Mein nächstes Ziel ist kühner und reizvoller als alles, was ich bisher gemacht habe: Die Erstbegehung einer anhaltend senkrechten 1400-Meter-Felswand in Ostgrönland. Sie wird alles von mir abverlangen. Kraft, Ausdauer, Geschick, Nerven. Ich kann kaum noch warten, bis es Ende Juli endlich losgeht. Noch zwölf Tage!
Die Wand ist nicht nur unbegeangen, sondern höchst wahrscheinlich auch unberührt. Deshalb existieren keine genauen Informationen, und ich kann lediglich vermuten, was mich erwartet. Der Gipfel hat wahrscheinlich nicht einmal einen offiziellen Namen.
Ein wunderschöner Berg, der direkt aus dem Meer ragt. Ein echter Eyecatcher, der mich auf Anhieb faszinierte. Entdeckt hat ihn Fotograf Thomas Ulrich auf einer seiner früheren Reisen.
Anhand der Bilder kann ich abschätzen, dass die Kletterschwierigkeit im 9. alpinen Grad liegen wird. Im oberen Teil wahrscheinlich schwieriger. Für die Erstbegehung einer Steilwand in dieser Dimension komme ich damit wohl an die heutigen alpinistischen Grenzen, zumindest in den Schlüssellängen. Aber ich bin zuversichtlich, habe Erfahrung und besitze das nötige Kletterniveau.
Brüchiger Fels und keine Rega
Das grösste Problem wird der brüchige Fels sein. Steinschlag ist garantiert. Das verrät mir der viele Schotter unten am Wandfuss auf dem Gletscher. Und ich weiss es, weil ich vor drei Jahren in Grönland schon einmal eine Erstbesteigung gemacht habe, damals über eine 600-Meter-Wand. Da hatten wir dieselbe Situation. Die Felswände dort sind bekannt für ihre losen Strukturen. Manche sind darum sogar gänzlich unkletterbar.
Das Wetter ist im August ähnlich wie bei uns im April: wechselhaft. Es kann zwei Wochen unablässig regnen, sogar schneien. Das wäre der schlimmste Fall, weil das Schmelzwasser über den Fels rinnt und die Kletterei in den nassen Passagen sehr heikel würde.
Ausserdem befindet sich der Berg in einer schroffen und völlig entlegenen Gegend: mit dem Schlauchboot rund zwei Tage von der Zivilisation entfernt. Es gibt kein Funknetz, die Kommunikation nach aussen wird nur über das Satellitentelefon möglich sein.
Im Notfall könnte ich in dieser Abgeschiedenheit mit keiner Rettung rechnen. Aber darüber denke ich gar nicht nach. Ich gehe ja dorthin, weil ich Neuland entdecken möchte und die wahren Abenteuer suche. Mich lockt das Ungewisse, die Herausforderung, auf mich selbst gestellt zu sein. Und was macht es schon für einen Unterschied? Wenn ich abgestürzt bin, bin ich abgestürzt. Da hilft auch ein Helikopter nichts.
Irgendwie geht es immer. Ich bin es gewohnt, die Gefahren objektiv einzuschätzen und mich gut vorzubereiten. Das Überleben steht an oberster Stelle, das ist klar. (Aufgezeichnet von Natascha Knecht)











Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Anette Michel ist Umweltnaturwissenschaftlerin und im Bereich Energieeffizienz tätig. Daneben hat sie mehrere Jahre als Velokurierin gearbeitet und dabei ihre Leidenschaft fürs Fahrrad entdeckt. Sie fährt seit fünf Jahren in ihrer Freizeit Rennvelo. Sie schreibt im Ressort 















































Grösster Respekt vor der alpinistischen Leistung. Gerade in Grönland wie auch in der Antarktis gibt es noch viele Berge und Bigwalls die erklommen werden wollen. Die ganze Kommerzialisierung ist aber lächerlich. Muss Herr Schaeli wirklich live aus Gröndland bloggen? Früher begnügten sich die Alpinisten mit einer Umfangreichen Dokumentation und danach gab es einen spannenden Vortrag oder eine schöne Tonbildschau.
Zum Thema Kommerzialisierung:
Wovon soll Roger sonst leben? Huberbuam, Ueli Steck, Stephan Siegrist etc. leben von Sponsoren. Die vermarkten sich schon lange. So eine Expedition will auch bezahlt sein. Roger bewegt sich im selben Niveau wie die Erwähnten, doch kannte man ihn bis dato ausserhalb der ‘Szene’ kaum. Wird Zeit, dass seine Leistungen nicht mehr nur Insidern bekannt sind und er gut gesponsort wird, er hat es verdient.
Das bloggen aus Grönland ist jetzt auch nicht mein Ding. Ich hoffe eher, dass es danach eine schöne Multivisionsshow von Roger bei Explora gibt.
Viel Erfolg Roger und komm heil zurück
Gruess, Christian
Zum Thema Grönlandexpedition:
Der Anteil der bisherigen wissenschaftlichen Schweizer Grönlandforscher ist bemerkenswert., Jetzt soll das auch noch bergsteigerisch (=alpinistisch), zunächst in der “Bigwall” intensiviert werden. Die Initiative von Roger Schaeli für seine bergsteigerische Entdeckungsexpedition in der ” Biigwall ” verdient Anerkennung. In der Umgebung der ” Bigwall”, z.B im nürdlich gelegenen Gebiet der Werner Bjerge waren beispielsweise in den Jahren 1953 und 1954 mehrere Schweizer Geologen im Auftrage von Dänemark erfolgreich tätig. In jungen Jahren durfte ich als “Sherpa” dabei sein. Um ein Bild von dieser Gegend machen zu können siehe http://www.geus.dk/minex/go06-dk.htm. Zu den dort vermerkten Forschungsergebissen haben auch Schweizer wesentlich beigetragen. Zu begrüssen wäre es, wenn die bergsteigerischen Entdeckungen und Erfahrungen von Roger Schaeli in der “Bigwall” auch ergänzende Synergien zu bisherigen Schweizer-Forschungsergebnissen liefern könnten. Viel Erfolg bei diesem Pioniervorhaben!
Hallo,
Einen schönen, stilvollen und informativen Blog hast du hier, der Inhalt ist ja wirklich umfangreich. Exemplarisch steht dafür dieser Artikel…
Immer wieder schön zu sehen das sich Leute noch so viel Mühe machen.
Mfg
Grönland
Man fragt sich schon, warum die Leute sowas tun.