Obwaldner Voodoo

Diese Woche von Gfellen bei Finsterwald nach Alpnachstad (LU/OW)

  • Gfellen, die ersten Wanderminuten.

  • Markant im Rückblick der Schimbrig.

  • Schönes Brüggli.

  • Weiter oben kommen wir in eine kleine Schlucht.

  • Grasidyll vor Rickmettlen.

  • Markanter Wegschmuck bei Rickmettlen.

  • Abstieg auf dem Polenweg.

  • Alpwirtschaft Lütholdsmatt, jetzt gibt es...

  • ... eine Bratwurst mit Rösti.

  • Immer schön abwärts.

  • Alpnach ist erreicht.

  • Das kleine Dessert kühlt den erhitzten Wanderer wieder ab.

  • Richtung Alpnachstad läuft es sich auf flachem Boden schön aus.

  • Auf dem Schiff von Alpnachstad nach Luzern.

Ein Kleinbus trägt uns von Entlebuch hinauf durch Finsterwald nach Gfellen. Was für ein Chrachen! Aber schön ist er. Da ist die Grosse Entlen. Und da ist vor allem, ganz nah und solitär, der Schimbrig und wendet uns seine nackte Flanke zu. Ich erinnere mich, wie wir einmal im dichten Nebel zu ihm aufstiegen. Erst knapp vor dem Gipfel riss der Himmel auf, das war grandios.

Für diesmal ist unser Plan ein anderer: Südseitig wollen wir unter der Pilatuskette hinüber ins Tal der Sarneraa halten. Das Bergrestaurant Gfellen ignorieren wir, wir sind auf der Anreise lange genug gesessen und wollen jetzt nicht schon wieder einkehren. Also – starten wir! Gleich geht es aufwärts, der Schimbrig begleitet uns lange, bis er endlich doch zurückbleibt und dem Vergessen anheimfällt.

Ketten am Hangweg

Bei der Mittlisthütten stellen wir fest: Der Himmel ist ziemlich düster. Es könnte gewittern; das hat am Morgen auch der Wettermann im Radio angedeutet. Und wir werden jetzt länger kein Haus mehr antreffen, wo wir Schutz suchen könnten. Wir riskieren es, geraten immer mehr an den Eibach und in seine Schlucht. Der Weg wird ruppig, ist stellenweise kettengesichert, Schwindelgefühle kommen keine auf, der Tobelhang ist baumbestanden.

Bald überschreiten wir die Kantonsgrenze, wir sind nun nicht mehr in Luzern, sondern in Obwalden. Weiter oben weitet sich das Gelände wieder. Auf den sumpfigen, unübersichtlichen Weideflächen dürfte es noch ein, zwei Wegmarkierungen mehr haben, finden wir.

Beschäftigungstherapie für die Polen

Der Übergang, den wir nehmen, hat keinen eigenen Namen; nach seinem höchsten Punkt bei Rickmettlen könnte man ihn vielleicht «Rickmettlenpass» nennen. Hübsch der Wegschmuck: bemalte Steine mit Bohrloch in der Mitte, die man einen nach dem anderen auf senkrechte Eisenpfosten aufgefädelt hat; es sieht aus wie Totempfähle – Obwaldner Voodoo, angerichtet von Schulkindern, offenbar.

Etwas anderes beschäftigt uns gleich danach im Abstieg: Der Fussweg ist von auffallender Qualität: sauber gepflästert, in weiten Schleifen das Gelände bewältigend, mit eingebauten Wasserabläufen. Später, zu Hause, wird ein Blick ins «Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz» dies ergeben: Polnische Internierte bauten im Zweiten Weltkrieg den Weg. Es war Beschäftigungstherapie. Denn das Inventar hält fest: «Die aufwendige Bauweise steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum Zweck, den der Weg zu erfüllen hat.»

Nieselattacke und Happy End

Lang ist der Abstieg bis Alpnach, grossartig der Fernblick auf all die Berge rundum. So circa in der Mitte wartet eine Bergwirtschaft, die Lütholdsmatt, die man mit der Ersteigung des Pilatus assoziiert. Wir nehmen auf der Terrasse Platz, sitzen eine Nieselattacke aus, und als wir die Bratwurst mit Rösti – ausgezeichnet! – gegessen haben, kommt die Sonne. Sie nimmt Minute um Minute an Kraft zu, ein Gewitter ist nun undenkbar.

Unten in Alpnach kaufen wir eine Glace und beschliessen, noch etwas weiterzuwandern. Eine gute halbe Stunde braucht die Zugabe entlang der weitgehend kanalisierten Kleinen Schliere. Bei Alpnachstad erreichen wir das Ufer des Alpnachersees und nehmen das Schiff nach Luzern. Den ganzen Tag lang waren wir einsam unterwegs. Und nun betreiben wir Massentourismus und schätzen auch das. Kontraste gehören zum Wandererleben.

Route: Gfellen bei Finsterwald (Bus vom Bahnhof Entlebuch) – Hintergfellen – Mittlisthütten – Kantonsgrenze – Rickmettlen – Wängen – Balismatt – Märenschlag – Lütholdsmatt – Sattel – Hostatt (Alpnach) – Weg an der kleinen Schliere – Alpnachstad (Bahnhof/Schifflände)

Wanderzeit: 5 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: 677 Meter auf-, 1260 abwärts.

Wanderkarte: 244 T Escholzmatt und 245 T Stans, 1: 50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Schön ist die Schifffahrt von Alpnachstad nach Luzern. Natürlich kann man auch den Zug nehmen.

Charakter: Anstrengend mit viel Höhendifferenz. Ziemlich einsam. Etwas ruppig in der Schlucht vor Rickmettlen mit Sicherungskette.

Höhepunkte: Der Schimbrig als dominanter Berg der ersten Wanderstunde. Die Schlucht vor Rickmettlen. Der Polenweg bei Rickmettlen. Die Einkehr in der Lütholdsmatt. Die Schifffahrt von Alpnachstad nach Luzern.

Kinder: Vorsicht in der Schlucht vor Rickmettlen.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Gleich zu Beginn das Bergrestaurant Gfellen, Mo/Di geschlossen (bei schönem Wetter ev. offen). Lütholdsmatt, 041 670 11 85, durchgehend offen. Restaurants in Alpnach und Alpnachstad.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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