Fahrradhändler im Todeskampf?

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Angeschlagenes Geschäftsmodell: Velos warten in Zürich auf Käufer. (Bild: Keystone)

Angeschlagenes Geschäftsmodell: Velos warten in Zürich auf Käufer. (Bild: Keystone)

«Velohändler kämpfen ums Überleben», titelte die «Basler Zeitung» in einem Hintergrundartikel vom 6. Februar. Das Phänomen des Einkaufstourismus kennen allerdings nicht nur die Basler Fahrradfachhändler. Die oft kritisierte Hochpreisinsel Schweiz ist klein und der grenznahe Fachhändler im Ausland meist nicht weit. Egal ob im Tessin, St. Gallen oder Genf. Auch Herr und Frau Zürcher setzten sich immer öfters in Auto mit der Aussicht, jenseits der Landesgrenze ein paar hundert Franken zu sparen.

Die Problematik ist nicht neu, hat sich aber mit dem schwächelnden Euro akzentuiert. Moralische Bedenken, selber die hohen Schweizer Löhne einzustreichen, aber auf der Ausgabenseite vom tieferen Preisniveau im Ausland zu profitieren, werden von vielen bedenkenlos vom Tisch gewischt. Man ist sich meist selbst am nächsten. Das kann man gut finden oder auch nicht. Die moralische Grenze wird allerdings da überschritten, wo zwar die Beratung des Schweizer Fachhändlers in Anspruch genommen wird, aber der Kauf anderswo getätigt wird.

Grosse Konkurrenz erwächst den Schweizer Fachhändlern allerdings schon längst nicht mehr nur durch die grenznahen Fachhändler im Ausland, sondern durch die preisaggressiv operierenden Internethändler. Wenn der Schweizer Fachhändler die Ware zu höheren Preisen beim Importeur einkauft, als sie der Endkonsument im Internet angeboten bekommt, dann ist an ein nachhaltiges Wirtschaften nicht mehr zu denken. Da sitzen die Schweizer Fachhändler allerdings im selben Boot wie ihre ausländischen Kollegen. Auch diese ächzen unter dem Margendruck.

Wie aber soll mit diesem Druck umgegangen werden? Respektive – bietet der sich stark verändernde Markt auch Chancen? In diesem Zusammenhang hat folgende Nachricht mein besonderes Interesse geweckt: Ein deutscher Fachhändler verabschiedet sich aus dem immer margenärmeren Geschäft der Fahrradverkäufe und stellt die Montage und den Service in den Mittelpunkt seines Angebots. Damit nicht genug – er sucht die Nähe zu einem Onlineanbieter, der ihm Montagegutscheine ausstellt. Natürlich kann das nicht die Lösung für alle Fahrradmechaniker sein, aber der Ansatz ist durchaus interessant und wertet ganz nebenbei die Arbeit des Fahrradmechanikers erheblich auf. Das perfekt eingestellte Schaltwerk, die sauber justierte Bremse und die jährlich gewartete Federgabel stehen plötzlich im Mittelpunkt.

Hat also der deutsche Händler die Zeichen der Zeit richtig erkannt? Sicher ist, dass die Veränderungen am Markt auch neue Chancen bieten. Allerdings auch nur den Fahrradfachhändlern/-Mechanikern, die mit ihrer Ausbildung und ihren Leistungen auf der Höhe der Zeit sind. Profilierungspotenzial dürften beispielsweise all jene haben, die komplexe Federsysteme warten und sauber einstellen können und mit Elektroantrieben nicht auf Kriegsfuss stehen. Bei manch einem Mechaniker wäre allerdings auch dann schon viel erreicht, wenn er ein Rad sauber zentrieren und die Schaltung perfekt justieren könnte. Denn manchmal – das zeigen auch immer wieder die Kommentare auf einschlägigen Blogs – hapert es bei den so genannten Spezialisten auch damit schon.

Was halten Sie von der Idee, dass Fahrradmechaniker sich vermehrt auf Serviceleistungen spezialisieren? Welche Kriterien gewichten Sie bei einer Kaufentscheidung am stärksten?