1867 lancierte der Genfer Geologe Alphonse Favre seinen «Appel aux Suisses». In flammenden Worten beschwor er die Schweizer, jene Flüchtlinge zu schätzen und zu schützen, die so lange schon unter ihnen weilten und sich doch nicht geborgen fühlen dürften. Favre meinte die Findlinge, die in jener Epoche allenthalben gesprengt und als Material für den Bahnbau genutzt wurden.
Der Aufruf zeigte Wirkung. Findlingsbegeisterung flammte im jungen Bundesstaat auf. Mancherorts wurden die erratischen Blöcke unter Schutz gestellt. Das gilt auch für die Findlinge vom Steinenberg und von Steinhof, denen diese Wanderung gilt.
Findlinge mit Sprengspuren
Die Bise bläst mir um die Ohren, als ich in Grasswil aus dem Bus steige. Die Wanderung verläuft nun vorerst wegweiserlos. Kein Problem, ich habe eine Karte dabei. Der Steinenberg liegt direkt vor mir. Ich gehe den Brüschrain hinauf und durch eine Rechtskurve, biege hernach im Wald links ein in einen breiten Weg.
1966 zählt eine Seminarklasse die Findlinge auf dem Steinenberg und kam auf 495 Exemplare. Einige wiesen Bohrlöcher und Sprengspuren auf, Erinnerungen an die Zeit des gezielten Abbaus. In andere waren prähistorische Schalen eingraviert. Ich sehe allerdings nur wenig von der Stein-Fülle, während ich dem höchsten Punkt des Berges entgegenstrebe; Die Steine, die ich sehe, wirken immerhin mächtig und sind prachtvoll vermoost. Mit Kindern könnte man «Such-den-Findling!» spielen. Mir ist es dafür zu kalt.
Eine 200 Kilometer lange Reise
Ich steige ab nach Riedtwil, treffe auf dem Waldsträsschen erste Wandermarkierungen an. Im Tal halte ich der schnurgeraden Önz entlang nach Norden, zweige dann auf der Höhe von Hermiswil links ab nach Steinhof. Die Önz fliesst in einer Schmelzrinne des einstigen Rhonegletschers. Ebendieser Gletscher trug all die Findlinge vor über 20’000 Jahren ins Mittelland. Fast 200 Kilometer lang war die Strecke, mehrere tausend Jahre dauerte die Reise bis die Findlinge liegenblieben. Auf dem Steinenberg und in Steinhof fanden besonders viele ihren definitiven Platz.
In Steinhof, einem Solothurner Exklavendorf auf einem Hügel, steht gar der grösste Findling des Mittellandes, die Grosse Fluh. Bald erblicke ich sie vor mir. Dem mächtigen Steinklotz ist ein Menhir beigestellt, ein Mini-Matterhorn. So dominant ist das Ensemble, dass es im Mittelalter dem nahen Bauerngut und damit dem Dorf den Namen gab. Auch die Adelsherren vom Stein bezogen ihren Namen von hier. Und das Gemeindewappen nimmt das Motiv auf, indem es einen Steinbock zeigt.
Ich ziehe weiter. Verpasse dabei, wie ich zuhause merke, einen zweiten berühmten Findling, das Kilchliflüeli. Es ist einfach zu bisig, als dass man in Musse verweilen möchte. In der Muttergotteskapelle immerhin mache ich fünf Minuten Pause. Hernach geht es abwärts. Die Wanderung hält eine neue Attraktion bereit: den Burgäschisee. Das Gewässer, das zu zweit Dritteln Solothurn gehört und zu einem Drittel Bern, ist von Wald umstanden. Ich freue mich, als ich auf der Ostseite des Sees das Restaurant geöffnet vorfinde. Zum Bahnhof Herzogenbuchsee ist es via Niederönz noch eine knappe Stunde. Aber zuvor wird etwas Warmes gegessen.
Route: Grasswil Oberdorf (Bus ab Herzogenbuchsee Bahnhof) – Brüschrain – Steinenberg-Wald – Riedtwil – die Önz entlang bis auf Höhe Hermiswil – Holz – Steinhof – Burgäschisee – Burgäschi – Niederönz, Eggen (Bus) – Herzogenbuchsee.
Karte: Das erste Teilstück Grasswil bis vor Riedtwil ist nicht als Wanderweg beschildert. Gute Wege. Die Karte 233T «Solothurn» 1: 50’000 hilft. Besagtes Stück ist gestrichelt eingezeichnet.
Gehzeit: 3 Stunden ohne Verweilzeit bei den Findlingen.
Tipp: Im Steinenberg umherstreifen und Findlinge suchen. «Such den Findling» mit Kindern.
Höhendifferenz: 200 Meter auf-, 250 Meter abwärts.
Charakter: Auf und ab. Leichte Route. Bei Nebel kann man sich allerdings im Steinenberg-Wald verlaufen.
Höhepunkte: Die Grosse Fluh in Steinhof. Das Kapellchen in Steinhof. Die Ruhe am Burgäschisee. Die Spätherbststimmung rund um das Gewässer.
Einkehr unterwegs: Steinhof, «Zur Grossen Fluh»: Mo, Di Ruhetag, 1. bis 14. Dezember Ferien. Burgäschisee, «Seeblick»: Mo, Di Ruhetag. www.seeblick-burgaeschi.ch
Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
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Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 





















































































