Diese Woche zum Gelände der Schlacht bei Sempach (LU)
In der S-Bahn fahre ich von Lenzburg das Seetal hinab. Hallwil, Mosen, Hitzkirch, dann das Kloster Baldegg am Südende des Baldeggersees. In Hochdorf, das bei den Einheimischen «Hofdere» mit langem o heisst, steige ich aus. Ein Restaurant, die «Schwemmi», liegt direkt an den Geleisen. Ich lasse mich locken und trinke kurz noch einen Kaffee.
Dann starte ich. Die Beschilderung ist gut; sie lenkt vom Bahnhof retour durch den Ort, unter den Schienen hindurch, über ein Gewerbeareal mit einer Riesenlandi und bald schon über die Ron. Geschafft! Freies Land, Kühe, Felder, Pferde. Ich bin draussen!
Mit Magenknurren bei Maria
Vor mir zieht sich eine grüne Krete über den Horizont. Dem Sagenbach entlang steige ich ihr entgegen. Besonders anstrengend ist das nicht. Erst kurz vor Römerswil fordert mich eine steile, mit einer Treppe bewältige Partie ein wenig. Römerswil ist ein langgezogenes Dorf am Hang des Höhenzuges Erlosen, das dank seiner Terrassenlage Fernsicht geniesst. Für eine Rast ist es noch zu früh, ich gehe gleich weiter.
Via Älmeringen erreiche ich Gormund und erleide eine Enttäuschung. Die Wirtschaft an der Strasse von Luzern nach Beromünster ist zu, wie immer am Dienstag. Nun, verglichen mit der Pein der Gottesmutter in der nahen Hügelkapelle «Maria Mitleiden» ist das bisschen Magenknurren gar nichts. Maria ist mit unzähligen Schwertern in der Brust dargestellt, was wie eine Anspielung auf das Schicksal des Arnold Winkelried wirkt. In der Schlacht von Sempach 1386 soll dieser bekanntlich seinen Miteidgenossen eine Angriffsgasse gebahnt haben, indem er die habsburgischen Speere auf sich lenkte. Dass es damals noch keine Sozialwerke gab, belegt Winkelrieds Ruf: «Sorget für mein Weib und Kind.»
«Rossschinder» für 200 Franken
Es ist gar nicht weit zu dem Schlachtplatz. Zuerst passiere ich noch den Golfplatz «Sempachersee», dessen Restaurant Green Garden in einem satten Orangeton gestrichen ist, was wirkt wie von Edward Hopper gemalt; das Kapellchen nebenan erscheint im Vergleich blass. Der Blick hinab auf den Sempachersee ist toll. Weiter unten dann wieder eine öffentliche Wirtschaft. Sie heisst «Zur Schlacht», jetzt bin ich praktisch auf dem Gelände des grossen Zusammenpralls. Es darf nicht wahr sein! Auch diese Wirtschaft hat am Dienstag zu. Und wieder darf ich kein Mitleid mit mir selber haben – zu präsent ist der einstige Schrecken. In der nahen Schlachtkapelle, einem politisierten Gotteshaus, zeigt ein Wandgemälde Szenen von damals: lanzenstrotzende Gewalthaufen, Ritter und Pferde, fallende Krieger.
Der Rest meiner Wanderung über die grünen Luzerner Hügel ist ein schönes Auslaufen. Am Steinibühlweiher verweile ich, geniesse das Ried-Idyll. Hernach erreiche ich bald den Asphaltgürtel. Im Städtchen Sempach finde ich Wirtschaften sonder Zahl, die offen haben. Während ich auf das Essen warte, surfe ich durchs Internet und google Orte, an denen ich durchkam. Auf der Homepage des Restaurants «Zur Schlacht» wähle ich den Link «Historisches». Interessant, alte Waffen werden feilgeboten. Die «Hellebarde Uri», 11. oder 12. Jahrhundert, «Rossschinder» genannt und 182 cm lang, ist abgebildet. Sie kostet 200 Franken. Und was kann das Gerät? Unter «Charakteristik» steht lapidar: «Tranchieren, Stechen, Haken.»
Route: Hochdorf Bahnhof – Huwil – Römerswil – Älmeringen – Gormund – Oberschlacht (Schlachtkapelle) – Brämenstall – Steinibühlweiher – Sempach.
Gehzeit: 3 1/2 Stunden.
Höhendifferenz: Gut 300 Meter aufwärts und 275 Meter abwärts.
Charakter: Über sanfte Hügel, Steigung und Gefälle gemässigt. Einige Stücke Hartbelag. Viel Historie und Religion und am Schluss ein Mittelalterstädtchen.
Höhepunkte: Die Kapelle von Gormund mit der drastisch dargestellten Maria. Die Schlachtkapelle Sempach mit der Liste gefallener Ritter und einem Wandgemälde der Schlacht von Sempach. Der Steinibühlweiher vor Sempach. Sempach selber.
Hund: Gut machbar, keine Hindernisse.
Einkehr: Restaurant Gormund (Di und Mi zu), www.gasthofgormund.ch. Restaurant Zur Schlacht (Mo und Di zu), www.schlacht.ch
Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com








Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
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Lieber Herr Widmer
Lese Ihre Blogs immer gerne.
In diesem Falle sind Sie wohl von Lenzburg das Seetal HINAUF gefahren mit dem Zug ……………
Vermutlich zu viele Gadgets dabei gehabt für eine Mittellandwanderung, würde mir auch am Berg nie einfallen. Gehöre allerdings einer anderen Generation an.
Werde selbstverständlich weiterhin Ihre Blogs lesen und mir Mühe geben, Sie nicht zu korrigieren oder kommentieren.
Freundliche Grüsse.
Ist ein wanderpäpstliches Wunder geschehen? Oder lags daran, dass es erst in Hochdorf den aufweckenden Kaffee gab? Ist Hochdorf unter Lenzburg abgesunken?
Sehr geehrter Herr Widmer
mit Interesse habe ich Ihren Blog gelesen. Eine schöne Wanderung haben Sie da gemacht, schade dass das Restaurant Gormund und dann auch noch die Schlacht zu hatten. Was ich nicht verstehe ist, dass Sie an dem schönen, einladenden orangenen Restaurant Green Garden vorbei gewandert sind und nicht einkehrten. Wir hätten Sie gerne bewirtet, denn wir haben von März bis November sieben Tage die Woche offen und selbstverständlich sind bei uns nicht nur Golfer wilkommen!
Besuchen Sie uns auf unserer Webseite unter http://www.golf-sempachersee.ch. Wir freuen uns wenn Sie uns bald mal besuchen.
Danke für diesen tollen Wandertipp! Habe die Wanderung heute am Auffahrts-Donnerstag bei herrlichestem Wetter mit zwei Hunden nachgewandert und sie war einfach phänomenal. Dieses Alpenpanorama! Die Restaurants waren zum Glück alle geöffnet! Eine tolle Wanderung von See zu See! Weiter so, mit Ihnen lerne ich die Schweiz richtig gut kennen!
Ihren Kommentar kann ich nur bestätigen: Am vergangenen Pfingstsonntag haben meine Frau und ich die Wanderung auf der beschriebenen Route unternommen und diese von Sempach aus dem See entlang bis zur Station Sempach-Neuenkirch fortgesetzt. Unsere Vorstellung, die wir uns anhand des Artikels und der Bild gemacht haben, hat sich voll bestätigt. Auch das Wetter hat gut mitgespielt, auch wenn es sehr warm und mit einem Gewitter zu rechnen gewesen ist. Dies haben wir vor allem am frühen Nachmittag beim Aufstieg nach Römerswil gespürt. Alles in allem sehr beeindruckende Wanderroute, die wir nur jedem empfehlen können.
Eine Anmerkung zur reinen Gehzeit: So wie sie angeführt ist, können wir sie auf eigener Erfahrung bestätigen. Irritierend sind hingegen die auf den Wanderwegpfeilern angegebenen Zeiten. Diese scheinen auf der gesamten Route nicht aufeinander abgestimmt zu sein. Beispielsweise sind es ausgangs Hochdorf nur 2h50 bis Sempach, ab der Schlachtkappelle hingegen noch mehr als eine 1h (Angaben ohne Gewähr, da die Zeitangaben nur im Gedächtnis registriert sind).
Kenne diese Strecke aus meiner Kinderzeit-mit dem üblichen Sonntagskontrollgang über Wiese und Wald, mit Vater sel.
Bei dieser Gelegenheit besuchten wir oft ein Verwandter,der einst viele Jahre “Gormundgeistlicher” war.Wir Junge nannten diesen ehem.Wallfahrtsort ,vor mehr als 60 Jahren etwas respektlos Heiratsfabrik,wegen der vielen Hochzeiten.
Zu einem zünftigen Jass,wurde stets grosszügig aufgetischt,nicht im Gasthof natürlich,sondern in der alt ehrwürdigen Kaplaneiküche.Zum eigentelichen Thema ;ihre Beiträge sind sehr gut …weniger gut finde ich allerdings ,das Sie sich vorher nicht schlau machen im Internet etc.,welche Beiz-wann geöffnet ist. Die Alternative des Kaplans J.E. gibt es leider schon längstens nicht mehr,deshalb nehme ich stets genügend Tranksame mit.So bin ich nicht an Tag/Zeit und Strecke gebunden- und verliere keine kostbare Zeit.