ein Unterschied! In Les Diablerets wimmelt es von Hotels, Vers-l’Eglise aber ist klein und fein geblieben: ein paar Häuser, dazwischen gepflästerter Grund.

Zwei Dinge freuen uns: Zum einen die Auberge de l’Ours, die offen hat und uns nett bedient. Und zum anderen natürlich die Kirche. Saint-Théodule wurde 1456 geweiht und hat ein uriges Schindeldach – sie ist eine Geborgenheitsspenderin.

Route: Col de la Croix (Bus von Les Diablerets oder Villars-sur-Ollon) – Ensex – Col de Bretaye/Bretaye – Crêta/Lac de Bretaye – Lac des Chavonnes, Restaurant – Vy Boveyre – Le Lavanchy Poy – La Bierla – La Chavonnette – Vers-l’Eglise, Kirche – Vers-l’Eglise, Station (Bahnlinie Aigle-Les Diablerets).

Wanderzeit: 4¼ Stunden.

Höhendifferenz: 425 Meter auf-, 1075 abwärts.

Wanderkarte: 272 T St. Maurice, 1: 50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Kürzer: Dank der Bex–Villars–Bretaye-Bahn kann man auch kürzer wandern.

Charakter: Etwas zwischen voralpiner Wanderung und leichter Bergtour. Sehr steiles, schlüpfriges Stück im Abstieg vor Vers-l-Eglise. Ungeheuer aussichtsreich. Am besten geht man in der Woche, bei gutem Wetter ist an Wochenenden um Bretaye und die dortigen Seelein viel Betrieb.

Höhepunkte: Der Anblick der Gips-Pyramidchen in der Anfahrt zum Col de la Croix (aus der Nähe kriegt man sie dann weniger mit). Der Südblick vom Col de la Croix. Der Heidelbeerkuchen am Lac des Chavonnes. Die alte Holzkirche von Vers-l’Eglise.

Kinder: Keine gröberen Probleme.

Hund: Geht gut.

Einkehr: Lac des Chavonnes, Restaurant, durchgehend geöffnet. Allenfalls lohnt sich eine Reservation. Auberge de l’Ours in Vers-l-Eglise. Mi ab 15 Uhr und ganzer Do geschlossen. Schönes, rustikales Lokal.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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