Doping für die Motivation

Manchmal muss man sich etwas Neues gönnen, um sich zu motivieren: Beschwingte Läuferin. (Foto: Flickr)

Manchmal muss man sich etwas Neues gönnen, um sich zu motivieren: Beschwingte Läuferin. (Foto: Flickr)

Sind Sie beim Sport eher der Typ Geniesser oder der Typ Kämpfer? Oder anders gefragt: Wie gerne quälen Sie sich? Welche Freundschaft pflegen Sie mit Ihrem inneren Schweinehund?

Ich selber zähle mich zu den Genusssportlerinnen. Wenn ich eines nicht ausstehen kann, dann Leiden. Wenn ich beissen muss, um auf den Uetliberg zu joggen, bin ich danach zwar stolz auf meinen Durchhaltewillen, aber Spass hatte ich nicht wirklich. Viele meiner Sportsfreunde sind anders. Sie haben mehr Freude, wenn sie gelitten haben, wenn sie ihre letzte Energie wie auf Knopfdruck abrufen konnten.

Darum hilft bei mir nur eines: Öfter trainieren. Laufe ich nur ein Mal pro Woche, ist es jedes Mal eine Tortur. Gehe ich zwei Mal pro Woche, wird es besser. Laufe ich regelmässig drei Mal pro Woche, beginnt der Spass. Und bei vier oder fünf Einheiten, möchte ich gleich noch ein sechste, oder siebte anhängen, weil ich jedes Training richtig geniesse.

Doping für die Motivation brauche ich normalerweise nicht. Aber nachdem ich aufgrund meines Unfalls viele Wochen sportlich ausgefallen bin, ist meine Kondition jetzt leider im Keller. Und meine Triebfeder eingerostet. Seit ich wieder Sport treiben darf, kostet es mich Überwindung, meine Laufschuhe zu schnüren. Ich habe keine Lust auf Leiden, ausserdem hatte ich mich gerade daran gewöhnt, dass die Abende auf dem Sofa auch ganz nett sein können.

Neu gepaart

«Kauf dir eine Motivationspritze», riet ein Kollege. In dieselbe Richtung zielte die Anregung eines anderen Bekannten: «Wenn ich mal keine Lust auf Sport habe, ziehe ich immer etwas Neues an. Das motiviert mich immer. Neue Sachen auszuführen, macht halt schon Spass.»

Die neuen Schuhe von Adidas sind offensichtlich Aufsteller: Werbung für die Energy-Boost-Schuhe. (Foto: Adidas)

Die neuen Schuhe von Adidas verschaffen ganz offensichtlich Auftrieb: Werbeplakat für Energy-Boost-Schuhe. (Foto: Adidas)

Gut gemeinte, plausible Ratschläge sollte man annehmen, oder? Ich bin jetzt also Besitzerin von neuen Laufschuhen. Ich möchte hier keine Werbung für Marken machen, aber die Ironie ist die Folgende: Der Schuh passt perfekt zu meinem Motivations- und Konditionsloch. «Energy Boost» heisst das Modell. In Fachzeitschriften und Läufer-Foren wird seine Sohle als Revolution im Laufsport gerühmt. Eine neue Generation sei geboren, heisst es da. Ob das so ist, kann ich nicht fachkundig beurteilen, von Technologie verstehe ich zu wenig. Meistens kaufe ich einfach den besten Schuh, den es gerade im Ausverkauf gibt.

Mit dem «Energy Boost» bin ich nun aber eine Paarung zu einem bestimmten Zweck eingegangen. Was ich von ihm sagen kann: Er ist sehr leicht und angenehm, läuft sich definitiv anders als all meine anderen Schuhe. Aber vor allem motiviert er mich, mich aufzuraffen und beschert mir dadurch Erfolgserlebnisse. Wir hatten inzwischen schon einige Stunden Spass zusammen im Wald. Und ich merke, dass meine Fitness so sicher zurückkommt wie der Frühling und die damit verbundenen Gefühle. Es gibt Tricks, den inneren Schweinehund zu bodigen. Im Moment gebe ich ihm einfach den Schuh und mir den Boost.

Auf welche Motivationshilfen schwören Sie?

Liebe Leserinnen und Leser, über Ostern kann es etwas länger dauern, bis ihre Kommentare freigeschaltet werden. Die Redaktion.