Klettern als Kaderschmiede

Ein Beitrag von Emil Zopfi*

(iStock)

Den Erfolg im Fokus: Die Wand wird zum Spiegel der Leistungsgesellschaft. (iStock)

Vor Jahren haben wir einem jungen Sportkletterer zugeschaut, der eine der damals schwierigsten Routen der Schweiz einstudierte. Ein bekannter Spitzenkletterer aus dem Ausland hatte sich schon mal die Zähne ausgebissen an dem Überhang, ich erinnere mich noch gut an die Urschreie, mit denen er jeweils ins Seil stürzte. Boris dagegen nahms gelassen, sass in den Kletterpausen mit einem Buch unter der Wand und büffelte für Prüfungen. Schliesslich schaffte er die Route elegant – gleich zweimal hintereinander. Als wir ihm letzthin per Zufall begegneten, hatte er eine beeindruckende Karriere als Jurist hinter sich.

Otto Stich war in Jugendjahren Extremkletterer

Eigentlich wundert mich das nicht. Unter den Kletterfreunden und -freundinnen, den alten von einst und den jüngeren der Sportgeneration, kenne ich nicht wenige, deren berufliche Laufbahn mindestens so steil war wie die Fels- und Eiswände, die sie meisterten. Mir kommt kein Einziger in den Sinn, der im Berufsleben scheiterte. Aus den Freaks sind Professoren, Unternehmer, CEOs, Redaktorinnen und sogar einige Politiker geworden. Dass Dölf Ogi ein Bergsteiger war, ist bekannt, doch der wahre Extremkletterer in Jugendjahren war SP-Bundesrat Otto Stich. Mein Seilgefährte auf wilden Klettertouren der frühen Jahre war Dieter Kienast, gelernter Gärtner aus Wollishofen. Als er 1998 an einem Krebsleiden starb, war er Professor an der ETH und international renommierter Landschaftsarchitekt.

Vielleicht täusche ich mich, doch weiss ich von keinem anderen Sport, der nebst dem physischen auch den gesellschaftlichen Aufstieg so beflügelt wie das Klettern und Bergsteigen. Oft schon habe ich mich gefragt, was der Grund sein könnte. Einfache Antworten gibt es sicher nicht, doch spielt gewiss das ausserordentliche Engagement eine Rolle, mit dem in unserem Sport ein Ziel verfolgt werden muss, um zum Erfolg zu kommen. Die Wand wird zum Spiegel der Leistungsgesellschaft. Steilt sich die Schlüsselstelle vor mir auf, so hilft mir keine Macht der Welt mehr weiter. Nur ich allein kann den Willen und die Kraft entwickeln, den nächsten Griff festzuhalten.

Eine «Ehe auf Zeit»

Klettern ist kein Mannschaftssport, wir Kletterer sind Einzelkämpfer. «Der Imperativ, den man als das Leistungsprinzip bezeichnet, gilt in der freien Welt der Berge genauso wie in den Chefetagen von IBM oder Toyota», schrieb der Psychologe und Kletterer Ulrich Aufmuth in seinem Buch «Die Psychologie des Bergsteigens». Dass es mehr als einer meiner Kletterfreunde in ebenjene Chefetagen geschafft hat, bestätigt schon fast die Regel.

Natürlich genügt es nicht, den nächsten Griff festzuhalten, um weiterzukommen. Zum individuellen Leistungswillen gehört – wie auch im restlichen Leben – das Vertrauen in den Partner, die Partnerin. Ein gutes Mass an sozialer Kompetenz also. Egoisten gibts wie überall, aber ich treffe sie in der Szene doch eher selten an. Wobei es mir fernsteht, die alte Leier vom «Bergsteiger als dem besseren Menschen» herunterzubeten und ebenso wenig den Mythos von der auf Leben und Tod verbundenen Seilschaft. Die Seilschaft ist heute eine «Ehe auf Zeit», und vor allem beim Höhenbergsteigen gilt das Wort des Bergsteigers und Dichters Ludwig Hohl: «Der andere muss entweder mitgehen, oder dann muss man sich von ihm ablösen.» Wie in den Chefetagen eben.

Vor Jahren schrieb ich ein Porträt eines Schweizer Sportkletterpioniers, damals CEO in einem internationalen Computerkonzern. Als der Text erschien, war er schon nicht mehr im Amt. Als Bergsteiger wissen wir ja: Nach jedem Gipfel gehts wieder bergab.

45 Kommentare zu «Klettern als Kaderschmiede»

  • linus sagt:

    Alle Sportler, welche es an die Spitze schaffen, haben auch die Möglichkeit, im Berufsleben Top zu sein. Die Attribute sind etwa die gleichen.
    Aber der weitaus grösste Teil der Sportler in der CH gehört nicht zu dieser Kategorie.

    Von der Sportkletterei hab ich keine Ahnung. Aber es würd mich trotzdem interessieren, wie erfolgreich Herr Emil Zopfi oder die anderen Erwähnten international einzustufen sind.

    Zu guter letzt. Ich kenne einige Menschen mit Erfolg im Beruf. Meistens war aber das Geld der Eltern ausschlaggebend.

    • Aschi sagt:

      Was ist Erfolg, viel Geld (Millionär) oder hohes Kletterniveau (8c, 9a), oder Beruf „Sohn“ (reiche Eltern)? Heute gibt es Tausende Sportkletterer mit höchstem Können am Fels. Meist kann berufliches Topniveau erst Jahre nach dem Höhepunkt im Sport erreicht werden, wenn überhaupt und wenn man noch lebt.

  • Roland K. Moser sagt:

    Es ist das Umfeld, welches man beim Klettern kennenlernt, welches einem dann auch zu einer Karriere verhilft.
    Man muss nur die richtigen Leute kennen und in einer konstruktiven Familienkultur aufgewachsen sein.
    Lesetipp: „Überflieger“ von Malcolm Gladwell.

  • Raphael Raphael Wellig sagt:

    hallo herr zopfli

    das ist aber ein schlechter witz. herr ogi war und ist doch nie ein bergsteiger gewesen. der war ja nicht mal auf dem mont blanc, und kann nicht mal ohne bergführe aufs matterhorn steigen. das ist die wahrheit. das ist kein angriff, aber die wahrheit muss raus.
    da war ich ja bereits als schulbub oben.
    danke.

    mit ganz lieben grüssen
    raphael wellig

    • Aschi sagt:

      Salü Rafael, als Schulbub ging wahrscheinlich auch ein „Führer“ vorab. Wer sich mit dem Bergsteigen profilieren will, muss natürlich auf das Hore. Dann hat er die Bewunderung jener, die wenig vom Bergsteigen verstehen. Als Politiker der gerne sein Foto in den Medien sieht ist es stets wundervoll (für ihn), wenn er sich als Bergsteiger, Skifahrer (Ogi) oder Jäger, Judoka, Fischer (Putin), Hochseesegler (H. Schmidt) darstellen darf oder durfte. Die Medien sind da hervorragende Propagandisten welche sich einspannen lassen um den Hunger nach Beachtung und die Eigenliebe vieler Leute so auch füttern können.

    • Aschi sagt:

      Tschau Raphael, gratuliere zu deinen Leistungen die schon als Schulbub begannen. Wahrscheinlich war da am Hore auch ein „Führer“ (Verwandter) dabei. Wer auf dem Horu war, darf sich von Laien bewundern lassen…Politiker wie Ogi (Ski, Bergsteigen), Putin (Jagen, Fischen, Judo), H. Schmidt (Segeln) lassen sich in den Medien als Sportsmänner zelebrieren. Diese Masche läuft gut und stillt auch Bedürfnisse nach Bewunderung.

  • Nik Leuthold sagt:

    Lieber Emil
    Sorry, aber das ist Quatsch!… Quatsch, der an alte machistische Heldenmythen erinnert, wie sie früher im Alpinismus gang und gäbe waren, und die gerade wir Sportkletterer endlich überwunden geglaubt haben. Es ging und geht endlich darum zu geniessen statt zu „bezwingen“. Man lacht und geniesst und die Wahlsprüche sind „Work less, climb more“ und die meisten Leute, die wirklich stark wurden, haben sonst kaum Karriere gemacht – weil sie die Zeit haben wollen zum Klettern und dazu fürs Klettern um die Welt zu reisen! Da bleibt kaum Zeit für Karriere. Und einige sind wohl auch gerade deswegen Kletterer geworden statt etwas „richtiges“, weil sie dort für sich ganz allein Ziele verfolgen konnten, ohne den dauernden Leistungsdruck und die Bewertung der Gesellschaft…

    • Nik Leuthold sagt:

      Ich bewege mich seit über zwei Jahrzehnten unter den „Fanáticos“ des Kletterns, aber den stark kletternden CEO habe ich noch nicht getroffen. Wie auch? Stark Klettern braucht viel Zeit! Die meisten Leute, die wirklich angefressen und stark geklettert haben und/oder es immer noch tun, haben wie viele andere „Freaks“, z.B. Kulturaktivisten, ihr Auskommen im Zusammenhang mit ihrer Leidenschaft gefunden. Sie sind Klettermaterial-Vertreiber, arbeiten für Outdoormarken, sind Kletterschuh-Besohler, Bergführer, Boulderhallen-Betreiber, usw… Ja, CEOs und andere Karrieristen schmücken sich gerne mit Bergsport. Sie mieten Bergführer um in den Bergen Trophäen zu jagen (zugegeben, besser dort, als tötend auf Safari). Den Bergführer brauchen sie auch, denn sie sind keine selbständigen Berggänger.

    • Nik Leuthold sagt:

      Und wo soll im Sportklettern denn die existenzielle Unausweichlichkeit der Schlüsselstelle sein, die sich „vor mir aufsteilt“ wie du schreibst? Na ja, wenn ich gerade nicht „den Willen und die Kraft entwickeln“ kann, dann setz ich mich halt ins Seil und komme vielleicht auch einfach wieder runter. Deswegen passiert überhaupt nichts. Das ist ja gerade das schöne am Sportklettern – es ist relaxt. Und gerade du betreibst es ja noch relaxterals die meisten und bewegst dich seit Jahren aussschliesslich im sonnigen Klettergebiet vor deiner Haustür und freust dich an den dir bereits bekannten Routen. Was die Schlüsselstellen wohl noch weniger existenziell macht für dich, wo du sie doch schon auswendig kennst, nicht?

      • Nik Leuthold sagt:

        Natürlich gibt es den einen oder anderen, der früher stark kletterte und heute in irgendeinem Kader sitzt. Aber eher seltener als in anderen Sportarten. Vielleicht gerade weil im Klettern eben Genuss und nicht Leistung das Wichtigste ist. Die meisten guten Kletterer haben eben keine Karriere gemacht, weil sie weiter klettern wollten. Sie haben ihr Auskommen dann rund um ihre Leidenschaft gefunden und vertreiben heute Klettermaterial, betreiben eine Boulderhalle, besohlen Kletterschuhe, arbeiten bei einem Ausrüster oder sind Bergführer. Die CEOs dieser Welt mieten dann diese Bergführer um Trophäen zu jagen (zugegeben, besser so als tötend auf Safari) und sich nachher gegenüber ihren bergsportlich nicht wo bewanderten Kollegen als tolle Kletterer aufzuspielen, die sie nicht wirklich sind…

        • Nik Leuthold sagt:

          Lieber Emil, du bist ein relaxter, freundlicher, genussvoller Kletterer, den man sehr gern am Fels trifft. Wieso also die alte Heldenleier, die dir so überhaupt nicht entspricht? Ich hoffe, ich treffe dich bald mal wieder in deinem Heimgebiet. Und dann feuern wir uns vielleicht gegenseitig an in unseren Projekten, vielleicht ziehen wir an diesem Tag aber auch den Schwanz ein vor der Schlüsselstelle und klettern nur noch einfache Routen zum Genuss. Dann sitzen wir faul rum, geniessen die Sonne und quatschen ein wenig über Gott und die Welt – und am Abend war dann der Tag genauso gut wie wenn wir Wille und Kraft entwickelt hätten… Lieben Gruss, Nik

          • Aschi sagt:

            Nicht übel, deine Überlegungen, Nik. Zwar hat ein englischer Prof. einmal behauptet die Segler und Bergsteiger seien die besten Studenten? Wahrscheinlich weil er selber ein Kletterer (-Pionier) war und sich so auch bauchpinselte. Ein zuverlässiger, risikobewusster Kletterer ist oft auch im Beruf meist nicht ein Abstürzender. Wahrscheinlich interessiert er sich häufig mehr für eine konkrete, überzeugende, ihn befriedigende Arbeitsleistung als für einen mit höherem Ansehen verbundenen Führungsjob in der Wirtschaft oder Politik.

    • Roland K. Moser sagt:

      Ihr Kommentar gefällt mir.
      Denn der Berg ist nämlich mein Freund, den ich sicher nicht bezwinge, sondern erklettere, auch mit dem Rennvelo oder MTB oder als Läufer oder Wanderer.
      Der Berg ist ein Freund, mit dem ich viel Freude habe und ihn deswegen nicht bezwinge, sondern ihn als Freund habe.
      Denn wenn ich ihn bezwungen habe, ist er nicht mehr mein Freund.
      Feinde bezwingt man, mit Freunden lebt man.

  • Romeo Giampa sagt:

    Mir ist aufgefallen, dass beruflich erfolgreiche Leute, sich im Strassenradsport schwertun. Dies deswegen, da man im Radsport Leistung bringen muss, die messbar ist und man das zurückbekommt was man darin an Training investiert. Wer mehr und besser trainiert ist einfach besser. Das ist ja auch fair. Es gibt keine speziellen oder geheimen Strategien, wie im Klettern oder im Beruf. Man kann sich nicht nach „oben“ schönschwatzen. Man kann nicht „Bescheissen“. Egal ob klein, gross, dumm, intelligent, schwarz, weiss, reich oder arm. Jeder hat im Radsport die gleichen Chancen. Die Leistung ist klar messbar und der Weg dahin ist auch klar. Jeder weiss wo er ist und was er machen muss um besser zu werden.

    • Markus sagt:

      Radrennsport betreibe ich nicht, dafür Laufen (Marathon), und ich kann Ihre Beobachtung bestätigen. Distanz und Zeit sagen mir knallhart, wie gut ich war. Wie unten erwähnt, kann man beim Klettern wunderbar plaudern. Ebenso beim zB beim Squash, auch beliebt bei Akademikern. Was da zum Teil zwischen den Punkten diskutiert wird…

  • Markus Schneider sagt:

    Das hört man doch imemr wieder gerne, zumal als Sportkletterer. Damit wir aber nicht beim selbstbeweihräuchernden Geschwätz verbleiben: Gibt es dazu dazu Zahlen, wer da nach wievielen Klettertouren (reicht eine am Seil von Herrn Zopfi?) konkret „erfolgreich“ ist, in welchen Berufen, und als was? Sonst könnte ich ja noch auf die Idee kommen, die Ex-Tennisspieler oder die Ex-Autorennfahrer, oder eigentlich überhaupt alle Ex-Sportler würden ganz ähnlichen Käse von sich geben. Dabei weiss ich natürlich genau, dass in Wahrheit diejenigen, die gut schlafen, die wirklich Erfolgreichen sind.

  • Aschi sagt:

    Mit narzisstischen und psychopathischen Anteilen im Persönlichkeitsbild ist man geeignet als Politiker (Präs. Bush und Berlusconi gemäss Psychologe Jens Hoffmann). Als Extremkletterer fehlt oft die angemessene Angst und Risiken werden eher eingegangen: Aufmerksamkeit erheischen, Kränkungen schlecht ertragen, Macht ausüben, Wutausbrüche bei Versagen, Masken schnell wechseln können, sexistische Neigungen (Männer zeigen Muskeln, Frauen freuen sich beim BH-Klettern.) Alles ist möglich aber das Gegenteil auch. Korrelationen zwischen Klettern und Jobs? Sind Extremkletterer geeignet als Verantwortungsträger? Manchmal vielleicht, bewiesen ist mit Artikel oder genähertem Persönlichkeitsbild noch nichts.

  • Lukas sagt:

    Ein überdurchschnittlicher grosser Teil der Kletter sind Akademiker. Warum, kann ich mir eigentlich nicht erklären. Aber Parallelen zum gesellschaftlichen Erfolg sind nicht schwer zu finden. Klettern bedingt den Willen zum Erfolg. Zudem muss man den Erfolg ganz alleine herbeiführen, niemand anders ist an einem Scheitern schuld. Und schliesslich: Klettern bringt automatisch eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen mit sich. Das gibt ein Bild der eigenen Möglichkeiten, andererseits aber auch des nötigen Einsatzes.

    • Markus sagt:

      Na ja, man kann aber ich in der Kletterhalle oder draussen am Fels wunderbar stundenlang am Fusse der Wand stehen, plaudern und zum siebten Mal das Material sortieren. Vielleicht auch eine Parallele zur Welt der Akademiker ;) Beim Fussball fängt das Spiel an und wer dann keinen Einsatz zeigt fällt ziemlich schnell negativ auf.

      Der Wille zum Erfolg ist wohl in jeder Sportart nötig, meiner Meinung nach in anderen sogar noch stärker als beim Klettern. Und von wegen ’niemand anders ist an einem Scheitern schuld‘ – was habe ich doch schon für Ausreden gehört!

      Gruss von einem Akademiker und Kletterer

  • graf beat sagt:

    Otto Stich… war das nicht derjenige Bundesrat mit dem riesigen Durcheinander in der Beamtenversicherungskasse?

  • Rene Baron sagt:

    Vielleicht ist es umgekehrt: Nur wer beruflich „erfolgreich“ ist (sprich: seine Arbeit von anderen machen lässt), hat Zeit zum Klettern ;-)

  • Markus sagt:

    Bei allem Respekt Herr Zopfi, dass es einen direkten Zusammenhang vom Klettern mit Führungspositionen gibt, ist eine sehr kühne These. Es gibt x-andere Sportarten, bei welchen ähnliche oder gleiche Skills gefragt sind wie beim Klettern. Je nach Land und geografischer Lage, sind die Leute eher am Segeln, Langlaufen, Schwimmen etc. Auch wenn Sie eine Anzahl Kletterer in Führungspositionen persönlich kennen, macht das die Aussage Ihres Artikels nicht wahrer. Dass eine Einzelsportart gegenüber einem Teamsport mehr Führungskräfte hervorbringt, halte ich zudem für mehr als gewagt, auch wenn Sie dies so nicht direkt aussprechen. Zudem ist die Teamfähigkeit heutzutage immer wichtiger als noch vor 20 Jahren. Der einsame Wolf als Chef stribt zum Glück langsam aus!

  • The American sagt:

    Was da nicht alles in Zopfis Artikel hineininterpretiert wird. Dabei ist die Aussage ja lediglich, dass die Kletterei eine gute Voraussetzung für höhere Berufliche Ambitionen ist. Dass nicht automatisch „Ich klettere also bin ich CEO“ gilt ist ja wohl klar. Ausserdem beschreibt Zopfi eine Generation, die noch eher den Fokus auf eine Berufliche Karriere hatte und Dinge wie Teilzeitarbeit, mehr Ferien, Jobsharing und „ich will immer Spass haben bei der Arbeit“ gar nicht kannte.

  • gabi sagt:

    Selten einen Outdoorartikel im Tagi so wenig gemocht. Bergsteiger = karrieregeiler Mensch!? Wohl eher das Gegenteil ist der fall. Klar gibt es die Sorte Kletterer die tagsüber die höhergelegenen Teppichetagen unsicher machen und am Abend dann in der kletterhalle rumturnen. Doch sind das wirklich die bilderbuch- „Kletterer“ die Berge besteigen weil sie es lieben? Nein, wohl eher diejenigen die irgendwann mal auf dem Mount Everest stehen. Aus reinen Prestigegründen.

    • gabi sagt:

      Ich selbst betreibe Bergsport in grossem Rahmen. Ich habe Ziele und trainiere hart dafür. Für meinen Karriere oder gar Familie bleibt da keine Zeit. Meine Freizeit (Bergsport) nimmt ein höherer Stellenwert ein als alles andere in meinem Leben. Alles wird dem untergeordnet und ich bin glücklich damit. Und genauso verfahren auch meine engsten Seilpartner. Die meisten von ihnen arbeiten nicht mal 100% da sie sich lieber auf den Sport als die berufliche Laufbahn konzentrieren. Also alles andere als karriereorientiert.

      • gabi sagt:

        Und auch unsere Seilschaften halten nun schon seit Jahren. Ich geh nicht (mehr) mit jemand x-beliebigen in die Berge. Ein falscher tritt kann tödlich enden. Fällt einer wird der andere mitgerissen. Und ich knöpf mich nur ins seil ein wenn ich die andere Person so sehr schätze, dass ich ihm ein Absturz verzeihe. Dass es im Fall der Fälle ok für mich wäre mit dieser Person einen Abflug zu machen. diese Freundschaft ist doch eine sehr spezielle.

  • Stefan Moser sagt:

    Ein Picard quetscht sich mit Windeln in eine Kapsel und ist seither Unternehmensberater. Sportkletterer, wohl eher die Surfertypen unter all den Vertikalliebhabern, zieren meist im Top-Rope in einer 4c jede Raiffeisenbankwerbung aber werden, so auch im Text von Emil Zopfi, wie weiland Louis-Trenker mit Ehrgeiz-, Erfolg-, Durchbeissattributen verziert. Hey – bei uns hiess es mal, Climb now, work later. Darum sind ich und meine Kumpels zwar mässig erfolgreich im Beruf und keine renommierten Irgendwasse oder tätig in internationalen Wasuauchimmers. Aber ziemlich zufrieden und mit allen Zehen am Fuss.

  • Bruno sagt:

    Dr. Benedikt Weibel… ehemals CEO der SBB ist dipl. Bergführer. Das er blitzgescheit ist und auch ein guter CEO war sei nur am Rande erwähnt. Mit solchen Typen würde ich jederzeit am selben Seil gehen.

  • Aschi Berner sagt:

    Empfehlenswert ist das Buch vom Psychologen Jens Hoffmann, Menschen entschlüsseln, 2015 (15 Persönlichkeitsstile). Ca. 3-4 Stile sei in jedem Menschen angelegt. Beim Extrembergsteiger Wirtschaftsboss oder Politiker gibt es Gemeinsames: benötigen Bewunderung, vergessen Kränkungen wenig, streben nach Macht und Dominanz, können schnell ihre Maske ändern, suchen Aufmerksamkeit, wollen gemocht werden, sexualisierter Auftritt (männlich, Muskeln, weiblich, sexy BH-Klettern), hohe Intelligenz und Merkfähigkeit, Bedürfnis nach Kontrolle, Wut am Scheitern usw. Solche Eigenschaften sind vermehr anzutreffen bei Narzissten, Psychopathen, dramatischen Personen und wachsamen Personen um 4 Persönlichkeitsstile zu nennen. Beispiele aus Buch: Präs. Bush und Berlusconi-> typische Narzisten und Psychopathen).

  • Rosmarie Wieland sagt:

    Jääsoo. Früher galt mal die Offiziersschule als Abschussrampe für die Karriere – was auch immer Karriere sein mag -, heute ist es offensichtlich der Klettergarten. Der Glaube, dass Entbehrungen, widrige Umstände, kalte Füsse, sinnlose Warterei Voraussetzungen für eine „Karriere“ sind, ist wohl tief verwurzelt. Seltsam nur, dass meines Wissens noch nie ein karitativ-sozial tätiger Held eine Business-Karriere hinlegte. Woran das wohl liegen mag?

    • Hubert sagt:

      Wie wär’s mit Bill Gates? der war/ist sehr erfolgreich und auch sehr sozial karitativ

      • Reto sagt:

        Das Portal watson (Sorry für diese Erwähnung im Tagesanzeiger), hat anfangs Februar aufgezeigt wie eigennützig und industrieorientiert die „Investitionen“ von Bill Gates wirklich sind. Nichts von karitativ-sozial tätiger Held…

  • Michael sagt:

    Die Kletterer in meiner Umgebung sind alle unterdurchschnittlich erfolgreich – sprich normale Büro- oder Kaderjobs, beruflich weniger ambitioniert, da die Freizeit so viel Schönes hergibt !??? Oder einfach Generation X?

    • Markus sagt:

      Kader gemäss Wiki: „besonders qualifizierte bzw. geschulte Führungskräfte in Politik und Industrie“. Für Sie ist das unterdurchschnittlich erfolgreich?

  • Stefan Moser sagt:

    Ach Ja, vielleicht ist eher das Spielen, die Suche nach den fliessenden Bewegungen als der zähe, eiserne Wille, der einem etwas lockerer durchs Leben gehen lässt.

  • Stefan Moser sagt:

    Vor allem Banken, Unternehmensberater und Motivationscoaches lieben die Sujets mit dem Kletterer an der Wand. Wieso? Die Klischees darüber lassen sich in Ihrem Text, Herr Zopfi, allesamt nachlesen. Ich denke eher, es liegt an Ihrer Peer-Group, dass Sie sich vor allem in akademischen Kreisen bewegen. Ich kenne nicht wenige Zimmermänner, Schreiner, Polygraphen – die ganz normal ihren Beruf ausüben und viel Zeit zum Klettern haben. Der Slogan climb now – work later liess sich damals schlecht mit Karriere vereinbaren. Aber wir hatten riesig Spass.

  • Martin Tanner sagt:

    Nett, Extremkletterer als Übermenschen darstellen zu wollen. Eine Typisierung von Extremkletterern und karrieregeiler Manager lässt sich gewiss konstruieren, da beide über genügend körperverzehrenden Eigensinn verfügen und sich noch so gern auf Seilschaften verlassen. „Wer nicht für (mit) mir ist, ist gegen mich.“ Klassischer Machiavelli!
    Ebenso kann man Übereinstimmungen konstruieren zwischen ausgesprochen auf deeskalierendes, konfliktlösendes Vorgehen ausgerichteter Team-Menschen und Kampfkunstexperten, die Aikido ausüben und nahezu jeden x-beliebigen anderen Randsport.
    Das schönste am Artikel ist jedoch, wieder von Emil Zopfi zu hören! „Jede Minute kostet 33 Franken“ steht seit der Erstausgabe in meinem, inzwischen zig-mal gezügelten, Bücherfundus.

  • Karl-Heinz Failenschmid sagt:

    Eigentlich gibt es eine einfache Begründung: ein guter Kletterer oder Bergsteiger
    braucht Disziplin, Durchhaltevermögen, einen gesunden Lebensstil und die Fähigkeit guter Planung. Das ist allgemein der Schlüssel zum Erfolg.

  • bela summermatten sagt:

    Diese Extremkletterer gehen mir ganz schön auf die Nerven. Ständig müssen sie öffentlichkeitswirksam auf sich selber aufmerksam machen, dass sie irgendeinen Hügel erklommen haben und erwarten Bewunderung und Applaus. In jedem zweiten Kaderseminar baldowert ein Bergsteiger – zugekleistert mit Sponsorenlogos – etwas über seine Erstbesteigungen, Grenz- und Nahtoterfahrungen. Dazu bemühen sie lausigste Metaphern zu Seilschaften, Leistung und Erfolg. Und am Schluss verteilen sie ungefragt Bildbände mit spektakulären Photos – und der CEO, der eingeladen hat, sieht sich darin bestätigt, was für ein geiler Siech er ist, einen solchen Kaliber eingeladen zu haben, der uns indirekt weissmachen will, woran wir uns orientieren müssten – damit wir eines Tages endlich unseren CEO abschiessen können?!?!

    • Thomas Hürzeler sagt:

      Grossartig auf den Punkt gebracht!
      Unser aller Ueli Steck verkündete doch tatsächlich in einer SRF-Dok sinngemäss, wer nicht auf Berge renne, sei eben im Leben gescheitert. Was nichts über uns, aber viel über Herrn Steck aussagt.

      • Sigi Schnell sagt:

        Danke Bela Summermatten.
        100 Punkte.

      • Raphael Raphael Wellig sagt:

        hallo herr hürzeler

        schreiben sie doch nicht etwas, über was sie keine ahnung haben.
        frage: gehen sie gratis auf arbeit? sie gehören einfach zu den neidern von den leuten, die von ihrer leidenschaft es geschafft haben, leben zu können.
        und so nebenbei, sie haben keinen sports charakter. wenn einer charakter hat, dann gratuliert man zu den topleistungen eines ueli steck und andern.

        mit lieben grüssen
        raphael wellig

    • Raphael Raphael Wellig sagt:

      hallo bela

      sie müssen die berichte von den profiklettern wie ueli steck und andern nicht lesen. aber sie tuns ja, warum, weil sie interesse haben.
      es ist normal, das sich bergsteiger vermarkten um davon zu leben… oder gehen sie gratis auf arbeit.

      greifen sie doch den heiligen roger federer an, ein bischen bällchen spielen, antritts gagen von fr.500 000,- ohne einen ball zu spielen. das sind keine leistungen.
      in keinem anderen lebensbereich, wie beim bergsteigen ist der mensch so stark gefordert wie beim bergsteigen.
      also frau summermatten, nehmen sie nicht zu etwas stellung, wovon sie keine ahnung haben.

      mit ganz lieben grüssen
      raphael wellig

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