Leben


Das Poblem

Simon Eppenberger am Donnerstag den 2. Juni 2011

Biker können sich stundenlang Gedanken über die richtige Federgabel, den besten Rahmen oder die korrekte Bekleidung machen – doch die Überlegungen zum richtigen Sattel schieben sie oft beiseite. Denn das Sitzpolster ist für viele mit Schmerzen verbunden. Und daran denkt man nicht gerne.

Nicht nur viele Alltagsvelofahrer, sondern unzählige Biker kämpfen auch nach Jahren mit Taubheitsgefühlen und gereizter Haut. Die Industrie versprach Lösungen und brachte Gelkissen oder geschlitzte Sättel auf den Markt. Durchschlagenden Erfolg hatte keine der Innovationen.

Das hat einen simplen Grund: Jeder Po ist anders. Untersuchungen haben ergeben, dass der Abstand zwischen den Sitzknochen bei Männern zwischen sechs und 16 und bei Frauen zwischen neun und 17 Zentimetern schwanken. Um ohne Sitzbeschwerden auf dem Bike Spass zu haben, ist also nicht unbedingt der neuste, leichteste oder schönste Sattel der richtige, sondern eben jener, der am besten zum Hintern passt. Denn die Sitzknochen sind – Nomen est omen – jene Berührungspunkte, die eine passende Auflage brauchen.

Bevor Sie nun ihren alten Sattel verfluchen und einen neuen kaufen, sind ein paar wichtige Punkte zu beachten. Vielleicht wird dadurch Ihr Sitz bereits bequemer:

  • Die richtige Sattelposition: Der Sattel sollte waagerecht oder leicht nach vorne geneigt sein. Zeigt die Sattelspitze bereits leicht nach oben, verstärkt das den Druck im Dammbereich unangenehm. Bei vollgefederten Bikes unbedingt auf die korrekte Sattelposition achten, wenn Sie die Federung durch das normale Draufsitzen eingefedert haben.
  • Die richtige Hose: Falls sie keine guten oder oder nur sehr alte Bikehosen besitzen, kann das mit ein Grund für Schmerzen sein. Leisten Sie sich ein passendes Teil aus dem Fachhandel. Es lohnt sich. Tipp: Trägerhosen halten die Polster viel besser an Ort und Stelle. Darüber lassen sich gut auch lockere Shorts und Shirts tragen.
  • Die richtige Behandlung: Wenn Nicht-Biker von Gesässcreme hören, rümpfen sie angeekelt die Nase. Doch wer nach einer langen Tour ohne Beschwerden vom Bike steigt, weiss sie zu schätzen – zumindest gegen Hautreizungen ein bewährtes Mittel.

Wenn alles nicht entscheidend weiterhilft, gibt es nur eines: Ein neuer Sattel muss her. Grundsätzlich gilt, dass er weder zu weich noch zu hart sein darf. Ein Sitzgestell, dass sich auf den ersten Druck hin superbequem anfühlt, zeigt auf einer Tour bald ein ganz anderes Gesicht. Der Po sinkt so tief ein, dass tiefer liegendes Gewebe gereizt wird.

Beim gezielten Kauf eines Sattels reicht der Fingertest jedoch nicht. Am Gang zum Fachhändler führt kein Trail vorbei. Denn die richtige Beratung kann Wunder wirken bei Problemen mit dem Po. Der Einsatzzweck schränkt die Auswahl bereits ein. Dann gibt es für Frauen und Männer unterschiedliche Sättel – und schliesslich kann man beim guten Fachmann Probesitzen.

Einige Händler bieten Messgeräte an, um die Sitzknochen einfach im Laden zu vermessen. Wer das selber machen will, setzt sich mit angewinkelten Beinen auf einen druckempfindlichen Karton, der auf einer harten Unterlage liegt. Kreisen sie die Abdrücke ein und markieren sie deren Mittelpunkt – der Abstand der beiden Punkte ergibt die Sitzhöckerbreite. Darüber hinaus gibt es Anbieter, die einen Drucktest machen und den Sattel individuell auf den Po des Kunden anpassen. Das kostet jedoch mehrere hundert Franken.

Wer trotz allen Massnahmen Sitzschmerzen hat, soll sich ein paar Ausfahrten lang gedulden. Denn der Po muss das Sitzen genauso trainieren wie die Beine das Treten. Und falls sie nicht mit dem ersten Sattel glücklich ans Ziel kommen, dann geben sie nicht gleich auf. Ein Bekannter fand kürzlich nach über 20 Jahren im Sattel endlich das für ihn passende Modell. Er grinste dabei fast so breit wie wenn er vom perfekten Ritt über den Trail schwärmte.

32 Kommentare zu „Das Poblem“

  1. gümmeler sagt:

    Das der Sattel ein PROBLEM sein kann ist mir bekannt, aber dass er gleichzeitig nun auch noch ein ein POBLEM sein soll, das weniger……

  2. Pit sagt:

    Ich habe noch einen schön breiten Ledersattel, so, wie man das so in der 1960er-Jahren hatte. Der ist weich gepolstert und gut gefedert. Darauf habe ich keine Probleme,im Gegensatz zu den heutigen Gelsätteln.

    • Jörg Müller sagt:

      Früher als Kind und Jugendlicher hatte ich auch immer diese alten breiten und hinten mit Spiralfedern gefederten Sättel. Ich konnte stundenlang damit ohne Probleme herumfahren.
      Dann habe ich mir sportlichere Räder mit “modernen” Sätteln gegönnt. Seitdem fingen die Probleme an.
      Im Supermarkt gibt es immer noch die einfachen breiten Sättel, aber irgendwas hält mich davon ab, es einfach mal damit zu probieren. Vieleicht, weil´s zu einfach und billig ist, sowie auf einem modernen Rad “unmöglich” aussieht?
      Diese schmalen Bananen sind eigentlich voll für´n Ar…! Stühle, Hocker und Sessel sind ja auch keine gepolsterten Stangen. Das sollte zu denken geben.

      • Michael Strässle sagt:

        Die richtige Form des Sattels hängt auch von der Sitzposition ab.
        Die Kindervelos von früher hatten ein relativ aufrechte Postition was
        ehre breiterer Sattel verlangt. Bei einer gestreckten sportliche Position
        ist schmalerer Sattel angesagt. Ich persönlich fahre mit einem Brooks
        Ledersattel. Der Passt sich schön an.

        • Hans-Peter sagt:

          Auch ich kann den traditionellen ‘Brooks’ empfehlen. Dar war schon vor Jahren der beste. Wenn er mal individuell ‘eingesessen’ ist, dann hat man seine Freude daran. Und er sieht auch noch edel aus. Dazu braucht er natürlich seine Pflege, aber das braucht ja das ganze Rad auch (Das Lederfett wurde mitgeliefert)
          Ich habe meinen Brooks online in UK bestellt und er war schneller bei mir zuhause als andere Versandhäuser auf dem Kontinent dies tun. Und der tiefe Euro ist ja im Moment auch ein Kaufgrund! Er wird ohne Sattelstütze geliefert (und ist ca. 400 gr schwer), jedoch findet man diese Stütze auch hier im Geschäft. Ich habe übrigens den B17 Titanum.

  3. Fränzi sagt:

    My Butt hurts. What?

  4. Peter sagt:

    Seit zwei Jahren fahre ich Liegevelo. Mein Körpergewicht ist über eine grosse Fläche verteilt. Da ich gar nicht mehr sitzen muss, hat sich das Poblem für mich von selbst erledigt.

    • Daniel H. sagt:

      Dann fahr doch mal mit Deinem beräderten Liege über einen Singeltrail………Oder anders gesagt: Das Thema dreht sich Fahrräder und nicht Fahrliegen ;-)

      • Fränzi sagt:

        Stimmt doch gar nicht, Daniel. Das Thema dreht sich um Ärsche, egal ob liegend oder sitzend.

      • Peter R. sagt:

        Würdest Du einen Rolls-Royce für ein WRC-Rally nehmen? Genau so unpassend ist der Einsatz von einem Liegevelo auf einem Singletrail, der Vergleich hinkt gewaltig. Ein Liegevelo ist genau so ein Fahrrad wie ein Mountainbike und ein ideales Asphalt-Reisevelo, dafür viel besser geeignet als ein MTB. Ich habe mein Fateba Liegevelo schon seit über 20 Jahren und halte es immer noch für die genialste Erfindung seit es Velos gibt. Liegevelos sind übrigens seit den 1910er Jahren für Rennen verboten, weil sie einfach schneller sind, vom Fahrkomfort einmal ganz abgesehen, da sind Welten dazwischen. Und das Thema sind Sättel, nicht Fahrräder. Einen besseren “Sattel” als ein Liegevelositz gibt es nicht. Stundenlang entspannt fahren ohne Schmerzen und Wundscheuern. Belächler von Liegevelos haben für mich den gleichen Stellenwert wie Belächler von heutigen Velos zur Zeit der Hochräder oder Laufmaschinen.

        • Björn sagt:

          Habe mein Fateba auch seit 23 Jahren und fahre praktisch täglich damit. Etwas bequemeres gibt es wirklich nicht und alltagstauglich ist es auch. Es muss ja nicht gleich Singletrail sein.

  5. Daniel H. sagt:

    Weil ich ja so ein Warmduscher bin, habe ich nach nach über 10 Jahren Velopause, gleich nach den ersten paar MTB-Touren einen breiteren Sattel montiert. Es wurde mir zwar prophezeit, dass ich ausgelacht würde, ist aber bisher nicht geschehen und wenn auch, so schmerzt mich allfälliges Gespött weniger als meinen Allerwertesten.

  6. Chris sagt:

    Gegen Sitzbeschwerden hilft nur eines. Viele werden es nicht gern hören. Mehr trainieren und etwas auf die Zähne beissen!

    • Fränzi sagt:

      Stimmt, Chris. Jeder Arsch gewöhnt sich an jeden Sattel. Es ist nur eine Frage der Zeit.

      • knüppi sagt:

        Stimmz nicht! habe auf dem neuen Velo bald gemerkt dass der Sattel viel zu hart ist. Jetzt 160 km. später ist er immer noch unbequem. Leiden löst nicht Probleme von selbst.

        • Peter sagt:

          So ein Quatsch! Wozu sollen Schmerzen und Gesundheitsprobleme gut sein, wenn es auch anders geht? Ein unbequemer Autositz würde jeder klar als Mangel bezeichnen, aber ein unbequemer Sattel ist OK?

          • Peter sagt:

            Wenn jemandem der Arsch wehtut ist das neuerdings ein “Gesundheitsproblem”? Dann muss es aber subito in die Grundversicherung aufgenommen werden – schmerzende Sättel müssen ausserdem mit “Dieser Sattel gefärdet Ihre Gesundheit” gekennzeichnet werden.

  7. Peter Spelt sagt:

    Früher habe ich auch immer gedacht, dass ein guter Velosattel hart sein muss. Sch… drauf! Nach unzähligen Malen auf dem Bauch schlafen müssen, Cremen und Harnröhrenentzündungen habe ich vor 15 Jahren meinen ersten Gel Sattel montiert und siehe da…. Taraaaaa! Tip-top, keine Schmerzen und auch nach einer Pause kann man sofort ohne Beschwerden losradeln. Der ideale Sattel sollte etwas breiter sein in der Mitte ausgenommen und vorne leicht nach unten geneigt werden, beim Sitztest einen Inbusschlüssel mitnehmen und einstellen bis es passt. Wenn der Damm scheuert, einfach den Sattel 1cm nach vorne schieben. Als Jugendlicher bin ich Rennvelo gefahren bis zum Elite Amateur, dann Unfall und fertig lustig. Aber ich habe seit ich 5 Jahre alt bin das Velo als Alltagsvehikel benutzt und war 4 Jahre in Afrika mit dem MTB. Jetzt fahre ich nur noch im Park mit dem Rennvelo ein paar Runden, mit Gelsattel.

  8. Bruno Bänninger sagt:

    Wer seinen Sitzknochenabstand genau misst und danach die entsprechende Breite seines Sattels wählt, hat die optimale Auflagefläche für seinen Po und fährt schmerzfrei. Damen sollten die Sattelnase leicht tiefer stellen. Qualitätssättel (z.B. SQLAB) werden in div. Breiten geliefert und sogar (für Damen) mit abgesenkter Sattelnase. Richtige Druckverteilung und Druckentlastung im Damm/Prostatabereich zusammen mit der korrekten Breite der Sitzfläche sind das Geheimnis für schmerzfreies Sitzen über Stunden.

  9. Urs sagt:

    Als Gümmeler und ehemaliger Rennfahrer fuhr ich in den vergangenen 40 Jahren schon etliches an Kilometern und kenne die verschiedensten Sättel und Rennhosen. Aus meiner Sicht tun es in der heutigen Zeit eine gute sitzende Rennhose mit Einlage und ein eher harter, nicht all zu breiter Sattel. Weiche Sättel verändern laufend die Position und führen zu weiteren Beschwerden (Beine, Rücken). Ich mache heute noch Ausfahren von 200km und komme immer ohne Schmerzen am Gesäss zurück – die Beine können, je nach Formstand – anders reagieren…:-)
    Bei den Damen kann ich weniger mitreden – hörte aber von ihnen dass ein gespaltener aber auch harter Damensattel gut sei.

  10. Adriano sagt:

    Für die meist minderwertigen, auf neuen Fahhrädern vormonitierten Sätteln hat man beim Kauf das Geld bereits zum Fenster raus geschmissen. Auf jeden Fall von einer Fachperson beraten lassen und eine dem Hintern entsprechende Velo-Sitzunterlage kaufen. Den alten Billig-Sattel schmeisse man sodann aus dem Fenster, so hat man wenigstens noch etwas zum Lachen, wenn sich der billige Hinternquäler in seine Einzelteile auflöst :-)

  11. jasso sagt:

    Sattel ? Ich habe sogar versucht, selbst einen neuen bequemen Sitz zu konstruieren. Fazit: zu aufwändig, aber auch zu wenig Beinfreiheit. Daneben gibt es noch die breiten weichen Sättel, die aber auch unbequem werden. Nach 1 Std radeln trennt sich meist die Spreu vom Weizen. Aber was ist nun der Weizen unter den vielen Modellen ? Da muss man lange suchen, und bei manchen Radlern frage ich mich, warum sie sich nicht gleich auf eine Eisenstange setzen (Stichwort Carbonsattel, bzw. Ultraschmal-Sattel). Optik und Geld herzeigen scheint manchem wichtiger als der Sitzkomfort. Ich habe für mich nun den idealen Sattel gefunden, und ihn mit einer Eigenkonstruktion ergänzt, die übrigens für jeden anderen Sattel auch passt. Zusammen macht das Radeln jetzt super Spass, ob 1 Stunde oder 2 oder 3…, kein Problem.

  12. Ernesto sagt:

    Der Sattel ist echt das mieseste Teil am Velo. Weil die UCI 1934 Liegeräder von den Wettbewerben ausgeschlossen hat, kamen diese nicht auf und wir müssen uns heute noch auf diesen unseligen Sitzen herumplagen.

  13. Gordon sagt:

    Fahre seit Jahren wieder ohne Sattel und fahre gut damit.

  14. Reiner Schmidt sagt:

    Ja, der Sattel war bei mir auch ein Problem. Nach fünf diversen Sättel fahre ich seit 2 Jahren einen Ledersattel von Brooks B17.
    Mit der richtigen Vorbereitung und Pflege haben die Sitzkochen ihren Platz gefunden. Dieser bleibt und wird von Tag zu Tag besser. Velohosen und Creme sind für mich bei längeren Tagestouren und Veloferien Pflicht. Lieber vorher als nachher Salben.
    Ihre Sattelpräsentation finde ich super. Vom Spiderflex REC möchte ich gerne mehr erfahren. Gibt es schon einen Vertrieb in Europa und hat es schon Fahrer in der Schweiz?

  15. Cornelis Bockemühl sagt:

    Wenn man mal in Holland Velo gefahren ist, auf dem erstbesten Mietvelo, dann kann man einfach nicht mehr verstehen auf was für komischen Plastikbananen man hier in der Schweiz herumfährt und sich abquält! Ich war seither auch mal beim Velohändler (hier), der mir auf die Frage nach einem holländischen Sattel nur einen ausrangierten, ca. 50 Jahre alten Ledersattel zeigte – und ansonsten halt eine etwas weichere Plastikbanane verkauft hat… Ja, ist besser als der vorige “Sattel”, aber dennoch: Wenn ich mal wieder in Holland bin, dann kaufe ich mir dort mit Sicherheit einen neuen Velosattel! Mir scheint das schlicht eine Frage der Mode zu sein, und die ist mir eh egal… ;-)

  16. Daniel Küttel sagt:

    Für mich steht in einer Zeile schon alles was jeder Wissen sollte: “Wer trotz allen Massnahmen Sitzschmerzen hat, soll sich ein paar Ausfahrten lang gedulden. Denn der Po muss das Sitzen genauso trainieren wie die Beine das Treten.”

    Genau so ist es. Im ersten Jahr hab ich mit meinem Sattel echt gelitten, aber jetzt habe ich keine Probleme mehr damit. Mein Allerwertesten hat den Sattel zurecht geritten, oder der Sattel mich, je nachdem wie man es sehen will.

    Auf jeden Fall ziehe ich nur Fahrradhosen an wenn ich weitere Distanzen über 2 Stunden hinter mich bringen muss. Ich fahre mittlerweile auch mit Jeans jeden Tag 1 Stunde rum bzw wenn ich weiss dass die Strecke viele Unebenheiten hat, dann freu ich mich über die gepolsterten Höschen *grins*

  17. Otto Liebschitz sagt:

    Mit dem Stuhl in der Beiz hatte ich noch nie solche Probleme. Leute, sattelt um.

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