Sind die Schweizer marathonmüde?

Der Schweizer Marc Lauenstein am Pikes Peak Marathon 2014 in Manitou Springs, Colorado. Foto: Jerilee Bennett (AP) Marc Lauenstein, of Switzerland, runs during the Pikes Peak Marathon, Sunday, Aug. 17, 2014 in Manitou Springs, Colo. (AP Photo/The Colorado Springs Gazette, Jerilee Bennett) MAGS OUT

In fünf Jahren ist die Zahl der Schweizer Langstreckler angeblich um ein Drittel gesunken: Marc Lauenstein am Pikes Peak Marathon 2014 in Manitou Springs, Colorado. Foto: Jerilee Bennett (AP)

Wer glaubt, die Südländer würden sich Zeit lassen und das Dolcefarniente geniessen, irrt – und zwar so richtig. Erlauben Sie mir eine kleine Zahlenjongliererei, um dies zu belegen: Eine breit angelegte Studie des Portals Runrepeat hat mittels 2’195’588 Marathonresultaten die Zeiten der Läufer verschiedener Nationen von 2009 bis 2014 unter die Lupe genommen. Massgebend waren in dieser Zeitspanne jeweils die Läufe von Chicago, Marine, Boston, London, Paris, Berlin, Frankfurt, Athen, Amsterdam, Budapest, Warschau und Madrid. Die Forscher haben festgestellt, dass wer die 42,195 Kilometer in 4:21:21 Stunden zurücklegt, exakt im weltweiten Durchschnitt liegt. Unterscheidet man zwischen Männlein und Weiblein, liegt der Durchschnitt der Zielzeit der Herren bei 4:13:23 Stunden und jener der Frauen bei 4:42:33 Stunden.

Und jetzt kommts: Die schnellste Durchschnittszeit laufen mit beachtlichen 3:55:35 Stunden die Spanier, gefolgt von den Portugiesen, die durchschnittlich knapp die 4-Stunden-Marke knacken (3:59:04). Erst an dritter Stelle figuriert ein nördliches Land: Die Luxemburger bleiben nur wenig über der magischen Sub 4 (4:00:46) vor Island (4:01:32) und Österreich (4:01:37). Nach dem Motto «Klein, aber oho» erscheint die Schweiz an vierzehnter Stelle mit einer Durchschnittszeit von 4:07:15 – Wo liegen Sie, liebe Leserinnen und Leser? –, knapp vor Italien (4:07:47). Die Schweizer sind aber deutlich schneller als der Durchschnitt der Läufer der Grande Nation (4:15:56) und unsere deutschen Nachbarn (4:16:54).

Ich will ja nicht schon wieder eine Genderdiskussion anstossen, aber liebe Herren, in dieser Statistik machen die Frauen eine bessere Falle. Die Durchschnittszeit der Schweizer Marathonläuferinnen ist zwar mit 4:28:04 Stunden höher als jene der Läufer (4:00:29). Im Nationenranking aber liegen die Frauen auf Rang 10, während die Männer auf Rang 12 figurieren.

Zwar sind die Schweizer offenbar in den fünf Jahren, welche die Forscher evaluiert haben, um 7 Minuten und 11 Sekunden schneller geworden, trotzdem zeichnet die Studie ein düsteres Bild für die Marathonzukunft der Helvetier: Während die Zahl der Langstreckler in Europa um 10,3 Prozent gestiegen ist, sank sie in der Schweiz in diesem Zeitraum offenbar um 32,59 Prozent. Entweder haben unsere Läufer Destinationen den Vorzug gegeben, die aus dem Raster der Forscher fallen. Oder sind die Schweizer etwa marathonmüde geworden?