Welche Bergbücher sind ein Geschenk?

Im Herbst und rechtzeitig auf Weihnachten erscheint jeweils eine grosse Auswahl an Berg- und Alpinbüchern. Hier sind fünf Tipps. Jeder Band ein Geschenk – an uns und zum Weitergeben.

Bildband "Die Alpen"

Eine Besonderheit. Dieser Bildband porträtiert den gesamten Alpenraum von Monaco bis Ljubljana. Geografisch und geologisch bildet das Gebiet von der Côte d’Azur bis Slowenien eine Einheit, aber kulturell und klimatisch könnte es kaum unterschiedlicher sein. Acht Millionen Menschen aus acht Nationen bevölkern heute die Alpenregion. Sie sprechen acht verschiedene Sprachen.

Der Bergsteiger, Pilot und Profi-Fotograf Matevz Lenarcic hat die 1200 Kilometer aus dem Ultraleichtflugzeug eingefangen. Seine ungewohnten Perspektiven faszinieren auch beim zweiten, dritten, vierten Anblick. Details und Eigenheiten der Gletscher, Gebirgsketten, Seen und Schluchten – auch aus der Schweiz – rücken in diesen grossformatigen Panoramabildern besonders eindrücklich ins Zentrum (Format 37,8 x 28 x 4,4 Zentimeter, total 5 Kilo schwer).

Dazu erläutern Experten u. a. die Bedeutung der Alpen als Wasserreservoir und als Lebensraum für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren, die Auswirkungen der Klimaerwärmung und die Folgen des alpinen Tourismus.

«Die Alpen» von Matevz Lenarcic. Dieser Bildband wurde von der Unesco gefördert und erschien im Delius Klasing Verlag. 512 Seiten, 250 Farbfotos, davon 200 auf Doppelseiten, 7 Karten, 15 Zeichnungen. Gebundene Ausgabe 103 Franken.


Eine Bereicherung. Hans Grossen, 1944 geboren, schuf ein Werk, das Kletterer lieben werden. Selber ein hervorragender Alpinist, hat der Buchautor in den vergangenen Monaten akribisch recherchiert und unermüdlich Informationen zusammengetragen, wie es sie in dieser Vollständigkeit noch nicht gab. Er stellt 79 alpine Sportklettereien, voralpine Gebiete und Klettergärten im Berner Oberland vor, berichtet über ihre Erschliessung. Dazu stellt er authentische Bilder, die teils von Profis, teils von Kletterern selber aufgenommen wurden. Inbegriffen sind 24 Textporträts von Erschliessern, die Geschichte der Freikletterei und deren Entwicklung in der Schweiz – und wie das Yosemite Valley (USA) diese Bewegung beeinflusst hat.

«Sportklettern Berner Oberland» von Hans Grossen
erschien soeben im Filidor Verlag von Känel, Reichenbach. Masse 21 x 28 Zentimeter. 240 Seiten. Gebundene Ausgabe 68 Franken.


Ein Muss. Extrembergsteigen ist nach wie vor eine Männerdomäne, aber Frauen holen auf. Eva Maria Bachinger, 1973 in Österreich geboren, hat nicht nur mit den derzeit bekanntesten Höhenbergsteigerinnen gesprochen, sie macht einen Streifzug durch die ganze Geschichte des Frauenbergsteigens und lässt alle bedeutenden Alpinistinnen der vergangenen Jahrzehnte aufleben. Erfreuliche und traurige Geschichten über Motivation, Ziele, den Kampf ums Überleben und den Tod am Berg. Alles dicht und schnörkellos zusammengefasst. Sehr lesenswert.

«Die besten Bergsteigerinnen der Welt» von Eva Maria Bachinger erschien im Milena Verlag. 247 Seiten. Klappenbroschur, 35 Franken.


Ein wahres Abenteuer. Obschon von Geburt an blind, sieht Andy Holzer die Welt oft präziser als Sehende. Um steile Felswände und die höchsten Berge der Erde zu erklimmen, reichen ihm Hände, Ohren, Nase und Mund. Er besuchte nie eine Blindenschule, wuchs ganz normal in einem kleinen Dorf in den österreichischen Dolomiten auf, fuhr Velo, war begeisterter Langläufer, lief einen Marathon.

Seine Liebe zu den Bergen entdeckte er als Bub, seine Leidenschaft für den Alpinismus in der Jugend. Fünf der Seven Summits, die höchsten Berge der Kontinente, hat er schon bestiegen. Grenzen, die sein Handicap mit sich bringen, überwindet er mit mentaler Stärke und Vertrauen. Nun hat der 44-Jährige seine bewegende Lebensgeschichte aufgeschrieben und berichtet von seinen bisherigen Expeditionen. Er öffnet den Lesern die Augen, steckt sie an mit seiner Fröhlichkeit, seinem Lebensmut und seinem Humor. Dieses Buch berührt nicht nur Bergsteiger.

«Balanceakt – Blind auf die Gipfel der Welt» von Andy Holzer erschien im Walter Verlag, Mannheim. 229 Seiten. Gebundene Ausgabe 33.90 Franken.


Ein Krimi. Wer sprachliche Raffinesse schätzt, ist bei Emil Zopfi (67) richtig. Dem begeisterten Sportkletterer, der sich schon oft im ligurischen Klettergebirge bewegte, gelang mit «Finale» ein weiterer, spannender Bergkrimi. Ein Klettersturz mit chaotischer Rettung, ein Paar mit Beziehungsproblemen, eine verschwundene Augenzeugin, geheimnisvolle SMS, Zweifel am Unfallhergang, Karriereentscheidungen – Genuss bis zur letzten Zeile. Der Glarner gehört zu den wenigen Schweizer Autoren, die sich seit Jahrzehnten intensiv der Alpinliteratur widmen.

«Finale» von Emil Zopfi erschien im Limmat-Verlag. 233 Seiten. Gebundene Ausgabe 35.90 Franken. Die zweite Auflage erscheint noch vor Weihnachten.

Sind Ihnen weitere Werke aus dem Bereich Bergsport und Alpinismus aufgefallen, die Sie empfehlen möchten? Ergänzen Sie die Liste – schreiben Sie einen Kommentar.

6 Kommentare zu «Welche Bergbücher sind ein Geschenk?»

  • marcus sagt:

    ich empfehle keine staubfänger mehr. kauft steigeisen oder sonstwas praktisches!

    • Markom sagt:

      Hey Marcus, warum so negativ sarkastisch.? Was gibt es schöneres als ein schönen Bildband über die Alpen.? Wer die Berge liebt, kuckt sie sich sicherlich auch einmal zu Hause auf dem Sofa an,und findet so vielleicht auch neue Ziele. Also ich werd mir bestimmt “ Die Alpen“ zulegen,(oder schenken lassen;-), obwohl ich schon in fast in jedem Teil der Alpen unterwegs war, on the tops und unten.
      viele Grüße aus Basl

  • Rene sagt:

    @Moritz: Bianco ein Alpin- oder Berg Buch? Are you choking?

  • Moritz sagt:

    Und ein weiterer heisser Tipp für alle, die die Alpen lieben: das BIANCO Alpine Lifestyle Mag (www.biancomag.ch), ein klasse Magazin find ich.

  • gemschi sagt:

    Eins habt ihr vergessen: Helvetic Backcountry! In den Alpen kann man nicht nur Bergsteigen, sondern auch Snowboarden;-)

  • Johanna sagt:

    Schöööne Empfehlungen! Ein paar davon kenne ich schon.

    Und einen Tipp hab ich auch noch: Ich lese gerade einen hochwertigen Bildband „Eiszeit“, der die Expedition von Thomas und Alexander Huber gemeinsam mit ‚eurem‘ Schweizer Stephan Siegrist in die Antarktis dokumentiert.

    Die Bilder sind der Wahnsinn, die Geschichten spannend.
    Gerade erschienen bei Frederking & Thaler.
    Mit Kommentaren, Geschichten aller Beteiligten – auch der Fotograf/Kameramann Max Reichel kommt zu Wort.

    Sehr lesenswert.

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