Sind Läufer bessere Liebhaber?

Haben Sie gewusst: Zu viel Fett am Bauch bringt den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht, reduziert die sexuelle Lust und kann sogar zu erektiler Dysfunktion führen. Unsere Expertin *Dr. Antoinette Sarasin erklärt, wie es dank Sport und richtiger Ernährung auch im Bett gut läuft, was als Viagra der orthomolekularen Medizin gilt – und welche Läufer die besseren Liebhaber sind.

Hat vermutlich keine weder Bauchfett noch Erektionsprobleme: Der ägyptische Läufer Amr Seoud an der Weltmeisterschaft 2007 in Japan.

Strotzt vor Testosteron: Der ägyptische Läufer Amr Seoud an der Weltmeisterschaft 2007 in Japan.

1. Viszerales Fett baut Testosteron ab

Fettgewebe – insbesondere am Bauch – enthält das Enzym Aromatase. Dieses wandelt aktive Metaboliten von Testosteron in das weibliche Hormon Östradiol um, was zu einem Testosteron-Defizit führen kann. Folge: Die Manneskraft lässt nach. Allgemeine Motivation, Antrieb und innere Dynamik sind reduziert.

Bei Frauen kann sowohl zu viel wie zu wenig Körperfett den Hormonhaushalt stören – beides mit negativen Folgen auf die sexuelle Lust und Fruchtbarkeit.

2. Metabolisches Syndrom macht schlapp

Chronisches Übergewicht ist oft begleitet von Zuckerstoffwechselstörung (Diabetes), Bluthochdruck, zu hohen Blutfetten wie Cholesterin und Triglyzeride, was auch als metabolisches Syndrom beschrieben wird. Dies begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit fatalen Folgen wie Herzschlag oder Hirnschlag. Betroffen ist jedoch nicht nur der Blutfluss im Herz oder Hirn, sondern auch in den Geschlechtsorganen. Erektions- und Potenzstörungen mit entsprechenden Beschwerden sind häufig. Man(n) ist so vital wie seine Blutgefässe.

3. Psychologische Barriere

Viele Übergewichtige leiden aufgrund ihrer Körperfülle unter einem verminderten Selbstwertgefühl. Sie genieren sich, besonders in intimen Situationen, fühlen sich nicht sexy. Das muss nicht sein, ist aber leider doch häufig der Fall.

4. Weniger Körperfett bringt mehr Antrieb

Wichtig ist, Jojo-Effekte zu vermeiden: Nur eine dauerhafte Gewichtsabnahme oder ein stabiles, gesundes Gewicht bringt mehr Lust und Spass. Darum muss ein gezieltes Bewegungs- und Ernährungskonzept einfach umsetzbar und auf die persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben zugeschnitten sein. Es soll Genuss ganz natürlich zulassen und Gewohnheiten respektieren. Beim Essen gibt es keine Sünden!

Auch eine persönlich abgestimmte Mikronährstoff-Ergänzung kann sinnvoll sein – zur Unterstützung des Energiestoffwechsels und zum Schutz vor Gefässveränderungen bei metabolischem Syndrom. L-Arginin als simple Aminosäure gilt übrigens als das Viagra der orthomolekularen Medizin, es beeinflusst die Weitstellung der Gefässe.

5. Darum bringt Laufen mehr Stimmung ins Bett:

  • Regelmässiges Training hilft, Körperfett nachhaltig zu verbrennen respektive die schlanke Linie zu halten.
  • Kein metabolisches Syndrom: Laufen reguliert Blutzucker, Blutdruck, senkt das «schlechte» LDL-Cholesterin und erhöht das «gute» HDL-Cholesterin.
  • Optimaler Hormonhaushalt: Beim Laufen werden die Glückshormone Endorphin und Serotonin ausgeschüttet. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol hingegen gesenkt. Zudem: Ein regelmässiges, nieder-intensives Training  – 3 bis 4 Mal pro Woche zwischen 45 und 90 Minuten – steigert den Testosteronspiegel, was sich positiv auf Ausgeglichenheit und Libido auswirkt. Zudem fühlen sich Sportler stärker, attraktiver und wohler in ihrer Haut. Mit dem Selbstbewusstsein wächst das Lustgefühl.
    Wichtig: Laufeinsteiger und Übergewichtige müssen unbedingt moderat beginnen und nach Rücksprache mit dem Arzt.
  • Das ideale Training für Gewichtsreduktion: Langsame, aber lange Läufe. Es soll zu einer Sauerstoffdurchflutung kommen, aber keinesfalls im anaeroben Bereich.
  • Zusätzliches Krafttraining. Es ist der Testosteron-Booster schlechthin.
  • Laufen verarbeitet den Alltagsstress, was letztlich auch die Lust fördert. Das gilt für Frauen und Männer gleichermassen.

6. Achtung: Nicht zu viel des Guten!

Bei zu intensivem Training überwiegt die Erschöpfung, der Testosteron-Anteil im Blut sinkt – und damit auch die Lust auf Sex. Diese Entwicklung wird zum Beispiel bei Marathonläufern beobachtet: Sie arbeiten über lange Zeit sehr hart an ihrer Ausdauer. Nach dem Wettkampf sind ihre Kraftreserven erschöpft, im Bett läuft nichts mehr. Anders beim Hobbyläufer: Dank des moderaten Trainings profitiert er am meisten von den erwähnten libidofördernden Auswirkungen. In Sachen Leidenschaft mag er dem Spitzensportler um Längen voraus sein.

7. Und noch was:

Umgekehrt fördert auch regelmässiger, befriedigender Sex einen gesunden Hormonhaushalt, er stärkt das Immunsystem, verbessert das Körpergefühl und die mentale Ausgeglichenheit – ist also ein effizientes Rezept für vitales Altern.

Dr. Antoinette Sarasin

Dr. Antoinette Sarasin.

* Dr. Antoinette Sarasin Gianduzzo, Dipl. Anti-Aging- und Präventivmedizin (SSAMP), Nachdiplomstudium in Humanernährung ETH Zürich. Sie ist spezialisiert auf persönlich abgestimmtes, nachhaltiges Gewichtsmanagement, gezielte Stoffwechselanalysen und Vital Aging sowie massgeschneiderte Mikronährstoff-Ergänzungen. Praxis in Zürich und Adliswil. www.yourlife.ch

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