
Dieser Schnappschuss setzte 2005 neue Massstäbe für eine puristische und authentische Vermarktung des Alpinsports. Vince Anderson auf dem Nanga Parbat. Es zeigt den Schmerz und die Erleichterung eines Extrem-Bergsteigers, wenn er auf 8125 Meter Höhe den Gipfel über eine spektakuläre, neue Route erreicht. Kein Sponsoring-Logo, keine gestellte Pose, keine druckreife Qualität. Aufgenommen hat das Bild sein Seilpartner Steve House. Trotzdem: Die Erde hat seither nicht aufgehört, sich zu drehen: Auch im Alpinismus gabs Weiterentwicklungen.
Eines muss ich Profi-Alpinisten lassen: Sie sind ein eigenartiges Völkchen. Hartgesottene Kerle, die sich in die Todeszone wagen. Manche werden so überheblich, dass sie ihren Kollegen nicht mal gratulieren können, wenn die auch einen Gipfelerfolg haben. Lieber lästern und fluchen sie über andere und diffamieren deren Leistungen, wo und wann es geht. Kurz: Berufsbergsteiger mögen sich gegenseitig oft nicht mal Kopfschmerzen gönnen.
Ein seltsames Bashing
Vergangene Woche stiess ich auf einen Artikel in der zweiten grossen Zürcher Zeitung. Geschrieben wurde er von einem Berg-Fotografen. Titel: «Ohne Bilder lässt sich der Alpinsport nicht vermarkten.»
Es ging darum, wie sich die Fotografie im Alpinismus entwickelt hat. Dass früher vor allem «zu dokumentarischen Zwecken» Bilder gemacht wurden, dann aber die Medien begannen, sich für die «jungen, verrückten Sportler» zu interessieren und daraus «rasant» ein interessanter Markt für Sponsoren wurde. Seither stehe nicht mehr die Leistung, sondern das Bildmaterial und die Vermarktung im Vordergrund.
Der Autor wetterte über gewisse Bergsteiger, die es in die Medien schaffen, beschrieb mit «Faustregeln», was eine gute Tour sei, und rührte gleichzeitig die Werbetrommel für seine Lieblingsmotive: jene Alpinisten, die er fotografiert.
Im Abschnitt «Nur lebend zurückkommen», schrieb er zum Beispiel:
(…) Wer am Abend im Hängebiwak in einer hohen Wand noch spektakuläre Bilder übermitteln und mit seiner Fangemeinde bloggen kann, der befindet sich vermutlich nicht ganz am Limit. Weder Reinhold Messner bei seinem Sologang am Everest noch Steve House und Vince Anderson in der Rupalwand, noch Ueli Steck und Simon Anthamatten am Tengkampoche wären bei ihren aussergewöhnlichen Extremtouren im Biwak auf die Idee gekommen, mit der Welt via Blog darüber zu sinnieren, wie sich die neue Route benennen liesse. Was sie interessierte, war nur eines: lebend zurückzukommen (…)
Ich muss gestehen, es sind süffig formulierte Sätze. Aber so falsch, dass mir jeder Baum leid tut, der für das Zeitungspapier gefällt werden musste.
Unter anderem ist von einer «hohen Wand» die Rede und von bloggen mit der Fangemeinde. Ich vermute stark, dass dem Autor unser Berg-Blog nicht gefallen hat, mit dem wir hier im Sommer eine Grönland-Expedition begleitet haben und der täglich von Tausenden gelesen wurde.
Tatsache ist: Es wurden nie Bilder aus dem Hängebiwak in der Big Wall übermittelt. Der Blog wäre hier in ganzer Länge und Vollständigkeit nachzulesen – hätte man erst recherchieren wollen.
Dann seine Schlussfolgerung, Messner, House, Anderson, Steck und Anthamatten habe nur eines interessiert: lebend zurückzukommen. Wie witzig! Welchem Bergsteiger geht es nicht darum? Und: Messner, House, Anderson, Steck und Anthamatten wären nicht auf die Idee gekommen, mit der Welt via Blog darüber zu sinnieren, wie sich die neue Route benennen liesse. Wirklich? Richtig ist wohl eher: Sie sind nicht als erste auf die Idee gekommen. Und die Frage lautet: Wer genau hats erfunden?
Denn einer der Erwähnten informiert die Schweizer Medien regelmässig via SMS, wenn er auf Expedition ist, nimmt sogar ganze Fernsehteams mit in den Himalaja. Ich las schon Berichte über ihn, da stand: Das letzte SMS erreicht die Redaktion am Montag, dem 19. Mai, 13.54 Uhr: «Sind immer noch am Warten. Wetter unbeständig. Langsam rinnt die Zeit davon, Sch…!» Oder: «Bin gerade zurück im BC. Brauche nun erst mal ein bisschen Schlaf. Auf bald.»
Es hat genug Platz für alle
Ob ein Bergsteiger im Basislager nun zum Telefon greift und anruft, damit eine Journalistin einen Blog aufzeichnen kann, oder ob er den Journalisten SMS-Nachrichten schickt – im Grundsatz ist es doch das selbe. Oder nicht? Und beides finde ich in Ordnung.
Wir sind im Jahr 2010, «Alpinismus 2.0» wurde erfunden. Auch Reinhold Messner entwickelte sich weiter. Wäre er so altmodisch und verbissen eingestellt, hätte er die Grönland-Expedition in unserem Blog nicht offiziell und lobend kommentiert. Und Vorzeige-Purist Steve House (USA) hat mir schon zwei Mal ein Interview für diesen Blog gegeben und Bilder geschickt. Er Twittert sogar.
Wo also liegt das wahre Problem?







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Laurens van Rooijen (38) ist seit 1989 mit dem Velo im Gelände und seit 2000 als Velo-Journalist unterwegs – bis Ende 2004 als Redaktor der Zeitschrift MOVE, seither als freischaffender Journalist in Sachen Fahrrad für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Web-Formate. Er schreibt neu im Ressort
Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 






















































































Nun, der Artikel in besagter Zeitung ist sicher etwas überzeichnet. Und es geht dem Autor glaube ich auch nicht darum, eure im Blog dolumentierte Grönland-Expedition zu kritisieren (die ich im Übrigen sehr spannend fand).
Er nennt ja die Besteigung des Cerro Torre von David Lama mit seinem Kamerateam als Negativ-Beispiel, wie nicht mehr die eigentliche Besteigung im Vordergrund steht, sondern dass vermarktungsfähige Bilder entstehen. Auch die Besteigung der vierzehn 8000er durch Oh-Eun Sun wurde medial inszeniert, wodurch ihre eigentliche Leistung nun in den Hintergrund rückt.
Das bringt aus meiner Sicht einfach unsere Zeit mit sich: weil es technisch möglich ist, wird gebloggt, gesimst und getwittert. Das finde ich auch absolut okay, denn das Erlebnis auf dem Berg wird sozusagen virtuell erweitert, dokumentiert und anderen zugänglich gemacht.
Schwierig kann es werden, wenn man die eigentliche Tätigkeit (das Bergsteigen) nicht mehr um ihrer selbst Willen tut, sondern nur noch, um darüber zu bloggen, twittern und simsen. Und das meinte wohl der Autor des besagten Artikels. Im Falle des David Lama muss ich ihm auch Recht geben. Letztlich ist aber jeder selbst dafür verantwortlich, warum und wie er etwas tut.
Das wahre Problem liegt hier:
1. Röbi Bösch und Thomas Ulrich sind direkte Konkurrenten, spätestens seit es darum ging, wer für den grössten schweizer Bergsportartikelproduzenten arbeitet. Das waren damals und teilweise heute noch prestigeträchtige und lukrative Aufträge.
2. Die Autorin dieses Blogs (die sich “Journalistin” nennt) erträgt es schlicht nicht, dass jemand ihre Arbeit hier zu kritisieren wagt und wohl genauso wenig, dass ein Geograf und Foto-Autodidakt mit einer guten und lesenswerten Schreibe eine Seite in der NZZ erhält. Hat schlicht mehr Relevanz als Wir-lächeln-miteinander-in-die-Kamera-Fotos mit bekannten Alpinisten.
Christoph++
Der Artikel von Robi Bösch ist wirklich lesenswert und man sollte die überzeichneten Aufhänger nicht persönlich nehmen. Ich denke sie waren nur der letzte Auslöser der dazu geführt hat sich mal zu äußern.
Neben der Schlacht der Fotografen um Aufträge balgen sich ja auch alle darum Berufsalpinist zu werden. Das führt unweigerlich zu Platzkämpfen. Das hat ja wenn ich mich recht erinnere auch der mit kritisierte Roger Schäli hier schonmal eingestanden.
Lesenswert in dem Kontext auch ein Interview mit Stefan Glowacz
http://alpin.de/news/news/3e8ee40a-22ba-48b3-be18-088a1c0a30a2
Nur weil sich die Journalistin vom Artikel von Robet Bösch persönlich angegriffen fühlt, ist er weder falsch noch schlecht. Ein wenig Objektivität wäre wohl angebracht.
Wenn in einem Artikel offensichtliche Un- & Halbwahrheiten geschrieben werden, verstehe ich, dass sich die angegriffene Journalistin (Chapeau für den tollen Blog) verteidigt. Nur weil man seine Pfründe davonschwimmen sieht, heisst das noch nicht, dass man über andere herziehen darf. Einfach selber besser machen, zündende Ideen haben und dann wird das sicher auch goutiert.
Also ich fand den Artikel von Robi Bösch auch ganz gelungen. Allerdings war er teils auch widersprüchlich. Einerseits schreibt er, dass Freeclimbing Sport ohne Lebensgefahr sei, andererseits meint er (indirekt), dass es die bloggenden Kletterer in Grönland nicht interessierte, lebend zurückzukommen. Die Idee, diese Grönland-Expedition zu bloggen, und damit auch gewisse Leistungsportler bekannt zu machen, fand ich sehr spannend. Doch wer so einen Blogg führt, muss auch Kritik einstecken können. Und Kritik hagelt es im Alpinismus zur Zeit von allen Seiten.
Der NZZ Artikel mag übertrieben sein. Der Blog der Grönland-Expedition an dieser Stelle war allerdings sicher nicht besser, sondern aus meiner Sicht eine grosse Enttäuschung.
Auf Trekking-Touren habe ich selber schon viele eindrückliche Erfahrungen und Begegnungen gemacht, und dementsprechend habe ich mich bei der Ankündigung des Grönland-Blogs gefreut. Ich erwartete, dass spannende Themen diskutiert werden, weit über das klettertechnische hinaus. Warum macht man heute, in einer Zeit wo man mit genügend finanziellen Mitteln jeden Punkt der Erde recht bequem erreichen kann, noch solche Touren? Was ist die eigene Leistung im Vergleich zu früher, als eine solche Expedition noch viel mehr ein Aufbruch ins Ungewisse war? Was hat die lokale Bevölkerung davon, wenn eine solche Expedition anreist? Sollen die letzten Flecken der Erde in diesem Sinne touristisch genutzt werden? Was für Philosophien gibt es beim Klettern, reisen die einen mit Hubschraubern voll Material an und lassen Abfallberge zurück, und tragen die anderen alles selber hoch?
Stattdessen erhielt man während Wochen oberflächliche Berichte über Expeditionsnahrung, angeblich überforderte Flughafenmitarbeiterinnen und zum Schluss pseudophilosophische Weisheiten vom Berg (“er will mich loswerden”) – enttäuschend. Vom Bild eines Bergsteigers, der sich intensiv mit sich und dem Berg auseinandersetzt (und sich, wie z.B. Sir Edmund Hillary, bis an sein Lebensende für die lokale Bevölkerung engagiert), blieb nichts übrig.
In diesem Sinne verstehe ich Böschs Kritik an der Oberflächlichkeit gewisser Medien.
Ganz meine Meinung. Die endlose Diskussion über die Banalitäten des Lebens und haufenweise Photos von Artikeln der immergleichen Bergsport Ausrüster machen einen Blog nicht spannend.
Liebe Frau Knecht
Wenn Sie Röbi Bösch schon kritisieren wollen, nennen Sie die Sache bitte direkt beim Namen ohne kindischen Zynismus. Was ist Ihr Leistungsausweis im Alpinismus? Auch schon Expeditionen begleitet und mitgeklettert um zu fotografieren? Ihr Outdoors Blog ist durchaus reizvoll und die Artikel über Wandern und Joggen sind lesenswert. In Sachen Alpinismus müssen Sie sich allerdings erst noch ihre Sporen abverdienen. Also, etwas mehr Respekt vor der Konkurrenz und weiterhin viel Erfolg. Bleiben Sie dran.
Lieber Lucas
Danke, dass Sie den Outdoorblog reizvoll und die Beiträge über Wandern und Running lesenswert finden. Zu Ihrer Frage: Nein, ich bin Journalistin und klettere nicht mit, um zu fotografieren. Ich schreibe was ich sehe und erlebe, die Bilder macht der Fotograf.
Mit der Bemerkung “in Sachen Alpinismus müssen Sie sich allerdings erst noch Ihre Sporen abverdienen” sprechen Sie genau das an, was ich heute mit meinem Beitrag kommuniziert habe: die Überheblichkeit unter Bergsteigern. Ich bin besser, nein, ich kann es besser, mein Rucksack war schwerer, bei mir hatte es zehn Zentimeter mehr Schnee, bei mir war es kälter, bei meinem Aufstieg pfiff der Wind noch etwas stärker, du bist die Frau, ich bin der der Mann. Sie wissen sicher, was ich meine.
Darf ich fragen, was Ihr Leistungsausweis im Alpinismus ist? Wir können auch gerne mal gemeinsam eine Bergtour unternehmen und das Thema besprechen, es muss ja nicht gleich die Rupalflanke am Naga Parbat sein. Ich bin bekennende Hobby-Alpinistin, die so viel Zeit wie möglich outdoor verbringt – mit Freude, nicht verbissen. Wenn ich mit Profis am Berg unterwegs bin, strenge ich mich natürlich besonders an. Aber sollte ich mit Ihnen meine grösste Niederlage im Alpinsport erleben: Ich würde ganz ehrlich darüber berichten.
So oder so: Ich bleibe dran.
Bis bald, Natascha Knecht
Könnte es nicht treffender ausdrücken!
Für Leute, die selbst Klettern und Bergsteigen, war ziemlich schnell klar, dass das Zielpublikum des Blogs typische Tagi-Stradtbevölkerung ist, die sich von den Plattitüden und oberflächlichen Berichten (vielleicht) noch beeindrucken lässt.
So etwas würde niemals in den “Alpen” abgedruckt. Sensationsjournalismus für den Pöbel, der keine Ahnung hat.
Lieber Marc
Mir ging es heute um die Überheblichkeit, Missgunst und Wahrheit. Ich habe in der Szene ja schon viel gehört, aber «für den Pöbel, der keine Ahnung hat», noch nie. Ein denkwürdiger Satz.
Freundlich, Natascha Knecht
Wow, Marc, da tust Du Deinem Vorschreiber aber keinen Gefallen. Für mich als Stadtbewohner ist es tatsächlich sehr interessant, den Blog zu verfolgen. Weshalb das normativ schlecht sein soll wird mir nicht klar. Ich finde da auch keine Argumente dafür. Ich werde nie solche Touren machen können, da mir einerseits die Fähigkeiten, andererseits die Zeit dazu fehlen. Deshlab ist es, gerade wenn man ‘nur’ Hobbyberggänger ist, spannend die Ansichten von Profis zu hören. Einfach aus Neugier, nicht aus ‘Sensationslust’. Ich bitte Dich. Wir hier in der Stadt haben auch noch andere Aufgaben zu bewältigen, weisst Du.
Hallo, ich arbeite als freie Journalistin in Deutschland, Schwerpunkt Bergsport, und verfolge diesen Blog aufmerksam und auch gerne, regelmäßig.
Auch habe ich zu genau diesem Thema einen großen Beitrag für das Magazin ALPIN (Mai 2010) geschrieben und mich mit dem Thema und ein paar Akteuren dazu eingehend beschäftigt: “Beruf Profibergsteiger”
Aus meiner Sicht (einer Journalistin) sind mir die “Berg-Blogger”, die sich aus dem Basislager melden, sehr angenehme Partner, denn ich bin regelmäßig auf dem neuesten Stand und kann zeitnah reagieren, Geschichten zumindest schon einmal einer Redaktion anbieten. Höhenbergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner z.B. stellt ihre Neuigkeiten zwar nicht in einen Blog, informiert (und aktualisiert die Homepage) aber per Newsletter auch sehr regelmäßig die Presse, Fans oder einfach Menschen, die wissen wollen, wie es ihr bei einer großen Expedition geht. Nicht täglich, aber alle 3-4 Tage erfährt man auch bei ihr Neues, sofern sie auf Expedition ist. Ich finde, es ist reine Geschmacksache, ob ein Bergsportler diesen Weg wählt oder einen anderen. Es ist in jedem Fall auch “professionell”. Und daran ist nichts auszusetzen. Auch habe ich kürzlich wirklich gerne einen Blog verfolgt, der vom Team rund um Ines Papert am Mount Kysyl Asker/Kirgistan alle paar Tage verfasst worden ist. Ich finde daran nichts Verwerfliches. Ich konnte mitfiebern, war angeschlossen.
Ich kenne natürlich auch einige Alpinisten/Kletterer, die diesen Weg nicht wählen, bewusst auf Informationen während der Expedition verzichten, keine Blogs erstellen und sich erst bei ihrer “community” melden, wenn sie wieder zurück sind. Es gibt einfach Menschen, die froh sind, wenn sie auf Expedition damit nichts zu tun haben. Fein, auch gut. Jeder so wie er mag.
Gute Bilder wollen auch die Leser, also “wir alle”. Und weil das so ist, sorgen die Profis dafür. Auch das ist nicht verwerflich. Ich kann nur aus meiner Sicht sagen: Meine beste Geschichte ist wenig wert, wenn ich dazu keine guten Bilder liefern kann. Eine packende Geschichte lebt von guten Bildern! Herr Bösch, der für die NZZ geschrieben hat, lebt als Fotograf von diesen Bildern direkt, die Sportler ebenso, die Sponsoren auch, und auch ich als Journalistin.
Wer sich “Profibergsteiger” nennt, weil er mit dem Bergsteigen sein täglich Brot verdient, der muss sich nun mal auch vermarkten. Die einen ein wenig offensichtlicher, die anderen dezenter. Steve House bloggt nicht, hat eine spärlich informative Homepage, aber dafür eine sehr aktive und offene facebook Seite. Die Huberbuam bloggen nicht, aktualisieren die Homepage nur, wenn ein Unternehmen erfolgreich war. Glowacz auch. Aber wenn Roger Schaeli einen Blog ins Netz setzt, uns nach Grönland ‘einlädt’, man ihn und sein Team ein kleines Stück weit begleiten kann, finde ich daran keinen Haken. Die Profi-Bergsteiger verkaufen Abenteuer, lassen uns daran teilhaben, erzählen uns ihre Geschichten. Manche bedienen sich moderner Möglichkeiten, andere weniger. Wer ein Problem mit einem Blog hat, sollte ihn nicht lesen, keinen Newsletter abonnieren. Trotzdem reinschauen, ihn verfolgen und kritisieren – das find ich irgendwie nicht so gut
Abschließend: Gerade weil Bergsport keinen fixen Regeln unterliegt, es , abgesehen vom Wettkampfklettern, keine direktes Kräftemessen gibt, treibt ein harter, (aber hintergründiger) Konkurrenzkampf unter den Sportlern besonders üppige Blüten. Da jeder Profibergsteiger auch “seine” Crew hat, Fotografen, Kletter/Expeditionspartner, Journalisten, die einem nahe stehen, überträgt sich unter Umständen dieser Konkurrenzkampf sogar auf diese Ebene.
Als freie Journalistin habe ich den großen Vorteil mir die Themen aussuchen zu können, über die ich berichten möchte. Vorausgesetzt ich finde eine Zeitung, ein Magazin, die meine Themen gut findet. Entsprechend gelassen sehe ich das alles. Ich berichte dann, wenn mir eine Expedition, eine Unternehmung per se gefällt und ich mich darauf verlassen kann, zeitnah gute Infos und Bildmaterial zu bekommen. Entsprechend arbeite ich gerne mit Berg-Profis, die ihren Job auch außerhalb der Wand ‘professionell’ betreiben, etwas zu sagen haben und von mir keine PR Texte erwarten. Roger Schaeli ist einer davon. In seinem Blog hat er lediglich bewiesen, dass er moderner Kommunikation gegenüber aufgeschlossen ist. Das find ich nicht schlimm, sondern zeitgemäß. Lieben Gruß in die Schweiz! Johanna
Meiner Meinung nach ist es in Ordnung, wenn Alpinisten Bilder ins Netz stellen. Die anderen Bergsteiger sind vermutlich neidisch auf diesen gewissen Erfolg. Ob man durch Bilder oder Taten berühmt wird, macht keinen besonders großen Unterschied.
Es ist schön dass Ihr euch alle auf diesen Artikel so austauscht. Es ist nicht die grosse Frage, wie man kommuniziert! Sonderb Was! Das der eine per SMS, der andere per Blog oder Twitter wie auch immer, es muss die Warheit sein und nicht ein halb erfundener Text. Was beim diskutierten Bolgg zutrift.
Ich bin mir bewusst hier harte Worte zu den betreffenden gewählt zu haben. Aber bitte, die Öffentlichkeit / Menschheit hat das recht auf die Warheit. Das ist doch der spruch eines jeden Journalisten.
Wenn Ihr schon von den Expeditionen der Grossen und Kleinen schreiben wollt, dann bitte über die Leistung und zahr so wie sie tatsächlich ist. Und bitte nicht aus einer gemütlichen Klettertour mit etwas Aanspruch eine Expedition machen. Es ist auch sehr fragwürdig, wie gewisse Profibergsteiger Routen und Schwierikeitsgrade neu oder für sich anders bewerten. Wobei diese schon seit langenr zeit immer gleich sind ( ohne Griff oder Felsausbruch).
Ja, in der Tat finde ich es auch gut, dass solche Themen auch kontrovers diskutiert werden. Das ist doch Sinn der Sache.
Und ja, natürlich sollten die Bergsportler tunlichst bei der Wahrheit bleiben. Man muss ja nicht gleich lügen (was aber auch passiert – aber die Wahrheit kommt immer raus), man kann beschönigen, ein Detail weglassen und schon sieht eine Sache anders aus. Nun höre ich aber permanent, dass sich die Bergsportler untereinander gehörig auf die Finger schauen und sich das auch intern regelt, innerhalb der Szene.
Wer nur beschönigt, sich selbst immer besser darstellt als er ist, ist in Kürze weg vom Fenster. Ebenso wie jene, die nur Routen nachklettern, selbst keine Erstbegehungen wagen, aber mosern, kritisieren und eigentlich hinterher laufen.
Thomas, eine ganz offene Frage jetzt an dich: weißt du, wie es tatsächlich war? Warst du dabei bei einer dieser gemütlichen Klettertouren? Ich selbst war nicht dabei, daher verlasse ich mich auf die Aussagen der Sportler selbst. Außerdem: nur innerhalb der wirklichen Szene, und dazu gehörst du offensichtlich, sind die kleinen Details überhaupt relevant. Für die breite Masse, ändert ein Bohrhaken mehr oder weniger rein gar nichts. Das war schon immer so. Und wird auch so bleiben.
Das zeigt sich auch in den unterschiedlichen Reaktionen hier.
Die Cracks innerhalb der Szene beurteilen die Dinge vielleicht anders. Aber der Blog hier nennt sich “Outdoor-Blog” und ist für ganz viele Menschen geschrieben, nicht nur für Kletterfreaks (die werden Fachmagazine lesen).
Ich bin sehr offen für eines deiner Kletterabenteuer, wenn du es schildern magst
Lieben Gruss aus München,
Johanna
Liebe Johanna
Genau so entstehen Helden und schöne Bilder, es ist eben für ALLE! Dies heisst nicht, dass die Öffentlicchkeit kein recht auf die Wahrheit hat. Aber genau Ihr als Journalisten habt es im Griff wer, was und wie Kommuniziert wird. und genau Ihr solltet die Feinheiten, ein Bohrhaken mehr, im Team oder Alleingang werten können. Diese auch in einen Text für Otto Normal einbringen. Oder zumindest relativieren. So ist es doch ein wesentlicher Unterschiet ob eine schwere Kletterroute von 15 Seillängen oder eine Besteigung im Alpinstiel an einem Achtausender ohne Sauertstoff erbracht wird. Bitte nicht Kartoffeln mit Orange vergleichen und auf die selbe Ebene stellen. Dies gilt auch für die Fotografie. Hier giebt es schöne und gestellte Bilder und eben solche die vielleicht nicht ganz der Warheit entsprechen. Im gegenzug aber auch die Unscharfe und wahrheitsgetreuen. Was ziehen sie vor?
Ich missbillige keine dieser Kommunikationsformen und möchte mich auch nicht als Profialpinisten bezeichenen lassen. Aber können Sie mir erklären was zum Beispiel mit Erhart Loretan zu seiner Zeit geschehen ist? Kennen Sie seine Geschichte? Ich bitte sie lediglich um einen massvollen umgang und die Wahrheit. Eben gerade weil sich der Blog hier “Outdoor-Blog” nennt.
Scheinbar haben sie ja auch ein sehr grosses Wissen im bereich Bergsport. Dann teilen Sie es bitte mit all denen die es eben nicht haben und helfen sie Ihnen die Leistungen zu trennen und zu unterscheiden. Dann bin ich mir sicher, dass auch interessante und Spannende Texte und Diskusionen entstehen. Aus welchen wir auch lehrnen und uns weiterentwikeln können. Denn die Spelereien zwischen Röbi, Natascha, Thömi usw. sind ja nur lächerlich. Wie sie gesagt haben, haben sicher schon alle mal etwas weggelassen oder ersetzt. Aber bitte im Mass.
Würde mich freuen sie mal kennen zu lehren?
Gruss Thomas
Diskussionen, in denen immer wieder dieselben Standpunkte variiert vorgebracht werden, sind langweilig. Das Leben wird durch seine Vielfalt erst schön. Banal, ich weiß. Tut mir leid, wenn ich aus Zeit-Mangel heute nicht mehr zur Sache beitragen kann.