Pferdeflüsterer auf zwei Rädern

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Share the trail: Im Video der Welsh Forestry Commission wird gezeigt, wie Mountainbiker Konflikte mit Reitern vermeiden können. (Quelle: Youtube)

Die emotionale Diskussion rund um das neue Berner Waldgesetz hat es einmal mehr gezeigt: Wenn rund um die Nutzungsrechte von Trails gestritten wird, dann stehen Reiter oft am selben Pranger wie Mountainbiker. Hat das zu einer Annäherung zwischen diesen zwei Nutzergruppen geführt? Kaum – jede Partei hat mit eigenen Initiativen und Vorstössen gegen das Vorhaben angekämpft. Man ist sich fremd geblieben.

Ähnlich verhält es sich mit den wenigen Begegnungen im Gelände. Hand aufs Herz: Wer hat sich schon einmal mit einer Reiterin oder einem Reiter darüber unterhalten, wie man sich als Mountainbiker verhalten soll bei einer Begegnung mit Pferd und Reiter? Über die Möglichkeiten zur Konflikt-Minimierung zwischen Mountainbikern und Wanderern ist schon zur genüge geschrieben worden und die Trail Rules sind nicht erst von der Deutschen Initiative Mountainbike festgehalten worden. Im scheinbar unendlichen und allwissenden Internet bin ich auch nach längerer Suche nur auf wenig Verwertbares in Sachen Pferde und Mountainbiker gestossen. Auch auf der Website des Schweizer Verbandes für Pferdesport beschäftigt man sich lieber mit den ureigenen Themen als damit, Mountainbiker-Empfehlungen abzugeben.

Bleibt also nur noch der direkte Weg – das Gespräch mit einer ambitionierten Reiterin. Dies vorweg: Der Forderungskatalog ist überschaubar. Zum besseren Verständnis sei erwähnt, dass Pferde von Natur aus Fluchttiere sind. Wenn sie erschrecken, ist der erste Reflex, die Flucht anzutreten – mit bis zu 60 Stundenkilometern Geschwindigkeit und mitunter gefährlichen Folgen für Tier und Reiter (insbesondere wegen dem Fluchtweg, z.B. vielbefahrene Strassen, Abhänge, tief hängende Äste etc.). In der Logik des Pferdes ist alles was sich plötzlich und leise von hinten nähert ein Raubtier. Genau deshalb sollte dieses «Raubtier» namens Mountainbiker sich möglichst frühzeitig akustisch bemerkbar machen. Dafür eignet sich die menschliche Stimme besser als eine Klingel oder gar die quietschende Scheibenbremse. Auch hilft es zu wissen, dass Pferde in der Dämmerung offenbar schreckhafter sind als bei Tageslicht, wenn das Gefahrenpotenzial für die Tiere optisch besser zu beurteilen ist.

Wer sich von hinten nähert mit dem Mountainbike, sollte die Geschwindigkeit auf doppeltes Schritttempo reduzieren. Spätestens 50 Meter vor dem Überholmanöver wird durch Zuruf auf sich aufmerksam gemacht. Sobald klar ist, dass Pferd und Reiter einen gehört haben, kann man in gebührendem Abstand von rund zwei Metern passieren. Was zu vermeiden ist: Sich unmittelbar hinter dem Pferd aufzuhalten oder den Sicherheitsabstand zu missachten. Im eigenen Interesse. Ein Pferd wiegt rund 600 Kilogramm, was reichlich unangenehm werden kann, wenn es sich mit aufs Mountainbike setzt. Sollten ausnahmsweise mal zwei Pferde nebeneinander gehen, dann auf keinen Fall zwischen den Pferden hindurchfahren, sondern darauf warten, dass sich die Reiter hintereinander einreihen.

Wenn man ein Pferd frontal kreuzt, gilt es ebenfalls die Geschwindigkeit zu reduzieren und bei besonders engen Passagen anzuhalten. Wer nachts unterwegs ist, tut gut daran, seine Bike-Lampe abzublenden oder ganz zu löschen. Und zu guter Letzt gilt natürlich auch zwischen Reitern und Bikern, was in allen Situation hilft: Ein freundliches «Grüezi», «Bonjour», «Salve» oder «Bun di» wird immer gerne gehört.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht mit Pferden und Reitern? Empfinden Sie Pferde als Gefahr? Nutzen Sie oft dieselben Strassen und Wege wie die Reiter?