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Ab in den Süden

Jürg Buschor am Donnerstag den 11. Oktober 2012
Finale Ligure - eine der beliebtesten Destinationen für meer- und sonnenhungrige Mountainbiker (Foto: Jürg Buschor/www.supertrail-map.com)

Finale Ligure – eine der beliebtesten Destinationen für meer- und sonnenhungrige Mountainbiker (Foto: Jürg Buschor/www.supertrail-map.com)

«Eeeeee, ab in den Süden…» – mental bin ich bei Buddy vs. DJ The Wave.  Dann jedenfalls, wenn in unseren Breitengraden die Temperaturen immer tiefer fallen und der nasskalte Regen den Boden aufweicht. Die Zeit zwischen den letzten warmen Herbsttagen und dem grossen Schneefall (und dem damit verbundenen Wechsel vom Mountainbike auf die Skis) kann aus sportlicher Sicht schon deprimierend sein. Oder gibt es ernsthaft jemanden, der sein Mountainbike gern wäscht? Also doch ab in den Süden? Aber wohin?

Die Sonne scheint immer irgendwo auf dieser Welt. Wenn in Europa der Winter Einzug hält, dann ist auf der südlichen Erdhalbkugel Sommer angesagt. Mountainbike-Profis machen sich auf den Weg nach Südafrika, Australien oder Südamerika, um ihre Form auf die nächste Rennsaison hin neu aufzubauen. Zum Beispiel zum Andencross oder Kapstadt-Rennen. Die Reise in die südliche Hemisphäre ist jedoch etwas gar lang für ein langes Wochenende. Also doch daheim bleiben?

Immerhin – die meisten vernünftig gebauten Pumptracks verfügen über Drainagen, die Regen- oder Schmelzwasser ablaufen lassen. Auf dem Züriberg oder anderswo kann man so nicht nur seine Form konservieren, sondern auch gleichzeitig etwas Fahrtechniktraining betreiben. Als Feierabendersatz mag das taugen, doch für das lange Wochenende ist das kein realer Ersatz.

Auf der anderen Seite des Gotthard- oder Lötschbergtunnels lacht auch im Winter oft die Sonne. Trockene Trails, kaum Wanderer und oft noch angenehme Temperaturen locken ins Tessin oder ins Wallis. Solange am Monte Tamaro noch kein Schnee liegt, kann die «Traversata infinita»* von Rivera via die Capanna Tamaro, Arosio und Cademario nach Agno auch noch im November und Dezember gefahren werden. Auch wenn die Wintertage im Tessin oft von Dunst begleitet sind, kann man an «Zuckertagen» bis zum Mont-Blanc-Massiv sehen. Auch in den südlich exponierten und tiefen Lagen des Wallis endet die Mountainbikesaison fast nie. Die klassische Südportalroute* oder die Tour «Les Sept Bisses»* von Leuk über Chermignon, Lens, Grimisuat nach Sion sind kaum je über längere Zeit schneebedeckt.

Irgendwann wird es allerdings auch im Wallis und Tessin zu kalt, womit sich fast zwangsläufig die Anfahrtszeit erhöht. Immerhin – der italienische Hotspot Finale Ligure ist aus den meisten Schweizer Städten innerhalb von 4 bis 5 Stunden erreichbar. Die Kombination aus Meer, milden Temperaturen, schönen Trails und gutem Essen ist unschlagbar. Nur gerade eine halbe Autostunde von Finale Ligure entfernt wird mittlerweile auch in Calizzano von den Locals Hand angelegt, um neue Mountainbike-Trails zu bauen. Noch ist der Spot wenig bekannt, was sich angesichts der geographischen Nähe zur Schweiz und der Qualität der Trails schnell ändern könnte.

Im «inneritalienischen» Direktvergleich kann natürlich auch die noch etwas südlicher gelegene Toskana punkten. Zum Beispiel mit der Massa Vecchia als Fixpunkt. Auch deshalb, weil immer wieder neue Trails gebaut werden.

Als Mountainbikeguide ist auch der ehemalige Mountainbiker Lukas Stöckli ständig auf der Suche nach neuen Singletrails. Selber geniesst er im Winter als Kontrastprogramm das Skitourengehen. Sein heisser Tipp für kalte Tage ist der südwestlicher Gardasee und Katalonien.

Auch der deutsche Freerider Holger Meyer ist weitgereist. Wenn das Wetter daheim ungemütlich wird, verzieht er sich in den Süden. Neben den Klassikern Toscana und Ligurien setzt er auch die Kanaren auf die Bestenliste: «Dort kann man sich bei angenehmen Temperaturen auf den Trails austoben und dann den Tag am Beach ausklingen lassen.» Das Zürcher Mountainbike-Urgestein Peti Fontana setzt sich lieber in den Zug statt ins Flugzeug: «Monte Tamaro muss ein Mal im Jahr sein. Monte Bar auch. Und im Herbst sind das Engadin und Livigno das geilste.»

*«Singletrails in den Schweizer Alpen», Jürg Buschor, ISBN 978-3-03800-467-7

Stellen Sie das Mountainbike in die Ecke im Herbst? Wenn nicht, fahren sie daheim oder zieht es Sie in den Süden? Welches sind Ihre besten Tipps für Herbst-/Winterfluchten?

34 Kommentare zu „Ab in den Süden“

  1. tömsi sagt:

    Für mich ist Biken ein ganzjahres Sport. Ich fahre meine Hometrails auch im Winter. Ich versuche mindestens 1 Mal die Woche auf das Bike zu kommen. Fahre auch einbisschen mehr XC im Winter. Und zwischendurch auch mal die Schipiste runter:)
    http://tomsbikeworld.blogspot.ch/2012/02/klirrendes-wochenende.html
    In den Süden konnte ich noch nie im Winter, ich mache aussedem auch gerne Wintersport. Wäre aber sicher mal toll eine Woche auf den Kanaren die Trails zu rocken im Winter!

    • Paul Mircher sagt:

      Biken auf der Skipiste geht leider nur wenn es richtig kalt ist, sonst versinkt man im weichen Schnee und erlaubt ist es auch nicht überall… Meine Heimrunde fahre ich auch das ganze Jahr, teilweise muss ich das Bike 2/3 des Uphills tragen, der Downhill ist aber immer problemlos. Je kälter es im Winter ist, desto besser kann man die Trails fahren. Obwohl ich in GR wohne, Skifahren werde ich mir nicht mehr antun.

  2. Philipp Rittermann sagt:

    herbst-/winterfluchten: a) eine reise nach kuba. b) winterschlaf von november bis märz. c) man dekoriere das badezimmer niedlich mit kerzchen, lässt die wanne voll laufen, nehme die 5 letzten penthouse-ausgaben zur hand, 1 flasche schönen single-malt, setze die kopfhörer auf, (wham – “club tropicana”), und vergesse die zeit.

  3. RedOrbiter sagt:

    Aus der Zentralschweiz ist das Tessin mit der SBB schnell erreichbar.
    Reisezeit ca. 2 1/2 Std.
    Dabei ist einer meiner Favoriten – Das Val Colla oberhalb von Lugano – einfach herrlich in der kalten Jahreszeit.
    Die Temperaturen änet dem Gotthard sind in der Regel ca. 5 Grad höher.
    Touristen hat’s im Winder dort fast keine.
    So kann man praktisch den ganzen Winter einmal die Woche mindestens eine Stunde aufs Bike – sei’s zuhause oder eben änet dem Gotthard.

    cu RedOrbiter

  4. Mike sagt:

    Ich fahre eigentlich auch bei kalten Temperaturen gern. Natürlich werden die Bodenverhältnisse irgendwann so, dass es schwierig ist, besonders im Herbst (ganz gefrohren und schneefrei ist ja dann auch wieder ok), aber dafür hat’s überall weniger Leute, die Luft ist frischer, man schwitzt weniger, und es härtet gegen Krankheiten ab. Herbstgrippen sind mir fremd.

    • Philipp Rittersinglemaltmann sagt:

      mir auch – dem single-malt sei dank! :)

      • Mike sagt:

        Ich werd sicher nicht behaupten, Whiskey sei nicht gesund. Vor allem für die Seele. Dick macht er aber. SUV fahren übrigens auch. Oder den ganzen Tag in Kommentarspalten den Troll machen. Also wir kennen ja beide niemanden, der das tut, aber einfach so allgemein gesagt. ;-)

  5. Fredi sagt:

    Leider ist nicht immer eine Flucht in den Süden möglich.
    Alternative 1: Spikes aufziehen und nahtlos durchbiken.
    Alternative 2: Statt in die Firmenkantine Rennvelotraining über die Mittagszeit.
    Alternative 3: Spannende DVDs ausleihen und alten TV und Rollentrainer daheim ins Gästezimmer stellen.

    • Paul Mircher sagt:

      Warum sollte man Spikes aufziehen? Spikesreifen sind viel zu teuer und da bei uns meistens auf schwarzgeräumten Strassen zum Trail gefahren wird machen sie auch keinen Sinn. Bei Winterdownhillrennen wird auch ohne Spikes gefahren…

  6. Uwe Trummer sagt:

    Ich guide zur Zeit in der Toscana und es ist der absolute Hammer! Die besten Singletrails, Temperaturen um die 25 Grad und sehr feines Essen. Der Herbst könnte nicht besser sein!

    Für Kurzentschlossene: Bikeweek Toscana vom 13. bis 20. Oktober 2012! Infos unter http://www.fitfortrails.ch.

  7. Beat sagt:

    Das ist ja wohl der Gipfel der Dekadenz. wenn es etwas kügl und nass wird fliegt man nach Südafrika. Ihr seid wohl nicht richtig verdrahtet. Ah ja, zum Ausgleich kann man dann ja grün wählen

  8. Im Winter stelle ich das MTB nicht in die Ecke. Gehe aber nur fahren, wenn es nicht zu schlammig und nass ist. Auf dem Rennvelo ist es auch schön im Winter. Joggen geht auch.
    Ich könnte mir vorstellen, dass das Piemont im Winter noch interessant ist für MTBler. Allerdings weiss ich nicht, ob es schneefreis ist.

  9. Paul Mircher sagt:

    Was soll daran dekadent sein? Spielt es eine Rolle ob man im Winter mit dem Bike im Gepäck irgendwo hinfliegt wo man gut biken kann oder ob man im Sommer nach Mauritius fliegt um sich faul an den Strand zu legen? Ich kenne viele die Lieber im Winter wenn es bei uns kalt ist in die Ferien fliegen als im Sommer. Im Sommer haben wir hier ja die besten Trails die man sich wünschen kann.

  10. Ott sagt:

    Respekt für jene, die auch bei wirklich widrigem Wetter mit dem Bike raus gehen. Ich tue mir das nicht (mehr) an. Bitte respektiert aber auch, dass die Trails etwas geschont werden müssen bei nassem Wetter. Zumindest jene, die auch ein Wanderweg sind.

    Alpensüdseite wäre einmal einen Ausflug wert mit dem Bike. Hat jemand einen Tipp fürs Wallis oder Tessin für technisch und konditionell nicht allzu ehrgeizige Biker?

  11. Philipp sagt:

    In Singapur ist das kein Problem weil es das ganze Jahr warm ist – wir sind 2-3 Mal jede Woche mit dem MTB in tropische Regenwald unterwegs. Macht mehr Spass als die Kälte zu ertragen…. :)

  12. teofilo folengo sagt:

    Habe letzten Winter zum ersten Mal Spikes aufgesetzt. Es war eine Offenbarung – ich könnte mich in den Hintern beissen, dass ich das nicht schon früher getan habe! Nicht nur bei Eis/Schnee: auch auf dem nassen Laub im Spätherbst greifen die Spikes extrem gut, und die Reifen rutschen nirgends durch. Ich fahre täglich den Uetliberg am frühen morgen von Leimbach hoch; in November werde ich wieder die Spikes aufsetzen!

  13. U. Knecht sagt:

    Muss man denn rund ums Jahr auf dem Velo sitzen? Nutzt die Zeit, um mal was anderes zu tun: Theater, Joggen, Yoga, Biologie, Politik, gemeinnützige Arbeit, Reisen, … Quasi für einen Ausgleich. Es gibt soviel Interessantes auf dieser Welt.

  14. Fabian sagt:

    Normalerweise gehe ich auch im Winter gerne biken, besonders wenn es schön Schnee hat und nicht nur schlammig ist. Dieses Jahr bin ich allerdings in Finnland, wo es im Winter dann schon nochmal etwas kälter ist, und auch die Trails sind hier nicht so der Hit. :( Dafür habe ich nun Zeit in den Kraftraum zu gehen und den Oberkörper ein bisschen mehr zu trainieren und mit Schwimmen und Langlaufen auch mal etwas anderes zu tun. Und auf einem zugefrorenem See irgendwo im nirgendwo Ski zu laufen ist schon fast so gut, wie auf überfüllten Trails im Süden zu biken. :)

  15. Roger lampert sagt:

    Kommt mit uns für 2 wochen nach costa rica:) schwyzerdütsch, englisch u spanisch sprechend.
    http://www.fit4morefun.com/index.php?page=Angebote

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