Outdoor

Wie ich mir fast ein Schleudertrauma zuzog

Thomas Widmer am Freitag den 7. Januar 2011

Diese Woche im Appenzeller Mittelland (AR)

Endlich! In den letzten Jahren hat mich bei der Vorbereitung von Schneeschuhtouren etwas stets irritiert. Nämlich: der Wildschutz. Man ist prinzipell dafür, klar. Man meint es gut mit den Tierli. Man will sie nicht unnötig stören. Schon gar nicht in ihren Reservaten.

Bloss war das mit den Reservaten des Öfteren ein Rätseln. Man wusste, wenn man loszog, meist nicht genau: Würde man an irgendeinem Waldrand aufgrund irgendeines Schildes umkehren müssen?

Erkundung auf Schneeschuhen

Nun ist Schluss mit der Unsicherheit: Seit kurzem gibt es im Rahmen der Kampagne «Respektiere deine Grenzen» eine schweizweite Wildruhezonen-Karte im Internet. Und man sieht zum Beispiel: Aha, der Creux-du-Van ist winters gesperrt. Die Tête de Ran hingegen, ebenfalls Neuenburger Jura: Nichts spricht gegen ihre sanfte Erkundung auf Schneeschuhen.

Tatsächlich war ich eben auf der Tête de Ran, mehr davon nächstens. Diesmal geht es in meine Heimat, nach Appenzell-Ausserrhoden. Auf den Gäbris. Von ihm war in dieser Kolumne schon die Rede im Sinn eines Sommerzieles. Aber natürlich kann man auch im Winter hinauf. Startet man in Gais, gibt es zwei Varianten. Zuerst zu den Winterwanderern. Sie ziehen vom Bahnhof ins Dorf und zur Klinik, in der Herzpatienten ihre Reha absolvieren. Das Strässchen, das im Winter eine beliebte Schlittelstrecke ist, führt von dort in weitem Bogen via Schwäbrig (Kachelmanns Wetternest) hinauf zum Unteren und zum Oberen Gäbris. Das ist hübsch und dauert, inklusive Rückweg, gut zweieinhalb Stunden.

Wirtschaft in Holz

Schöner, wilder, exklusiver ist die dreistündige Schneeschuh-Variante. Mit einigen Freundinnen und Freunden machte ich sie vor einem Jahr, als viel Schnee lag. Vom Gaiser Dorfkern hält man links in den Hang und steil hinauf. Zuerst ist da ein Strässchen. Dann betritt man Wiesland; Zeit, die Schneeschuhe zu montieren. Als wir unterwegs waren, hatten nicht alle welche dabei. Die mit Schneeschuhen gingen dann voraus, die ohne folgten, hatten aber Mühe: Es war brutal anzuschauen, wie Geni und Hürzi Schritt für Schritt einsackten.

Via Obergais zieht sich der Weg, den man an den Sommerwegweisern erkennt, durch die gekammerte Hügellandschaft. Endlich kommt auf dem Oberhoger die Gipfelwirtschaft in Sicht. Sie sieht aus wie ein Privathaus, ist inwendig aber eine richtige Wirtschaft in Holz; und natürlich gibt es auch Appenzeller Spezialitäten; ich nehme dort oben nie etwas anderes als eine Siedwurst mit Chäshörnli.

Schneeakrobatik mit Folgen

Hernach der Abstieg: Wir wählten Bühler als Ziel. Die ersten paar hundert Meter geht man auf dem selben Weg, auf dem man kam. Dann zweigt man ab gegen rechts, steigt über Strässchen und Wiesenwege steil ab zur Kriegersmühle, bleibt aber immer auf der Südseite des Wissbaches und erreicht via Heubode den Bahnhof Bühler. Mir widerfuhr dabei ein Malheur: Am Hang stolperte ich über meine eigenen Schneeschuhe, vollzog einen Vorwärtsalto, landete zwar im weichen Weiss, aber auf dem Genick. Zwei Tage später war mir immer noch schwindlig. Doch der Arzt konnte kein Schleudertrauma finden, bald war ich dann wieder hergestellt.

Noch ein Wort zum Heubode. Meine Schwester, die ganz in der Nähe wohnt, feierte dort einmal einen runden Geburtstag. Es handelt sich um einen Bauernhof, dessen Tenn zur Wirtschaft für angemeldete Gruppen umfunktioniert wurde; das ist lustig, man sitzt im Uli-der-Knecht-Ambiente, wird dabei umsichtig umsorgt und fein bekocht. Sollte jemand einen Gruppenausflug planen, empfehle ich den Heubode.

Infos:

Route: Gais, Bahnhof – Gais, Dorfplatz – Ober Gais – Oberer Gäbris (Gipfel mit Wirtschaft) – retour bis Abzweiger rechts nach Kriegersmühle – Kriegersmühle – Heubode – Steinleuten – Bühler, Bahnhof

Dauer: Drei bis dreieinhalb Stunden.

Höhendifferenz: knapp 350 Meter auf- und 450 abwärts.

Charakter: Wenn es genug Schnee hat, eine ideale, mittelstrenge Schneeschuhroute ohne besondere Gefahren. Viele Varianten möglich.

Sicherheit: Um diese Jahreszeit sollte man nicht allein wandern.

Höhepunkte: Die Stille der Route. Die abgelegenen Hemetli. Der Rundblick vom Gipfel.

Einkehr: «Oberer Gäbris», Mittwoch Ruhetag.

Karte: Landeskarte 1: 25 000 «Gais».

Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch.

Wanderblog: http://widmerwandertweiter.blogspot.com/

« Zur Übersicht

4 Kommentare zu „Wie ich mir fast ein Schleudertrauma zuzog“

  1. Peter sagt:

    Oh, ja. Schneeschuhe sind enorm praktisch, aber nicht ungefährlich, wenn man nicht pausenlos darauf achtet, die Geräte nicht touchieren zu lassen. Da lobe ich mir einen richtig guten (wenn auch teuren) Winterwanderschuh an den Füssen. Da falle ich abwärts höchstens auf meinen Hosenboden. Und muss man denn immer ausgrechnet durch steile Wiesen und an Waldrändern vorbei gehen?

  2. Andreas R. Schulthess sagt:

    Schade fehlt bei den Photos und diesem herrlichen Wetter ein Blick vom Gäbris Richtung Alpstein/Säntis. Aber als seit vielen Jahren in der “Solothurner Diaspora” lebender “Hähweh-Gäser” werde ich es wohl verschmerzen können; und schon bald ist ja im Mai 2011 wieder Klassenzusammenkunft. Merci für den informativen Bericht.

  3. Walter Vettiger sagt:

    Danke für den guten Bericht und den schönen Fotos.

  4. René sagt:

    @Th. Widmer: Passen Sie auf, dass Sie der N. Knecht nicht in die Quere kommen – sie ist momentan nicht gut drauf auf Schneeschuh-Hooligans… :-)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Marktplatz

Marktplatz

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Vergleichsdienst

Günstiger in die Ferien!

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Der richtige Flow

Man kann sich nicht konzentrieren und Lust hat man auch nicht. Was tun?

Werbung

Die neuen digitalen Abos

Unbeschränkten Zugriff auf den Tages-Anzeiger. Jetzt testen ab CHF 1.-.

Vergleichsdienst

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.