Magisches Zoowandern

Diese Woche in den Tierpark von Goldau – und nach Lauerz (SZ)

  • Praktische Wegzeichen führen vom Bahnhof Arth-Goldau zum Natur- und Tierpark.

  • Paarszene 1.

  • Paarszene 2.

  • Paarszene 3.

  • Kinder lieben das frei herumlaufende Wild.

  • Der Turm von Caminada nimmt Kontur an.

  • Endlich ist der Nebel weg.

  • Im Treppenhaus.

  • Oben sieht man den Grossen Mythen...

  • ...und auch die Rigi.

  • Szenenwechsel: Vom Bahnhof Arth-Goldau geht es nach Lauerz.

  • Das Gelände ist wie das des Tierparks zuvor Bergsturzgebiet.

  • Ein hübsches Seelein.

  • Weiter vorn gegen Lauerz.

  • Der Rossberg, an dem der Bergsturz passierte.

  • Noch einmal der Grosse Mythen. Gleich sind wir in Lauerz und am Lauerzersee.

Man hat in Goldau beim Wandern eigentlich permanent ein schlechtes Gewissen. Waldstücke, Wiesen und Sumpfflächen sind übersät von Felsbrocken, manche davon haushoch. Und alles ist magisch vermoost.

Doch wurzelt das Märchen in einer Katastrophe. 1806 kollerten, rollten, stürzten, sprangen, rumpelten, polterten, knallten und donnerten vom Rossberg in breiter Schneise 40 Millionen Kubikmeter Stein zu Tale. 457 Menschen starben im Rutsch, Goldau war verschüttet, der Lauerzersee deutlich kleiner als zuvor.

Schön und schrecklich

Ich musste wieder an diesen Zusammenhang von schön und schrecklich denken, als ich durch den Natur- und Tierpark Goldau ging. Er liegt exakt im Bergsturzgebiet; auch er zieht aus jenem Desaster seinen Reiz: überall gewaltige Brocken, um die die Wege neckisch kurven.

Dass ich den Zoo aufsuchte, hat mit einer neuen Attraktion zu tun. Zu ihr gleich – doch zuerst etwas zum Wanderaspekt: Der Zoo bietet drei Rundwege, die man aneinanderhängen kann; mit dem Plänli, das man an der Kasse fasst, fällt das leicht. Wenn man «Fisch und Vogel», «Fels und Wald» sowie «Bär und Wolf» alle gemacht hat, ist man, je nach Tempo und Schaulaune, zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden gegangen. Zoowandern, auch eine Wanderart.

Caminadas Riese

Ich hatte Nebel erwischt, der sich gegen Mittag Gott sei Dank lichtete. Denn nun wollte ich die erwähnte neue Sehenswürdigkeit testen. Von einem «Waldmenschen» schrieb kürzlich die «SonntagsZeitung». Wie ein schreitender Riese wirkt der neue Aussichtsturm auf einer markanten Anhöhe des Zoos tatsächlich. Er besteht aus zwei getrennten Holzkörpern, die sich gegen oben zu einem einzigen vereinen. Ersonnen hat ihn der bekannte Bündner Architekt Gion A. Caminada.

Schön ist das massive Ding: lichtes Holz, aussen Weisstanne, innen Fichte. Oben auf 29 Metern genoss ich den Ausblick auf die nunmehr ins Helle gerückte Nahwelt: Ich blickte zur Rigi, in deren Bändern Schnee klebte, blickte hinauf zum Rossberg, von dem einst der Fels kam, mochte aber auch den Anblick des nahen Lauerzersees.

Eine grossartige Sache, ich kann diesen Tierpark umso mehr allen Familien empfehlen, als zum Teil Wild frei herumläuft, Mufflons zum Beispiel; zwischen den zutraulichen Tieren und den Kindern kommt es zu zarten Begegnungen. Und den Turm muss man bestiegen haben, liebe Architekturliebhaber.

Und dann?

Ich verliess den Tierpark, ging wieder zum Bahnhof Arth-Goldau, das dauerte gut zehn Minuten. Unterwegs überlegte ich, mit welcher meiner vielen Routen in der Gegend man die Unternehmung am besten kombiniert. Der Rossberg käme infrage, freilich ist die Besteigung des Wildspitz, wie dessen höchster Gipfel heisst, mit anschliessendem Abstieg zum Ägerisee tagfüllend. Dasselbe gilt für die Wege zur Rigi.

Wer den Zoo am Morgen besucht und nach dem Zmittag noch ein wenig Gehlust übrig hat, dem oder der empfehle ich daher etwas anderes: Vom Bahnhof Arth-Goldau aus in einer Stunde nach Lauerz durch einen Zauberwald. Das Goldseeli inmitten des Naturreservats kann man umrunden und fühlt sich in eine andere Welt versetzt. Am Schluss, vor der blauen Weite des Lauerzersees, fühlt man sich beglückt. Bis wieder der Gedanke kommt: und alles wegen der Katastrophe!

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Unternehmung 1: Vom Bahnhof Arth-Goldau in knapp zehn Minuten zum Eingang des Natur- und Tierparks Goldau. Er ist das ganze Jahr durch täglich geöffnet. Bei der Kasse bekommt man ein Plänli. Es gibt drei Rundgänge: «Fisch und Vogel», «Fels und Wald» sowie «Bär und Wolf»; man kann sie gut aneinanderhängen. Geht man gemütlich und verweilt, braucht man 3 Stunden, ist man schnell unterwegs, reichen 2 Stunden. Zum Tierpark gehört das zentral gelegene Restaurant Grüne Gans, auch gibt es Rastplätze mit Grillstelle, Snackshops und Spielplätze. Der Caminada-Turm ist im Plänli eingezeichnet. Am Schluss geht man wieder zum Bahnhof Arth-Goldau.

Unternehmung 2: Bestens passt dazu als Anschlussroute eine Kurzwanderung. Vom Bahnhof Arth-Goldau auf dem Wanderweg via Goldseeli nach Lauerz. Gehzeit eine Stunde, kaum Höhendifferenz.

Wanderkarte: 235 T Rotkreuz, 1:50’000.

GPX-Datei zu Unternehmung 2: Hier downloaden.

Charakter: Angenehme Sache, zuerst ein Zoo, dann die kurze Wanderung nach Lauerz. Im Zusammenspiel ist das doch eine mittlere Anstrengung. Die Einheit der Materie beider Unternehmungen ist durch die Gestalt der Landschaft gegeben, sie ist geprägt vom Bergsturz des Jahres 1806: Überall haushohe Findlinge, die von Moos überwachsen sind und das Gelände mysteriös und mystisch machen.

Höhepunkte: Im Zoo das Eulen-Uhu-Gehege und natürlich der Caminada-Turm mit der Aussicht weitum von oben. Unterwegs nach Lauerz das Goldseeli.

Kinder: Perfekter als perfekt.

Hund: In den Zoo darf er nicht.

Einkehr: Im Zoo das Restaurant Grüne Gans. Auf dem Weg vom Bahnhof Arth-Goldau zum Zoo passiert man diverse Lokale, auch in Lauerz kann man einkehren.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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