Auf diese Projekte fährt der Schwarm ab

Crowdfunding als Jugendförderung: Der Pumptrack in Horw LU ist ein Paradies für Kinder. Foto: flowzone.ch

Crowdfunding als Jugendförderung: Der Pumptrack in Horw LU ist ein Paradies für Kinder. Foto: flowzone.ch

Gute Ideen gibt es viele. Oft scheitert die Markteinführung neuer Produkte aus der Tüftlerkammer am fehlenden Kleingeld. Heutzutage gibt es eine elegante Lösung – einfach die Bevölkerung um Almosen fragen. Nein, nicht am örtlichen Bahnhofsplatz. Im Internet, natürlich. Crowdfunding nennt sich der moderne Innovationstreiber, also Finanzierung durch die Masse. Auf Plattformen wie Kickstarter.com oder Ibelieveinyou.ch stellen Firmen, Vereine und Privatpersonen ihre Projekte vor. Dann heisst es: Werbetrommel rühren und Geld zählen. Internetnutzer können in kleinen Happen mitfinanzieren. In Form einer Vorbestellung und Bezahlung des Produktes, gegen eine Nennung als Spender oder schlicht zur Unterstützung der Initiative. So sammelte ein Münchner Start-up mal eben 2,5 Millionen Euro, um kabellose Interaktivkopfhörer auf den Markt zu bringen. Klingt nicht schlecht, oder?

Tubeless-Ärger ade: milKit verspricht Dreck- und sorgenfreies Tubeless-Handling und hofft auf breiten Zuspruch. Foto: PD

Tubeless-Ärger ade: Milkit verspricht Dreck- und sorgenfreies Tubeless-Handling und hofft auf breiten Zuspruch. Foto: PD

Für eine technisierte und innovationsdrängende Branche wie die Velowelt kommt dieser Trend wie gerufen. Im E-Bike-Bereich hat der Schwarm schon einige Projekte erfolgreich finanziert. Und auch die Mountainbiker baggern am Geldhaufen. Drei Zürcher Biker buhlen aktuell um die Spendengunst, um die Befüllung, Pflege und Wartung von Tubeless-Systemen zu revolutionieren. «Als Start-up im Tech- bzw. Bikebereich mit einem populären Thema bietet sich Crowdfunding natürlich an», sagt Pius Kobler, einer der Erfinder von Milkit. Die Idee für das Produkt kam ihm auf einer Biketour, als diese mit ausgetrockneter Tubeless-Milch und einem Plattfuss endete. «Das kann doch nicht sein, dass das mir als Maschineningenieur und Biketüftler passiert. Was machen denn die Leute, die von Technik keine Ahnung haben?», dachte er sich.

Jetzt steht das System, das den Füllstand der Dichtmilch messen und variieren kann, ohne den Pneu zu demontieren, kurz vor der Markteinführung. Auf der Plattform Indiegogo.com kann das System bereits gekauft – oder zumindest bezahlt – werden. Interessenten treiben damit die Entwicklung voran. Für die Gründer sinkt das finanzielle Risiko enorm. Mit der Sport Components AG hat Kobler ein klassisches Start-up gegründet, Veloinnovation im Windschatten der Bevölkerung. Ganz bewusst wurde die Firma, die auf dem Tubeless-Messsystem basiert, nicht Milkit AG genannt. «Dies sagt schon aus, wo wir hin wollen: Unser Ziel ist es, innovative Komponenten für Fahrräder zu entwickeln. Wir haben bereits ein zweites Patent für ein neues Produkt angemeldet, und dies soll nicht das letzte sein», sagt Kobler.

Der Pumptrack in Horw: Mit Handkraft und Schwarmfinanzierung zum Spielplatz für die Bikegemeinde. Foto: flowzone.ch

Der Pumptrack in Horw: Mit Handkraft und Schwarmfinanzierung zum Spielplatz für die Bikegemeinde. Foto: flowzone.ch

Crowdfunding beschränkt sich aber nicht auf kleine Tüftler-Neugründungen. Auch etablierte Firmen greifen auf die kosteneffektive Art der Finanzierung zurück. Der US-Spezialist für Bike- und Outdoorbeleuchtung Light & Motion sammelt aktuell für eine Go-Pro-Lampe.

Eine weitere Ebene, für die Schwarmfinanzierung wie geschaffen ist, sind gemeinnützige Aktionen, etwa der Bau von Bikestrecken. Schönes Beispiel ist der Pumptrack in Horw. Spenden sollen das Projekt zu einem nachhaltigen Ende bringen und einen Ausbau ermöglichen. Die Bikegemeinde und die Bikejugend werden es den Unterstützern danken.

Ob wohltätige Spende oder Starthilfe für den nächsten Technik-Hype: Beim Crowdfunding entscheidet der Schwarm über Erfolg und Misserfolg. So hat jeder Biker die Möglichkeit, seine Favoriten voranzubringen. Und miese Projekte werden eiskalt mit dem Daumen nach unten bestraft.

Prämierte Gründer: Das Tubeless-System milKit hat den Swiss Startup Award abgeräumt. Foto: PD

Prämierte Gründer: Das Tubeless-System Milkit hat den Swiss Startup Award abgeräumt. Foto: PD

Abzocke oder fairer Deal – was halten Sie von Crowdfunding? Haben Sie selbst schon derartige Projekte unterstützt? Sehen Sie Crowdfunding als echte Chance für grosse Bike-Innovationen?

3 Kommentare zu «Auf diese Projekte fährt der Schwarm ab»

  • Remo Gasser sagt:

    Der Name vom beworbenen Produkt ist einfach Genial. 3-fach genial sogar. Ersten: milk + it bedeutet ‚melke es‘. Zweitens: Kit bedeutet, dass es ein set aus Ventil und Spritze ist und drittens: die Assoziation von Milch und Schweiz.
    Das Problem, das die sympathischen Jungunternehmer mit ihrem Produkt lösen möchten, ist meineserachtens aber doch zu klein um gross Geld zu verdienen. Ich hatte jedenfalls noch nie Probleme mit Flüssigkeiten im Pneu. Aber trotzdem: Toi Toi Toi.

  • Jerome Doster sagt:

    Eine etwas sonderbar wirkende Abschlussfrage nach einem solchen Artikel von einem Autor, dessen Berichte ich immer gerne lese. Ob der Deal fair ist, muss jede/r für sich entscheiden. Von Abzocke kann aber keine Rede sein, ist es doch jeder und jedem Einzelnen überlassen, ob sie/er Geld investiert oder nicht.

  • Crowdfundig ist eine viel interessantere Finanzierungsmöglichkeit als die gewerbsmässig steuerkriminellen Banken mit Zinsen zu füttern.
    Stimmt das? Entweder man liefert für das bereits erhaltene Geld bereist gekaufte Ware, oder man zahlt das Geld zurück, oder man erhält das Geld einfach so?

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