Mit dem Bike im Flieger

Tasche oder Koffer? Wer mit seinem Rad verreisen möchte, muss sich entscheiden. Fotos: Evoc/Elite

Die Temperaturen sind beinahe frühsommerlich, der Schnee schon sulzig – spätestens jetzt bekommen Biker «Frühlingsgefühle». Wenn sie nicht ohnehin die Saison im Süden begrüssen: Madeira, La Palma oder La Réunion… Hand aufs Herz: Wer von Ihnen hat den Frühjahrstrip schon gebucht? Natürlich soll das eigene Bike auch in weit entfernten Destinationen dabei sein, denn Leihbikes erfüllen nicht immer den Anspruch in Sachen Geometrie und Ausstattung – oder sind ganz einfach zu wenig vertraut. Doch das «Schätzchen», vielleicht noch aus Carbon, in den Flieger packen? Durch die Gepäckabfertigung laufen lassen? Wo es vielleicht unsanft herumkutschiert wird? Schon bilden sich Sorgenfalten: Wie kommt das Velo sicher ans Ziel?

Karton

Die günstigste Variante: Im Veloshop nach einem passenden Karton fragen. Nachteil: Pappe alleine bietet nicht allzu viel Schutz, reisst bei Belastung schnell ein und quillt bei Feuchtigkeit auf. Und wohin mit dem Karton bis zum Rückflug? Wirklich handlich ist diese Lösung nicht.

Taschenformat

Besser: Spezielle Radtaschen, wie sie unter anderem Evoc, Scott oder Rose anbieten. Sie bestehen aus einem recht robusten, reissfesten Obermaterial, das je nach Modell an einigen Stellen mit Hartplastikelementen und Schaumstoffpolsterungen verstärkt ist. Praktisch: Auf zwei Rollen können sie wie ein Trolley hinterhergezogen werden. Selbst das 29er oder der Downhiller mit der Doppelbrückengabel findet Platz. Zum Transport müssen in der Regel Räder, Lenker und Pedale demontiert werden. Die Räder kommen in ein separates Fach, Rahmen und Lenker werden über passende Riemen und Laschen im Inneren der Tasche fixiert. Bei Rose ist eine Metallhalterung in der Bodenwanne integriert. Bei Evoc muss die Aluschiene separat erworben werden, erlaubt aber die Befestigung aller gängigen Velotypen. Bis das System ans eigene Bike angepasst ist, kann schon etwas Zeit vergehen; steht das Set-up einmal, soll die weitere Handhabung aber einfach sein, so der Hersteller.

Kofferlösung

Noch mehr Schutz bietet ein Koffer (zum Beispiel von B&W oder Elite). Sie schützen zusätzlich vor Schlag- oder Druckbelastung. Aber Achtung: Nicht jedes Velo passt in jedes Koffermodell, einige eignen sich nur für kleinere Mountainbikes. Nicht ganz unwichtig: So ein Bikekoffer wiegt 13 kg oder mehr, die Taschen zwischen 9 und 10 kg. Also besser vor der Abreise das Gesamtgewicht kalkulieren, denn die meisten Fluggesellschaften geben Gewichtsbeschränkungen an oder staffeln entsprechend den Preis.

Und los!

Haben Sie sich für eine Variante entschieden? Dann gehts ans Einpacken. Der Rahmen kann mit Isolierrohr aus dem Baumarkt zusätzlich geschützt, bewegliche Teile mit Kabelbindern fixiert werden. Häufig heisst es, dass die Luft aus den Reifen abgelassen werden müsse. Mittlerweile findet aber in den meisten Gepäckräumen ein Druckausgleich statt, nach Angaben von Swiss ist das Luftablassen daher überflüssig. Im Zweifel einfach noch mal bei der jeweiligen Fluggesellschaft nachfragen. Immer noch motiviert? Dann ab in den Süden!

Gehen Sie mit dem eigenen Bike auf Flugreisen? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Und welche Transportvariante können Sie anderen Bikern empfehlen?

13 Kommentare zu «Mit dem Bike im Flieger»

  • Klaus sagt:

    Und noch ein günstiges Schweizer Produkt:

    http://www.sbb.ch/bahnhof-services/auto-velo/unterwegs-mit-dem-velo/so-reist-ihr-velo-mit-ihnen/tranzbag.html

    Damit kann man sein Rad auch im ICE oder TGV mitnehmen

    Klaus ( Aus Deutschland)

  • Roland K. Moser sagt:

    Ich würde den Koffer nehmen.
    Weil das Velo gut geschützt ist, und die Schuhe, anderen Velo-Kleider und Bidons auch noch Platz haben.

  • Peter sagt:

    So schön wie es ist mit dem eigenen Velo rum zu fahren, so mühsam ist es damit im Flugzeug zu verreisen, ganz zu schweigen von den Kosten. Dafür kann man sich am Urlaubsort auch ein anständiges Velo mieten. Als Amateur sollte das reichen, um Spass zu haben allemal, nicht jeder ist ein Profi der ganz andere Anforderungen hat. Ich schreibe vor den Ferien Velohändler vor Ort an und siehe da, viele vermieten auch Occasionsvelos solange es nicht nur für einen Tag ist und da sind dann schon wieder die guten Marken vertreten. PS: früher habe ich mein Velo nach Afrika, Brasilien, die Kanaren mitgeschleppt, heute mache ich lieber Handgepäckferien und miete den Rest vor Ort.

    • Olivier Fuchs sagt:

      Wenn die Mitnahme eines Velos schwierig ist oder nicht so sinnvoll, nehme ich ein faltbares Trottinett mit. Radgrösse 20 cm. Die 200 Fr.-Modelle mit zweifachen Faltscharnieren leiern schnell aus. Deshalb das stabile 400 Fr. – Modell aus voll Schweizer Produktion nehmen.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Sehe nicht ein, warum solche Ungetüme als Verpackung und Schutz gebraucht werden. Das Paket wird ja als „Fragile“ markiert. Wer dann selber fahrend reist, am besten mit weiterem Bahn/Bus-Transfer, sollte die dünne, leichte aber widerstandsfähige Hülle von Bach nehmen. Für Spanien keinen Traktor (Bike), sondern leichtes schnelles Velo. Man wird damit nur nachmittags auffallen, denn die Spanier fahren nur am Morgen aus. Distanzen Dorf zu Dorf bis 20 km. Wahrscheinlich keine Beiz auf der Passhöhe! Es gibt fast nichts besseres im Leben als in Spanien richtig velofahren.

  • RotwildBiker sagt:

    Ich schwöre auf meine Evoc Bike Travel Bag mit dem Bikestand. Schon viele Stunden war die Tasche im Zug und Jet unterwegs, ohne dass es zu einem Problem an meinem Bike gekommen ist. Ich bereue den Kauf zu keiner Minute. Auch vermiete ich die Tasche ab und an interessierten Velofahrer, immer ohne Beastandungen.

  • Swen Holman sagt:

    Das mit dem Luft ablassen in den Reifen ist reine Bürokratie, siehe:
    https://www.schwalbe.com/de/spezielles.html

  • Swen Holman sagt:

    Und wohin mit dem Karton bis zum Rückflug?
    Und wohin mit dem Koffer oder der Tache?

  • Thomas Mathis sagt:

    Ich habe einen grossen Bike-Koffer von B&W und bin sehr zufrieden damit (Carbon-Fahrrad). Dieser ist jedoch so gross, dass er teilweise nicht durch die normalen Scanner am Flughafen passt. Hier unbedingt ordentlich Zeit einrechnen. Damit keine Leerräume im Koffer entstehen, fülle ich ihn mit Luftpolsterfolie. Zur Sicherheit schraube ich auch immer den Umwerfer ab. CO2 Patronen nicht mitnehmen! Zudem sichere ich den Koffer immer noch mit 2 Spannsets. Was man übrigens auch nicht unterschätzen sollte: der Platzbedarf im Auto ist enorm! Also nicht denken, man könne mit einem Kleinwagen zwei Fahrräder, zwei Personen und noch Gepäck transportieren. Koffer unbedingt fertig wiegen und auf die Bestimmungen der Gesellschaft achten. Manche limitieren bei 30, andere bei 32kg und sind gnadenlos.

  • Richi Schweizer sagt:

    Noch besser: In südlichen Gefilden miete ich im Frühling ein Cabriolet (im Sommer ist’s dort zu heiss dafür). Ist erst noch bequemer und man kann ein paar Kartons Wein als Souvenir in den Kofferraum laden.

  • Alan Miller sagt:

    Warum nicht einfach das Velo als Handgepäck in die Kabine mitnehmen? Was ich in letzter Zeit in Form von Überseekoffern, Transportkisten, Instrumentenbags als „Handgepäck“ in den Kabinen sehe, hat mit dimensions- und gewichtsbeschränktem Handgepäck schon längst nichts mehr zu tun.

    • loulou55 sagt:

      Wer sein Bike wirklich liebt, bucht ihm doch bestimmt einen Businessclass-Sitz, finden sie nicht auch?
      Für einem selber reicht der Eco-Sitz ja völlig…!
      Was ich in letzter Zeit an Forumsbeiträgen gelesen habe, lässt eher darauf schliessen, dass die Handgepäcksschraube ziemlich angezogen wurde. Es wird nämlich auf breiter Front darüber gejammert.
      Bin selber anfangs der 00er Jahre 4x mit einem Bike-Koffer auf Mallorca gewesen, tipptoppe Sache, muss ich sagen.

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