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Zwischen Frankenstein und Kunsthandwerk

laurens van rooijen am Donnerstag den 15. März 2012

Pünktlich zum Frühlingsanfang steigt am Sonntag in Zürich der Teilchenbeschleuniger. Seit einigen Jahren treten dabei auch Rahmenbauer mit ihren Konstruktionen zum «Bikelovers Contest» an. Ein Besuch lohnt sich, aus verschiedenen Gründen.

In Genf erstreckt sich der Teilchenbeschleuniger über viele Quadratkilometer. Für einmal ist da Zürich bescheidener: Hier reicht dafür schon die Aktionshalle der Roten Fabrik. Denn im Schatten des Üetlibergs geht’s nicht um eine Forschungsanlage von Weltformat, sondern um die grösste Veloteile-Secondhandbörse der Schweiz. Die Verkäufer können die Standfläche für ihre Ware per Laufmeter mieten, und das für nur zwanzig Franken pro Meter. Der Eintritt fürs Publikum ist gratis, und es wird jeweils eifrig nach Ersatzteilen, Velobekleidung oder ganzen Fahrrädern gesucht und um Preise gefeilscht werden. Kenner wissen: Die interessantesten Teile wechseln den Besitzer gleich nach der Türöffnung um 10 Uhr über den Ladentisch.

Gebraucht oder ab Lager

Den Termin haben die Organisatoren um das aus dem wilden Osten zugewanderte Zürcher Biker-Urgestein Christian Braun bewusst auf Mitte März gelegt: Wenn die Saison beginnt, steigt auch der Bedarf nach dem einen oder anderen Ersatzteil, das womöglich im Fachhandel nur schwierig zu finden. Oder der Wunsch, dem Velo eine optische Auffrischung zu verpassen. Denn beim Teilchenbeschleuniger, der 2012 bereits zum vierzehnten Mal über die Bühne geht und mit gutem Grund als Traditionsanlass gelten darf, finden sich nicht nur gebrauchte Teile: Manche Händler und sogar Fahrrad-Importeure aus der Region nutzen die Gelegenheit, um ihre Lagerbestände zu Beginn der neuen Saison abzubauen.

Für die Besucher heisst dies: Wer nicht unbedingt die neusten Teile sein Eigen nennen muss, kann sich in der Aktionshalle der Roten Fabrik zu mehr als fairen Preisen eindecken. Auch für Kenner ist dieser Flohmarkt der Lautlosen interessant. So ist der Stand von Fritz Brühlmann jedes Jahr ein besonderes Schmankerl: Dieses Original von der Offenen Rennbahn in Oerlikon, lange Jahre Mechaniker der schweizerischen Bahn-Nationalmannschaft, bietet Kennern originalverpackte, auf Hochglanz polierte Teile von Campagnolo, oft sogar noch in der Originalverpackung aus den 70er- und 80er-Jahren. Billig sind die Teile von Brühlmann nicht, aber woanders kaum noch zu finden. Und wenn, dann sicher nicht zu einem tieferen Preis.

Bikelovers Contest: Catwalk der Rahmenbauer

Seit einigen Jahren haben die Organisatoren dem Anlass mit dem «Bikelovers Contest» eine weitere Attraktion verpasst: Gesucht werden Fahrräder der Marke Eigenbau, und zwar vom Rahmen bis zur Zusammenstellung der Teile. Das Motto, unter dem der Wettbewerb läuft, wechselt von Jahr zu Jahr. Mal geht es um Singlespeeder, also Velos ohne Gangschaltung, mal um Mountain Bikes und mal um eBikes. Bei der fünften Austragung 2012 sind Rennräder mit einem Schweizer Herzen gefragt, mit einem Rahmen, der im Verlauf der vergangenen drei Jahre in der Schweiz hergestellt worden ist. «Mit der Einschränkung auf die vergangenen drei Jahre wollen wir die vielen, alten Stahlrahmen aus Schweizer Serienfertigung ausschliessen, die restauriert worden und wieder im Einsatz sind. Die sind zwar auch schön, aber wir wollen beim «Bikelovers Contest» Leuten eine Plattform bieten, die selbst einen Velorahmen gebaut haben», erklärt dazu Christian Braun.

Die Räder, die am Wettbewerb Teil nehmen, werden während des Teilchenbeschleunigers im Rahmen einer gesonderten Ausstellung gezeigt. In den vergangenen Jahren waren immer wieder spektakuläre Exemplare dabei. Ob an Mad-Max-Filme gemahnende Cruiser mit ellenlangem Radstand, Mountain Bikes mit Elektromotor und Akku in einem alten Fell-Funkrucksack der Armee oder die wunderschönen Edel-Recyclingrahmen von Fretsche: Die Räder im Wettbewerb decken ein weites Feld ab, von an Frankenstein gemahnenden, eher groben Konstruktionen bis zu veritablem Kunsthandwerk. Den drei Erstplatzierten winken dieses Jahr neu gestaltete Pokale aus Bronzeguss, die sich in der heimischen Werkstatt gut machen. Zehn Teilnehmer werden dieses Jahr zum «Bikelovers Contest» erwartet, man darf also gespannt sein.

Welcher Rahmenbauer eine der drei Trophäen abräumt, bestimmt eine Fachjury. In dieser nehmen ein Fahrrad-Konstrukteur, zwei Fahrrad-Fachjournalisten und ein Veteran der Schweizer Velobranche Einsitz. Nicht mit dabei ist diesmal ausnahmsweise Robert Stolz, weil er selbst am Wettbewerb Teil nimmt. Und ganz neu ist 2012 der Publikumspreis: Die Besucher können auf einem Stimmzettel ihren Favoriten notieren. Diese Stimmzettel dienen zugleich als Los, auf den Gewinner der Ziehung wartet ein Warengutschein von Turbinenbräu im Wert von 350 Franken.

Wie gesagt: Es gibt viele Gründe, sich den Teilchenbeschleuniger nicht entgehen zu lassen. Man sieht sich, am kommenden Sonntag ab zehn Uhr, in der Aktionshalle der Roten Fabrik.

Alle Infos in Kürze:
14. Teilchenbeschleuniger mit Bikelovers Contest
18. März 2012 in der Aktionshalle der Roten Fabrik in Zürich-Wollishofen
Türöffnung um 10 Uhr, Prämierung Bikelovers Contest 14 Uhr
Eintritt gratis
www.velozueri.ch

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1 Kommentar zu „Zwischen Frankenstein und Kunsthandwerk“

  1. peter glarner sagt:

    Interresant, wird sich sicher lohnen diese Rahmen anzuschauen.

    nur so nebenbei, frankenstein ist nicht das Monster, sondern der schöpfer…

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