Wintersport für Puristen

Tagestouristen werden per Helikopter von Grindelwald auf die Kleine Scheidegg vor das Panorama der Eiger, Mönch und Jungfrau geflogen. (Bild Keystone)

Ein etwas dekadentes Angebot: Tagestouristen werden per Helikopter von Grindelwald auf die Kleine Scheidegg vor das Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau geflogen. (Bild Keystone)

Wer ab und zu in den Bergen ist, kennt die Situation: Um massenhaft Leute anzulocken, geben die touristisch ausgerichteten Wintersportgebiete alles. Dass die Natur darunter leidet, ist bekannt. Aber den meisten Skifahrern und Snowboardern liegt der Nachhaltigkeitsgedanke wohl fern. Sind die Pisten nicht bis in den Frühling durchgehend weiss, reklamieren sie. Sie wollen Kunstschnee, von Pistenraupen perfekt präparierte Hänge, Tag und Nacht, immer mehr Angebote, Party und Rambazamba, familienfreundliche Infrastrukturen, bequem mit dem Auto anreisen, Zweitwohnungen – und und und.

Dieses Jahr kommt hinzu: Wegen der ausgiebigen Schneefälle werden mindestens drei Mal mehr Lawinen per Sprengung ausgelöst als in gewöhnlichen Wintern. Das macht Sinn, wenn man dadurch Zufahrtstrassen für die Talbewohner sichern kann. Aber muss auch jede hinterletzte Piste jeden Tag befahrbar sein, wenn für die Sicherheit x Tonnen Schwarzpulver verschossen werden, die Wildtiere dadurch aufschrecken und möglicherweise in Lebensgefahr geraten?

Touristische Helikopterflüge fürs Ego

1800 Seilbahn- und Skiliftanlangen bietet das Bergsportland Schweiz. Jährlich befördern sie 34 Millionen Gäste 275 Millionen Mal (80 Prozent davon im Winter). Der Umsatz der Bahnen beträgt über eine Milliarde Franken. Lukrative Geschäfte versprechen auch die zahllosen Veranstaltungen, welche in den Wintersportgebieten stattfinden und die Natur zusätzlich belasten, weil die Organisatoren vor nichts zurückschrecken, um den Leuten noch mehr Geld für noch mehr Exklusivität und Abenteuer abzuknöpfen. Eklatantes Beispiel ist etwa das Lauberhornrennen. Grundsätzlich ein geniales Spektakel, das 60’000 Zuschauer anzieht. Aber ist es wirklich nötig, dass sich 2000 Männer, Frauen und Kinder irrsinnigerweise mit dem Helikopter nach Wengen transportieren lassen? Aus allen Ecken der Schweiz! Allein aus dem Kanton Graubünden flogen dieses Jahr 45 Personen mit neun Maschinen ins Berner Oberland und zurück. Würden noch mehr Helikopter zur Verfügung stehen, würden noch mehr Leute dieses dekadente Angebot nutzen. Koste es was es wolle, «das bisschen» Umweltverschmutzung und Lärmemission nimmt man in Kauf.

Der Öko-Freeride-Contest «Kick the Vik»

Erfrischend darum, dass es noch Veranstalter gibt, welche den Ökogedanken nicht nur im Sinn haben, sondern ihn bereits leben. Obenaus schwingt da der Freeride-Wettkampf «Kick the Vik», der kommendes Wochenende zum fünften Mal oberhalb von Tschamut (Region Oberalp zwischen Andermatt und Disentis, siehe Bildstrecke oben) ausgetragen wird. Das Konzept von Gründer Markus Boss ist in der Szene einmalig:

  • Teilnehmer und Publikum sind gebeten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.
  • Als «Basislager» dient die SAC-Maighelshütte, sie ist nur mit Fellen oder Schneeschuhen erreichbar.
  • Sämtliches Material für den Contest wird selber hoch getragen.
  • Zu den Starts auf den Berggipfeln gelangen die Rider aus eigener Körperkraft, es gibt keine Lifte, keine Helikoptertransporte.
  • Film- und Medienteams müssen ihre Ausrüstung selber schultern.
  • Helikopterflüge bleiben auch für Filmaufnahmen ein Tabu. Damit trotzdem aus der Luft gefilmt werden kann, haben Markus Boss und sein Team neu eine einzigartige Technik entwickelt: Einen 2,4 Quadratmeter grossen Gleitschirm, an den sie die Filmkamera befestigen und der bei guten Verhältnissen 40 Minuten emissionsfrei durch die Luft gleiten kann. «Wir sind uns zwar bewusst, dass wir qualitative Abstriche machen müssen, weil wir den Schirm nicht beschleunigen können, oder bei starken Winden an die Grenze gelangen», sagt Boss. Trotzdem soll der Ökogedanke oberste Priorität haben.
  • Während für andere Freeride-Wettkämpfe bei Lawinengefahr die Hänge gesprengt werden, verzichtet man bei «Kick the Vik» darauf. Ist die Lawinengefahr zu gross, weichen sie auf weniger steile Hänge aus. «Die sportliche Auseinandersetzung mit den steilen Berghängen soll die Ruhe des Maighels-Tals möglichst wenig stören», so Markus Boss. «Bei uns gibt es keinen Detonationskrach und kein Schwarzpulver in der Luft.»

Die Berge nicht dem Kapital unterwerfen

«Kick the Vik» findet nächstes Wochenende, am 17./18. März 2012, statt. 60 Freeriderinnen und Freerider kämpfen auf Ski, Telemarkski und Snowboard um die Podestplätze. Speziell ist, dass der Contest auf zwei Bergen austragen wird, jeder Teilnehmer wählt selber, von welchem er starten will. Insgesamt bieten sich rund um die Maighels-Hütte sechs Hänge für den Wettkampf an (Fil da Tuma, Piz Cavradi, Piz Piogn Crap, Piz Tagliola, Piz Purtschera und einer unterhalb des Piz Badus). Die Organisatoren entscheiden am Wettkampftag zusammen mit ortskundigen Bergführern, über welche gefahren wird.

Weil der Aufstieg von Tschamut bis zur Maighels-Hütte rund zwei Stunden beträgt, bleibt bei «Kick the Vik» der grosse Partyrummel aus, dafür schätzen sowohl die Rider wie auch die Zuschauer die familiäre und puristische Atmosphäre in der abgeschiedenen Naturlandschaft. Vik ist übrigens das Maskottchen, mit vollem Namen heisst er Viktor. Er ist der vollkommene Freerider, liebt diesen Sport und lebt all seine Facetten grenzenlos aus. «Kick the Vik» steht als Aufforderung an die Teilnehmer, sich mit ihm zu messen.

Am Samstag beginnt der Contest voraussichtlich um 11 Uhr, für interessierte Zuschauer bleibt also genug Zeit, um am Morgen zur Hütte aufzusteigen. Der Weg (Ski, Schneeschuhe) ist gut ausgeschildert und nicht zu verfehlen. Trotzdem sollte man vorher die Lawinensituation prüfen. Aktuelle Informationen zur Durchführung gibts fortlaufend via Facebook (Viktor kickthevik) oder www.kickthevik.ch (am besten den Newsletter abonnieren).

Eine naturbelassene Bergwelt ist mehr als touristisches Kapital und sollte darum nicht einfach dem Kapital unterworfen werden. Wie weit sind Sie bereit, zu Gunsten der Nachhaltigkeit Konzessionen zu machen?

27 Kommentare zu «Wintersport für Puristen»

  • Hallo mitenand

    Ich Danke Frau Knecht, das Sie dieses Thema aufgreift.

    Abgeschafft gehört das Heli-ski, und touristsche Landungen im Hochgebirge… das ist verantwortungslos. Es kann nicht sein,
    das bestimmte Prominenz, einfach mit dem Heli in die Berge fliegt. Wir haben genug Bergbahnen und Skipisten. In einem so
    kleinen Land wie die Schweiz, soll man die letzten ruhigen Flecken, den Natur-Menschen ueberlassen.

    Die Tourenfahrer sind verantwortungsvoll, ausgebildet und scheuchen keine Tiere auf.

    Seit doch froh, die Tourenfahrer entlasten die Krankenkassen. Im Heli wird man bestimmt dick, und das kostet die Krankenkassen im Jahr 2 Milliarden.

    Ich wünsche allen ruhige Stunden in der Bergwelt.
    Mit den besten Grüssen

    Raphael Wellig / Stadt Bern / http://www.raphaelwellig.ch

  • Hallo mitenand

    Was soll dieses Gerede wieder. Seit 40 Jahren gehe ich auf Skitouren… und wir haben nie Tiere aufgescheucht. Es braucht
    keine neue Regeln, die Skitouren-Fahrer sind verantwortungsvolle Menschen.
    Verantwortungslos sind die Herren und Damen, die das Heli-Sking, und touristische Landungen in den Bergen ausführen.
    Das gehört abgeschafft… das ist Lärm und Gestanc, das belästigt die Ticerwelt. Doch nicht ein Gleitschirmflieger, oder
    Tourengeher.

    • Ott sagt:

      Ich kann nicht beurteilen, wie senibilisiert ihr vor 40 Jahren wegen den Tieren wart und ob die Regeln neu sind oder nicht. Aber es braucht sie. Ich meine damit Regeln, nicht Verbote. Vorallem auch, weil in den letzten Jahren ein richtiger Outdoor-Boom eingesetzt hat und nicht nur ausgebildete Skitourenfahrer unterwegs sind, sondern sich Tausende Schneeschuhe unter die Füsse binden und Gebiete aufsuchen, die für die Tourenfahrer unatraktiv sind und deshalb vor dem Schneeschuh-Boom im Winter relativ ruhig waren.

      Und mit dem Heliskiing haben Sie vollkommen recht! Snobistische Memmen, die keinen Respekt vor dem Berg haben!

  • Peter sagt:

    Da kommt mir schon der Verdacht, dass einmal mehr Ruhe- und Naturerlebnissuchende Unterländer den Bergbewohnern ihre Einkommensmöglichkeiten schmälern wollen! Klar sind in Zürich keine Lawinensprengungen notwenig und Helokopterflüge gibt es da auch ganz bestimmt nicht… oder etwa doch?
    Selbstverständlich sind (kanalisierte) Pistenskifahrer ein weitaus kleinerer Impact auf die Wildtiere als bereits einzelne Tourenskifahrer. Wenn ihr die Natur ja so liebt, dann geht doch einfach nicht mehr da hin und stört sie!

  • Tinu sagt:

    Ihr sucht einen Weg, mit der Bergnatur nachhaltig umzugehen? Ihr seid gegen unnötige Heliflüge, mehr Ruhe in den Bergen und eine nachhaltige Bildung. Es gibt da eine Möglichkeit, sich dafür einzusetzen, ganz speziell auch im Falle der Heliskiing-Diskussion: http://www.mountainwilderness.ch! Und wer nicht weiss, wie man sich in den Bergen nachhaltig bewegen kann, kann dort auch gleich nachfragen.

  • Coole Sache, unterstützenswertes Konzept!
    Es ist Zeit, dass sich auch die Sportwelt vermehrt mit der Oekologie ihrer Veranstaltungen auseionandersetzt!
    Auch im Segelsport git es es bereits seit 2008 einen Anlass, der strengsten ökologischen Grundsätzen unterliegt und dennoch äusserst populär geworden ist: See: http://www.climateregatta.ch

  • Joachim Adamek sagt:

    [Ich bitte zu entschuldigen, dass ich mich gestern von den Tagesereignissen habe bestimmen lassen.]
    Für mich steht ausser Frage, um mit dem Beitrag von Hans zu beginnen, dass auch demjenigen der zu Fuss oder mit dem Rad unterwegs ist, keineswegs alles erlaubt ist, sondern dass man sich jederzeit an jedem Ort in einer bestimmten Weise verhalten sollte. — Das hat nichts mit Unterwürfigkeit zu tun, sondern mit der Frage, ob ich mich für das Mass aller Dinge halte oder nicht.
    Frau Knecht sind in diesem Ski-Winter drei Dinge aufgefallen, die sie zur Diskussion stellen wollte: Lawinensprengungen und die Zunahme der Heli-Flüge auf der Negativ-Seite sowie die Freeride-Veranstaltung “Kick the Vik” als vorbildliches Event. Für die letzte Information bin ich ihr dankbar. Ich habe mir die Veranstaltung näher angesehen, und finde, sie stellt wirklich eine nachahmenswerte Initiative dar.
    Für alle, denen es schwerfällt, Widersprüchliches in Einklang zu bringen: Tourismus und Naturschutz schliessen sich keinewegs gegenseitig aus, so wenig wie Freiheit die Abwesenheit von Regeln bedeutet. Es entspricht vielmehr meiner Überzeugung, dass aus dem Widerstreit der Meinungen neue, bessere Ideen geboren werden, und die brauchen wir nötiger denn je.

  • Eni sagt:

    Ein Beitrag zum Nachdenken. Danke Frau Knecht.

  • Liebe Frau Knecht – Da greifen Sie wieder einmal ein Thema auf, für welches sich mountain wilderness seit Jahren einsetzt… es ist schön, dass wir die Berge geniessen dürfen und können – aber bitte mit Respekt! Helikopterflüge sind enorm lärm- und emissionsintensiv; darunter leiden nicht nur Wildtiere, sondern auch Menschen – insbesondere diese in Tourismusgebieten.
    Als Berggänger haben eine gewisse Verantwortung gegenüber der Natur. Dass dies nicht per se bedeutet, dass wir keinen Spass in der Natur haben dürfen, zeigt der Eco-Freeride-Contest eindrücklich auf. Es wäre schön, wenn es noch weitere solche Beispiele geben würde!

    Katharina Conradin / mountain wilderness

  • Ott sagt:

    Ich habe nur gesagt, die typischen Pistenfahrer sind pro Person die kleinere Belastung für die Wildtiere, wir sollten deshalb nicht allzu sehr auf sie herab schauen. (Vom Standpunkt Natur her, vom sportlichen meinetwegen schon… :-) ) Ich habe NICHT gesagt, man solle nicht auf Touren gehen oder ein schlechtes Gewissen haben dabei.

    Fakt ist, dass viele Tiere unter dem Tourensport leiden und einzelne Tierarten sogar u.a. wegen Freizeitaktivitäten aus Gebieten verschwinden (Auerhuhn). Aber dieses Problem kann man mit Wildruhezonen lösen bzw. genügend entschärfen.

    Aber eigentlich geht es ja in diesem Blog nicht um Wildtierschutz, sondern um einen Event, der aus meiner Sicht ein recht cooles Konzept hat. Finde vor allem bewundernswert, mit welcher Konsequenz auf Helis verzichtet wird. Es geht ja bei weitem nicht nur um die Tiere, (sowieso zu weit oben) sondern auch um Ruhe in den Bergen, Respekt vor dem Berg, eigene Leistung und alpinistische Werte.

  • Roger sagt:

    Stand beim Freeriden schon 10m neben ein paar Gämsen. So saumässig erschreckt schienen sie mir nicht, haben sie doch uns und wir sie in aller Ruhe betrachtet und gingen danach gemächlich jeweils unseres Weges…Teilweise wird auch übertrieben.

    • Karl sagt:

      Naja du siehst ihnen den Stress ja auch nicht an. Ich selbst bin immer im Tiefschnee unterwegs und respektiere die Wildruhezonen konsequent. Trotzdem ist es normal, dass es hin und wieder zu Begegnungen mit Wildtieren kommt. Das ist auf jedenfall eine Stresssituation für das Tier, jedoch kann diese Stresssituation durch richtiges Verhalten (ruhig bleiben, sich nicht bewegen und ja nicht näher gehen, wenn möglich in die entgegengesetzte Richtung entfernen) so gering wie Möglich gehalten werden.

      @Hans: Du hast keine Ahnung wie es in den Bergen aussieht bei schön Wetter und sicheren Lawinenverhältnissen. Da gibt es nicht nur eine Aufstiegsspur und eine Abfahrtsspur. Nach einem schönen Wochenende sind viel begangene Tourenberge verspurt. Das Problem ist, dass Tagelang oder sogar Wochenlang (weil die Verhältnisse es nichts zulassen) gar niemand unterwegs ist und sobald das Wetter gut wird strömen wir zu hunderten ins Gebirge. Da kann es schon passieren, dass eine Gruppe von Tieren an einem Tag mehrmals vertrieben wird. Ausserdem kommt noch hinzu, dass bis vor ein paar Jahren Skitouren vor Allem im Frühling bei Sulz durchgeführt wurden. Heutzutage fängt dies mit dem ersten Schneefall an. Damit will ich mich keinesfalls gegen Freeriden ausprechen, ich mach es ja selbst so oft es geht. Aber der Respekt vor der Natur muss vorhanden sein und die gängigen Regeln sollten wirklich eingehalten werden.

      Dein PS: Ganz bestimmt sterben mehr Wildtiere auf Strassen als durch den Wintersport.

      • Hans sagt:

        Ich habe keine Ahnung? Aha, da reichen 20 Jahre Tourenfahren offenbar nicht.

        Dass es mehr als eine Aufstiegs- und sowies Abfahrtsspur gibt, spielt keine Rolle, so lange die in einem einigermassen übersichtlich engen Band bleiben (einige hundert Meter, wo’s breit ist, aber meist enger). So ein Berg hat schon noch ein paar mehr Flächen. ;-)

        • Hans sagt:

          …und neben den Flächen auch deutlich verklüftetere Abschnitte, die für’s Tourenfahren nicht interessant sind, aber sehr wohl den Tieren als Schutz dienen. Und zwar nicht nur vor dem Menschen, sondern auch vor dem Wetter.

          Und dort, wo dermassen viele Tourenfahrer sind, dass die Tiere tatsächlich vertrieben werden, stören die Tourenfahrer pro Person wohl nicht mehr als im Skigebiet.

          • Karl sagt:

            Stimmen die Bedingungen wird praktisch alles gefahren, was fahrbar ist. Da werden Routen gewählt bei denen z.T. Abseilen zwischendurch notwenig ist. Da gibt es die ruhigere Generation, welche einfach eine schöne Abfahrt geniessen möchte, es gibt aber auch eine wildere Generation, die gerade den Reiz darin sieht dort runterzufahren wo es für den Durchnitstourler „nicht interessant“ oder zu gefährlich ist. Dass es viele Berge gibt, bei denen bestimmte Wände nicht fahrbar sind und ein ganzes Jahr unberührt bleiben ist schon klar. Ich finde es einfach ein wenig ignorant zu sagen: hier touren wir, die Tiere können dort bleiben wo wir nicht runterfahren können. Gämsen z.B. überleben einen kalten Winter nicht, wenn sie über längere Zeit in Nordhängen verweilen müssen. Auch die müssen um sich aufzuwärmen in die Sonne liegen und um zu fressen die abgeblasenen Grade aufsuchen. Des Weiteren können diese Tiere nicht wissen, dass von Tourenfahrer keine Gefahr ausgeht. Kommt ein Mensch näher als 200 Meter heran, ist dies eine Stresssituation für die.

            Ich liebe das Touren. Ich gehe auch häufig und fahre auch Routen die selten begangen sind. Man kommt problemlos aneinder vorbei, wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht, und auch bereit ist zu verzichten. Wenn ich z.B. ein Gämsrudel auf meiner Aufstiegs- oder Abfahrtsroute von weitem sichte, dann suche ich mir halt ne andere Route oder warte wenn es keine andere gibt. Bleiben das Rudel wo es ist, verzichte ich auf die Tour und führe sie an einem anderen Tag durch. Immerhin dringen wir in ihre Welt ein und nicht umgekehrt.

      • glatzi sagt:

        Tja warum gehen Sie denn alle noch in die Berge? Wenn es doch so Umweltschädlich ist für Natur und Tiere.

        • Karl sagt:

          Ja wenn man lesen kann, ist man klar im Vorteil.

          Zitat: ….Man kommt problemlos aneinander vorbei, wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht, ….

          Die Natur darf von allen Lebewesen genutzt werden, jedoch wie geschrieben mit dem notwendigen Respekt und dem Wissen wie man sich zu verhalten hat.

        • Ott sagt:

          Provokante Gegenfrage: Warum leben Sie? Wenn es doch so Umweltschädlich ist für Natur und Tiere.

  • Sebastian Nussbaumer sagt:

    Sehr zweifelhafte Bergsteigerromantik. Ohne intensiv genutzte Zentren für den Massentourismus würden viel mehr Wintersportler auf Tourenskis ausweichen, mit der Konsequenz dass sich die Emissionen flächig verteilen und die armen Tiere gar nirgends mehr ihre Ruhe haben.

    • Ott sagt:

      Da stimme ich zu. Leider haben diese Zentren die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich mehr und mehr ausdehnen. (z.B. Andermatt)
      Wir Tourenfahrer (vor allem jene im Bereich der Waldgrenze und unterhalb) müssen uns schon bewusst sein, dass wir mit all unserer Naturliebe eigentlich die grössere Belastung pro Person darstellen als die von uns ach so verachteten Skihütten-Gaudi-Pisten-Fahrer.

      • Hans sagt:

        Dazu gibt’s Studien? Stört ein einzelner Tourenfahrer oder meinetwegen eine Gruppe wirklich die wilden Tiere? Was passiert, wenn viele Leute Touren am gleichen Berg machen und dort typischerweise auch nur einen kleinen Teil des Berges nutzen, da der Rest unattraktiv ist?

        Mir geht diese „mea culpa“ auf die Nerven. Natürlich kann ich bewusst leben und nicht jeden Scheiss mitmachen. Aber als Mensch bin ich nun mal für die restliche Welt eine Emission. Und wenn man selbst die eigene Fortbewegung (zu Fuss!) als bedenklich ansieht, dann stimmt mittlerweile einiges nicht mehr. In dem Fall über Ski- oder meinetwegen auch Velo-Touren (MTB!) zu reden, ist völlig unverhältnismässig.

        PS: ich kenne die Zahlen nicht, aber ich würde wetten, es sterben viel mehr wilde Tiere wegen Unfällen mit Motorfahrzeugen als sie wegen Bergtouristen herum gehetzt werden und schlussendlich an Unterernährung (zu viel Bewegung) sterben.

        • Renato sagt:

          PPS: Ganz bestimmt sterben mehr Wildtiere an der alljährlichen Jagd als am Verkehr, der Verschandelung der Landschaft und dem Wintersport zusammen! Oder provokativ gefragt: Warum darf die eine Bevölkerungsgruppe Wildtiere absichtlich töten, während einer anderen auch nur untersagt wird, diese potentiell zu gefährden?
          Das Thema Wildtier und Mensch ist etwas komplexer als dass es mit ein paar Wildschutzzonen und deren Einhaltung gelöst wäre.

          Helikopterflüge gehören ausser zur Rettung, Wartung nötiger Infrastruktur, Forschung und einem Minimum an Versorgungsflügen verboten. Daher ist dieser Contest in jeglicher Hinsicht ein Highlight! Danke fürs Bekanntmachen!

          • Karl sagt:

            Falsch!! Ich weiss die Zahlen zwar nicht mehr auswendig, aber durch den Verkehr sterben viel, viel mehr Wildtiere als durch die Jagd. Zumindest im Kanton Graubünen. Ausserdem dient die Jagd zur Regulierung der Wildbestände und sichert somit das Überleben jeder Wildtierart. Ohni die Jagd wären schon einige Wildtierarten in den Alpen ausgestorben, oder zumindest stark vom Aussterben bedroht.

          • Renato sagt:

            Lieber Karl,

            wie wärs, wenn Sie kurz die Fakten überprüfen, bevor sie schreiben? Am besten zuerst denken, dann recherchieren, dann nochmals denken, dann schreiben. Oder kurz googeln, geht auch ohne denken.
            Fakt ist, im Kanton GR gab es 2010 nicht ganz 900 gemeldete Unfälle mit Wild. Dagegen wurden 2011 allein rund 500 Steinböcke, je 3000 Gämsen und Rehe und 4000 Hirsche geschossen – also allein beim Hochwild mehr als 10 mal mehr Tiere als der Strassenverkehr forderte! Wenn sie jetzt das Niederwild noch dazuzählen, sehen sie die Absurdität Ihrer Aussage.

            Und lässt es sich belegen, dass ohne Jagd die Wildtiere aussterben? Welcher Wildbiologe würde das Ihnen so bestätigen? Wir hätten bestimmt ein Problem mit der Verjüngung im Wald, aber aussterben täte das Wild bestimmt nicht!

            Falls sie wirklich schon 20 Jahre z’Berg gehen, dürften Sie sich auch mit dem Thema Wild, Jagd, Wald und Freizeit genauer Auseinandersetzen, um in einer sachlichen Diskussion zu bestehen.

          • Karl sagt:

            Lieber Renato,

            Es gab 900 gemeldete Unfälle mit Wild. Mag ja sein, aber Wildtier ist Wildtier und dies hat nichts mit der grösse zu tun. Bei diesen 900 handelt es sich gerade mal um Hirschen, Gämse und Rehe. Füchse, Dachse, Hasen, Marder, etc. etc. werden nieee als Umfall gemeldet. Ausserdem ist auch die Dunkelziffer bei Rehen und Gämsen ziemlich hoch, da diese Kollisionen nicht zwingend zu Schäden am Auto führen müssen und weil dies ja in der Regel in der Nacht geschied, kann dies problemlos vertuscht werden. Darum sehen Sie, wenn man das Niederwild dazuzählt berichtig das Ihre Zahlen. Und wenn sie doch so gerne Googeln, dann schauen sie mal die Zahlen der 70er Jahre an als es in GR viel zu viel Wild gab. Da konnte man nachts kaum mehr Autofahren.

            Das die Artenvielfalt ohne Bejagung gewisser Wildtiere über kurz oder lang stark zurückgehen würde, bestätigt dir jeder Wildbiologe (ausser die Jagd wird durch Raubtiere ersetzt (Bär, Wolf, Luchs). Ich habe nie behauptet dass sämtliche Wild aussterben würde, aber gewisse Tiere würden von stärkeren vertrieben, respektieve sie fänden nicht mehr genügend Nahrung.

            Ich geh nicht nur schon lange z Berg, sonder auch schon einige Jahre auf die Jagd und setz mich sehr wohl mit dem Thema auseinander. Ausserdem beziehe ich meine Erfahrungen im Gegensatz zu Ihnen nicht über Google, sondern mit meinen Augen in der Natur.

            Des Weiteren bringe ich hier nur meine Meinung zu Tage und muss als letztes eine sachliche Diskussion gegenüber Ihnen bestehen.

  • mel sagt:

    coole sache!

    der partyrummel in den skigebieten ist mir persönlich schon längst zu viel geworden. und von unnötigen helikopterflügen (heliski, tourismusflüge etc.) brauchen wir schon gar nicht anfangen zu diskutieren…

  • Joachim Adamek sagt:

    Danke, Fr. Knecht, dass Sie sich abermals für einen umweltverträglichen, sanften Wintertourismus einsetzen. — Aufgrund der vielen Opfer, die der Wintersport in den letzten Tagen gekostet hat, fällt es mir heute schwer, mich ansonsten näher zum Thema zu äussern.

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