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Testen Sie Ihren Suchtfaktor

Natascha Knecht am Mittwoch den 17. Oktober 2012
Chris Sharma

Idol der Sportkletterer: Der Kalifornier Chris Sharma, hier in Oliana, Spanien. (Foto: Boone Speed/Reel Rock/www.explora.ch).

Ich bin angefressen, das stimmt. Nicht unbedingt vom Sport, aber von steilen Felswänden und vom Hochgebirge. Mein Verlangen ist unbeschreiblich gross, dort rauf und runter zu steigen. Schon der Gedanke daran macht mich ganz kribbelig. Darum trainiere ich gerne und so viel wie möglich. Klettergarten, Boulderraum, Bergläufe, Long-Jogs, Speedwandern, Skitouren, Freeriden, Eisklettern.

Aber ist meine Lust eine Sucht – wie mir das zeitweilig vorgeworfen wird? Solche Diagnosen nehme ich ganz einfach mit Humor. Meines Wissens wurde «Hochgebirgssucht» oder «Klettersucht» noch nicht wissenschaftlich untersucht. Also habe ich jetzt mal selber einen Test kreiert, der schonungslos Aufschluss verschafft. Beantworten auch Sie die folgenden zwölf Fragen. Anmerkung: Falls Sie nicht Hobby-Allround-Alpinist/in sind, setzen Sie ganz einfach Ihre eigene Leidenschaft ein:

1. Klettern Sie mehr als sieben Routen pro Woche?
2. Finden Sie es schwierig, im Klettergarten nach ein oder zwei Routen aufzuhören?
3. Sind mehr als 50 Prozent Ihrer Freunde Kletterer?
(Fragen abgeleitet aus einem Alkoholismus-Test)

4. Das Bergsteigen beschäftigt mich. Ich denke daran, auch wenn ich nicht im Gebirge bin.
5. Ich werde unruhig und reizbar, wenn ich versuche, die Zahl meiner Kletterwochenenden einzuschränken oder darauf zu verzichten.
6. Ich bleibe immer wieder länger im Boulderraum, als ich mir vorgenommen habe.
(Fragen abgeleitet aus einem Internetsucht-Test)

7. Kombinieren Sie Skitouren mit Biwakieren, um einer grösseren «Rush» zu erleben?
8. Verstecken Sie Ihre Ausrüstung, wenn Sie diese im Auto mitnehmen oder auf sich tragen?
9. Haben Sie im letzten Jahr etwas beim Freeriden unternommen, das Sie nachträglich bereuen?
(
Fragen abgeleitet aus einem Drogensucht-Test)

10. Hatten Sie jemals wiederkehrende Schwierigkeiten, Ihr Kletterbedürfnis, Ihre Fantasien oder Verhaltensweisen zu kontrollieren, oder machen Sie sich Sorgen darüber, dass Ihre Kletterei ausser Kontrolle geraten könnte?
11. Kam es durch Ihre bergsteigerischen Träume zu vermehrten Schwierigkeiten in der Partnerschaft?
12. Hatten Sie durch Ihre Kletterei schon medizinische Probleme (z.B. blutende Finger, Schürfungen oder starken Muskelkater)?
(Fragen abgeleitet aus einem Sexsucht-Test)

Auswertung:

Haben Sie 11 bis 12 Fragen mit Ja beantwortet? Dann sind Sie gefährdet. Bei Ihnen ist eine mögliche Hochgebirgs- oder Klettersucht nicht auszuschliessen. Ihre Gedanken kreisen überdurchschnittlich oft um die Themen Berge und Fels. Dieser Lifestyle kann Sie in Ihrer grundsätzlichen Lebensführung und in Ihrer Beziehung zu anderen beeinträchtigen.
Haben Sie 10 Fragen mit Ja beantwortet? Dann weist Ihr Kletterdrang auf eine Gefährung hin.
Haben Sie bis zu 9 Fragen mit Ja beantwortet? Dann liegt Ihre Leidenschaft für die Berge mit grosser Wahrscheinlichkeit im Normalbereich.

PS: Ich selber habe 11 Fragen mit Ja beantwortet.

21 Kommentare zu „Testen Sie Ihren Suchtfaktor“

  1. Philipp Rittermann sagt:

    cool!
    1) alkoholismus:
    a) mehr als 7 bier, b) nach zweien kann ich noch nicht aufhören, c) über 50% meiner freunde trinken.
    2) internetsucht:
    a) bloggen!, b) wenn ich darauf verzichte, leidet mein geltungsdrang, c) ich kommentiere alles.
    3) drogensucht:
    a/b/c) ich bin zu alt für den sch…. – aber grundsätzlich ja.
    4) sexsucht:
    a/b/c) ich bin zu alt für den sch…. – aber grundsätzlich ja. -> fazit: mit meinem lebenswandel zu klettern wäre mehr als nur fahrlässig! :)

  2. Joachim Adamek sagt:

    Der Test ist erstaunlich gut geraten. Er übersieht allerdings jene nicht zu vernachlässigende Gruppe von sporadisch gefährdeten Individuen, die aufgrund Gelegenheit dazu neigen, sich und andere durch ihr unkontrolliertes Suchtverhalten in Gefahr zu bringen.
    Vielleicht sollte man den Test diesbezüglich ein wenig verfeinern, nicht zuletzt, damit sich nicht wiederholt, was letzte Woche in Deutschland am Watzmann geschehen ist: Dort haben 5 StudentInnen, die dem Feuer der Begeisterung nicht haben wiederstehen können, ihr Gipfel-Glück trotz Neuschnee versucht und sind auf 2700 Meter in einen Schneesturm geraten. Sie hatten weder Handschuhe noch Biwakausrüstung, aber Riesenrücksäcke dabei. Für eine Frau kam die Hilfe im letzten Moment.
    Ich selbst halte mich für hochgradig süchtig. Ich gestehe, dass ich es nicht erstrebenswert finde, suchtfrei durchs Leben zu gehen. Vielmehr bemühe ich mich, mein Suchtverhalten zu verfeinern. Vielleicht gelngt es mir irgendwann, dieselbe Konzentration beim Bloggen aufzubringen, die mich immer wieder zum Berg zieht.

  3. Philipp Rittermann sagt:

    also ich sehe schon. die werte leserschaft tut sich schwer mit suchtverhalten (im sport). ich finde es aber gut von frau knecht, dies zu thematisieren; ich kenne leute, die ohne ihre täglichen 20 kilometer joggen in depressionen verfallen. suchtverhalten im sport kann in der tat zum problem werden. erfahrungen diesbezüglich?

    • Roland K. Moser sagt:

      So schlimm ist bei mir nicht. Es ist wie das Töff-Fieber im frühen Frühling.

      • Joel sagt:

        Ja, aber das Töff Fahren im Frühling ist ein Verlangen von zeitlicher Begrenzung. Das legt sich wieder im Sommer/Herbst.

        • Mit dem Töff-Fieber habe ich die Zeit vor der Saison gemeint, wenn man noch nicht fahren kann. Eben das reissen, aber man kann nicht, weil zwar die Sonne scheint, die Strassen aber immer noch voll Schnee sind usw.
          Ich hatte das noch eine zeitlang, nachdem ich mit dem Töff-Fahren aufgehört habe.

  4. Aschi sagt:

    Ist ein Lebensstil eine Sucht? Jahrzehntelang kann man einer Tätigkeit frönen. Wenn man jederzeit damit aufhören könnte ohne Entzugserscheinungen ist es wohl noch keine Sucht. Die Häufigkeit mit der man etwas ausübt, deutet daraufhin, welche anderen Bereiche man im Leben noch wichtig(er) findet. Eine starke Konzentration nur auf das Klettern kann auch kommerzielle Gründe haben. Eine gemässigte Ausübung dieser Sportart hat auch mit dem Risikoverhalten zu tun: Mehr Sicherheit (vorallem im Alter) durch teilweisen Verzicht.

  5. U. Knecht sagt:

    “Speedwandern”. Bei uns im Militär hiess das Eilmärsche. Und ich bin nicht süchtig danach geworden.

  6. Sebastian Huber sagt:

    Oooo wie hasse ich es wenn am Weekend nicht Gleitschirmwetter ist.
    Dafür fahr ich im Winter sogar nach Spanien, Marokko…

    Süchtig bin ich definitiv

  7. stefan moser sagt:

    Leidenschaft und Liebe – das ist Klettern. Ja, ich wollte jeden Moment am Felsen verbringen. Ja, mir waren Überlastungsschäden am Ellbogen und den Fingergelenken egal, Hauptsache sie hinderten mich nicht am Klettern (Schmerz spürt man erst nachher). Ja, ich wurde enorm grantig, wenn mich jemand am Klettern hindern wollte. Ja, nachweislich vier, vermutlich fünf Beziehungen gingen wegen des Kletterns in die Brüche. Ja, wenn ich hätte wählen müssen, lebenslang auf Sex oder Klettern zu verzichten, es wär ja sowas von dermassen klar gewesen. Der eisige Geschmack auf der Zunge nach einer tollen Route? Kein Moët Chatêau Irgendwas hätte dagegen ankommen können. Und nun? Zwei kleine Kinder – früher wärs die Hölle gewesen, jetzt der Himmel. Ich klettere immer noch mindestens ein bis zweimal monatlich (Ja, die Kinder sind noch klein, darum so wenig), hoffe in ein paar Jahren wieder auf mehr, bin vorsichtig geworden (in Mehrseillängenrouten nicht mehr ohne Helm) und habe meinen täglichen Kick zu Hause. Endorphine ohne Ende. Aber Fels, das ist wie mit dem Rauchen: Man vergisst nie. Und jedesmal, wenn man einen sieht, setzt der pawlowsche Reflex ein, die Finger werden feucht, die Schulter zieht nach hinten zum Magnesiabeutel.

  8. Dixi sagt:

    Welche Frage haben Sie denn mit Nein beantwortet, Frau Knecht?

  9. Sabrina sagt:

    Ich bin auch süchtig. Ich liebe alk und habe gerne viel Sex. Aber Klettern ist echt nicht mein Ding, da habe ich lieber den Alk und Sex. Klettern überlasse ich lieber den Anderen.

  10. Philipp Ritterfrauenverstehermann sagt:

    frage 8.

  11. Joachim Adamek sagt:

    Schade, dass es keinen Preis für aussergewöhnlich gute Beiträge im Alpin-Blog gibt. Ich würde ihn sofort Herrn Moser geben, fürs beste Lob aufs Klettern, das ich je gelesen habe. — Hoffentlich sind Ihre Kids bald so alt, dass Sie sie mitnehmen können.

  12. hallo mitenand

    ich danke natascha knecht für das interessante thema.
    ich bezeichne bergsteigen nicht als sucht, sondern ein sich hingezogen.. um diese geheimnisvolle bergwelt immer wieder
    auf zu suchen… man kann sich das nicht erklären.
    wir brauchen einfach immer wieder diese traumhaften erlebnisse.

    das wichtigste ist mir heute, mit wahren freunden einen super tag zu haben.
    ich wünsche allen viele schöne touren.

    gruss von
    raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch

  13. Erich sagt:

    Es ist mir nicht klar an wen sich der Fragebogen richtet. Wer suechtig nach Bergsport ist, der ist unterwegs und sieht den Fragebogen gar nicht. Darum ist wahrscheinlich meine Kommentar so verpaetet. Wer sogar einen Kommentar schreibt ist, daher nicht wirklich in Suchtgefahr oder hat nach einigen Anlaeufen das Suchtmanagement im Griff.

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