Diese Woche von Waldenburg auf die Belchenfluh (BL/SO)
An einem Apriltag so warm wie der heutige fuhr ich mit meinem Grüpplein nach Liestal; dort wechselten wir auf die Schmalspur der Waldenburgerbahn. Am Bahnhof Waldenburg erblickten wir Hobbydampfbähnler, die in ihren Nostalgiekitteln aussahen wie Lukas der Lokomotivführer bei Jim Knopf. Und ihre rauchende und fauchende Lok war Emma.
Wir zogen direkt hinauf zum Schloss. Das heisst, wir liessen das Dorf unweit des Bahnhofs unbesichtigt; eigentlich schade, in der Klus der Vorderen Frenke hält sich mittelalterliches Gepräge. Die ehemalige Feste der Grafen von Frohburg entschädigte uns. Sie sah aus, wie man sich ein Schloss respektive dessen Ruine vorstellt: ein Zahn auf abschüssigem Sporn; enge Durchgänge, Mauern, Zinnen, Holztreppen.
Die «Chinesische Mauer» zwischen Lauchfluh und Belchenfluh
Von der obersten Plattform genossen wir ein erstes Mal auf der ungemein aussichtsreichen Route, die immer neue Ausblicke zu den Alpen und ins Süddeutsche bietet, den Jura: knallgrüne Wiesen, mancherorts zu Steilhalden gekippt; bewaldete Kämme; schroffe Risse und bleckender Stein. Hin zur Gerstelfluh und Lauchfluh gerieten wir bald mitten in ein solches Ambiente. Der Weg war ruppig, geröllig, gesäumt mit verkrümmten Buchen, die sich zu ihren geraden Geschwistern im Mittelland verhalten wie arme Bauern zu den hablichen Verwandten in der Stadt.
Die Lauchfluh: eine Überraschung. Ich meine nicht in erster Linie den Weitblick, sondern den Bunker unter der Terrasse. Wir stiegen ein, verweilten, suchten uns in die Zeit des ersten Weltkriegs zurückzudenken: die Sorge des Generalstabs, die Deutschen könnten den Eisenbahn-Knotenpunkt Olten packen; die monumentalen Bau- und Schanzarbeiten im Gelände; das Ausharren der Soldaten auf der Wacht. Zwischen Lauchfluh und Belchenfluh sahen wir mehr von der «Fortifikation Hauenstein». Gräben und Wälle zogen sich durch den Wald, ahmten Steigung und Neigung des Grundes nach, dass es an die Chinesische Mauer gemahnte.
Er brachte die Fahne mit dem Teleskopstock zum Flattern und bekam Applaus
Eine Treppe führte zum nackten Felsen der Belchenfluh, auch «Bölchen» genannt. Auf dem Gipfel lehnte sich Liliane unter der Schweizer Fahne ans Geländer, beugte sich ein wenig nach vorn ins Leere und breitete die Arme aus, ein Filmzitat: Rose am Schiffsbug in James Camerons «Titanic». Wanderfreund René wurde eine ernstere Mission zuteil. Zum Ärger einiger Rentner wollte sich die Fahne im Wind nicht richtig entfalten. René half mit dem Teleskopstock nach. Sie begann zu flattern, er bekam Applaus.
Hernach zogen wir hinüber und hinab zum Allerheiligenberg. Die bekannte Höhenklinik war geschlossen. Wie ich inzwischen im Internet gelesen habe, wird der Riesenkasten nun für einige Zeit als Heim für Senioren genutzt, derweil deren Stammhaus umgebaut wird. In der nahen Wirtschaft, die nichts mit alledem zu tun hat, sondern dem Bauernhof zugehört, assen wir fein. Hausgemachte Ware: Würste, Speck, Brot.
Die Schweiz wird reicher durch die Gegenwelt Jura
Der letzte Akt der Wanderung war noch einmal spektakulär. Durch die Teufelsschlucht mit ihren Treppen und Metallstegen stiegen wir vorbei an picknickenden Türkenfamilien ins betriebsame Hägendorf ab. Dort dachte ich wieder einmal: Wieviel reicher die Schweiz doch dadurch ist, dass es in ihr an Bergen nicht nur die Alpen gibt, sondern auch deren verschachtelte, verwunschene, verzauberte Gegenwelt namens Jura.
Route: Waldenburg Bahnhof – Schlossruine – Gerstelfluh – Lauchfluh – Geissfluh – Chilchzimmersattel – Belchenfluh – Allerheiligenberg – Teufelsschlucht – Hägendorf – Hägendorf Bahnhof.
Gehzeit: 5 Stunden.
Höhendifferenz: 700 Meter auf-, 800 abwärts.
Charakter: Jura, immer neue Kalkfluhen und geröllige Steige. Anstrengend mit einigen Steilpassagen. Sehr aussichtsreich.
Höhepunkte: Die Schlossruine Waldenburg. Der Blick von der Lauchfluh. Die Befestigungen der Fortifikation Hauenstein aus dem ersten Weltkrieg. Die spekakuläre Plattform auf der Belchenfluh. Der vom Menschen in die Teufelsschlucht gezwängte Weg.
Hund: Steil und anstrengend. Gitterrost-Stege in der Teufelsschlucht, viele hohe Tritte daselbst.
Einkehr: Allerheiligenberg, Ruhetage Mo, Di, Mi. www.baergwirtschaft-ahb.ch
Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com








Natascha Knecht ist Journalistin und Outdoor-Sportlerin. Aufgewachsen im östlichen Berner Oberland, dem Mekka für Kletterer und Alpinisten, lebt sie seit über zehn Jahren in Zürich. Im Outdoor-Blog betreut sie die Ressorts
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
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LIeber Herr Widmer,
diese Tour habe ich im Kopf und auf der Karte schon immer geplant. Sie annimieren mich meine westliche Gegenwelt, ich lebe auf Sennhütten, Aargauer Jurakamm Bözberggebiet, im realatytrip zu begehen.
Übrigens:empfehle ” Die Schweizer Armee im ersten Weltkrieg” Hans Rudolf Fuhrer, Verlag NZZ, Fortifikation Hauenstein mit
Bölchenfluh und der Befestigung von Olten.
Der Jura ist in der Tat eine verzauberte Gegenwelt. Und warum? Weil es die einzige Region der Schweiz ist (solothorner Jura), wo frühzeitig ein Baustopp erlassen wurde. So funktioniert Raumplanung: Siedlung im Tal, den Berg der Natur überlassen.
Vielen Dank, diese Route weckt schöne Erinnerungen an einen Schulausflug vor vielen Jahren. Muss unbedingt bei einem nächsten Aufenthalt in der Schweiz mit den Kindern diese tolle Wanderung machen. E guete Tag no, bhüet öich Gott bim Wandere
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Vielen Dank für den Tip. Eine Reise mit dem Waldenburgerli (insbesonders mit Dampfbetrieb) sowie die wunderbare Aussicht von der Bölchenfluh in die Alpen kann ich jedem empfehlen.