Unsere Prachtswanderung auf die Hagleren beginnt in Sörenberg, dem Kurort zuhinterst im Tal der Waldemme. Dessen Oberteil wird auch «Mariental» genannt. Und das kommt so: Der Legende nach sah in der Reformationszeit ein Mann eine entweihte Marienstatue im Thunersee treiben. Er barg sie und trug sie über die Berge ins katholische Land. Im luzernischen Sörenberg widmete man ihr ein neues Haus.
Eine schöne Geschichte. Wir kommen zur Kirche St. Maria Himmelfahrt, nachdem wir von der Post Sörenberg fünf Minuten der Strasse entlang retour gelaufen sind. Wir haben dabei unser Wanderziel zur Rechten, die Hagleren eben, eine sanft begrünte, doch stattliche Erhebung aus Flyschgestein. Die Hagleren ist Sörenbergs Hausberg.
Der Berg ruft imperial
Bei besagter Kirche beginnt die Wanderung, das erste Stück verläuft noch auf Asphalt. 800 Höhenmeter sind zu bewältigen. Vielleicht ist es die hirnbetäubende Hitze oder der Schweiss, der in die Augen rinnt – jedenfalls machen wir bei der Alpweid einen Fehler. Wir verpassen den Abzweiger nach rechts zur Alp Satz und zum Teufimattsattel. Schlimm ist das nicht. Unsere Variante via Gfäl und Dählenboden hat nur einen kleinen Nachteil: Wir müssen vom Dählenboden zum Gipfel hinauf und hinab das gleiche – schöne! – Wegstück durch die Heidelbeerbüsche zurücklegen.
Auf dem Gipfel: ein Kreuz, zwei Bänkli. Und zehn Meter entfernt eine Schar von Kühen, die gemütlich grasen, und zwar bereits auf Obwaldner Boden; die Hagleren ist ein Grenzberg. Und sie ist ein Panoramaberg: Sörenberg liegt uns zu Füssen, die Schrattenfluh zeigt ihre weissen Kalkschrunden, das Brienzer Rothorn steht als imperiale Herausforderung in der Landschaft und scheint uns zuzurufen: Kommt zu mir, wenn ihr Mut habt!
Wir lassen unsere Augen weiden und sind froh, dass die geplante Seilbahn auf die Hagleren nicht zustandekam. Und dann steigen wir ab, retour zum Dählenboden, dann zum Bleikenchopf. Der Boden federt, wir sind jetzt in einem Hochmoor, die Vegetation erinnert an die Taiga: Birken, Beerengestrüpp, Krüppelföhren, Wacholder, Alpenrosen, Silbergras.
Ein Bach schäumt rot
Bei der Alp Rohr landen wir wieder in klassischem Landwirtschaftsgebiet. Wir nehmen nun nicht den laut Schild «sehr steilen» Weg Richtung Flühli, sondern den geschotterten Fahrweg. Er führt zu einer grösseren Strasse, die von Flühli zum Stäldili hinauf führt; wir folgen ihr bergan, biegen später links ins Gelände, und uff! – ich bin froh, die technische Wegbeschreibung des Abschnittes hinter mir zu haben. Sie musste aber sein. Denn wir tun uns auf dieser Passage schwer mit der Orientierung vor allem deshalb, weil auf älteren Karten besagter Fahrweg nach der Alp Rohr nicht eingezeichnet ist.
Jetzt das Dessert: Via den Hof Holzhack geraten wir auf dem sogenannten «Glaserweg» in die Schlucht des Rotbaches, der wirklich an manchen Stellen rot schäumt, dass man meint, es habe sich ein Chemieunfall ereignet; doch das ist pure Natur. In der Nähe läge das Chessiloch, doch wir sind zu müde für den Abstecher. Vorbei an einer Schwefelquelle ziehen wir zur Waldemme und sind bald in Flühli. Herrlich war das, sind wir uns einig: In enger Kooperation mit der zuständigen Wanderwegsektion hat die Luzerner Natur eine grossartige Route komponiert.
Route: Sörenberg Post – Retour bis zur Kirche – Verzweigung Alpweid. Von hier zwei Varianten zur Hagleren: a) via Satz und Teufimattsattel. b) via Dählenboden. Hagleren – Dählenboden – Bleikenchopf – Alp Rohr – Holzhack – Chragen – Flühli Post.
Karte: Wanderkarte 1: 50 000 Nr. 244T «Escholzmatt».
Gehzeit: 6 Stunden.
Höhendifferenz: 850 Meter aufwärts, 1100 abwärts.
Charakter: Weite Bergwanderung im voralpinen Gelände. Keine ausgesetzten Passagen. Sehr aussichtsreich.
Höhepunkte: Der Blick von der Hagleren. Das Bleikenchopf-Hochmoor. Die Rotbachschlucht.
Fortsetzung: In Flühli schlafen. Am nächsten Tag in 6 Stunden via Salzbüel, Baumgarten, Finishütte auf die Farneren (1572 Meter) und über Heiligkreuz (schöne Wirtschaft) hinab nach Schüpfheim.
Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com







Natascha Knecht ist Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin.
Geboren und aufgewachsen im östlichen Berner Oberland – dem Mekka für Kletterer, Alpinisten und Outdoorsportler –
entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Berge bereits in ihrer Kindheit. Sie lebt seit über zehn Jahren in Zürich. Natascha Knecht betreut im Outdoor-Blog die Ressort
Thomas Widmer ist studierter Islamwissenschaftler und Arabist. Nach einem Intermezzo als IKRK-Kriegsdolmetscher wurde er Journalist. Widmer hat mehrere Bücher zum Thema Wandern verfasst. Im Outdoorblog lesen Sie Thomas Widmer im Ressort
Jürg Buschor sitzt seit 1986 im Mountainbikesattel. Er hat für das «Schweizer Bike Magazin» geschrieben und später die beiden Fahrrad-Titel «Move» und «Move News» mitverantwortet. Er ist heute Verleger der Zeitschrift
Pia Wertheimer ist Journalistin und Marathonläuferin. Letztes Jahr hat sie über ihre Vorbereitungen für den
Laurens van Rooijen (38) ist seit 1989 mit dem Velo im Gelände und seit 2000 als Velo-Journalist unterwegs – bis Ende 2004 als Redaktor der Zeitschrift MOVE, seither als freischaffender Journalist in Sachen Fahrrad für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Web-Formate. Er schreibt neu im Ressort
Martin Sturzenegger (29) ist weder Profisportler noch Experte einer bestimmten Outdooraktivität. Als sportliches Highlight ragt der Bronzemedaille-Gewinn in einem Sprintbewerb für Kinder heraus. Im Outdoorblog betreut er das Ressort 






















































































Interessante Variante, probier ich gleich mal aus. Vielen Dank!
Ui, da habt ihr aber mit dem Chessiloch einen echt sehenswerten Höhepunkt ausgelassen, wie man leicht rausfinden kann, wenn man im Internet danach sucht. Das kann ich sehr empfehlen.
Der zehnminütige Umweg zum Chessiloch lohnt sich auf alle Fälle. Sehr eindrücklich. Und wenn die Füsse dann tatsächlich schmerzen, empfiehlt sich nochmals ein kleiner Umweg, zur schönen und erfrischenden Kneippanlage im Schwandalpweiher in Flühli: http://www.fluehli-wasser.ch/
Ich weiss, NIS und Thomi! Dafür muss ich noch mal hin, was ja auch schön ist!
… danke Thomas Widmer für den super Tourenvorschlag; … hier mein Tip für eine empfehlenswerte (wenn auch längliche) Fortsetzung: von Flühli zurück nach Sörenberg und Übernachtung daselbst; am folgenden Tag in 8 Stunden via Salwidili, Ober-Imbärgli, Chlus hinauf zum Hengst (2092 m, höchster Punkt der Schrattenfluh), hinüber zum Schibegütsch (2037 m, Schrattenfluh-Südgipfel) und via Schneebärgli hinab nach Kemmeriboden-Bad zu den dortigen Riesenmeränggen (eine würdige Krönung des langen Wandertags!) …
Bin auf dem Kulturweg derzeit in Flühli. Danke für die Variante via Haglere, die sich anstelle des (langweiligeren) Emmenuferweg anbietet. Auch wenn’s ein paar Höhenmeter mehr sind…