Diese Woche am Doubs (JU)
Was mir von der langen Anreise zum Doubs in Erinnerung bleibt, sind die Windräder auf dem Höhenzug des Mont Crosin. Ich sehe sie ein erstes Mal von Osten aus dem Zug nach La Chaux-de-Fonds. Und dann sehe ich sie von Westen, aus dem Zug nach Saignelégier. Das gemächliche Drehen der Riesenflügel hat etwas Anmutiges, Entrücktes, Wesenhaftes. Als seien diese Räder beseelte Kreaturen.
In Saignelégier steige ich aus und bin somit in den Freibergen. Die abgelegene Gegend heisst so, weil ihr ein Fürstbischof einst einen Freibrief ausstellte, um Siedler anzulocken. Mittelalterliche Wirtschaftsförderung per Steuererleichterung: Wer sich hier niederliess, zahlte keine Zinsen und Abgaben auf seinen Boden.
Der Fluss weiss nicht, was er will
Mein Wanderziel Goumois liegt nur drei Kilometer entfernt, aber 500 Meter tiefer. Bald bin ich im Grünen. Die Pferde tragen auf den weiten Weiden Bimmelglöckchen. Beim Eingang in den steilen Wald schlägt mir ein Schild den Kürzest-Abstecher zum Aussichtspunkt La Retenue vor. Er lohnt sich. Der Gegenhang vor meinen Augen, das ist Frankreich. Der Schlitz direkt unter mir ist gefüllt mit Nebel. Dort hinab will ich, zum Doubs.
Es ist ein Wunder. Bis ich den wurzeldurchsetzten Pfad hinter mir habe und unten bin, hat sich der Nebel verzogen. Goumois, ein Asterixdörfchen, ist durch den Doubs geteilt: hie Schweiz, da Frankreich. Am Fluss stehen Kanuten in einer Reihe, vor sich auf dem Gras ihre Kanus. Ein Instruktor spricht. Der Weg nach Le Theusseret, wo ich essen will, führt auf der Schweizer Seite zuerst zehn Minuten der Strasse entlang im spitzen Winkel weg vom Fluss, ein Trottoir gibt es nicht. Dann komme ich doch ans Ufer. Es ist zauberhaft vermoost, so dass man jederzeit einen Keltenfilm drehen könnte. Der Name Doubs rührt im Übrigen vom Lateinischen «dubius». Er ist ein Zweifler, ein Zauderer. Zuerst fliesst er nach Nordosten, um in St-Ursanne eine 180-Grad-Wende zu vollziehen.
Das Fischrestaurant von Le Theusseret liegt an einem Stauwehr. Ich bin zeitig dran und bekomme in dem Gemäuer, das inwendig mit Holz ausgekleidet ist, ohne Problem einen Tisch. Ich lasse mir etwas empfehlen: Forellenfilets an einer Sauce Theusseret. Die Sauce aus Kräutern und Butter stellt sich als Gaumengedicht heraus. Leider sind die Filets klein, und der Reis reicht höchstens für einen Zwerg. Aber auch nur für einen kleinen.
Steile Wege, glitschiger Boden
Nun muss ich eine Entscheidung treffen. Man kann entweder gut drei Kilometer weiter dem Doubs folgen und dann problemlos nach Le Noirmont aufsteigen. Oder man biegt sofort links in den Hang, um nach Saignelégier, Muriaux oder Le Noirmont zu gelangen. Ich wähle diese zweite Variante. Der Pfad den Wald hinauf ist extrem steil. Drei kurze Leitern sind zu bewältigen. Und der Feuchthang ist glitschig wie von Schmierseife.
Später gehe ich am Fuss des langgezogenen Kalkkammes Arête des Sommêtres. An seinem östlichsten Punkt zeigt ein Wegweiser retour auf den Kamm. Wuchtige Treppen sind in den Stein gehauen, es geht zuerst abwärts, dann aufwärts. Endlich stehe ich auf dem Gipfelpunkt. Das Plateau der Freiberge, der Doubs, die Kalkfluhen nah und fern – ich stehe und schaue. Als ich mich doch losreisse, wird mir der Rest leicht: zurück zum Abzweiger und hinab zur Station Muriaux. Dies war, abgesehen von einer Wanderung nach St-Ursanne, meine erste Tour am Doubs. Weitere werden folgen.
Route: Bahnhof Saignelégier – Belfond – Goumois – Schweizer Doubs-Ufer – Le Theusseret – Chez le Bolé – Abstecher Arête des Sommêtres und retour -Muriaux Station.
Das Stück im Wald von Le Theusseret nach Chez le Bolé ist sehr steil, glitschig und mit Ketten sowie drei kurzen Leitern gesichert. Wer sich das nicht zutraut, geht von Le Theusseret drei Kilometer weiter den Doubs aufwärts und zweigt auf dem Wanderweg ab hinauf zum Bahnhof Le Noirmont.
Gehzeit: 4 Stunden.
Höhendifferenz: 650 Meter auf-, 670 abwärts.
Wanderkarte: 222T «Clos du Doubs», 1:50 000.
Charakter: Abseitige Schweiz. Steile Abschnitte hinab zum Doubs und hinauf nach Chez le Bolé. Dazwischen reizende Flusswanderung. Mittlere Anstrengung. Viel Herbstatmosphäre.
Höhepunkte: Der Weit- und Tiefblick von La Retenue und später von der Arête des Sommêtres. Das Asterixdörfchen Goumois. Das verschattete Fischrestaurant von Le Theusseret. Das Herbstlicht am Doubs.
Hund: Ruppig im Abstieg. Gar nicht geeignet im genannten Abschnitt des Aufstiegs mit den Leitern.
Einkehr: Restaurants in Goumois. Das Restaurant Le Theusseret ist bis Ende November geöffnet. Ruhetag Mi. Reservation empfohlen: 032 951 14 51.
Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com








Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
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hallo thomas
vielen dank für dein interessanten tipp.
das werde ich diesen herbst bestimmt noch erwandern.
gute touren.
gruss von
raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch
Hallo Raphael
Aber nicht schon wieder; Alles was du liest erhält deinen Kommentar: “werde ich diesen Herbst auch noch unternehmen”. Der Herbst geht dann irgendwann auch zu Ende und wo nimmst du nur die Zeit dazu her?
Senioren, Senioren…
Hallo Thomas,
tolle Wanderung, habe ein Teil mit Besuch des Gipfelpunktes der Aréte des Sommetres letzte Woche erwandert, fabelhafte Aussicht. Die Forellen im Moulin du Plain, 4 km flussabwärts von Goumois am Ufer des Doubs auf der französischen Seite, haben kaum Platz im Teller, auch fabelhaft.
Gruss Johann Gönner