Battert: Klettern statt baden

  • Klettereldorado Battert. (Bild: Jürgen Bergmann)

  • Bismarckgrat (rechts) und -westwand. (Bild: Jürgen Bergmann)

  • Der klassische Blockgrat. (Bild: Jürgen Bergmann)

  • Die Blockhalde am Fuss der Badenerwand, geschützter Lebensraum für Pflanzen und Tiere. (Bild: Jürgen Bergmann)

  • Junge Frauen am «Altweiberweg» an der Fermeda. (Bild: Jürgen Bergmann)

  • Die Autorin Dagmar Rumpf klettert «Götterdämmerung» an der Fermeda, gesichert von ihrem Ehemann. (Bild: Jürgen Bergmann)

  • Der «Grosse Schritt» an der Fermeda, Blick auf Baden-Baden. (Bild: Jürgen Bergmann)

«Wo fahren Sie hin?», fragt mich eine Dame im ICE mit einem Blick auf meinen Rucksack.

«Baden-Baden», sage ich.

«Zur Kur?»

«Nein, zum Klettern.»

Sie glaubt mir nicht, also erkläre ich. Vor Jahren wohnte ich in Karlsruhe, unweit von Baden-Baden, geplagt von Heimweh, weil mir die Berge fehlten. Dann entdeckte ich den Battert, ein Felslabyrinth mit bizarren Pfeilern und Türmen, die aus Wald und Buschwerk oberhalb von Baden-Baden aufragen. Ein Kletterparadies. Oft fuhr ich nach Arbeitsschluss mit meiner Frau oder Freunden noch hin, kletterte ein paar Längen. Der Battert vermittelte mir ein Gefühl von Heimat und Berg.

Anspruchsvolle Battertfelsen

Robert Steiner holt mich am Bahnhof ab. Er hat am Battert klettern gelernt, bevor er als Extrembergsteiger grosse Wände in den Alpen und in aller Welt meisterte und darüber spannende Bücher verfasste. Der Battert gilt unter Kletterern in Deutschland als Trainingsort für alpine Routen.

Der Fels ist schon warm, doch griffig dank der körnigen Oberfläche der sogenannten Battert-Fanglomerate, Gestein aus vulkanischen Ablagerungen. Zum Aufwärmen klettern wir den Blockgrat, ein luftiger 3-Seillängen-Klassiker. Es ist ein Wiedersehen. Ein alpines Gefühl stellt sich ein, als kletterten wir einen grossen Grat im Gotthardgebiet oder im Bergell. Nach diesem Vorspiel verbeissen wir uns in sportlichere Routen wie die Bismarckwestwand von Martin Schliessler, mit dem ich damals auch kletterte. Froh bin ich um Roberts kundige Anleitung, etwa wenn ich mich in einem Riss mit Klemmkeilen und Friends herumschlage. Nicht jede Route ist durchgehend eingebohrt, die Abstände der Haken sind weit, und der erste steckt oft hoch in der Wand. Die Battertfelsen sind nicht harmlos, hier sind schon berühmte Alpinisten zu Tode gestürzt. Zum Beispiel Toni Kinshofer, Erstbegeher der Eigernordwand im Winter.

«Hier trifft man selten bohrhakenverwöhnte Schweizer», versichert ein älteres Ehepaar, das eben vom Bismarckgrat abseilt. Der Name erinnert nicht an den «Eisernen Kanzler», sondern an einen gleichnamigen Kletterpionier, der 1904 die Erstbegehung schaffte. Klettern am Battert hat eine lange Tradition.

Klettereldorado mit Tradition

Ein vor kurzem erschienener, prächtiger Bild- und Textband erzählt die Geschichte des Battert von seiner «Entdeckung» in der Romantik über die Frühzeit des Kletterns ab 1885 und die bewegten Kriegsjahre bis zum Sportklettern von heute. Auch Wanderwege durch das Naturschutzgebiet, Geologie, Pflanzen und Tiere sind Thema des Werks «Battert. Klettern –  Wandern – Schauen».

Autorin ist die passionierte Kletterin Dagmar Rumpf, Stadthistorikerin von Baden-Baden. Fotograf ist Jürgen Bergmann, ein Kletterer, der sich um den Schutz der Wanderfalken am Battert kümmert.

Das sechzig Meter hohe Klettereldorado mit frei stehenden Türmen, Graten, Pfeilern, Rissen, Kaminen und feingriffigen Wänden erstreckt sich über anderthalb Kilometer. Die Kletterei in den 400 Routen zwischen dem 3. und dem 10. Grad UIAA verlangt Fingerkraft und gute Fusstechnik.

Müde und glücklich nach dem Klettertag sitze ich mit Robert vor der Bergwachthütte oberhalb der Falkenwand, lasse den Blick schweifen über die Schwarzwaldhöhen, die Oberrheinische Tiefebene und hinunter nach Baden-Baden. Erzähle von einem Arbeitskollegen, den ich damals am Battert ins Klettern einführte und der heute, mit über 70, noch immer «angefressen» ist. So wie ich.

 

Jürgen Bergmann, Dagmar Rumpf: Battert. Klettern – Wandern – Schauen. Panico-Alpinverlag, D-73257 Köngen. www.panico.de

 

 

 

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