Mit Know-how gegen Veloklau

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Gott sei Dank war das Vorderrad gut gesichert. Foto: Seth Vidal/flickr

Jeden Tag werden in der Schweiz 112 Velos gestohlen. Auf diesen Wert kommen Statistiker, wenn sie die offiziellen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik aus dem Jahr 2014 beiziehen. Die Zahl 40’881 steht hier unter «Fahrzeugdiebstahl», Zeile «Fahrräder». Die Dunkelziffer dürfte fast noch einmal so hoch ausfallen. Dass die Bösewichte von der Polizei geschnappt werden und das edle Velo zurück zum rechtmässigen Besitzer kommt, ist die absolute Ausnahme. Die Aufklärungsquote lag 2014 bei bescheidenen 2,2 Prozent. Heisst: Nur jedes fünfzigste gestohlene Velo fand den Weg zurück zum Eigentümer. Unregistrierte Fälle nicht mit eingerechnet.

Langfinger als Bikekenner

Für uns Biker ist ein Diebstahl besonders bitter. Zum einen verursacht das Fehlen unserer Sportgeräte Entzugserscheinungen. Zum anderen – mindestens genauso bitter – erreichen die heiss geliebten Flitzer gerne den Wert eines gebrauchten Kleinwagens. Heisse Ware für Diebe. Dass diese wahre Bikekenner sind, bestätigen auch die Statistiken von Schweizer Versicherungen: Der Durchschnittswert gestohlener Velos steigt an. Von rund 1000 Schweizer Franken im Jahr 2010 auf etwa 1300 Franken 2014. Für Bikeliebhaber ein Warnschuss. Einige Expertentipps können helfen, das Gefährt langfristig zu binden.

So schützen Sie Ihr Bike:

  • Partnerwahl: Billige Kabelschlösser sind selbst für Gelegenheitsdiebe kein Problem. Die Investition in ein hochwertiges Bügel-, Ketten- oder Faltschloss lohnt sich auf jeden Fall.
  • Anschliessen statt abschliessen: Sichern Sie den Rahmen, am besten auch die Laufräder, immer an einem fest verankerten Gegenstand – zum Beispiel an einem Kandelaber oder Brückengeländer.
  • Doppelte Sicherheit: Verschiedene Schlösser verlangen vom Dieb verschiedene Werkzeuge und Aufbruchmethoden. Die Kombination aus z. B. Bügel- und Kettenschloss erhöht die Sicherheit.
  • Sicherheit des Schwarms: Das Bike an belebten Plätzen abstellen – so fühlen sich Diebe nie unbeobachtet. In einer dunklen Ecke können sie hingegen ungestört «Hand anlegen».

Doppelt hält besser

Steht ein Bike im Keller, der Wohnung oder der Garage, ist ein Diebstahl in der Regel über die Hausratversicherung abgedeckt. Um auch unterwegs Schutz zu geniessen, muss «einfacher Diebstahl auswärts» in der Police eingeschlossen sein. Wer ein teures Bike besitzt, sollte hier die Versicherungssumme überprüfen. Oft ist standardmässig bei rund 2000 Schweizer Franken Schluss – bei Bedarf kann die Summe erhöht werden. Notieren Sie direkt nach dem Kauf Rahmennummer und Details des Velos – das hilft der Polizei und kann Voraussetzung sein, dass die Versicherung zahlt.

Auf Plattformen wie www.veloregister.ch werden Velos eingetragen, um sie im Verlustfall besser wiederzufinden. Wird ein registriertes Bike als gestohlen gemeldet, löst das einen Alarm aus, der via Facebook, Twitter und E-Mail an Nutzer im Umkreis rausgeht. Zusätzlich kann ein QR-Trackingcode am Rahmen angebracht werden. Wird ein Velo mit diesem Code gefunden, ist direkt klar, wem das gute Stück gehört.

Skurrile Wettspiele

Bei all den düsteren Gedanken gibt es wenigstens ab und zu auch eine humorvolle Seite des Delikts. Das folgende Video zeigt, wie sich bei Diebstahl auch mal die Velofahrer ins Fäustchen lachen können.

 

Sind Sie schon mit dem Thema Velodiebstahl in Berührung gekommen? Wie sichern Sie Ihr Bike?

20 Kommentare zu «Mit Know-how gegen Veloklau»

  • Adrian Kälin sagt:

    Mein kostbares Bike ist entweder im Keller oder unter meinem Füdli.
    Freitag- und Samstagnacht NIE ein Velo am Bahnhof stehen lassen, am besten gar nie über Nacht irgendwo öffentlich stehen lassen.
    Auch im Zug bewachen oder anketten.
    Zwei Velos besitzen: ein Stadtvelo und einen Goldesel im Keller.

  • Raggenbass sagt:

    Die Fahrräder sind letztlich ein Spiegel unserer Gesellschaft… Waren es früher schnöde Fortbewegungsmittel, so kommt ihnen heute auch eine Rolle in der Dokumentation des Life Styles hinzu! Und aus dem Grund rücken diese Dinge auch mehr in den zentralen Fokus. Im Prinzip ist Alles gesagt – Ein Velo gehört mit all seinen Hauptteilen (Rahmen & Räder) mitels geeignetem Schliessmittel (Bügel- oder Kettenschlos) an einen festen Anker befestigt. Das sollte den Klau eigentlich unterbinden. Tut es aber nicht immer… Und so bleibt dann vielen Velo – Enthusiasten nur die Flucht zur grauen Maus… Zu einem Velo was nicht auffällt. Und damit bleibt für die tägliche Fahrt von / zur Arbeitsstelle nurmehr die verkappte Rostlaube. Sie stellt sicher, dass man ohne Überraschung wieder 2 – rädrig heimkommt

  • Chris sagt:

    Mein Velo ist so individuell, das ich es unter Millionen anderen sofort wiedererkennen würde. Das gute Teil steht zudem niemals unbeaufsichtigt irgendwo herum. Der alte Göppel soll gern geklaut werden, die high end Rennmaschine bitte nicht.

  • Ivo Baumgartner sagt:

    2/2
    Ich war letzten Sommer in NY. Dort ist das komplett anders. Da kommt keiner auf die Idee diese Billig-Schlösser zu kaufen welche bei uns so beliebt sind.
    In fast keinem Fahrradladen gab`s die zu kaufen. Nur die richtig Dicken Bügel- und Kettenschlösser.

    Die meisten etwas teureren Räder waren mit zwei Schlössern gesichert. Oftmals werden diese Schlösser auch am Arbeitsort, bzw. dort wo täglich das Rad abgestellt wird, deponiert so das sie nicht mit geschleppt werden müssen.
    Denn ein anständiges Bügelschloss ist schnell mal 1.5kg und ein richtiges Kettenschloss so 3-4kg.

    Ich handhabe das auch so. Für unterwegs ein kleines Bügel der höchsten Sicherheitsstufe und vor Ort ein richtig dickes Kettenschloss dazu.

  • Martin sagt:

    „Notieren Sie direkt nach dem Kauf Rahmennummer und Details des Velos – das hilft der Polizei und kann Voraussetzung sein, dass die Versicherung zahlt.“ Ha, ha, ha, die Polizei!!!! Die Polizei in BS untersucht nicht mal Einbrüche, da es kein „Offizialdelikt“ ist. Meinen Sie wirklich, die Polizei sucht nach einem gestohlenen Fahrrad? In BS landet es in der Regel im Rhein oder in einem Kastenwagen, mit ausländischem Kennzeichen.

  • Tourenbiker sagt:

    Die Technik wird das Problem künftig lindern:
    – Systeme mit integrierter GPS-Tracking-Lösung (z.B. spybike.com)
    – Komfort-Schlösser mit Bluetooth-Funktionen (z.B. ilockit.bike)

    Klar hift nichts besser als ein massives Bügelschloss, befestigt an einem unverrückbaren „Anker“. Aber die obgenannten beiden Möglichkeiten werden helfen, dass mehr Bikes abgeschlossen werden (Komfort-Lösung) bzw. nach dem Klau wieder geortet werden können (GPS/GSM-Lösung).

    Natürlich ist die Technik heute noch teuer und strom-intensiv. Aber man wird bald, z.B. die Stromzufuhr über Nabendynamos sicherstellen + im Bike integrieren.
    Und die Marktsättigung im GSM-Bereich weist den Weg für billige GSM-Daten-SIM-Karten. Man sieht ja im eBike-Bereich, wie schnell die Entwicklung geht…

  • Bruno Krüttli sagt:

    Das Gesetz muss geändert werden: Fahrrad-Diebstahl gilt rechtlich als Entwendung (bzw. Gebrauchsleihe). Der Dieb begeht deshalb höchstens ein Bagatell-Delikt. Doch das war m.E. früher. Heute beträgt der Wert eines Bikes (siehe Blog) im Schnitt Fr. 1’000 oder mehr. Zum Vergleich: Begeht jemand, der Fr. 1’000 stiehlt, ein Bagatell-Delikt? Deshalb: Fahrrad-Klau muss als Diebstahl und nicht als Entwendung, qualifiziert werden. Die Folge wären schärfere Strafen. Und sinkende Diebstahl-Quoten.

  • Paul Seidl sagt:

    Meine beiden edlen Velos haben zusätzlich zum Schloss Steckpedale. Die sind mit zwei Handgriffen abgenommen. Wer stiehlt schon ein Velo, wenn er nicht damit wegfahren kann?

    • Walter Boshalter sagt:

      Profis, die mit dem Kastenwagen vorfahren.

    • U. Natraktor sagt:

      Ich habe immer einen Satz Steckpedale dabei, für den Fall, dass dem Velo, welches ich klauen will, die Steckpedalen vom Besitzer abgenommen wurden. Recht praktisch, diese Steckpedale.

  • U. Natraktor sagt:

    Ich behaupte auch, dass gerade mit den Velos sehr viel Versicherungsbetrug gemacht wird. Die Beträge in den Einzelfällen sind nicht gross genug, als dass sich eine genauere Untersuchung des Falles rechnen würde. Ein Velo kann man zudem sehr einfach verschwinden lassen – oder ebenso einfach zur Unkenntlichkeit (zum Original) modifizieren, umspritzen oder mit Farbe bekleckern. Und falls das Velo einigermassen gut aussieht, muss man es nicht mal selber verschwinden lassen – man kann es einfach irgendwo stehen lassen und dann den Verlust melden.

  • Andy sagt:

    In Brasilien wird auch gerne mit einem langen dünnen Seil gesichert: Siehe Videos nach der Suche „brazil bike theft prank“ (z.B. v0Ngfwr41U4) auf Youtube.

    • Fabian Scherer sagt:

      Hammergeil das Video.
      Leider nützt diese Art von „klau-Erziehung“ wohl nur soweit, dass der Dieb sein nächstes Bike sicher vorher gut inspiziert.
      Als nachfolgendes Video auf die european challenge hat mir YT das folgende Empfohlen:
      NX9wHZSRTl0
      (Wenn schon schmerzhafte Bestrafung, dann doch gleich der „elektrische Stuhl“)
      Im Schweizer Rechtssystem würde man als Ausführer solcher pranks aber wohl leider noch strenger bestraft als der Velodieb :-(

  • Benni Aschwanden sagt:

    Gibt es eigentlich akustische Alarmanlagen für Fahrräder? Bei Motorrädern lassen sich Alarmanlagen einbauen, die neben Manipulationen am Zündschloss auch Änderungen des Neigungswinkels registrieren.

    • U. Natraktor sagt:

      Ein Velo, dass seinen Neigungswinkel schon bei einem starken Windstoss ändern kann, oder wenn irgend ein Passant rankommt, ist wahrscheinlich kein geeignetes Objekt für eine Alarmanlage, die über eine Neigungswinkeländerung ausgelöst wird. Abgesehen davon gibt es noch das Problem mit dem Strom und der Sichtbarkeit der Anlage. So einfach runterzubringen wie beim Motorrad, ist das beim Velo nicht.

      • Tourenbiker sagt:

        Bitte keine Alarmanlagen – der Ärger mit lästigen Fehlalarmen ist vorprogrammiert. Wer schon im Ausland war, weiss, dass sich niemand mehr umschaut, wenn so ein Alarm abgeht (weil es eben allermeistens Fehlalarme sind…)

  • bena Habena sagt:

    besser als eine Notiz ist eine Fotografische Dokumentation des Fahrrades aus dieser gehen auch Details des Rades (Farbe/ Bauart) klar hervor!

  • Roland K. Moser sagt:

    Irgendwo anschliessen, wie oben beschrieben und zusätzlich noch das Vorderrad und/oder den Sattel entfernen und mitnehmen.
    Das Stehlen macht nicht mal mehr grossen Sinn, wenn ein paar mit dem Lieferwagen unterwegs sind.
    Alternativ: Man kauft sich ein Dorf-Velo und geht damit raus, anstatt mit der überteuerten Mode-Rennbüchse. Dort reicht das Abschliessen mit dem normalen angebauten Schloss. Hoffe ich wenigstens.

    • Christoph Bögli sagt:

      Zu ersterem: Das dürfte relativ wirksam sein gegen Gelegenheits- und Gebrauchsdiebe, aber bei Profis, die mit dem Lieferwagen auf grosse Diebestour gehen hilft oft nicht mal mehr das weil auch einzelne Komponenten begehrt sein können. Manche zerschneiden mittlerweile sogar den Rahmen um das Schloss zu umgehen, da ist ein leicht ersetzbarer Sattel keine grosse Abschreckung. Ausserdem ist der Ansatz auch eher unpraktikabel in vielen Situationen. Wer will schon bei jedem Halt Sattel und Rad abmontieren und das Ganze dann noch mitschleppen, etwa in Kino, Restaurant oder Laden hinein?
      Zu zweitens: Hilft, aber selbst die sind leider alles andere als heilig. Mir wurden schon rostige Schrottvehikel geklaut, die kaum mehr fahrtüchtig waren. Keine Ahnung, was die Diebe damit machen..

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