Ein Blog von Siri Schubert*
Paddeln im Winter – mit dem Kajak oder dem Stand-up-Paddleboard – ist oft eine Herausforderung. Die Kälte, die an Fingern und Füssen nagt, ist eine Sache. Die Dunkelheit eine andere. Die Kombination von beiden – nicht gerade die beste Motivation. Doch Crosstraining wie Schwimmen, Aquacycling oder Joggen sind nur ein bedingter Ersatz fürs Paddeln.
Als der Basler Kanuverein «Basilik Paddler» vergangenen Freitag eine Neumondfahrt auf dem Rhein von Rheinfelden nach Pratteln organisierte, war ich deshalb auch sofort dabei. Denn oft bringen gerade die Aktivitäten, die ein bisschen Überwindung kosten, die besten Erfahrungen und den grössten Motivationsschub. Nicht umsonst ist «Raus aus der Komfortzone» das Mantra vieler Sportler.
Rund 10 Kajakfahrer hatten sich, ausgestattet mit Stirnlampen und Schwimmwesten für Sicherheit und zusätzliche Wärme-Isolation, am Treffpunkt versammelt. So richtig warm war es mir trotz zweier Fleece-Shirts und Paddeljacke nicht. Vor allem die Hände waren schon unangenehm kalt, bevor wir in die Boote stiegen. «Du bist wohl eine von den Schönwetterpaddlerinnen, die nur im Sommer aufs Wasser gehen», sagte eine der jugendlichen Kajakfahrerinnen spasshaft, als ich bemerkte, dass ich, obwohl ich schon warm angezogen war, für den Schneeregen nicht optimal ausgestattet war. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und versuchte, trotz der niedrigen Temperaturen so cool wie möglich auszusehen. Doch auch an der Paddlerin ging die Kälte nicht ganz spurlos vorüber, zumindest schlug sie nach knapp zwei Minuten auf dem Wasser vor, einen Sprint rheinaufwärts zu fahren, um wieder warm zu werden. Gute Idee. Bei der entsprechenden Herzfrequenz kam sogar etwas Blut in die Finger und sie liessen sich wieder gut bewegen.
Ein einmaliges Erlebnis in der Natur
10 Kilometer ging es dann rheinabwärts, die Lichter vom Ufer und von den Stirnlampen zauberten magische Muster auf die Wasseroberfläche. Die Schneeflocken, die sich kurzzeitig unter den Regen mischten, tanzten vor den Augen und schufen eine ganz besondere Atmosphäre. Der Rhein war wie verlassen, keine Schiffe oder Motorboote schlugen Wellen oder machten Lärm. Und in der Dunkelheit über das Wasser zu gleiten, war einfach ein tolles Gefühl. Und mit einigen Sprints gegen die Strömung als Zusatzbonus kam ich zwischenzeitlich sogar ins Schwitzen.
«Warum mache ich das nicht öfter?», fragte ich mich. Denn die Kombination aus Dunkelheit und Kälte, die sonst eher abschreckend wirkt, machte die Fahrt zu einem erstklassigen Erlebnis, das mir wieder ins Bewusstsein rief, warum ich so gerne auf dem Wasser bin und das Paddeln in der Natur – selbst in urbaner Umgebung – so sehr geniesse. Am Ziel warteten dann ein Feuer, trockene Klamotten, heisse Getränke und Speisen auf die Paddler, so dass wir noch lange ums Feuer versammelt redeten und lachten.
Nach dem Nachtpaddeln fühlten sich die 16 Kilometer im Langstreckentempo, die ich mit einem Freund am nächsten Tag zurücklegte, zumindest was die Temperaturen anging, richtig leicht an. Erst als wir versuchten, die Boote mit Spanngurten auf dem Autodach zu befestigen und die Finger dabei streikten, merkten wir, dass es doch ziemlich kalt war. Doch das Verlassen der Komfortzone am Abend vorher hatte sich gelohnt – Kälte und Dunkelheit sind Teil des Vergnügens und keine Motivationskiller – und haben mir einen richtigen Kick-Start fürs Training gegeben.
Was machen Sie, um Ihre Komfortzone zu verlassen?
*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.









Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
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ja aber das ist ja ar***-kalt um die jahreszeit – brrr…! wenn ich per dato morgens aus dem warmen haus gehe, reicht mir das schon völlig aus bezüglich verlassen der komfort-zone, liebe frau schubert! wasser unter 38 grad c. ist definitiv unlustig.
Hallo Herr Rittermann, auch ausserhalb der Komfort-Zone kann es lustig sein. Und ein bisschen frösteln ist gar nicht so schlimm!!
Definitiv, unter Thermalbad-Temperatur geht gar nichts.
Bier über 12 Grad liegt ausserhalb der Komfortzone.
Im Winter mit einer Jolle
Laser oder 505 su segeln hat auch seinen reiz
Sicher heit muss da sein nie aleine und gute verfassung
fals man mal über Bord geht.
Schlechtes Wetter sieht durch ein Fenster immer viel schlimmer aus! Die Komfortzone zu verlassen ist immer eine gute Erfahrung. Wer seine Grenzen kennen und erweitern will, kommt gar nicht darum herum! Im Gegensatz zu Herrn Ritterweicheimann finde ich sogar Wasser unter 0° lustig
Kälte und Dunkelheit, scheint ja überraschenderweise die ideale Kombination zu sein
Spannend.
Danke für den guten Bericht – ich war selbst dabei und es hat dermassen Spass gemacht!
Ja, wenn man sich mal überwunden hat und draussen ist, ist das Erlebnis umso tiefgehender.
Frieren? Im Kajak ist es warm nach kurzer Zeit und auf dem kalten Boden sitzt man ja auch nicht, da darin immer ein bequemer Sitz ist. Die Spritzdecke verhindert, dass die Wärme verduftet. Bleibt nur noch das Gesicht, die Ohren und die Hände. An den letzteren läuft das Wasser halt hinunter, wenn man das Paddel oben hat. Da sind wasserfeste Handschuhe goldwert.
Einen besonderen Reiz hat es im Winter an verschneiten Uferwäldern vorbei zu fahren auf gestauten Seen. Mit dem Tiefgang kommt man fast in jede stille Bucht hinein.
Zu zweit macht es mehr Spass und man ist auch sicherer, falls einer doch mal baden geht. Aber Winterfahrten sind eher etwas für Erfahrenere.
Ansonsten, ein Wildbach ist auch nicht geheizt. Einen Schwall kaltes Wasser hat man da auch im Gesicht zugute, auch im Hochsommer.
Ich bewundere Ihre Courage, Frau Schubert, bei diesen Temperaturen aufs Wasser zu gehen! Respekt. Mir ist es in der Zeit von Oktober bis April ehrlich gesagt ein bisschen zu kühl auf dem Wasser.
Als ich Ihren Bericht las, habe ich mich gefragt, was die Wasserschutzpolizei zu nächtlichen Winterneumond-Paddeltouren mit Stirnlampe sagt. Meines Wissens nach könnte es mit dieser “Beleuchtung” Ärger geben. Oder habt Ihr da andere Erfahrungen gemacht?
Für die kalten Füsse gibt es Therm-Ic. Funktionirt auch im Kajak, solange es nicht mit Wasser voll läuft
Wenn die Füsse warm sind, wird es der Rest in der Regel auch.
Mag sein, dass meiner Praxis, beim Paddeln eine “Winterpause” einzuhalten, eine gewisse Unlogik anhaftet. Nicht nur, weil ich auch im Hochsommer gelegentlich auf sehr kühlem Wasser unterwegs bin. Aber ich halte eine Winterpause aus verschiedenen Gründen für sinnvoll:
Erstens aus Gesundheitserwägungen, auf die ich nicht näher eingehen möchte. Sie wurden oben andiskutiert.
Zweitens, in meiner Region besteht auf nicht wenigen Flüssen im Winter ein Paddelverbot und ich bin nicht gerne auf breiten Wasserstrassen unterwegs. (Übrigens, viele wissen es nicht: Jeder Paddler ist verpflichtet, sich über die gültigen Verordnungen zu informieren, bevor er sein Boot in irgendein Gewässer einlässt .)
Drittens, die Gewässer sind in diesen Monaten mitunter extrem tückisch, man unterschätzt schnell die Kraft des Wassers und aussergewöhnliche Strömungen.
Viertens, weil ich als Sportpaddler selbstverständlich auf die Belange des Naturschutzes Rücksicht nehme. Tiere und Vögel geraten im Winter ruckzuck in Stress und Störungen bei der Brut können fatale Folgen haben.
Natürlich bleibt die Entscheidung letztlich jedem selbst überlassen. Als Sportler setzte und vertraue ich auf das ethische Verhalten des Einzelnen, stehe ich gesetzlichen Reglementierungen skeptisch gegenüber.
Ich paddle nicht. Die Sohlen und Socken von Therm-Ic kenne ich vom Rennvelo.
Ein schöner Bericht Siri, Dankeschön. Da wird’s mir beim Lesen richtig warm ums Herzen, ich konnte leider nicht dabei sein.
Ganz toll finde ich es in verschneiten Landschaften zu paddeln.
Was Joachim Adamek mit den Verboten angesprochen hat, finde ich einen wichtigen Punkt, der hoffentlich der Bevölkerung bekannt ist. Ich unterstütze jedes sinnvolle Verbot, wo wirklich etwas geschützt wird, wir haben aber mehr und mehr generelle Verbote, wo kein Vogel, kein Fisch und kein Ufer geschützt werden. Beim Kajaksport steigt man irgendwo im Bach ein, paddelt ein paar Kilometer und macht nichts kaputt, dann steigt man wieder aus. Die Paddler, die ich kenne, sind naturverbundene Menschen, denen eine intakte Natur wichtig ist. Ich hoffe der Paddelsport wird nicht mehr und mehr durch Verbote verhindert.
Die Steigerung von “Kajak fahren im WInter auf Flachwasser” ist dann “Kajak fahren im Winter im Wildwasser”, da man dabei zusätzlich die eine oder andere Eskimorolle einplant, und das Ganze auch sonst relativ nass ist. Da wird die Komfortzone noch ein wenig mehr verlassen. Wer sich dafür interessiert, bekommt weitere Informationen zB im Forum http://www.parknplay.de . Wie das Ganze dann aussieht, und dass das sogar im eher flachen westlichen Teil Deutschlands machbar ist, sieht man zB in diesem Video aus Monschau: http://blip.tv/was-machen-eigentlich-die-stollis/eifel-rur-4713475