Abenteuer auf Aargauer Hügeln

Diese Woche von Brunegg zur Habsburg und nach Brugg (AG)

Gebt mir einen oder zwei Hügel zum Ersteigen, aber nicht zu hohe, denn wir haben erst Vorfrühling! Oder haben wir noch Spätwinter? Jedenfalls will ich wieder hinauf. Die zwei Hügel sind schnell nominiert, beide sind sie honorige Aargauer. Zum einen ist es der Chestenberg, 647 Meter. Und zum anderen der Wülpelsberg, 505 Meter. Auf ihm hockt die Habsburg.

Wir starten bei der Bushaltestelle Brunegg, Gemeindehaus. Das Dorf ist klein und ganz dem gleichnamigen Schloss auf dem östlichen Ausläufer des Chestenbergs untertan. Anstrengend, die 120 Höhenmeter auf den Berg. Wir bekommen dafür schnell Sicht Richtung Lenzburg.

Kein Entkommen vor der Geschichte

Schloss Brunegg ist in Privatbesitz, es gehört der Familie des vor 20 Jahren verstorbenen Historikers Jean Rudolf von Salis, der im Zweiten Weltkrieg auf Radio Beromünster die «Weltchronik» vortrug, verlässliche Informationen über das Kriegsgeschehen. Im Pförtnerhaus des Schlosses wohnte der ebenso legendäre Schriftsteller Hermann Burger, ein Sprachkünstler ersten Ranges. Die zwei Namen sollten wir en passant zur Kenntnis nehmen.

Nun geht es auf dem Chestenberg schnurgerade Richtung Westen; ein typischer Jurakamm ist das, bei Nässe unangenehm, Vergnügen bereitend jedoch bei anständigen Verhältnissen. Zur Rechten haben wir bereits die Habsburg und zwischen ihr und uns das flache Birrfeld. Die Habsburger nannten es Eigenamt, weil es eben ihr Eigen war.

Wir entkommen auf dieser Wanderung der Geschichte nicht. Ein Schild erzählt an einer Stelle, dass hier vor 3000 Jahren ein Minidorf stand. Seltsam, auf einem Kamm zu siedeln, Wind und Wetter ausgesetzt. Aber gleichzeitig konnte man ein solches Dorf gut befestigen und verteidigen.

Ziemlich am Ende des Chestenbergs kommt ein Wegweiser, wir schwenken nach Norden gegen Schinznach-Bad. Der Abstieg vollzieht sich im Wald, die nächste Erhebung – oh, die Wanderung umfasst sogar drei Berge! – ist der Scherzberg. Ein Aussichtspunkt bereitet Freude, wir treten vor, haben direkt unter uns die Aare und hinter ihr Veltheim und Schinznach-Dorf.

Kurz vor Schinznach-Bad queren wir einen Golfplatz und schmunzeln über das Schild «Achtung! Fliegende Golfbälle!» Wobei die Gefahr wohl real und nicht zu unterschätzen ist. Dann das Thermalbad, wir könnten ins heisse Wasser sinken. Stattdessen gehen wir essen, recht gut, im einigermassen rustikalen «Bad-Stübli».

Der 70-Meter-Schacht

Nach dem Zmittag müssen wir auf demselben Weg noch einmal über den Golfplatz. Wir überleben es. Hernach beginnt der steile Aufstieg hinauf zur Habsburg. Oben erneut Augenfreude. Wir stehen auf der ersten Jurakette, haben wieder die Aare zu Füssen, erahnen das nahe Wasserschloss, wo die grossen Flüsse zusammenkommen. Vor allem aber ist da die Habsburg, Stammsitz einer Weltdynastie. Uns wird mythisch zumute. Der Sodbrunnen im Schlosshof ist übrigens an die 70 Meter tief.

Die letzte Etappe der Wanderung führt zum Bahnhof Brugg, sie beginnt mit dem leichten Abstieg im Wald. Unten wäre es schade, den direkten Weg zum Bahnhof zu nehmen. Ein kleiner Umweg führt gleich wieder zu einer historischen Stätte ersten Ranges, zum Amphitheater Vindonissa (Windisch), gebaut unter Kaiser Tiberius und für 11’000 Menschen ausgelegt. Wir haben auf dieser Wanderung ausgiebig geschwitzt und gekeucht, der Hügel wegen. Aber wir haben auch viel gelernt und sind wieder einmal in die Vergangenheit abgetaucht.

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Route: Brunegg, Gemeindehaus (Bus) – Schloss Brunegg – Chestenberg – Abzweiger auf dem westlichsten Teil des Grates – Scherzberg – Schinznach, Grabenächer – Golfplatz – Thermalbad Schinznach – retour zum Abzweiger – Schloss Habsburg – Amphitheater Vindonissa – Bahnhof Brugg.

Wanderzeit: 4 Stunden.

Höhendifferenz: 476 Meter auf-, 549 abwärts.

Wanderkarte: 225 T Zürich, 215 T Baden und 214 T Liestal (ein kleiner Teil beim Thermalbad Schinznach), 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Aussichtsreich (Chestenberg, Scherzberg, Habsburg). Viel Geschichte und Archäologie (Schloss Brunegg, Frühsiedlungen auf dem Chestenberg, Habsburg, Vindonissa). Erstaunlich wild (Chestenberg).

Höhepunkte: Der Jurakamm des Chestenbergs, ein Abenteuer mitten in der Zivilisation (bei Nässe ist der Weg unangenehm, glitschiger Kalk). Der Rundgang auf der Habsburg. Das Amphitheater von Vindonissa mit Römerfeeling.

Kinder: Gut machbar. Auf dem Chestenberg muss man auf sie aufpassen.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Zum Beispiel im Bad-Stübli auf dem Thermalbad-Areal in Schinznach. Im März Montag Ruhetag, danach durchgehend offen. Schlossrestaurant auf der Habsburg. Im März Ruhetage Mo/Di, danach durchgehend offen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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